Autor Thema: Jean Paul (Richter)  (Gelesen 11859 mal)

Offline Friedrich-Arthur

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Jean Paul (Richter)
« am: 6. Dezember 2004, 17:57 »
Was haltet ihr "Klassiker" von Jean Paul? Welches sind euch die liebsten Bücher und warum? Für wie aktuell haltet ihr diesen Klassiker?

Ich will die Diskussion im Literaturcafé nicht verheimlichen:
 http://www.literaturcafe.de/board/ultimatebb.php?/ubb/get_topic/f/5/t/001415/p/2.html

Ich freue mich schon jetzt auf eure Antworten!

Grüße, FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline sandhofer

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Jean Paul
« Antwort #1 am: 6. Dezember 2004, 18:52 »
Hallo zusammen!
Hallo Friedrich-Arthur!

Wir "Klassiker"  :smile: ... Hm ... Wir (ich jedenfalls) sind ja keine "Klassiker" in dem Sinne, dass wir uns mit Goethe-Schiller-Kant gegen Herder-Richter stellen würden. Als Ästhetiker ist Jean Paul dem Goethe und dem Kant sicher überlegen, dem Schiller gleich zu stellen. Eine würdige Ergänzung. Fichte hat in ihm seinen Meister gefunden, auch wenn der Zunft-Philosoph natürlich nichts dergleichen tat. Als Autor ist er imho einem Swift oder Sterne zur Seite zu stellen - die, soviel ich weiss, auch seine Lehrmeister waren. Aktuell wie jeder Klassiker. Meine Lieblinge? Schwer zu sagen, da ich alles von ihm mag. Dr. Katzenbergers Badereise (auch für Jean-Paul-Anfänger geeignet), der Titan, die Rede des toten Christus ...  - es gibt so vieles!

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Friedrich-Arthur

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #2 am: 6. Dezember 2004, 19:25 »
Sandhofer, danke für die schnelle Antwort!

Ich lese zur Zeit "Siebenkäs" und bin schier begeistert. Die "Flegeljahre" habe ich mir bestellt. Vieles kommt mir so vertraut und zeitgemäß vor, wie ich es von Klassikern noch vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten habe. Aber unter den großen Klassikern gibt es Meister des Stils und der feinen und einfühlenden psychologischen Beobachtung - da sind unsterbliche Werke entstanden. Da ich Buchanschaffungen immer länger im Vorraus plane, fühle ich sozusagen immer vor. Also versuche ich auch hier Aussagen und Tipps zu sammeln. "Titan" und "Eine wunderbare Gesellschaftin der Neujahrsnacht" stehen oben auf der Wunschliste... Aber gut Ding, will wie immer Weile haben und so kann eine Diskussion ja viel helfen. Die Rede des toten Christus hat ja Hesse in seinem Steppenwolf liebevoll gewürdigt - na die gehört wohl auch mit auf die Wunschliste...

Grüße an euch "Klassiker" (damit meine ich die hier "ansässigen" ForenteilnehmerInnen),

FA
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Offline JMaria

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #3 am: 6. Dezember 2004, 19:42 »
Hallo Friedrich

ein kleine heitere Beitragsrunde über Jean Paul hatten wir auch hier:

http://www.klassikerforum.de/forum/viewtopic.php?t=1031

eigentlich wollten wir irgendwann eine Leserunde mit "Titan" starten, aber wie es halt so ist: Viele Lesewünsche - zuwenig Zeit *seufz*

Viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline Steffi

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #4 am: 7. Dezember 2004, 16:14 »
Hallo,

die in dem alten thread von finsbury vorgeschlagene Biographie: Günter de Bruyn "Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter" lese ich gerade. Ich bin schwer beeindruckt, da es nicht nur um Jean Paul und sein Werk sondern auch um die herrschende Politik und Philosophie geht. Super  :klatschen: denn gerade über diese Zeit weiß ich sehr wenig, obwohl sie mich sehr interessiert.

Von Jean Paul habe ich noch  nichts gelesen, Hesperus scheint ein Riesenerfolg damals gewesen sein, ähnlich dem Werther gab es Art Merchandising  :zwinker:  auch Siebenkäs würde mich interessieren (weiter bin ich in der Biografie noch nicht ... ). Interessant ist z.B. dass Jean Paul seine Frauenbekannschaften immer sozusagen emotional für seine Bücher ausgenutzt hat, zumindest lt. de Bruyn.

LG von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Gitta

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #5 am: 7. Dezember 2004, 17:04 »
Zitat von: Steffi
  Ich bin schwer beeindruckt, da es nicht nur um Jean Paul und sein Werk sondern auch um die herrschende Politik und Philosophie geht.  

Hallo Steffi,

da sprichst Du mir aus der Seele! Für mich zählt eine gute Biografie auch nur dann, wenn sie mir Zeiterscheinungen, Umwelt, Lebensbedingungen usw. des Menschen, um den es geht, vermittelt. Man muß ja seine Handlungen und Werke aus dieser, seiner Zeit heraus verstehen und werten. Kann ich mir gar nicht anders vorstellen.
Von Jean Paul habe ich Einiges gelesen, Manches steht noch aus, genau wie bei so vielen anderen Autoren. Wer weiß, ob ein Leben dazu ausreicht, die Vorhaben auszuführen!? Jean Paul sollte eigentlich dabei sein. Ja, er ist sehr gut!

Grüße,
Gitta
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Offline sandhofer

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Bekanntschaften
« Antwort #6 am: 7. Dezember 2004, 22:57 »
Hallo zusammen!

Zitat von: Steffi
Interessant ist z.B. dass Jean Paul seine Frauenbekannschaften immer sozusagen emotional für seine Bücher ausgenutzt hat, zumindest lt. de Bruyn.

Tut das nicht fast jeder Autor? Schiller? Goethe?

Gut - bei Proust waren es seine Männerbekanntschaften ...  :breitgrins:

Aber so ... generell ... ?

Grüsse

Sandhofer
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Offline Steffi

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #7 am: 8. Dezember 2004, 11:00 »
Hallo sandhofer !

Zitat
Tut das nicht fast jeder Autor?

Hm, ja, kann schon sein. Soviele gute Schriftstellerbiografien habe ich noch nicht gelesen.

Mir ist es halt bei Jean Paul, der vor seiner Ehe ja einige Frauenliebschaften (zumeist platonisch) hatte, aufgefallen. Er ermutigte die Frauen, die ihm hinterherreisten und ihn anschwärmten, bis er soweit war, seine Gefühle aufs Papier zu bringen, danach war sogleich Sendepause. Ob die anderen dabei so extrem waren ? Ich finde das allerdings hauptsächlich interessant - da kommt wieder der Voyeur in mir durch  :breitgrins:

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Friedrich-Arthur

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #8 am: 9. Dezember 2004, 14:53 »
Hallo JMaria,

die Diskussionsrunde, die ihr hattet, werde ich mir noch durchlesen. Danke für den Hinweis!

Zitat
Über Jean Paul

Wenn man mir die Examensfrage stellen würde, in welchem Buche der neueren Zeit sich Deutschlands Seele am stärksten und charaktervollsten ausdrücke, so würde ich ohne Besinnen Jean Pauls "Flegeljahre" nennen. In Jean Paul hat jenes geheimnisvolle Deutschland, das noch immer lebt, obwohl seit manchen Jahrzehnten ein anderes, lauteres, hurtigeres, seelenloses Deutschland ihm im Lichte stand, seinen eigensten, reichsten und verworrensten Geist geboren, eine der größten Dichterbegabungen aller Zeiten, dessen Werke einen wahren Urwald der Poesie darstellen...

Quelle: Hermann Hesse, Eine Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen, st 252


Hesses Aussage über den "wahren Urwald der Poesie" kann ich sehr gut nachvollziehen und stimme ihr zu. Die Testamentsverlesung in "Flegeljahre" ist wirklich von einem Humor, der mit ironisch, eigenwillig, verschroben, phantasiereich, verschmitzt und psychologisch hintergründig noch nicht ausreichend bezeichnet und charakterisiert ist. Und immer wieder diese Wortgewalt, die mich beim lesen staunen und vor Vergnügen taumeln lässt. Wie kann man nur solche Sätze aneinanderzaubern, frage ich mich oft. Aber ich lege die "Felgeljahre" vorerst beiseite, erst lese ich den "Siebenkäs" weiter und aus...

Und Hesse, obwohl über "Siebenkäs" schwärmend, nannte den "Titan" und die "Flegeljahre" die größten Werke Jean Pauls...
Zitat
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Offline Friedrich-Arthur

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #9 am: 12. Dezember 2004, 19:18 »
Wer kennt Jean Pauls "Der Komet" und vielleicht sogar in der Menasse-Ausgabe? Könnte ihr mir näheres dazu berichten? Danke und noch einen schönen Sonntag! Grüße, FA
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Offline xenophanes

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #10 am: 12. Dezember 2004, 19:25 »
Zitat von: Friedrich-Arthur
Wer kennt Jean Pauls "Der Komet" und vielleicht sogar in der Menasse-Ausgabe?


Hoffe doch, der Robert Menasse hat seine Finger von diesem Buch gelassen  :breitgrins:

CK

Offline sandhofer

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Der "Komet"
« Antwort #11 am: 12. Dezember 2004, 20:21 »
Hallo zusammen!

Zitat von: Friedrich-Arthur
Wer kennt Jean Pauls "Der Komet" und vielleicht sogar in der Menasse-Ausgabe? Könnte ihr mir näheres dazu berichten?

Uii, Der Komet ... lang, lang ist's her. Zu lang, als dass ich noch zuverlässig Auskunft geben könnte. Bei mir zu Hause steht im Moment nur die alte Templer-Ausgabe. Mit Manesse habe ich ansonsten nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Grüsse

Sandhofer
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Offline Friedrich-Arthur

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #12 am: 13. Dezember 2004, 13:31 »
Danke sandhofer!

Meiner Suche nach scheint es "Der Komet" auch nur in der Menasse-Ausgabe zu geben. Ich werde sie mir für nächstes Jahr vormerken und auf die Wunschliste setzen und da diese sehr lang ist, darf der Komet sich sehr weit nach vorne schummeln...

Grüße, FA
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Offline finsbury

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Leserunde
« Antwort #13 am: 13. Dezember 2004, 16:38 »
Na, der jean-Paul-Thread ist doch ganz gut besucht...

vielleicht bekämen wir ja doch eine Leserunde zusammen. Ich würde bei allem mitmachen, außer dem Siebenkäs und Quintus Fixlein, weil ich die schon kenne. Aber Flegeljahre, Komet ,Titan, Hesperus jederzeit...

Bis bald

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Friedrich-Arthur

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Jean Paul (Richter)
« Antwort #14 am: 15. Dezember 2004, 14:59 »
"Siebenkäs" und "Flegeljahre" sind beide so herrlich geschrieben, von einem so feinen Humor, so feinem Witz und solcher Tiefe, dass ich keines der beiden Bücher vorziehen kann und beide gleichzeitig verschlingen muss. Zum Glück habe ich ab heute Urlaub... FA
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