Autor Thema: Oktober 2004: Dante Alighieri «Divina Commedia»  (Gelesen 28978 mal)

Offline sandhofer

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Italienisches Original
« Antwort #15 am: 5. Oktober 2004, 22:46 »
Hallo zusammen!

Ganz vergessen:

Das italienische Original ist selbstverständlich auch im Internet zu finden:
    Hier das
Inferno
hier das Purgatorio
und hier das Paradiso.[/list:u]Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Georg

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Dante Alighieri: Divina Commedia
« Antwort #16 am: 6. Oktober 2004, 02:33 »
Zitat von: sandhofer
Ich gebe zu, dass mich die historischen Namen und Zusammenhänge weniger interessieren ...


Also bei mir ist das der Hauptgrund warum ich die Göttliche Komödie lese: Die historischen Zusammenhänge. Was ist eigentlich eure Motivation die Göttliche Komödie zu lesen?

Bin jetzt mit dem fünften Gesang zu Ende und hab mich gerade an der Geschichte von Paolo und Francesca erfreut. Dante setzt da viel Vorwissen voraus und wen ich die Story nicht von Rachmaninows Oper her gekannt hätte ....? zumal es in meiner Ausgabe zwar eine 265-seitige Einführung gibt, aber so gut wie keine Anmerkungen.

Gruß

Georg

Offline Georg

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Re: Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate'
« Antwort #17 am: 6. Oktober 2004, 02:48 »
Zitat von: sandhofer
Was mich im zweiten Canto überrascht hat: Die Anrufung der Musen.


Im zweiten Teil (Läuterungsberg) kommt der Anruf der Musen schon im ersten Gesang.  Im ersten Teil kommt der Anruf wahrscheinlich erst im zweiten Gesang, weil der erste Gesang noch nicht zur Hölle gehört, sondern eine Art allgemeiner Einführung ist. Die Anzahl der Gesänge ist ja: 1 - 33 - 33 - 33.

Gruß

Georg

Offline nimue

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Re: Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate'
« Antwort #18 am: 6. Oktober 2004, 07:37 »
Hallo ihr Lieben,

ich habe gerade entdeckt, wie verschieden die Übersetzungen doch aufgefasst werden können. Als sandhofer nach Rahel fragte, habe ich die Stelle auf Anhieb in meiner Ausgabe nicht gefunden und schließlich bei Gutenberg gesucht. Dort heißt es:

Lucia, die sich ganz dem Mitleid weihte,
Bewegte sich zum Orte, wo ich war,
In Ruhe sitzend an der Rahel Seite.
Sie sprach: Beatrix, Gottes Preis fürwahr!
Hilfst du ihm nicht, ihm, der aus großer Liebe
Für dich entrann aus der gemeinen Schar,


In meiner Übersetzung dagegen:

Lucia, aller Schroffheit abgeneigt,
machte sich auf nach mir und fand mich so
beschaulich bei er greisen Rahel sitzen
und sprach: "Zu Gottes reinem Lob bestellte
Beatrice du, willst ndu nicht helfen ihm,
der dir zuliebe sich hervorgetan?


Dante baute Beatrice, seine Jugendliebe, die er verlor und später eher "durch die rosa Brille" sah, in seine Commedia ein. So wird sie zu einer himmlischen Führerin.

Wenn ich die beiden Übersetzungen so vergleiche, dann bin ich ehrlich gesagt froh, dass Vossler die Terzien nicht beibehalten hat!  :entsetzt:

Die Anrufung der Muse habe ich auf den Einfluß der Antike zurückgeführt, denn ich denke, obwohl Dante sehr christlich geprägt war, hatte die Antike und Homers Heldenepen doch starken Einfluß auf ihn.

Liebe Grüße
nimue

Offline Bluebell

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Re: Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate'
« Antwort #19 am: 6. Oktober 2004, 16:23 »
Grüß euch,

ich habe gerade den II. und III. Gesang gelesen.

Zitat von: Sandhofer
Interessiert es die Mitleser, darüber zu spekulieren, warum in diesem oder jenem Zusammenhang gerade diese oder jene Figur erwähnt wird (hier also z.B. Rahel)? Oder sollen wir grosszügig darüber hinwegsehen?

Zu den Namen, die Dante dem Leser quasi "hinschmeißt", meint mein Nachwort:

Der mittelalterliche Mensch war mehr vertraut mit der Welt der Bibel und mit den Fragen des Jenseits, auch mehr mit Theologie und Philosophie als der heutige Leser. Historische Gestalten aus der jüngsten Vergangenheit oder aus der europäischen Zeitgeschichte, vor allem aus der Geschichte von Florenz, waren für den Leser oder Hörer der Dantezeit lebendige Begriffe, während wir Heutigen uns solche Personen erst mühsam aus den Berichten jener Zeit ins Leben zurückrufen müssen. Nicht selten ist uns über eine Seele aus Dantes Dichtung nichts weiter überliefert, als was wir aus Dantes eigenen Versen erschließen können.

EDIT: Konkret zu Rahel gibt es auch eine (wenn auch recht dürftige) Anmerkung:

Im Paradies sitzt Beatrice neben Rahel, der Gestalt aus dem AT, die für Dante das Abbild der vita contemplativa, des betrachtenden Lebens ist (vg. L. XXXII 104ff.)

Da steh ich nun, ich armer Tor ...  :elch:

Ich hätte übrigens noch eine weitere Übersetzung der Rahel-Stelle anzubieten - mir kommt sie ein bisschen wie ein Mittelding zwischen euren beiden vor:

Lucia, allen Grausamkeiten feind,
Ging fort und kam zum Sitz, auf dem ich enge
Mit der antiken Rahel saß vereint.

Sprach: "Beatrice, Gottes Lobgepränge,
Hilf ihm, des Herz so sehr für dich geschlagen,
Daß er sich ausgezeichnet aus der Menge!


Und auch die berühmte Inschrift über dem Höllentor klingt in meiner Übersetzung etwas anders als bei nimue:

Durch mich gelangt man zu der Stadt der Schmerzen,
Durch mich zu wandellosen Bitternissen,
Durch mich erreicht man die verlorenen Herzen.

Gerechtigkeit hat mich dem Nichts entrissen;
Mich schuf die Kraft, die sich durch alles breitet,
Die erste Liebe und das höchste Wissen.

Vor mir ward nichts Geschaffenes bereitet,
Nur ewges Sein, so wie ich ewig bin:
Laßt jede Hoffnung, die ihr mich durchschreitet.


Zitat von: nimue
Wenn ich die beiden Übersetzungen so vergleiche, dann bin ich ehrlich gesagt froh, dass Vossler die Terzien nicht beibehalten hat!

Wirklich? Ich weiß nicht recht ... ich finde, dass durch Dantes Versschema ein gewisser Schwung in den Lesefluss gebracht wird. Im Original sicher noch besser, da dort auch noch jede Zeile genau elf Silben hat - aber sowas ist mit einer Übersetzung natürlich unmöglich.
Natürlich hast du höchstwahrscheinlich den Vorteil einer wörtlicheren Übersetzung.

Zitat von: Georg
Also bei mir ist das der Hauptgrund warum ich die Göttliche Komödie lese: Die historischen Zusammenhänge. Was ist eigentlich eure Motivation die Göttliche Komödie zu lesen?

Also der Hauptgrund sind die historischen Zusammenhänge bei mir nicht, auch wenn sie mich bis zu einem gewissen Grad interessieren.
Wenn man sich mit Literatur beschäftigt, stolpert man einfach immer wieder über Dante und seine Divina Commedia - und irgendwann wollte ich den Stolperstein dann aus dem Weg räumen  :breitgrins:, sprich die Neugier war so groß, dass ich mir vorgenommen habe, sie selbst zu lesen!  :zwinker:
Ob ich mich allein drüber getraut hätte, weiß ich aber nicht. Danke ans Klassikerforum!  :bussi:

Bis bald,
Bluebell
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Offline Bluebell

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Re: Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate'
« Antwort #20 am: 6. Oktober 2004, 22:34 »
So, ich bin schon wieder zwei Gesänge weiter.

IV. Gesang

Ein Donnerschlag weckt Dante aus der Betäubung. Er befindet sich im ersten Höllenkreis, dem sogenannten Limbus, in dem sich die tugendhaften Ungetauften aufhalten: sie sind nicht verdammt, können aber auch nicht erlöst werden. Unter ihnen trifft Dante die berühmtesten heidnischen Dichter, Gelehrten und Helden.

V. Gesang

Beim Eintritt in den zweiten Höllenkreis treffen Vergil und Dante auf den Höllenrichter Minos, der jedem Sünder den Ort der Strafe zuweist. Im zweiten Kreis derden die Sünder der Fleischeslust von einem Wirbelwind rastlos durch die Lüfte getrieben. Dante unterhält sich mit Francesca da Rimini über ihre unselige Liebe zu Paolo Malatesta und bricht aus Mitleid ohnmächtig zusammen.


Nähere Gedankengänge dazu morgen. Gute Nacht!
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Offline Georg

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Re: Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate'
« Antwort #21 am: 6. Oktober 2004, 23:57 »
Zitat von: Bluebell

Zitat von: Georg
Also bei mir ist das der Hauptgrund warum ich die Göttliche Komödie lese: Die historischen Zusammenhänge. Was ist eigentlich eure Motivation die Göttliche Komödie zu lesen?

Also der Hauptgrund sind die historischen Zusammenhänge bei mir nicht, auch wenn sie mich bis zu einem gewissen Grad interessieren.
Wenn man sich mit Literatur beschäftigt, stolpert man einfach immer wieder über Dante und seine Divina Commedia - und irgendwann wollte ich den Stolperstein dann aus dem Weg räumen  


Dass Motive aus der "Commedia" häufig in der Malerei auftauchen z.B. bei zwei meiner Lieblingsmaler Sandro Botticelli oder Eugène Delacroix und ab und  zu auch in der Musik weiß ich, aber in der Literatur kenne ich nur Chaucer, Balzac und Joyce. Sicher habe ich mich noch nicht so viel mit Literatur beschäftigt wie du, wenn du immer wieder darüber stolperst. Aber das Thema interessiert mich und vielleicht kannst du mir ja ein paar dieser Stolpersteine nennen?

Gruß

Georg

Offline sandhofer

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Inferno - Gesang 4
« Antwort #22 am: 7. Oktober 2004, 07:05 »
Hallo zusammen!

Gestern abend habe ich Dante noch in den Limbo begleitet. Dafür, dass er dort die grössten aus der Welt der Heiden antrifft, erzählt Dante eigentlich sehr wenig. Selbst von seinem Gespräch mit den 4 ganz Grossen erfahren wir - nichts!

Im übrigen drückt auch bei der Personenauswahl das Mittelalter doch sehr stark durch: Der grösste und wichtigste Philosoph ist Aristoteles, selbst Sokrates und Platon stehen nur ehrfürchtig in seiner Nähe. Homer mit dem Schwert - auch da zeigt sich, dass Dante den alten Griechen nicht persönlich gelesen hat, sondern ihn nur kannte durch die Vermittlung der alten Lateiner. Lukan als einer der grossen 4: Wer liest ihn heute noch?

Und auch Rahel wird wieder genannt - als eine von denen, die von Christus auf seiner Fahrt durch die Hölle ins Paradies mitgenommen werden. Ich habe daraufhin das Nikodemus-Evangelium nochmals durchgelesen: Dort ist, jedenfalls in meiner Übersetzung, nur von Männern die Rede, die Christus mitgenommen haben soll. Ist Rahel Dantes eigene Zutat? Woher kommt das, und warum ausgerechnet Rahel und nicht z.B. Sara?

Fragen über Fragen ...

Grüsse

Sandhofer
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Offline nimue

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Re: Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate'
« Antwort #23 am: 7. Oktober 2004, 08:24 »
Hallöchen,

heute morgen im Zug habe ich direkt Gesänge 4 und 5 gelesen - nur leider ist hier gleich volles Haus und ich muss arbeiten  :sauer:

Doch ein paar Dinge möchte ich noch kurz ansprechen:

Zitat von: Bluebell
Wirklich? Ich weiß nicht recht ... ich finde, dass durch Dantes Versschema ein gewisser Schwung in den Lesefluss gebracht wird. Im Original sicher noch besser, da dort auch noch jede Zeile genau elf Silben hat - aber sowas ist mit einer Übersetzung natürlich unmöglich.
Natürlich hast du höchstwahrscheinlich den Vorteil einer wörtlicheren Übersetzung.


Wenn ich mir Deine Übersetzung durchlese: Ja, mit der könnte ich auch gut leben. Aber das, was die bei Projekt Gutenberg so haben! Haaresträubend - ich blicke da nur nach mehrmaligen Durchlesen was. Als Beispiel nochmal die Inschrift zum Höllentor:

Durch mich geht’s ein zur Stadt der Qualerkornen,
Durch mich geht’s ein zum ew’gen Weheschlund,
Durch mich geht’s ein zum Volke der Verlornen.
Das Recht war meines hohen Schöpfers Grund;
Die Allmacht wollt’ in mir sich offenbaren;
Allweisheit ward und erste Liebe kund.
Die schon vor mir erschaffnen Dinge waren
Nur ewige; und ewig daur’ auch ich.
Laßt, die ihr eingeht jede Hoffnung fahren.


Vielleicht bin ich einfach etwas unintelligenter, aber: Ich kapiere das wirklich langsamer als meine Übersetzung.

Zitat von: Georg
Also bei mir ist das der Hauptgrund warum ich die Göttliche Komödie lese: Die historischen Zusammenhänge. Was ist eigentlich eure Motivation die Göttliche Komödie zu lesen?


Natürlich sind die historischen Zusammenhänge sehr interessant, aber ich war im letzten Jahr in Florenz und dort ist Dante irgendwie immer noch gegenwärtig. Dem möchte ich einfach etwas nachspüren. Außerdem bin ich überaus fasziniert von der Geschichte selbst. Gänsehautfaktor Nummer 1! Aber wie Bluebell auch schon schrieb: Ohne gemeinsame Leserunde hier, wäre ich das Buch wohl nicht angegangen.

Nun zur Sache:

Im 4. Gesang wird der weise König von Kreta, Minos, als Ungeheuer dargestellt. Auch in der griechischen Mythologie wurde Minos mit seinem Bruder Rhadamanthys und mit Aiakos Richter in der Unterwelt. Nach dem mythologischen König Minos wurde sogar die früheste Hochkultur Europas benannt: Die Minoische Kultur.

Im 4 Gesang tritt ja alles auf, was Rang und Namen hat!

Zitat von: sandhofer
Gestern abend habe ich Dante noch in den Limbo begleitet. Dafür, dass er dort die grössten aus der Welt der Heiden antrifft, erzählt Dante eigentlich sehr wenig. Selbst von seinem Gespräch mit den 4 ganz Grossen erfahren wir - nichts!


Dafür ist sein Gespräch mit Francesca umso umfangreicher ;-)

Leider kann ich jetzt nicht mehr dazu schreiben. Ich hoffe, dass ich heute Abend nochmal dazu komme!

Liebe Grüße
nimue

Offline Georg

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Dante Alighieri: Divina Commedia
« Antwort #24 am: 8. Oktober 2004, 13:24 »
Hallo

danke bluebell und nimue, für eure Antworten auf meine Motivationsfrage. Dass man nach einem Besuch von Florenz motiviert ist, Dante zu lesen kann ich sehr gut verstehen, so ging es mir mit Thomas Mann und Lübeck und H. Hesse und Calw.

Vielleicht fällt ja sandhofer auch noch seine Motivation ein?

Was mich etwas überrascht, dass ihr das Buch als überraschend leicht bezeichnet? Mir persönlich kommt es sehr schwer zu lesen vor und ich muss auch laufend Namen usw. im Lexikon oder Internet nachsehen. Hab ich da euren ironischen Unterton überhört, oder habt ihr einfach bessere Kommentare? oder seit ihr ansonsten an noch schwererer Lektüre erprobt, wie "Zettels Traum" von Arno Schmidt oder so, dann kann natürlich sein, das Dante einfach erscheint    :breitgrins:

Offline Bluebell

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Dante Alighieri: Divina Commedia
« Antwort #25 am: 8. Oktober 2004, 14:56 »
Hi ihr Lieben,

ich habe gerade so einen langen Text geschrieben und dann das Fenster versehentlich geschlossen, bevor ich ihn abgeschickt hatte.  :grmpf:
Tja, was man nicht im Kopf hat, muss man eben in den Fingern haben ... oder so ähnlich ...   :breitgrins:  Also auf ein Neues.

@Georg: Wenn du es so aufgefasst hast, dass ich eine Expertin auf dem Gebiet "Motive der Göttlichen Komödie in der Literatur" bin, muss ich mich entschuldigen.  :elch: Um solche Motive zu entdecken, muss man die Komödie wohl schon kennen, und ich lese sie doch gerade zum ersten Mal.
Vielleicht hätte ich statt "wenn man sich mit Literatur beschäftigt" besser schreiben sollen "wenn man sich für Literatur interessiert und einen guten Deutschlehrer hatte". Dieser Deutschlehrer war nämlich ein Dante-Fan und hat uns öfters darauf hingewiesen, dass man dieses und jenes besser verstehen oder einordnen kann, wenn man die Commedia kennt. Hm, jetzt will ich es auch wieder ganz genau wissen ... ich werde schauen, ob ich die entsprechenden Querverweise in meinen alten Notizen noch finde.
Dann fällt mir zum Beispiel der Titel "Der erste Kreis der Hölle" (Alexander Solschenizyn) ein. Und ein weiterer Grund, warum ich so neugierig bin, ist mein Bruder: er ist momentan total auf dem Geheimbund- und Weltverschwörungstrip und liest alles, was er über die Illuminaten in die Finger bekommt - zum Beispiel auch, welche Gelehrten sie sich als Vorbilder erkoren haben und welche auf der Liste der Todfeinde standen. In diesem Zusammenhang fiel auch der Name "Dante" - ich nehme stark an, er fällt in die zweite Kategorie, aber auch das werde ich eruieren.  :zwinker:

Zitat von: nimue
Natürlich sind die historischen Zusammenhänge sehr interessant, aber ich war im letzten Jahr in Florenz und dort ist Dante irgendwie immer noch gegenwärtig. Dem möchte ich einfach etwas nachspüren.

... und ich fahre (ganz was Neues  :breitgrins:) Ende November für ein paar Tage nach Florenz!

Zitat von: Georg
Was mich etwas überrascht, dass ihr das Buch als überraschend leicht bezeichnet? Mir persönlich kommt es sehr schwer zu lesen vor und ich muss auch laufend Namen usw. im Lexikon oder Internet nachsehen.


Mit lesbar (nicht leicht) meinte ich die Sprache. Immerhin ist der Text ja vor rund 700 Jahren entstanden, und auch wenn die Übersetzung aus neuerer Zeit stammt, hatte ich bezüglich des Sprachverständnisses Schwierigeres befürchtet.
Wenn du soviele Namen nachschlägst, erhöht sich der Aufwand natürlich beträchtlich. Aber ich persönlich bin in den meisten Fällen mit dem zufrieden, was mein Kommentar hergibt. Das sind in der Regel zwischen ein und fünf Sätze pro Person, manchmal sogar weniger (z.B. werden Elektra & Co. schlicht zusammengefasst als Gestalten aus der griechischen und trojanischen Sage). Bei manchen Figuren recherchiere ich vielleicht genauer nach, aber bei allen wäre mir das fürs erste Lesen ehrlich gesagt zu ausufernd.

@Sandhofer: Der IV. Gesang hat bei mir ebenfalls einen eher schwachen Eindruck hinterlassen und ich weiß auch gar nicht so recht, was ich dazu schreiben soll.
Über die Bedeutung, die Dante den einzelnen Personen beimisst, habe ich mich allerdings auch gewundert - und dazu gleich eine Frage: hat es diese Aufstellung der "großen vier" schon vor der Divina Commedia gegeben?
Was Dante für einen Narren an Rahel gefressen hat, ist mir auch ein Rätsel. Aber wenn wir davon ausgehen, dass sie nicht zu diesen Figuren gehört, denen im Mittelalter einfach mehr Bedeutung beigemessen wurde, muss er sich doch etwas dabei gedacht haben, dass er sie so hervorhebt und im gleichen Atemzug mit der Muttergottes und seiner verklärten Beatrice nennt. :?:

Der V. Gesang gibt meiner Meinung nach wieder allerhand Gesprächsstoff her ... wie weit seid ihr?

@nimue: Also, diese Übersetzung würde mich auch krankmachen!  :entsetzt:
Das hat wohl kaum was mit "unintelligent" zu tun - sowas sickert vermutlich bei jedem, der im 20. Jh. geboren und an unsere moderne Sprache gewöhnt ist, um einiges langsamer durch.

Bis bald,
Bluebell
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Offline sandhofer

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Dante
« Antwort #26 am: 8. Oktober 2004, 20:31 »
Hallo zusammen!

Ich bin noch nicht weitergekommen, werde auch heute wohl nicht mehr weiterkommen ...

Zitat von: Bluebell
[...]mein Bruder [...] liest alles, was er über die Illuminaten in die Finger bekommt - zum Beispiel auch, welche Gelehrten sie sich als Vorbilder erkoren haben und welche auf der Liste der Todfeinde standen. In diesem Zusammenhang fiel auch der Name "Dante" - ich nehme stark an, er fällt in die zweite Kategorie, aber auch das werde ich eruieren.  :zwinker:

Auf Anhieb und aus dem Bauch würde ich auf die erste Kategorie tippen. Die Illuminaten waren ja nicht einfach Verbrecher / Hochstapler; es gab da auch Ehrliche und ehrlich um die Besserung der Menschheit Bemühte darunter, z. B. Knigge. Ihre Vorbilder waren die grossen Aufklärer und deren Vorläufer, zu denen Dante durchaus gezählt werden kann.

Zitat von: Bluebell
hat es diese Aufstellung der "großen vier" schon vor der Divina Commedia gegeben?

Meines Wissens geht hier Dante auf die zeitgenössische Einschätzung dieser Figuren zurück.

Zitat von: Bluebell
Was Dante für einen Narren an Rahel gefressen hat, ist mir auch ein Rätsel. Aber wenn wir davon ausgehen, dass sie nicht zu diesen Figuren gehört, denen im Mittelalter einfach mehr Bedeutung beigemessen wurde, muss er sich doch etwas dabei gedacht haben, dass er sie so hervorhebt und im gleichen Atemzug mit der Muttergottes und seiner verklärten Beatrice nennt. :?:

Eben. Genau das irritiert mich auch ...

Grüsse

Sandhofer
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Offline Bluebell

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Re: Dante
« Antwort #27 am: 9. Oktober 2004, 13:58 »
Zitat von: sandhofer
Die Illuminaten waren ja nicht einfach Verbrecher / Hochstapler; es gab da auch Ehrliche und ehrlich um die Besserung der Menschheit Bemühte darunter, z. B. Knigge. Ihre Vorbilder waren die grossen Aufklärer und deren Vorläufer


Ja, das sind eigentlich genau die Gründe, warum ich sie eher als Dante-Gegner eingeschätzt hätte. Denn mit ihrer Philosophie für den Fortschritt, die Aufklärung der Menschheit und die Wissenschaft mussten sie natürlich vehement gegen die Kirche eingestellt sein, und da kommt mir der Verfasser der Göttlichen Komödie auf der Liste ihrer Vorbilder etwas spanisch vor ... aber das ist nur meine spontane Einschätzung, und ich bin auf diesem Gebiet alles andere als sattelfest.

Zitat von: Sandhofer
zu denen Dante durchaus gezählt werden kann.


Hm ... ich weiß zwar, dass er als "Einläuter" der Renaissance gehandelt wird, aber mir persönlich kommt er doch noch sehr, sehr mittelalterlich vor - soweit ich das nach den wenigen Kapiteln, die ich bisher gelesen habe, bereits sagen kann. Vielleicht ändert sich mein Eindruck später noch, oder ich habe das Aufklärerische in den ersten Gesängen nicht richtig durchschaut!?

Liebe Grüße,
Bluebell

PS: Ich habe dir drüben im anderen Forum bei der Austen-Leserunde noch eine Frage zu ihren anderen Romanen gestellt, aber anscheinend lurkst du nicht mehr.  :zwinker: Wärst du trotzdem so lieb, sie mir zu beantworten?
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Offline sandhofer

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Re: Dante
« Antwort #28 am: 9. Oktober 2004, 15:10 »
Hallo zusammen!

Zitat von: Bluebell
Hm ... ich weiß zwar, dass er als "Einläuter" der Renaissance gehandelt wird, aber mir persönlich kommt er doch noch sehr, sehr mittelalterlich vor - soweit ich das nach den wenigen Kapiteln, die ich bisher gelesen habe, bereits sagen kann. Vielleicht ändert sich mein Eindruck später noch, oder ich habe das Aufklärerische in den ersten Gesängen nicht richtig durchschaut!?

Mittelalterlich. Das ist er - auch. Einläuter der Renaissance. Das ist er - auch. Zum Beispiel in der simplen Tatsache, dass er nicht mehr auf Latein, sondern in der Sprache des Volkes geschrieben hat. Dass er die biblischen Gestalten zu einer 'commedia' vereinigt hat.

Grüsse

Sandhofer
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Offline Bluebell

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Re: Dante
« Antwort #29 am: 9. Oktober 2004, 16:00 »
[theatralik] Also eigentlich eine personifizierte Schweißnaht zweier Epochen. [/theatralik]

Er fasziniert mich immer mehr.
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