Hallo JMaria,
die Diskussionsrunde, die ihr hattet, werde ich mir noch durchlesen. Danke für den Hinweis!
Über Jean Paul
Wenn man mir die Examensfrage stellen würde, in welchem Buche der neueren Zeit sich Deutschlands Seele am stärksten und charaktervollsten ausdrücke, so würde ich ohne Besinnen Jean Pauls "Flegeljahre" nennen. In Jean Paul hat jenes geheimnisvolle Deutschland, das noch immer lebt, obwohl seit manchen Jahrzehnten ein anderes, lauteres, hurtigeres, seelenloses Deutschland ihm im Lichte stand, seinen eigensten, reichsten und verworrensten Geist geboren, eine der größten Dichterbegabungen aller Zeiten, dessen Werke einen wahren Urwald der Poesie darstellen...
Quelle: Hermann Hesse, Eine Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen, st 252
Hesses Aussage über den "wahren Urwald der Poesie" kann ich sehr gut nachvollziehen und stimme ihr zu. Die Testamentsverlesung in "Flegeljahre" ist wirklich von einem Humor, der mit ironisch, eigenwillig, verschroben, phantasiereich, verschmitzt und psychologisch hintergründig noch nicht ausreichend bezeichnet und charakterisiert ist. Und immer wieder diese Wortgewalt, die mich beim lesen staunen und vor Vergnügen taumeln lässt. Wie kann man nur solche Sätze aneinanderzaubern, frage ich mich oft. Aber ich lege die "Felgeljahre" vorerst beiseite, erst lese ich den "Siebenkäs" weiter und aus...
Und Hesse, obwohl über "Siebenkäs" schwärmend, nannte den "Titan" und die "Flegeljahre" die größten Werke Jean Pauls...