Autor Thema: "Wer das Leben liebt, liest nicht."  (Gelesen 4626 mal)

Offline Zola

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"Wer das Leben liebt, liest nicht."
« Antwort #15 am: 28. Februar 2005, 16:03 »
Zitat von: nimue
mal eine Zwischenfrage: Was ist schlimm an Realitätsflucht?


Es kommt drauf an wie stark sie ist.
Wer vor der Realität flieht, verändert sie nicht.

Offline nimue

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"Wer das Leben liebt, liest nicht."
« Antwort #16 am: 28. Februar 2005, 17:22 »
Hallo,

Zitat von: Zola
Es kommt drauf an wie stark sie ist.
Wer vor der Realität flieht, verändert sie nicht.


O.k...jetzt wirds philosophisch. Meiner Meinung nach ist das dann aber schon wieder Realität, weil sie sich durch "Wirklichkeit" definiert. In dem Moment, in dem ich der Realität entfliehe, ist das schon wieder Realität und somit verändere ich sie aktiv.

Ich bin der Meinung, dass es nicht möglich ist, die Realität nicht zu verändern. Egal was man tut.

Liebe Grüße
nimue

Offline Bettina Andrea

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"Wer das Leben liebt, liest nicht."
« Antwort #17 am: 28. Februar 2005, 17:39 »
Hallo,

wer das Leben liebt, liest nicht, weil ein Buch Grundlegendes ändern kann.   :zwinker:

LG
Bettina
Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele.
Cicero

Offline Zola

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"Wer das Leben liebt, liest nicht."
« Antwort #18 am: 28. Februar 2005, 17:42 »
Zitat von: nimue
Ich bin der Meinung, dass es nicht möglich ist, die Realität nicht zu verändern. Egal was man tut.


Realitätsflucht ist (für mich)  meist ein Ausbruch aus der (physischen) Realität auf geistiger Ebene.

Ein schönes Beispiel war die Christianisierung amerikanischer Sklaven: "Euer Leben (eure Realität) als Sklaven ist schlecht. Aber wenn ihr als gute Christen lebt, erwartet euch nach dem Tod das Himmelreich."
Die Realitätsflucht war in dem Fall der Glaube.

Offline sandhofer

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Flucht
« Antwort #19 am: 28. Februar 2005, 17:57 »
Hallo zusammen!

Zitat von: nimue
Was ist schlimm an Realitätsflucht?

Nun, du bist vor ihr geflohen, ausgebüxt, ausgerissen, ausge-rückt. Du hast ihr den Rück-en zugedreht. Du bist von ihr abge-rückt - mit einem Wort:

Eventuell bist du ent-rückt, ganz sicher aber ver-rückt  :breitgrins:  :breitgrins:  :breitgrins:

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline finsbury

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umgekehrt
« Antwort #20 am: 28. Februar 2005, 18:28 »
Hallo liebe Bücherfreunde,

aus dem Houllebeque- Zitat wird wohl für viele von uns umgekehrt ein Schuh:
Wer das Leben liebt, liest!

Die meisten von uns sind wohl weder Misanthrophen noch Lebensverneiner.
Ich lese, weil ich in der mir leider nur zur Verfügung stehenden Lebenszeit unmöglich direkt so tiefen Einblick in so viel unterschiedliche Schicksale, Lebensumstände, Gedanken und Gefühle erhalten kann, wie es mir die Literatur  (und die Musik, @ Gitta ;-)) ermöglicht.
Diese Kenntnis  wiederum bereichert uns Viellesern die Sicht auf das wirkliche Leben. Ich glaube, dass ich auf eine Menge Reaktionsweisen meiner Mitmenschen durch Lektüre vorbereitet worden bin, die mich sonst nur hilflos gelassen hätten. Ganz abgesehen von dem Spektrum an Bildern, in das Landschaften und Historie dadurch getaucht werden.

Vielleicht  verliert man die Naivität des unmittelbaren Zugangs zur Realität, aber welches Reich der Bezüge wird einem dafür geschenkt ...

HG
finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Dostoevskij

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"Wer das Leben liebt, liest nicht."
« Antwort #21 am: 28. Februar 2005, 21:27 »
Moin, Moin!

Mir passiert es selten, daß ich mich bei Realem an etwas in einem Buch Gelesenen erinnere. Viel eher habe ich ein deja-vu und muß überlegen, bis mir einfällt, daß ich die erlebte Situation aus einem Loriotsketch kenne bzw. daß Loriot sie erfunden haben könnte.
Keep reading, Markus Kolbeck
Leipziger Bücherlei http://www.buecherlei.de/

Offline nimue

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Re: Flucht
« Antwort #22 am: 1. März 2005, 08:38 »
Zitat von: sandhofer
Eventuell bist du ent-rückt, ganz sicher aber ver-rückt  :breitgrins:  :breitgrins:  :breitgrins:


totlach

Offline Sovereign

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"Wer das Leben liebt, liest nicht."
« Antwort #23 am: 8. März 2005, 13:29 »
Zitat
Die meisten von uns sind wohl weder Misanthrophen noch Lebensverneiner.



Nun, man kann es auch so sehen, daß das Lesen ein geeignetes Antitoxin gegen aufkommende Misanthrophie ist. Bücher werden von Menschen geschrieben; insofern kann jemand der gerne Bücher liest, unmöglich ein "vollkommener" Misanthroph sein.

Man kann es auch so sehen: Mit dem Lesen von Büchern insb. von Klassikern hat man die Gelegenheit, sich mit den Ideen und Konzepten der größten Geister der Geschichte auseinanderzusetzen. Ich persönlich nutze meine Zeit lieber, um mich mit den Gedanken längst verstorbener Autoren wie Proust, Dostojwski, Poe, Seneca usw. zu beschäftigen, als meine knapp bemessene Zeit mit  den unter folgendem Zitat geschilderten Zeitgenossen, die leider geschätze 98,5 % der Bevölkerung ausmachen, zu verplempern.

Zitat

Jeden Abend 3 Stunden vor der Glotze sitzen (mit dem Nebeneffekt, dass man dabei verblödet), der fanatische Fußballfan, der auf jedes Spiel muß und alles über den Verein wissen muß und den Fanclub leitet, gewisse Formen der Religiosität, Arbeitssucht, durchtanzte Abende in der techno-Disko.


Das ganze klingt jetzt doch etwas misantrophisch und bösartig angehaucht, aber egal!  :entsetzt: