Autor Thema: Thomas Mann  (Gelesen 23308 mal)

Offline klaus

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #210 am: 27. Januar 2012, 11:37 »
Außerdem hoffe ich immer noch auf einen bibliophilen "Tod in Venedig" - vergleichbar mit den schönen Jubiläumsausgaben des "Kleinen Herrn Friedemann" und "Tonio Kröger". Mal sehen, die Hoffnung stirbt nie.

Hallo Tom,

grad stolpere ich über Deinen Beitrag. Kannst Du etwas über diese bibliophilen Ausgaben von Friedemann und Tonio Kröger sagen? Wie sind sie ausgestattet? Und enthalten sie auch andere Novellen (der Friedemann, wenn ich es richtig sehe, war ja eine Novellensammlung)?

Gruß
Klaus  :winken:

PS. Leitet sich Dein Forumsname von dem Lübecker Kaufmannssohn ab?  :zwinker:

Offline Sir Thomas

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #211 am: 27. Januar 2012, 11:59 »
Kannst Du etwas über diese bibliophilen Ausgaben von Friedemann und Tonio Kröger sagen? Wie sind sie ausgestattet? Und enthalten sie auch andere Novellen (der Friedemann, wenn ich es richtig sehe, war ja eine Novellensammlung)?

Es handelt sich jeweils um gebundene, kleinformatige Ausgaben mit dem ursprünglichen Buchcover der Erstveröffentlichung. "Friedemann" war eine Novellensammlung (1898), aber in meiner Nostalgieausgabe fehlen die anderen Geschichten.

Leitet sich Dein Forumsname von dem Lübecker Kaufmannssohn ab?  :zwinker:


Nein. Ich heisse Thomas (englisch ausgesprochen, ich akzeptiere jedoch auch die deutsche Variante). Die Mehrzahl meiner Mitmenschen nennt mich schlicht Tom, und was den "Sir" anbelangt  - naja, mach Dir mal Deine Gedanken über meine Herkunft etc. ...  :zwinker:   

Offline xenophanes

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Antw:Thomas Mann
« Antwort #212 am: 4. Februar 2012, 12:02 »

Offline Sir Thomas

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Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen
« Antwort #213 am: 15. Februar 2012, 17:33 »
Ich habe jetzt die ersten 100 Seiten hinter mir. Wenig Neues habe ich bislang erfahren, einiges an Kokolores hingenommen (über Deutschlands Sonderstellung in Europa, die deutsche Seele, den zersetzenden Geist des Zivilisationsliteraten udgl. mehr) und schließlich doch ein wenig Nektar aus der geistigen Selbstverortung des Zauberers geschlürft. Schopenhauer, Wagner, Nietzsche: Dieses Dreigestirn des 19. Jahrhunderts (dem TM sich aus vielerlei Gründen unbedingt zugehörig fühlt) war sein intellektueller Steinbruch. Schopenhauer als Moralist und Pessimist, Wagner als Künstler par excellence und als großer Prosaiker und Symboliker; Nietzsche schließlich als Psychologe der Dekadenz, der die Idee des Lebens mit neuem Gefühl durchdrungen, mit einer neuen Schönheit und Kraft umkleidet und zum obersten Rang erhoben hat; er hat das Gute nicht vor das Tribunal des Schönen, vor das Leben selbst hat er es gezogen. Das ist nicht uninteressant, zumal es sein Frühwerk (u.a. Buddenbrooks, Tonio Kröger, Der Tod in Venedig) ganz gut mit Hintergrund anfüllt.

Ich bin noch unentschlossen, ob ich die "Betrachtungen ..." weiter verfolge.

LG

Tom

Offline Sir Thomas

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Thomas Mann: Friedrich und die große Koalition
« Antwort #214 am: 18. Februar 2012, 17:48 »
Als Ergänzung zu den "Betrachtungen eines Unpolitischen" habe ich jetzt den Essay "Friedrich und die große Koalition" aus dem Jahr 1915 gelesen. Es geht um die menschenverachtende Einsamkeit Friedrichs des Großen, dessen 300. Geburtstag im Januar gefeiert wurde. Thomas Mann schafft es auch auf dem Feld der Geschichtsschreibung, einen kleinen Roman zu entwerfen, der uns den Hauptakteur und dessen politisches Umfeld vermutlich sehr viel näher bringt als all die neu erschienenen Sachbücher. Seine Skizze des ebenso martialisch auftretenden wie zerbrechlich wirkenden preussischen Herrschers ist ungewohnt kritisch und ohne jede Sympathie. Er beschreibt den "bösen Mann" (so nannte ihn Maria Theresia) jedoch in einer Lebendigkeit, die zwar kein Mitleid, aber immerhin Verständnis für die politische Situation schafft, in der Friedrich der Große sich befand. Er war ein monarchischer Emporkömmling in den Augen der anderen gekrönten Häupter Europas; er war umzingelt von Feinden, was ihm allerdings sehr recht war, weil es ihm permanent einen Grund für seine Kriege lieferte. So ganz nebenbei tuscht der Zauber auch noch ein Sittengemälde des 18. Jahrhunderts auf das Papier - ein weibisches und verlogenes Jahrhundert entsteht vor dem Auge des Lesers. Ob das alles nun stimmt oder eher nicht? Es ist wie mit den Einlassungen zur ägyptischen Kultur in den Joseph-Romanen: Selbst wenn es erfunden und erdichtet ist - es klingt plausibel. Unterhaltsam auf hohem Niveau ist es allemal.

LG

Tom