Hallo,
ja, Thomas Mann, ist der nun altmodisch?
Wenn man Klassiker liest, haben die alle eine gewisse Entrückheit durch die damaligen Lebensumstände, die ins Werk eingeflossen sind und auch durch die Literatursprache der jeweiligen Epoche.
Dennoch bin ich der Meinung, wie auch du, Sandhofer, dass ein "überholter" Schauplatz und eine altmodische Ausdrucksweise nichts an der Zeitlosigkeit der Inhalte ausmacht, die einen Klassiker auszeichnen.
Es ist doch egal, in welchem Ambiente es um Seinsfragen geht wie im Zauberberg.
Außerdem ist diese Schauplatz- und Personenkonstellationsvorgabe schon selbst wieder klassisch: Unterschiedliche Personen werden aufgrund eines gemeinsamen Merkmals in einer psychologischen Ausnahmesituation (Schwere Erkrankung, Todesnähe) an einem einsamne Ort zusammengewürfelt, an dem sie sich nicht aus dem Weg gehen können.
Eine klassische Vorgabe für Psychothriller und Kriminalroman.
In ganz anderer Weise - denke ich - strahlt Manns Werk außerdem einen eigenen Reiz aus. Es demonstriert, wie artistisch man mit unserer Sprache, insbesondere den Möglichkeiten der Satzstruktur umgehen kann: Es kann allein schon ein Genuss sein, sich von den Hypotaxen in den literarischen Schilderungen Manns, z.B. "Herr und Hund" tragen zu lassen.
Trotz einiger Manierismen, wie z.B. in "Wälsungenblut", hegt wohl jeder Bücherfreund eine Leidenschaft für perfekt durchgestaltete Sprache. Und das beherrschen im Prosabereich nicht sehr viel so perfekt wie Mann.
HG
finsbury