Autor Thema: Arno Schmidt  (Gelesen 17476 mal)

Offline Dostoevskij

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Antw:Arno Schmidt
« Antwort #75 am: 18. November 2010, 10:25 »
Moin, Moin!

Wozu hat man eigentlich Internet, Twitter, Facebook und so weiter, ..

Wir brauchen nur das Internet, der Rest ist unnötig, denn wir haben ja dich!  :winken:

Ich bin auch nicht mehr das, was ich mal war. ;-) Das heißt, mein Daseins als bibliomane und allgemeine Informationsschleuder ist im Wandel begriffen.
Keep reading, Markus Kolbeck
Leipziger Bücherlei http://www.buecherlei.de/

Offline Lost

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Antw:Arno Schmidt
« Antwort #76 am: 12. September 2011, 11:10 »
Im Grass-Haus in Lübeck wird zur Zeit eine Sonderausstellung über Arno Schmidt als Fotograf gezeigt. Abgesehen davon, dass es sehr viel Mühe bedarf das fotografische Talent von Schmidt zu erkennen, ist dort auch ein Exemplar von "Zettels Traum" in der gedruckten Version zu sehen. Wer einen großen Kofferraum und genug Moneten hat, kann dort wohl auch eines erwerben. Als Freund von Büchern und willensschwach empfiehlt es sich aber nur mit kleinem Gepäck nach Lübeck zu reisen.
Nett sind die Ausschnitte aus Hörbüchern Schmidtscher Werke, die man dort hören kann. "Kühe in Halbtrauer" hat mir gut gefallen.

Offline Sir Thomas

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Antw:Arno Schmidt
« Antwort #77 am: 13. September 2011, 14:45 »
Ich genieße derzeit in regelmäßigen Abständen die Schmidtschen Rundfunk-Essays und bin sehr animiert von diesen Kronjuwelen der Literaturkritik. Hier spricht ein echter Liebhaber, der niemals verächtlich über seinen "Gegenstand" urteilt und nur dann knurrt, wenn es wirklich angemessen ist. Was für ein fundamentaler Unterschied zu dem tollwütig um sich beissenden Großkritiker (wie heisst er doch gleich?), der mir um vieles ärmer erscheint als Arno Schmidt - ärmer an literarischen Kenntnissen aber auch ärmer an ästhetischer Urteilskraft!

LG

Tom

Offline Lost

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Antw:Arno Schmidt
« Antwort #78 am: 15. September 2011, 10:42 »
Was für ein fundamentaler Unterschied zu dem tollwütig um sich beissenden Großkritiker (wie heisst er doch gleich?), der mir um vieles ärmer erscheint als Arno Schmidt - ärmer an literarischen Kenntnissen aber auch ärmer an ästhetischer Urteilskraft!

Den „Großkritiker“, ich nehme an du meinst MRR, sollte man vielleicht etwas differenzierter betrachten, wie Schmidt auch. MRR hat nach meiner Erfahrung zwei Seiten. Wenn er über Literatur und Literaten schreibt die er mag, findet er Worte die den Lesern deutlich aufzeigen, was daran bemerkenswert ist und weshalb er gerade diese Werke besonders schätzt. Seine entsprechenden Artikel haben mich schon mehrmals bewogen Literatur zu lesen, die ich nicht kannte oder verdrängt hatte. Mag er etwas nicht, dann wirkt er ausgesprochen hilflos und verschwommen und er setzt sich dann nicht wirklich mit den Werken auseinander über die er schreibt. Er hat da aber auch manchmal den Mut zu schweigen. Und weil er zwei Seiten hat er auch noch eine dritte, denn er hat ein Unterhaltungstalent und das macht ihn erst in der Breite zum vielgehassten Kritiker und auf der anderen Seite zum Star. Es wirkt bei ihm aber nicht gezwungen, sondern natürlich, und es zeigt, dass er mit dem Herzen bei der Sache ist und nicht mit vulgärrationalistischem Geschwafel, wie es mittlerweile bei Kritikern häufig zu finden ist, eine Scheinobjektivität erzeugen will.
Was ich ihm am meisten ankreide ist seine Art, die zeitgenössische Literatur an seinen Literaturgöttern zu messen. Damit berücksichtigt er m.E. zu wenig, wie Zeitumstände auch die Kunst beeinflussen und andere Formen hervorbringen.
Für seine Wirkung als Kritikerpapst und Literaturmachthaber mache ich nicht ihn, sondern das Publikum und die Medien verantwortlich.. Leser, die sich für ein weites Spektrum der Literatur interessieren und entsprechende Erfahrungen haben, sollten erkennen können, wenn sie auf diesem Sektor manipuliert werden.

Offline Hubert

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Arno Schmidt in Hamburg
« Antwort #79 am: 25. September 2011, 15:29 »
Hallo zusammen,

bei meinem fast schon obligatorischen Besuch gestern Vormittag in einer Buchhandlung habe ich das folgende Buch entdeckt, gekauft und gestern Abend noch darin geblättert:

„Arno Schmidt in Hamburg“, herausgegeben von Joachim Kersten  (dem Hamburger Rechtsanwalt und nicht dem zwei Jahre jüngeren Prof. .Kersten, der in Münster Kriminologie unterrichtet),
http://www.hoffmann-und-campe.de/de/05bc79e2-ddad-91ab-46e5898d22dd296b/
eine Edition der Arno Schmidt Stiftung.

Leider hatte ich die Einleitung nicht gelesen: „Dies ist ein Buch für …The common reader. …..Dies ist kein Buch für Spezialisten. Kennern wird es wenig neue Texte, dafür aber viele unbekannte Abbildungen bieten.“. So gibt es für mich tatsächlich nicht viel Neues in dem Buch – und  € 22,99 für’n Bilderbuch – also ich weiß nicht.

Nicht dass ich mich jetzt als Arno-Schmidt-Spezialisten bezeichnen will, aber gerade den Spuren seiner Hamburger Kindheit bin ich doch, als ich noch in Hamburg gearbeitet habe, ausführlich nachgegangen, vom Besuch seines Geburtshauses, wo es allerdings außer einer Erinnerungstafel nichts zu sehen gibt, bis zu den in seinen Werken erwähnten Gemälden in der Hamburger Kunsthalle. Insbesondere Arno Schmidt Beschreibung „der Dame in Grün“ hat mich immer wieder fasziniert, aber darüber will ich ev. an anderer Stelle berichten, wenn ich vielleicht mal was über die Hamburger Kunsthalle schreibe.

Warum das Buch doch kein Fehlkauf war sind Stellen wie diese:

In „Schwarze Spiegel“ (übrigens einer meiner Lieblings-Science Fiction) bedient sich der letzte Überlebende nach einem Atomkrieg in der Hamburger Kunsthalle:

Zitat: „voilà un homme! (Also rin in Rucksack!) Weiter hinten Marcs «Affenherde» mit schönen Farben“
http://www.kunstkopie.de/a/Franz-Marc/affenfries.html

und in einem Auszug aus Alice Schmidts Tagebuch lese ich jetzt, dass die Bezeichnung „Affenherde“ für „Affenfries“ gar nicht von Arno stammt:

Zitat „12.11.(1952) Wir gingen in die Kunsthalle. Erst ins Kupferstichkabinett wegen des Fouqué Bildnis … nachsehn. ………….Und dann der Expressionismus: wir betrachteten uns wieder mit Wohlgefallen Franz Marc’s Affenherde ….“

Frage an die wirklichen Spezialisten: Wieviel Anteil hat Alice Schmidt an Arnos Werk?

Offline Hubert

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Zwei Mädchen im Grünen
« Antwort #80 am: 27. September 2011, 09:12 »
Zitat „12.11.(1952) Wir gingen in die Kunsthalle. Erst ins Kupferstichkabinett wegen des Fouqué Bildnis … nachsehn. ………….Und dann der Expressionismus: wir betrachteten uns wieder mit Wohlgefallen Franz Marc’s Affenherde ….“

Das Zitat aus Alice’ Tagebuch ging noch weiter:

„… Franz Marc’s Affenherde und Otto Muellers Mädchen im Grünen.“

da ich aber die entsprechende Stelle in „Schwarze Spiegel“, wo ich sie vermutet hatte, nicht gefunden habe, hab’ ich den Schluss weggelassen, (ist halt schon paar Jahre her, dass ich das alles gelesen habe) aber inzwischen habe ich in „Aus dem Leben eines Faun“ das folgende gefunden:

„Otto Müller: Mädchen im Grünen“: und die zwei nackten Halbwüchsigen lugten finster unter ihren Haaren in den Beschauer, steckten die noch mageren Beine zwischen Gras und wilde flache Pflanzen, wandten sich unjungfräulich und lauerten weiter aufs sorglichdunkelgrüne Leben: und ich lächelte wild und triumphierend: und so wohnt häi  noch jümmer in de Lammer-Lammerstroot: kann mooken, watt häi will: es lebe unser großer heiliger Expressionismus!!"

http://www.kunstkopie.de/a/mueller-otto/zwei-maedchen-im-gruenen-.html

Übrigens hängt in der Münchener Pinakothek der Moderne ein Gemälde von Otto Müller mit dem gleichen Titel:

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Otto_Mueller_Zwei_M%C3%A4dchen_im_Gr%C3%BCnen.jpg

Mir gefallen die Hamburger Deern besser als die Münchner Madln. Was meint ihr?