Autor Thema: Buchpreise  (Gelesen 5358 mal)

Offline Sir Thomas

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Re: Buchpreise
« Antwort #15 am: 6. Februar 2009, 14:33 »
Zum besseren Verständnis hier die grobe Aufteilung des Buchverkaufspreises auf die einzelnen Marktakteure:

Groß- und Einzelhandel bekommen zusammen rund 40 % des Ladenpreises, der Verlag 60 %.
Rund 25 % des Endpreises wendet der Verlag für Produktion und Druck auf, 15 %  für die Werbung. Damit bleiben 20 % des Verkaufspreises übrig, die zwischen Verlag und Autor geteilt werden.

Unberücksichtigt ist in diesem groben Rechenexempel die (in Deutschland gültige) siebenprozentige Mehrwertsteuer.

LG

Tom

Offline sandhofer

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Re: Buchpreise
« Antwort #16 am: 1. Juli 2009, 20:00 »
Ich finde, dass Bücher in den letzten Jahre in Deutschland erheblich teurer wurden, weil an der Qualität gespart wurde. Leineneinband mit Fadenheftung ist für unter 25 Euro kaum noch zu bekommen, das war vor einigen Jahren noch anders.

Werden Bücher wirklich immer teurer? Ich frage mich ... Aktueller Anlass ist der Text auf dem Rückendeckel (bzw. dem entsprechenden Teil des Schutzumschlag) meiner antiquarisch erworbenen Hafis-Ausgabe. Da steht nämlich zum Preis Folgendes:

Die neue Sammlung [gemeint ist die Sammlung Birkhäuser, zu der mein Hafis zählt], die in sorgfältigster Ausstattung im Taschenformat erscheint, bringt Einzelwerke wertvoller Literatur aller Völker und Kulturperioden. Der Preis richtet sich nach dem Umfang; jede Seite der gehefteten Ausgabe kostet einen Rappen [Birkhäuser ist ein Basler Verlag - heute Teil der Springer-Gruppe]. So kostet ein Heft mit 53 Seiten 53 Rappen, eines mit 160 Seiten Fr. 1.60. Der Preis der gebundenen Ausgabe (biegsame Ballonseiden-Bände) ist um Fr. 1.50 höher. 53 Seiten kosten also Fr. 2.03.

Abgesehen von der nostalgischen Tatsache, dass seit Jahrzehnten in der Schweiz nicht einmal mehr die Milch in Rappen-genauen Beträgen abgerechnet wird: Mein Büchlein (ich habe die Ballonseiden-Ausgabe) kostete 1944 Fr. 3.67. Das war vor rund 65 Jahren. Ende 1944 stand der Landesindex der Konsumentenpreise bei 151.7 Punkten. Derselbe Index steht heute bei 759.6 Punkten. Das Büchlein würde nach heutigen Massstäben also Fr. 18.38 kosten. Damit wäre der Verlag auch heute bei der Konkurrenz, aber nicht wirklich billiger. Im Verhältnis zur Kaufkraft und zum Durchschnittslohn der Bevölkerung war die Sammlung Birkhäuser damals wahrscheinlich viel mehr "Luxus" als sie es heute wäre. (Auch wenn Birkhäuser zu Gute zu halten ist, dass 1944 "gebunden" noch wirklich "gebunden" gemeint hat ;).)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen