Farben, Symbolik? - Stil, Poetik, Romankunst – bei Th. F…?
Was die Struktur seiner Romane angeht, schwankte Fontane im Wesentlichen zwischen zwei Möglichen Realisierungen, also Erzähltypen, für die er selber die Begriffe „Vielheitsroman" und „Einheitsroman" prägte.
„Meinst Du nicht auch", schreibt er an Romancier Paul Heyse am 9. Dezember 1878, „daß neben Romanen [. . .], in denen wir ein Menschenleben von seinem Anbeginn an betrachten, auch solche berechtigt sind, die statt des Individuums einen vielgestaltigen Zeitabschnitt unter die Lupe nehmen? Kann in solchem Falle nicht auch eine Vielheit zur Einheit werden? Das größte dramatische Interesse, soviel räum ich ein, wird freilich immer den Erzählungen ,mit einem Helden' verbleiben, aber auch der Vielheitsroman, mit all seinen Breiten und Hindernissen, mit seinen Porträtmassen und Episoden, wird sich dem Einheitsroman ebenbürtig - nicht an Wirkung, aber an Kunst - an die Seite stellen können, wenn er nur nicht willkürlich verfährt, vielmehr immer nur solche Retardierungen bringt, die, während sie momentan den Gesamtzweck zu vergessen scheinen, diesem recht eigentlich dienen."
Als Vorbild für den definierten „Vielheitsroman" diente der Romankunst des „Nebeneinander" von Karl Gutzkow, dessen „Zauberer von Rom“ [der Roman ist nicht mal in Kindlers Literatur-Lexikon verzeichnet] Fontane besonders geschätzt hat. Deutlich hat Fontane dieses Modell in seinem historischen Roman „Vor dem Sturm“ (1878) erzählerisch umgesetzt, als dessen „Stärke" er nicht den Inhalt, sondern die Komposition, die Überschneidung verschiedenartiger Motive und „Lebenskreise", ansah. In seinen späteren Romanen entschied sich Fontane wohl eher für einen Kompromiß zwischen dem „Vielheits-" und dem „Einheitsroman".
– Aber poetologisch-formale Fragen haben Th. F. nicht sehr interessiert. Oft schreib er mit dem „Psychographen“ – und er war selber überrascht, welche Motive, Bezüge und Intentionen zur Realität – dem Hintergrund der Gesellschaft, der Politk und der Psychologie – sich dabei ergaben.
Er - Th. F. - als auktorialer Erzähler versteckte sich aber nie hinter einer seiner vielen Figuren samt Gegenspielern – er schrieb Panorama-Romane oder Gesellschaftsspiegelungen, deren Intention(en) sich – als Abfolge einer Handlungsstrecke – in der Entwicklung der Handlung zwischen „conträren“ Personen, Bedingungen, Annäherungen, Abwandlungen und Ab-Lösungen und in ihren vielen symbolischen Vergegenwärtigungen und Vergänglichkeiten sich entwickelten. (S. in den vielen Kontrasten das Eingangskapitel zu „Effi Briest“ und die verwandelte, abgetragene Szenerie dort im Schlusskapitel.)
*
Ich wundere mich selber, dass diese Fontaneschen Begriffe nicht Eingang in die allgem. literaturwissenschaftl. Begrifflichkeit, die schulische "Stil-Sprache" und entsprechende Wörterbücher gefunden haben. - Weiß jemand da einen Hinweis?
*
Mhm – aber zu „safran-gelb“ – also konkret zu den Farben in ihrer Symbolik - und in der Bedeutung für die Kleidung ihrer Träger - da weiß ich nichts Konkretes.
Stephanie ':winken:'