Autor Thema: Vladimir Nabokov - Lolita  (Gelesen 6695 mal)

Nele

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Vladimir Nabokov - Lolita
« am: 2. Juli 2002, 10:57 »
Hallo,
habe gerade o.a. Buch gelesen. Ich bin ohne jede Vorkenntnisse bezüglich des Inhalts an dieses Buch herangegangen und war schon nach den ersten paar Seiten wirklich baff ob des wirklich brisanten Lesestoffs!! Im Nachwort sagt Nabokov von sich selbst, ihm wäre der Gedanke zu diesem Buch einfach mal so gekommen, ich finde es aber wirklich äusserst mutig, zu so einem Thema (der Verführung Minderjähriger) ein Buch zu verfassen und habe mich, bevor ich das Nachwort gelesen hatte, schon des öfteren gefragt, wie jemand eine solche Geschichte so realistisch und präzise erzählen kann, ohne dass irgendwelche Hintergedanken oder ähnliche Gelüste im Spiel waren. Nabokov schreibt jedoch zudem im Vorwort (das man aber zwecks besserem Verständnis erst nach dem Buch lesen sollte  :wink: ), dass er dieses Buch unter anderem als eine Warnung sieht, dass es Leute wie Humbert auf dieser Welt nicht selten wirklich gibt und man daher auf so ein Verhalten aufmerksam machen müsste. Das fand ich natürlich einen sehr wichtigen Aspekt. Was ich ausserdem sehr witzig fand, war der Standpunkt, den Nabokov bezüglich amerikanischer Publikations-Politik vertritt: in Amerika werden Bücher mit folgenden Inhalten entweder gar nicht, oder wenig erfolgreich veröffentlicht:
1) Sexualität + Minderjährige
2) Eine Ehe zwischen Schwarzen und Weissen, die glücklich und kinderreich ist
3) Das Leben eines Atheisten, der glücklich und erfolgreich ist und geliebt wird

Habt Ihr "Lolita" mal gelesen? Wenn nicht-ran an den Speck, wenn Ihr Zeit habt- denn dieses Buch gehört ja bekanntermassen auch zu den Klassikern! Und es lohnt sich (ganz selten zieht es sich ein bisschen).
Viele Grüsse, Nele

Offline Ginny

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #1 am: 5. September 2002, 14:16 »
Ich habs vor einigen Monaten gelsen und war begeistert! Ich kannte schon die Verfilmung von Stanley Kubrick, einer meiner (zahlreichen :roll: ) Lieblingsfilme, abr das Buch war nochmal einganz eigenes Erlebnis.
Mich hat besondes beeindruckt dass sogar Humor darin zu finden ist, schließlich gehts um ein ernstes und tragisches Thema. Die Zerissenheit von Humbert Humbert ist toll dargestellt, man hasst und verachtet ihn, aber man leidet auch mit ihm und kanns ich in ihn hineinversetzen - mir gings jdenfalls so.Leider hab ich das Buch nur ausgeliehen, irgendwann muss ich es mir mal kaufen, denn da will ich ich bestimmt noch öfters drin schmökern!
Only by facing the direction of the rising sun may one find a new day

Offline JMaria

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #2 am: 1. Juli 2003, 22:29 »
Hallo zusammen

bei Rowohlt gibt es ein "Titelthema" zu Nabokov und zu "Lolita":

http://www.rowohlt.de/sixcms/detail.php?template=navigation_frame_start&_MagazinID=10044&_id00=1

LG Maria
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Offline eRDe7

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #3 am: 15. September 2003, 22:12 »
Hallo.

Lolita ist sicherlich ein großartiges Buch. Nicht nur wegen dem Inhalt, allein schon wegen der Sprache. Ich habe das Buch vor 7 Jahren gelesen, als ich während meiner Diplomarbeit (ein Literaturthema) mal was anderes lesen wollte. Es hat mich umgehauen. Nabokov kann vermutlich einen Roman über das Anspitzen eines Bleistiftes schreiben und dabei begeistern.
Ähnlich ging es mir mit dem ersten Nabokov, den ich gelesen habe: LUSHINS VERTEIDIGUNG. Der Protagonist schwänzte die Schule, um Schach zu lernen und ich schwänzte, um weiterzulesen.

Ich denke, dass Nabokov einer der größten Autoren überhaupt ist, kostete es mich manchmal auch eine gewisse Überwindung, ihn zu lesen. EINLADUNG ZUR ENTHAUPTUNG habe ich sicher 5x angefangen, PNIN auch einige Male, bevor ichs durchlas.
Aber die Mühe lohnte sich.

Zudem mag ich seine Arroganz. Wenn man Interviews mit ihm liest, kann man sich teilweise nur in die Ecke schmeißen vor Lachen. Er weiß genau, dass er genial ist und ist dabei wenig nachsichtig mit anderen Autoren, den Interviewern oder überhaupt allen, außer mit seiner wunderbaren Frau.
Und ich denke, wer zuerst in Russisch schrieb, nach Paris flüchtete, dort in Französisch schrieb, und schließlich nach USA emigrierte und dort Englisch schrieb, der darf ruhig arrogant sein - zumal bei solchen Ergebnissen.

Grüße,

Ralph

Olivia

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Ein echtes Leseerlebnis
« Antwort #4 am: 4. Oktober 2003, 18:40 »
Ich habe Lolita vor einiger Zeit gelesen und war total begeistert davon. Allein wie der Autor es geschafft hat, dieses kritische Thema zu einem literarischen Werk und nicht zu einem Schmuddelroman zu machen, ist bewundernswert.
Das Buch reisst einen einfach mit: Wie bei "Clockwork Orange" ist man sich nicht sicher, ob man den Protagonisten hassen soll oder nicht.
 :klatschen:

Offline sandhofer

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Lolita
« Antwort #5 am: 5. Oktober 2003, 19:21 »
Hallo zusammen!

Was Nabakov auch einmalig gelungen ist:

Er kann uns - ohne moralischen Zeigfinger - aufzeigen, wie es im Hirn Pädophiler zugeht, die wirklich oft oder meistens der Meinung sind, sie seien eigentlich die Verführten oder sie hätten den Kindern noch einen Gefallen getan... Es wirkt ja alles so klar und logisch, wenn man dem Ich-Erzähler folgt.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Hubert

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Lo-li-ta
« Antwort #6 am: 5. Oktober 2003, 21:32 »
Hallo Sandhofer,

kann Nabokov als Nichtpädophiler das wirklich, oder meinen wir ebenfalls Nichtbetroffenen nur, dass wir jetzt endlich Bescheid wissen? Ich glaube übrigens nicht, dass das Nabokovs Ansatz war.

@olivia
ich denke man soll Humbert Humbert hassen.

Gruß von Hubert

Offline sandhofer

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Lolita
« Antwort #7 am: 6. Oktober 2003, 07:15 »
Hallo zusammen!
Hallo Hubert!

Du hast geschrieben:
"kann Nabokov als Nichtpädophiler das wirklich, oder meinen wir ebenfalls Nichtbetroffenen nur, dass wir jetzt endlich Bescheid wissen? " - Das können wir natürlich nicht entscheiden...

"Ich glaube übrigens nicht, dass das Nabokovs Ansatz war." - Das weiss ich nicht. Es ist der Ansatz, mit dem ich am besten ins Buch gekommen bin.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline JMaria

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #8 am: 8. Oktober 2003, 20:16 »
Aktuell:

Offline Hubert

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Humbert Humbert ist ein Schwein
« Antwort #9 am: 16. August 2004, 13:57 »
Hallo Berch,

Du hast gepostet (in einem anderen Thread)::
Wie ich geschrieben habe, ist H.H. ein kriminell und moralisch verwerflich handelnder Mensch. Das ist gar keine Frage. In einem vergleichbaren realen Fall würde ich Zeter und Mordio schreien und eine möglichst harte Bestrafung für den Täter fordern und selbstverständlich würde ich alle Versuche des Täters, sich als Opfer darzustellen, als vorgeschobene und schändliche Rechtfertigungsversuche deuten.

Ja, da sind wir uns einig. Humbert Humbert ist ein Verbrecher und kein Opfer.


Aber genau das macht 'Lolita' in meinen Augen so faszinierend. Stellenweise hatte ich fast Mitleid mit dem 'armen Tropf' und hätte ihm am liebsten zugerufen "Laß es, laß es doch!" (und das nicht um Lolitas, sondern um seiner selbst willen), nur um zu lesen, daß er sich immer weiter in den kriminellen Sumpf reitet. Ich finde es wirklich faszinierend, daß es Nabokov gelungen ist, eine Figur zu kreieren, die eine der schändlichsten Taten begeht, die ich mir denken kann und die dennoch, wenn auch nicht Verständnis oder gar Sympathie, so doch zumindest in gewissem Maße Mitleid dafür erntet.

Auch da sind wir uns einig. Nabokov hat mit Humbert Humbert, noch mehr aber m.M.n. mit Lolita zwei faszinierende literarische Figuren geschaffen. Mitleid kann/muss man wohl mit beiden haben, Verständnis oder sogar Sympathie darf aber m.M.n.  für einen Kinderschänder nicht artikuliert werden.

Ebenso darf man m.M.n. im Zusammenhang mit Kinderschändung das Wort „Liebe“ nicht benutzen. Diese Verbrecher empfinden für ihre Opfer sicher keine Liebe, sonst würden sie auf die Befriedigung ihrer Triebe verzichten.

Gruß von Hubert

PS: Für alle die es noch nicht wissen: "Lolita" gehört mit zu meinen Lieblingsromanen.

Offline Berch

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #10 am: 16. August 2004, 15:43 »
Hallo Hubert,

Zitat
Mitleid kann/muss man wohl mit beiden haben, Verständnis oder sogar Sympathie darf aber m.M.n. für einen Kinderschänder nicht artikuliert werden.


Das ist eben so interessant. Daß Verständnis und Sympathie unangebracht sind, da sind wir uns ja einig, aber es bleibt das Mitleid. Wir beide haben also während der Lektüre Mitleid mit Humbert Humbert gehabt. Wieder auf einen realen Fall bezogen, kann ich jedoch nicht behaupten, jemals für einen solchen Verbrecher auch nur etwas annähernd Ähnliches wie Mitleid empfunden zu haben.
Allein an der Ich-Perspektive kann es eigentlich nicht liegen, denn Stellungnahmen von realen Schwerverbrechern haben dies nicht fertig gebracht. Leider bin ich bisher auch noch nicht dahinter gekommen, was, bzw. welche Kombination von Gründen, dieses Mitleid für H.H. auslöst und meine Lektüre liegt nun auch schon 2-3 Jahre zurück, sodaß mir das Buch in allen Einzelheiten auch nicht mehr präsent ist. Ich werde also nicht umhin kommen, das Buch noch einmal zu lesen. Wert ist es das auf jeden Fall.

Gruß
Berch

Offline sandhofer

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Mitleid
« Antwort #11 am: 16. August 2004, 16:31 »
Hallo zusammen!

Vorausgeschickt sei meine Grundsatz-Meinung: Für Pädophilie, Homosexualität etc. etc. (alles, was alte Ausgaben des Pschyrembel als [sexuelle] Perversionen klassifizieren) gilt: ein Keim dazu liegt in uns allen. Ebenso wie wir alle Rassisten sind. Ebenso wie wir alle Sadisten sind. Die Ereignisse im Irak haben es gezeigt: Es genügt ein Vakuum in der Kontrolle oder der Ideologie, dass Schlimmstes im bisher 'völlig normalen und unauffälligen' Menschen zu Tage tritt. Bei Leuten wie Humbert Humbert versagt die Kontrolle halt schon von Anfang an.

Das ist m.M. die Quelle unseres Mitleids: Wir sehen, wie Humbert in den Abgrund rutschen muss. Wir sehen, dass er nicht anders kann. Insofern bin ich auch nicht mit Berch einverstanden, dass man solche Leute bestrafen sollte. Wozu? So einer kann nicht anders. Er wird ähnliches jederzeit wieder tun. Und sich im Falle einer Bestrafung noch als unverstandener Märtyrer fühlen. Diese Inkongruenz zwischen seinem Welt- und Ich-Bild und unserer Wirklichkeit ist für uns unverständlich, nicht nachvollziehbar. Daher unser Mitleid.

Also: keine Bestrafung, sondern die Person schlicht und ergreifend aus dem Verkehr ziehen. Für immer.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Harald

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #12 am: 16. August 2004, 22:04 »
Hallo Sandhofer,

Ich stimme Dir zu, dass zu Vielem der Keim in uns liegt. Nur denke ich, dass manche Keime größer und manche kleiner sind, und dass es von Person zu Person verschieden ist.

Aber der eigentliche Unterschied ist, was man draus macht. Begiesst man seine Keime und lässt sie wachsen und wuchern, bis man ihrer nicht mehr Herr wird? Oder lässt man sie vertrocknen? Oder rupft man sie aus, bis sie nicht mehr nachwachsen? Oder züchtet man kleine, nette Gartengewächse draus, die im privaten Gärtlein süße Gifte verströmen, aber sonst niemandem Schaden zufügen?

Ich würde nie jemanden mit dem Argument entschuldigen, dass er nicht anders konnte. Erstens ist das eine Beleidigung all jener, die dieselbe Veranlagung hatten, ihr aber nicht nachgegeben haben, weil sie wussten, dass sie sonst Unrecht getan hätten - und vielleicht ein Leben lang darunter gelitten haben, gelitten zugunsten derer, die sonst ihre Opfer geworden wären. Zweitens ist der "Schaden", das menschliche Leid, das durch solche Täter erzeugt wird (ich spreche nur von Fällen, wo die Perversion auf Kosten anderer ausgelebt wird), ja real und muss bestraft werden. Wo bliebe sonst die Gerechtigkeit? Das sieht auch der Täter ein, der nicht anders konnte.

Irgendwo habe ich in einer orientalischen Erzählung gelesen, dass ein Angeklagter sich vor dem Kadi verteidigt hat mit den Worten: "Ich konnte nicht anders, es stand im Buche des Lebens verzeichnet. Allah hat es mir befohlen..." Worauf der Richter antwortete: "Und mir befiehlt Allah, dich zu verurteilen."

Herzlichen Gruß, Harald
Aktuell: Montaigne. G. E. Lessing. Dostojewski. Herman Melville.

Offline Berch

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Vladimir Nabokov - Lolita
« Antwort #13 am: 17. August 2004, 01:20 »
Hallo zusammen,
hallo sandhofer,

ich weiß zwar nicht, was Du sonst noch für Bestrafungen für möglich hieltest, aber ich persönlich sehe in einer Gefängnisstrafe, ggf. mit anschließender Unterbringung in einer psychatrischen Anstalt bzw. in Ländern, wo dies  noch zulässig ist, eine Exekution durchaus für eine  Bestrafung.
So ganz weit liegen wir also vermutlich nicht auseinander.
Wobei natürlich zu diskutieren wäre, in wieweit so jemand tatsächlich "nicht anders kann", wie Du es beschreibst und zwangsläufig rückfällig werden muß. Um dies wirklich einschätzen zu können, fehlt mir sicherlich der nötig psychologische Background. Als positiv denkender Pädagoge würde ich aber mal unterstellen, daß man jeden Menschen positiv (genau wie auch negativ) beeinflussen kann. Die Frage ist, ob man den nötigen Zugang findet.

Daß für viele Verhaltensweisen der Keim in jedem von uns liegt, sehe ich im Übrigen genauso. Interessant ist aber die Frage, was einen ganz geringen Anteil der Menschen dann allerdings dazu bringt, die Grenzen, die die Mehrheit einhält, zu überschreiten. Ist es ein Mangel in der Erziehung, ein mangelndes moralisches Bewußtsein, eine Triebhaftigkeit, die schlicht stärker ausgeprägt ist als beim Rest, sind es äußere Umstände, die diese Tat begünstigen?
Bei Deinem Irak-Beispiel waren sicherlich die Umstände 'günstig'. Aber wäre nicht von einem moralisch gefestigten Menschen nicht eigentlich zu erwarten, daß er der 'Versuchung' dennoch widersteht?

Gruß
Berch

Offline sandhofer

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Mitleid
« Antwort #14 am: 17. August 2004, 07:05 »
Hallo zusammen!

Zitat von: Harald
Ich würde nie jemanden mit dem Argument entschuldigen, dass er nicht anders konnte.

Das ist keine Entschuldigung. Das ist - nach allem, was ich weiss - eine Tatsache.
Zitat von: Harald
Zweitens ist der "Schaden", das menschliche Leid, das durch solche Täter erzeugt wird [...], ja real und muss bestraft werden. Wo bliebe sonst die Gerechtigkeit? Das sieht auch der Täter ein, der nicht anders konnte.

Nein. Da er das Leid nicht sieht. Höchstens sein eigenes. Auch da hat Nabakov in Humbert Humbert ein schönes Beispiel gemalt.

@berch
Was diese Menschen dazu treibt, die Grenzen zu überschreiten, ist auch mir nicht klar. Interessant, dass viele als Kinder selber missbraucht worden sind ...  Und leider findet man m.W. keinen Zugang zu diesen Leuten. Ob man das Wegsperren solcher Leute nun "Bestrafung" nennt, ist eher eine semantische Diskussion. Ich halte wie Dostojewskij dafür, dass Schuld und Sühne (oder halt: Verbrechen und Strafe) ein Paar bilden. Strafe macht nur Sinn, wo ein Verbrechen eingesehen wird - jedenfalls als erzieherische Massnahme. Wenn Du diskussionsloses Wegsperren ebenfalls als "Bestrafung" bezeichnest, meinen wir tatsächlich dasselbe. Ich würde es eher als "administrative Massnahme" bezeichnen. Gegen eine Todesstrafe bin ich allerdings selbst in diesen Fällen. Aber das ist eine andere Diskussion.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen