Autor Thema: Jean Paul (Richter)  (Gelesen 11859 mal)

Offline sandhofer

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Antw:Jean Paul (Richter)
« Antwort #60 am: 19. Mai 2011, 07:54 »
Wenn schon so etwas irrsinnig langes, dann doch bitte lieber Dostojewski.

Och nööö - das denn nun doch nicht ...  :)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Marlino

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Antw:Jean Paul (Richter)
« Antwort #61 am: 19. Mai 2011, 11:38 »
Hallo Sandhofer,

ja ich weiß noch nicht, ob ich diese Lektüre wirklich durchstehe. Am Anfang hat sie mir wirklich sehr gefallen. Das heißt es war schwerer Stoff, aber lohnenswert. Gerade diese große Emphase, diese Überschwenglichkeit, dieses überaus empfindsame - man war ja im Zeitalter der Empfindsamkeit - hat mich sehr angezogen - so als Gegenentwurf zur modernen Coolness. Und wunderbare Ideen hat er, besonders auch im Satirischen. Wo er etwa mit einer klugen, aber häßlichen Frau redet, aber über ihren Kopf die schöne dumme anschaut, um so gewissermaßen beide Eigenschaften zusammenzubringen, das war sehr schön geschildert. Und wiegesagt diese Emphase hat auch faszinierende Züge - etwa in der Begegnung mit Emanuell.

Alles schön und gut, aber dann wirkt anderes wieder so kitschig und sentimental, die Rosen über den Wangen und ähnlicher Schmarrn und dann noch diese religiöse Sentimentalität, die ich immer weniger abkann und das hineingesponnen in einen überaus verschachtelten Stil. Gut, vielleicht wird der Roman noch mal besser, im moment habe ich einfach einen Durchhänger. Hast Du ihn mal gelesen? Beim nächsten Jean Paul suche ich mir mal wieder was Kürzeres, Quintus Fixlein oder so.

Dabei muß ich sagen, habe ich in jungen Jahren relativ viel Jean Paul gelesen. Allerdings in schwärmerischer Besinnungslosigkeit und ohne viel davon zu verstehen. Das führte beim Titan etwa dazu, daß ich am Ende von der Handlung rein gar nichts mehr verstanden habe und die gelehrten Anspielungen schon gar nicht. Schon vieles andere las ich, Flegeljahre, Siebenkäs usw.

Den Hesperus hatte ich allerdings noch nie gelesen und da dachte ich gleich - man wird ja älter - steige mal etwas gründlicher ein. Also ich las etwas genauer als in meinen Jugendjahren. Das funktionierte auch besser, manchmal, eher selten, schreibt Jean Paul aber wirklich völlig unverständlich, schwierig bleibt er immer, und nicht immer hatte ich das Gefühl, daß sich der Aufwand lohnt, die Lesepausen wurden länger, die Lesegeschwindigkeit nahm wieder zu, das Verständnis wieder ab.

Also gerade den Hesperus empfinde ich schon als einen ziemlich schweren Brocken. Mir ist noch nie, nicht mal bei Jean Paul, ein Buch begegnet, mit dem ich mich so abgemüht habe - tolle Stellen zweifellos - trotzdem rätselhaft, daß dieses Buch zu seiner Zeit so populär war.

Gruß Martin

Offline sandhofer

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Antw:Jean Paul (Richter)
« Antwort #62 am: 19. Mai 2011, 13:00 »
Hallo!
 
Ja, ich habe den "Hesperus" gelesen. Kitschig und sentimental wird Jean Paul ja immer mal wieder - auch die "Flegeljahre" und der "Titan" sind voll davon. Und dass Jean Paul seine Handlungen derart verschachtelt, dass man sich nimmer darin auskennt, ist auch typisch für seine grossen Romane. Die "Flegeljahre" hat er ja so verschachtelt, dass er selber nicht mehr herausgefunden hat ...
 
Was mich wundert ist, dass Du mit dem "Hesperus" Mühe hast, aber die "Flegeljahre" und sogar den "Titan" gemeistert hast ...
 
Und Dostojewskij: Wenn einer sentimental ist, dann er. Und im Gegensatz zu Jean Paul auch ziemlich humorlos ...
 
Grüsse
 
sandhofer
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Offline Marlino

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Antw:Jean Paul (Richter)
« Antwort #63 am: 20. Mai 2011, 12:08 »
Na ja, daß ich Flegeljahre und speziell den Titan "gemeistert" habe, will ich gerade nicht sagen. Gelesen habe ich sie immerhin.
« Letzte Änderung: 20. Mai 2011, 19:32 von Marlino »