Autor Thema: Adalbert Stifter  (Gelesen 19944 mal)

Offline Zola

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Adalbert Stifter
« am: 21. Oktober 2004, 12:11 »
Hallo Leute,

ich überlege mir gerade etwas von Adalbert Stifter zu lesen.
Kann mir jemand etwas spezielles für den Einstieg empfehlen ?
Eher eine Erzählungsammlung (z.B.  "Bunte Steine" oder "Studien") oder doch ein Roman ?

Hauptsächlich wird Stifter eher als Klassiker beschrieben, der "Nachsommer" z.B. als Bildungsroman mit Goethes Wilhelm Meister verglichen. Andererseits habe ich schon gehört, dass man Stifter auch als Realisten bezeichnet.
Wie würdet Ihr ihn einstufen ?
Für wie bedeutsam (im Vergleich mit anderen deutschsprachigen Autoren) haltet Ihr ihn ?

Danke für die Tipps,
Zola

Offline sandhofer

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Re: Adalbert Stifter
« Antwort #1 am: 21. Oktober 2004, 12:46 »
Hallo zusammen!
Hallo Zola!

Zitat von: Zola
ich überlege mir gerade etwas von Adalbert Stifter zu lesen.
Kann mir jemand etwas spezielles für den Einstieg empfehlen ?
Eher eine Erzählungsammlung (z.B.  "Bunte Steine" oder "Studien") oder doch ein Roman ?

So oder so: Der Stifter-Leser benötigt einen langen Atem und es sollte ihm nichts ausmachen, dass 'Action' ein Stifter unbekanntes Wort ist. Persönlich liebe ich seinen Nachsommer sehr und lese ihn alle 2-5 Jahre wieder. Epochenmässig ist Stifter natürlich Realist; als vorbildlicher Autor seiner Zeit kann man ihn halt auch als Klassiker bezeichnen. Wie bedeutsam? Einer der ganz grossen deutschsprachigen Realisten. Gehört in die Riege der Keller oder Gotthelf. Bitte nicht mit Fontane vergleichen - die beiden spielen nicht dasselbe Spiel ...

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Zola

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Adalbert Stifter
« Antwort #2 am: 21. Oktober 2004, 15:12 »
Hallo Sandhofer,

vielen Dank für Deine Antwort.
In meinem obigen Beitrag habe ich einen Fehler gemacht, ich meinte "Klassik" und nicht "Klassiker".
Dass der Nachsommer etwas handlungsarm ist, habe ich schon gehört. Er ist dann in der Hinsicht wohl mit dem "Grünen Heinrich" vergleichbar, denke ich (an den habe ich mich auch noch nicht getraut) ?

Offline sandhofer

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Stifter
« Antwort #3 am: 21. Oktober 2004, 18:00 »
Hallo zusammen!
Hallo Zola!

Zitat von: Zola
Dass der Nachsommer etwas handlungsarm ist, habe ich schon gehört. Er ist dann in der Hinsicht wohl mit dem "Grünen Heinrich" vergleichbar, denke ich (an den habe ich mich auch noch nicht getraut) ?

Meiner persönlichen Meinung nach ist Der grüne Heinrich (v.a. in der ersten Fassung, aber auch noch in der zweiten) verglichen mit dem Nachsommer nachgerade mit 'Action' vollgepackt. Nein, es fällt mir wirklich kein anderer Roman (und schon gar nicht von dieser Länge!) ein, in dem so 'wenig' passiert wie im Nachsommer ... Am ehesten noch die Rahmenerzählung im Sinngedicht, aber die ist ja auch 'nur' eine Rahmenerzählung.

Grüsse

Sandhofer
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Offline Zola

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Adalbert Stifter
« Antwort #4 am: 22. Oktober 2004, 14:02 »
Hallo Sandhofer,

nochmals danke für die Antwort ;-)
Der Nachsommer wird dann als Anfang nichts für mich sein, es ist besser, wenn ich den Stil zuerst mit Erzählungen kennenlerne.
bekannt sind ja  "Bunte Steine" und die "Studien". Falls Du diese ebenfalls kennen solltest, was würdest Du mir für den Einstieg empfehlen ?

Viele Grüße,
Zola

Offline sandhofer

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Empfehlungen
« Antwort #5 am: 22. Oktober 2004, 16:15 »
Hallo zusammen!
Hallo Zola!

Ich gebe äusserst ungern und eigentlich nur aus Versehen Empfehlungen. Literatur wirkt so ungeheuer verschieden auf jeden ...

Ich persönlich z.B. liebe bei Stifter eigentlich wirklich nur dessen Nachsommer. Schon den Witiko habe ich erst im dritten Anlauf geschafft, aber vielleicht lese ich ihn wirklich mal wieder. Von seinen Novellen gefielen mir am besten Brigitta und Die Narrenburg; da ist es allerdings Jahre her, dass ich die zuletzt gelesen habe ...

Grüsse

Sandhofer
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Offline Mecki

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Adalbert Stifter
« Antwort #6 am: 23. Oktober 2004, 01:07 »
Hallo,

hier kann ich mir den Hinweis auf Arno Schmidt und sein "Der sanfte Unmensch. Einhundert Jahre Nachsommer" nicht verkneifen. Die Lektüre des "Nachsommers" war für mich eine einzige Qual, ein paar Erzählungen kann man ja noch am Kopf haben, aber "Witiko" habe ich mir erst gar nicht angeschafft. Daß er ein so großartiger Stilist sein soll, halte ich ja auch für ein Gerücht. Siehe dazu Old Arno.

Mecki

Offline sandhofer

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Stifter, Nietzsche und Schmidt
« Antwort #7 am: 23. Oktober 2004, 17:07 »
Hallo zusammen!

Stifter ist kein Autor für jedermann bzw. -frau. Das ist kein Werturteil, sondern eine Tatsache.

Was Arno Schmdt betrifft, so halte ich nach wie vor an meiner Meinung fest, dass man dort hellhörig werden sollte, wo er Kritik übt. Denn die übt er nur an den besten. Sein Lob verteilt er meist an zweit- und drittklassige Autoren. Ob das echte Überzeugung war, oder nur sein permanent tätiger Widerspruchs- und Provokationsgeist, wage ich nicht zu entscheiden.

Was Stifters Stil betrifft, so hat immerhin einer der grössten Stilisten der deutschen Sprache den Nachsommer zu seinen Lieblingsbüchern gezählt: Nietzsche.

Grüsse

Sandhofer
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Offline Zola

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Adalbert Stifter
« Antwort #8 am: 23. Oktober 2004, 18:57 »
Hallo,

nochmals danke für die Antworten.
Ich habe gerade zufällig gelesen, dass heute Stifters 199. Geburtstag ist. Herzlichen Glückwunsch :-)

Ich suche mir mal ein paar Erzählungen raus, wenn ich sie gelesen habe, kann ich ja ein paar Zeilen in diesem Thread dazu schreiben.

Viele Grüße,
Zola

Offline Gitta

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Adalbert Stifter
« Antwort #9 am: 24. Oktober 2004, 13:30 »
Zitat von: Mecki
 Die Lektüre des "Nachsommers" war für mich eine einzige Qual,

Ja, so ist das! Was dem Einen sin Uhl...Bei meinen Vorliebe für "Längen" habe ich mich inzwischen geoutet  :breitgrins: , deshalb ist "Der Nachsommer" auch eines meiner liebsten Bücher. Dieses Bild mit der Rosenwand am Haus fällt mir bei der Titelnennung immer ein. "Der Hochwald" war eine Schullektüre u. ich erinnere mich noch, wie uns unser Deutschlehrer vor der Langatmigkeit dieser Novelle "gewarnt" hat (eigentlich hätte er ja dann was anderes aussuchen können, war aber wohl Vorschrift damals). Die Warnung war bei mir nicht nötig. "Brigitta" lasen wir dann später auch noch, habe aber so gut wie keine Erinnerung mehr daran!!

Gruß,
Gitta
the show must go on. Queen

Offline Lucien

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Adalbert Stifter
« Antwort #10 am: 28. Oktober 2004, 16:31 »
hallo Zola,

"Brigitta" ist eine nicht allzulange Erzählung, die man gut an einem Nachmittag bewältigen kann. Es ist eine meines Erachtens recht anrührige Liebesgeschichte, und durchaus zu empfehlen...
Der Erzählstil Stifters ist schon gewöhnungsbedürftig: t.T. recht lange Satzungetüme, aber alles sehr blumig und mit Farbe...

Den "Nachsommer" möchte ich auch bald mal in Angriff nehmen, aber die "Handlungsarmut" schreckt mich noch ein wenig ab...

LG,
Lucien

Offline Zola

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Adalbert Stifter
« Antwort #11 am: 28. Oktober 2004, 16:40 »
Hallo Lucien,

vielen Dank für Deine Antwort.
Ich habe mir jetzt mal die "Studien" (die ja auch "Brigitta" enthalten) bestellt.
Einige Erzählungsanfänge habe ich schon auf http://gutenberg.spiegel.de gelesen, der Stil liegt mir eigentlich schon, denke ich.

Und Erzählungen haben den Vorteil, dass man sich immer bis zum Ende durchkämpfen kann, auch wenn es zu langweilig ist. Bei Romanen mit 800 Seiten ist das schon eine andere Dimension ;-)

Viele Grüße,
Zola

Offline Steffi

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Adalbert Stifter
« Antwort #12 am: 29. Oktober 2004, 09:44 »
Hallo Zola,

ich habe mir jetzt schon tagelang das Hirn zermartert, was ich von Stifter schon gelesen habe - gestern abend ist es mir eingefallen "Der Bergkristall". Die Erzählung wurde nämlich soeben verfilmt  :zwinker:

Lucien schrieb:
Zitat
aber alles sehr blumig und mit Farbe...

 Ja, so habe ich es auch in Erinnerung  :breitgrins:  Ich habe auch noch einen Band Erzählungen herumstehen, vielleicht schaue ich am Wochenende mal rein  :zwinker:

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Friedrich-Arthur

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Adalbert Stifter
« Antwort #13 am: 6. Dezember 2004, 17:34 »
Auch hier ein kleiner Link zum Literaturcafé (und von dort zurück)...

http://www.literaturcafe.de/cgi-bin/ultimatebb.cgi?/ubb/get_topic/f/5/t/001685.html

FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline Nightfever

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Adalbert Stifter
« Antwort #14 am: 6. Dezember 2004, 18:24 »
Zu Stifter gibt es folgende Anekdote von unserem Deutschlehrer:

Einer seiner Freunde klagte über Schlafstörungen und vor allem große Einschlafschwierigkeiten. Daraufhin empfahl Herr D. ihm, er solle sich von seiner Freundin den "Nachsommer" vorlesen lassen, al Gute-Nacht-Lesung.

Gesagt, getan.

Das Ergebnis war, dass der Freund unseres Lehrers bei den Lesungen tatsächlich einschlief, seine Schwierigkeiten loswurde - und seine Freundin entwickelte sich darüber zur Stifter-Begeisterung.


Wir haben von ihm einen Auszug aus "Bunte Steine" und die Novelle "Der beschriebene Tännling" gelesen. Ich mag seinen Stil nicht; Landschaftsbeschreibungen finde ich totlangweilig (deshalb fand ich auch Goethes "Wahlverwandtschaften" so öde).

Aber wenn du dich an Stifter heranwagen möchtest, kann ich den Tännling durchaus empfehlen. Schlecht ist er nicht, nur nicht mein Fall.

LG
Nightfever
Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit.

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