Autor Thema: Thomas Mann  (Gelesen 25633 mal)

Offline Sir Thomas

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Thomas Mann: Die Entstehung des Doktor Faustus
« Antwort #195 am: 20. September 2011, 17:44 »
So, ich habe nun mit der "Entstehung ..." begonnen. Es handelt sich um eine Mischung aus Tagebuchnotizen und allerlei Belanglosigkeiten (ich hatte es befürchtet). Interessant sind bislang nur die Quellen, die Thomas Mann verwendet hat. Auf das Studium des Faustschen Volksbuchs und eines Berichts über Nietzsches Siechtum wäre ich wohl noch von allein gekommen. Aber: Der Zauberer hat auch die Briefe Hugo Wolfs (der ja auch im kompletten Irrsinn endete) und Martin Luthers ausgewertet, über das deutsche Städtewesen der Lutherzeit recherchiert, die Memoiren Strawinskys, Paul Bekkers "Musikgeschichte" gelesen und und und ...

Mal sehen, wie sich die Lektüre weiterentwickelt.

LG

Tom

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Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen
« Antwort #196 am: 24. Januar 2012, 11:23 »
Das letzte mir unbekannte Großwerk Thomas Manns sind die 1918 erschienenen "Betrachtungen eines Unpolitischen". Der entsprechende wikipedia-Artikel ist zwar recht ausführlich. Ich bleibe jedoch skeptisch. Lohnt das Buch? Oder beschäftigt TM sich dort hauptsächlich mit politischen Fragen, die uns heute fremd sind bzw. nicht mehr interessieren? 

LG

Tom

Offline klassikah

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #197 am: 24. Januar 2012, 13:15 »
ich habe das Buch selber nicht gelesen, aber vielleicht kann dir folgender Artikel helfen...

Offline Sir Thomas

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #198 am: 24. Januar 2012, 13:35 »
ich habe das Buch selber nicht gelesen, aber vielleicht kann dir folgender Artikel helfen...

Vielen Dank! Sätze wie dieser sind schon hilfreich: Viel ist in den „Betrachtungen“ von Literatur, wenig von konkreter Politik die Rede.

 :winken:

Tom

Offline Gontscharow

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #199 am: 24. Januar 2012, 14:01 »

Das letzte mir unbekannte Großwerk Thomas Manns sind die 1918 erschienenen "Betrachtungen eines Unpolitischen".  Lohnt das Buch?

Es ist auf jeden Fall interessant, um zu sehen, wo Th. Mann politisch herkommt und welche Entwicklung er als homo politicus bis zu seinen Rundfunk- Reden  „Deutsche Hörer“(BBC- Reden1941-45) genommen hat! Die Betrachtungen sind eine Auseinandersetzung mit seinem pazifistischen Bruder Heinrich  und zeigen, wie weit voraus ihm sein Bruder ( man vergleiche mit dessen 1915 erschienenen Essay Emile Zola ) damals war.
Kein "Großwerk" und kein Ruhmesbblatt... :winken:

Offline Sir Thomas

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #200 am: 24. Januar 2012, 14:58 »
Die Betrachtungen sind eine Auseinandersetzung mit seinem pazifistischen Bruder Heinrich und zeigen, wie weit voraus ihm sein Bruder (man vergleiche mit dessen 1915 erschienenen Essay Emile Zola) damals war.

Hallo Gontscharow,

auch wenn ich mir jetzt keine Freunde unter Humanisten und Gutmenschen mache: Der Pazifismus ist eine löbliche, letztlich aber naive Weltsicht. Das soll keineswegs Thomas Manns abstoßenden Bellizismus schönfärben, von dem Bruder Heinrich sich zurecht distanzierte. Wer wem im Denken voraus war, ist mE. keine Frage: Kurzfristig hat Heinrich die besseren Karten, denn mehr Friedfertigkeit hätte den 1. Weltkrieg vielleicht verhindert. Langfristig "siegt" jedoch der Skeptizist/Pessimist Thomas, denn der überwiegend angelsächsische Pazifismus der 30er Jahre hat Hitler zwar nicht ermöglicht, aber ermutigt.

Ob sich deshalb die "Betrachtungen ..." lohnen? Mich interessiert eher, in welche Tradition Thomas Mann sein Schaffen einreiht. Einiges habe ich bereits in den autobiografischen Schriften erfahren. Meine Lust, die "Betrachtungen ..." unter diesem Aspekt zu lesen, steigt.

LG

Tom

Offline meier

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #201 am: 24. Januar 2012, 15:54 »
Der bessere Schriftsteller war Thomas gegenüber Heinrich allemal. Dies zumindest ist meine persönliche Meinung.

Gruß
Meier

Offline Gontscharow

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #202 am: 24. Januar 2012, 17:11 »
Hallo Sir Thomas!

Das hatte ich befürchtet, dass auf das Reizwort "pazifistisch"unweigerlich "Gutmenschentum" und "naiv" folgen würde.
Heinrichs Antikriegs- Haltung war alles andere als naiv, eher von Weitblick geprägt, leider im bürgerlichen  Lager die Ausnahme, während Thomas mit seiner kriegsrechtfertigenden Haltung im mainstream mitschwamm. Heinrich war ihm im Denken voraus, insofern als Thomas ja schon wenige Jahre später von seinen in den Betrachtungen geäußerten Positionen abrückte und auf Heinrichs umschwenkte … Im Kampf gegen den aufkommenden und real existierenden Nationalsozialismus waren die friedliebenden Brüder dann auf ihre Art doch recht wehrhaft.

der überwiegend angelsächsische Pazifismus der 30er Jahre hat Hitler ...

Pazifismus ist, glaube ich, nicht gleichzusetzen mit Appeasement-Politik.

Zitat von: Sir Thomas link=topic=1235.msg49281#msg49281 date=1327409899
Langfristig "siegt" jedoch der Skeptizist/Pessimist Thomas, denn ...

Thomas liegt auf dem Kilchberger Friedhof in der Schweiz, Heinrich auf dem Dorotheenstädtischen in (Ost-)Berlin. Wer nun im Endeffekt "jesiecht" hat … schwer zu sagen. Aber interessant sind sie, diese beiden so verschiedenen deutschen Brüder.

Zitat von: Sir Thomas link=topic=1235.msg49281#msg49281 date=1327409899
Ob sich deshalb die "Betrachtungen ..." lohnen? Mich interessiert eher, in welche Tradition Thomas Mann sein Schaffen einreiht. Einiges habe ich bereits in den autobiografischen Schriften erfahren. Meine Lust, die "Betrachtungen ..." unter diesem Aspekt zu lesen, steigt.


Was die Betrachtungen unter diesem Aspekt hergeben, habe ich leider vergessen, weil die Lektüre schon sehr lange her ist. Vielleicht berichtest du? Es würde mich auch interessieren.


Offline Sir Thomas

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #203 am: 24. Januar 2012, 17:51 »
Im Kampf gegen den aufkommenden und real existierenden Nationalsozialismus waren die friedliebenden Brüder dann auf ihre Art doch recht wehrhaft.

Deshalb mag ich beide, auch den Pazifisten Heinrich! 

Was die Betrachtungen unter diesem Aspekt hergeben, habe ich leider vergessen, weil die Lektüre schon sehr lange her ist. Vielleicht berichtest du? Es würde mich auch interessieren.

Noch bin ich unentschlossen. Falls ich das Buch lese, berichte ich gern.

LG

Tom
« Letzte Änderung: 24. Januar 2012, 18:19 von Sir Thomas »

Offline Sir Thomas

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Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen
« Antwort #204 am: 25. Januar 2012, 13:14 »
In einer Rede an der Universität von Chicago im Jahr 1950 (später publiziert unter dem Titel: Meine Zeit) nennt Thomas Mann die "Betrachtungen ..." eine donquijoteske … Verteidigung romantischer Bürgerlichkeit. Es handele sich mehr um einen Experimental- und Bildungsroman und um eine Erkundung der konservativ-nationalen Sphäre als um ein politisches Manifest. Interessant - und vermutlich trotz aller Vorbehalte lesenswert. 

Offline Gontscharow

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #205 am: 26. Januar 2012, 16:06 »

....eine donquijoteske … Verteidigung romantischer Bürgerlichkeit....

     
Klingt mir ein bisschen nach schamvollem Verharmlosungsversuch, durchaus verständlich übrigens...

Offline Sir Thomas

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #206 am: 26. Januar 2012, 16:25 »

....eine donquijoteske … Verteidigung romantischer Bürgerlichkeit....

     
Klingt mir ein bisschen nach schamvollem Verharmlosungsversuch, durchaus verständlich übrigens...

 :breitgrins:

Ich habe auch das Gefühl, dass die "Betrachtungen ..." ihm später zumindest in Teilen peinlich wurden.

Offline Sir Thomas

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #207 am: 27. Januar 2012, 11:05 »
In diesem Jahr wird "Der Tod in Venedig" 100 Jahre alt. Ich rechne fest mit einer bibliophilen Neuauflage. Wenn jemand diesbezüglich etwas erfährt, freue ich mich auf einen Hinweis.  :smile:

Offline JMaria

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #208 am: 27. Januar 2012, 11:29 »
In diesem Jahr wird "Der Tod in Venedig" 100 Jahre alt. Ich rechne fest mit einer bibliophilen Neuauflage. Wenn jemand diesbezüglich etwas erfährt, freue ich mich auf einen Hinweis.  :smile:

in diesem Jahr wohl nicht mehr. Jedoch kommen die großen Romane Thomas Manns in der Fassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe erstmalig in Taschenbuchformat heraus:

http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/632/Klassik_VS_2_2012_Internet.pdf





Gruß,
Maria
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Antw:Thomas Mann
« Antwort #209 am: 27. Januar 2012, 11:57 »
In diesem Jahr wird "Der Tod in Venedig" 100 Jahre alt. Ich rechne fest mit einer bibliophilen Neuauflage. Wenn jemand diesbezüglich etwas erfährt, freue ich mich auf einen Hinweis.  :smile:

in diesem Jahr wohl nicht mehr. Jedoch kommen die großen Romane Thomas Manns in der Fassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe erstmalig in Taschenbuchformat heraus ...

Interessant, danke! Da die TB aber anscheinend ohne die Kommentare aufgelegt werden, sind sie für mich eher uninteressant. Wegen einiger Kommaverschiebungen werde ich nicht hektisch und nervös.  :zwinker:

Außerdem hoffe ich immer noch auf einen bibliophilen "Tod in Venedig" - vergleichbar mit den schönen Jubiläumsausgaben des "Kleinen Herrn Friedemann" und "Tonio Kröger". Mal sehen, die Hoffnung stirbt nie.

LG

Tom