Autor Thema: Theodor Fontane  (Gelesen 30930 mal)

Offline Hubert

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Fontane:"Unwiederbringlich" oder "Vor dem Sturm"
« Antwort #150 am: 3. April 2011, 23:43 »
Hallo Steffi,
hallo Maria,
hallo Harald,
hallo Fäustchen,

vielen Dank euch Allen für die Hinweise zu Fontanes Romanen. Wenn ich die Stimmen richtig ausgezählt habe hat "Unwiederbringlich" (Fäustchen, Steffi, Harald) knapp vor "Vor dem Sturm" (Harald, Maria) gewonnen und wird also demnächst als Lesevorschlag von mir eingebracht.

LG

Hubert

Offline Hubert

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #151 am: 3. April 2011, 23:45 »
Hallo,

am intensivsten hat sich mir von "Vor dem Sturm" ein Memento-mori-Motiv eingeprägt:

...durch die nördöstlichen Tore der Stadt zog das Elend, durch die westlichen der Glanz des Krieges herein. In den Straßen aber begegneten beide einander und sahen sich verwundert, oft beinahe feindselig an.

"So waren wir", sagten die finstren Blicke der einen, aber das entsprechende: "So werden wir sein", erlosch in dem Leichtsinn und der Eitelkeit der anderen.


Gruß,
Maria

Vielen Dank, Maria, für das schöne Zitat. "Vor dem Sturm" fällt natürlich nicht für immer unter den Tisch, weil irgendwann will ich alles von Fontane gelesen haben

Offline Hubert

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #152 am: 3. April 2011, 23:53 »
Hallo,

eine Fontane-Runde käme mir sehr entgegen. Die drei oben Genannten kenne ich nicht, habe auch keines davon im Regal. Ungelesen steht "Jenny Treibel" auf den Brettern. Könnt Ihr Euch damit anfreunden (ab Mitte Mai)?

LG

Tom

Hallo Tom,

das freut mich, dass Dir eine Fontane-Runde entgegen käme, allerdings wollte ich jetzt einen Roman lesen, den ich noch nicht kenne – mal sehen was Olympia dazu sagt. Andererseits bevor keine Fontane-Runde zusammen kommt, würde ich auch „Jenny Treibel“ nochmals lesen. Das Beste aber wäre, Du liest jetzt „Unwiederbringlich“ mit (Mitte Mai wäre okay) und wenn die Leserunde gut läuft, sprich: wir noch ein paar Fontane-Freunde gewinnen können, machst Du einen Vorschlag zu „Jenny Treibel“: ich wäre dann da auch dabei. 

Offline Sir Thomas

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Antw:Re: Theodor Fontane
« Antwort #153 am: 31. Mai 2011, 17:58 »
Eins werfe ich Fontane deshalb ein bisschen vor. Überall ist zu lesen, er liefere ein Bild seiner "Zeit", dafür kommt mir aber die hochindustrielle Ära mit ihren Umbrüchen doch zu kurz.

Fontane hat im Jahr 1853 die Frage "Was verstehen wir unter Realismus?" wie folgt beantwortet:

Vor allen Dingen verstehen wir nicht darunter das nackte Wiedergeben alltäglichen Lebens, am wenigsten seines Elends und seiner Schattenseiten. [...] Wohl ist das Motto des Realismus der Goethesche Zuruf:

Greif nur hinein ins volle Menschenleben,
Wo du es packst, da ist's interessant,
 
aber freilich, die Hand, die diesen Griff tut, muss eine künstlerische sein.


Das unterscheidet Fontane positiv bspw. von dem französischen Elend-Chronisten Zola, dem ich diesen künstlerischen Griff abspreche zugunsten journalistischer Kompetenz (die Fontante aber auch hatte).

LG

Tom

Offline JMaria

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #154 am: 31. Mai 2011, 19:18 »
Hallo zusammen,

ich möchte euch (Tom, Hubert, André) noch eine schöne Leserunde "Unwiederbringlich" wünschen. Ich habe das Buch vor ein paar Monaten sehr genossen !

PS:
gehört Zola nicht dem Naturalismus an, der sich aus dem bürgerlichen Realismus heraus entwickelte?
und hat etwas mit der objektiven Wirklichkeitsdarstellung mit all ihrer Hässlichkeit aus dem Elend der Industrialisierung heraus zu tun?


Grüße von
Maria
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Offline André

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #155 am: 31. Mai 2011, 19:58 »
Hallo zusammen,

ich möchte euch (Tom, Hubert, André) noch eine schöne Leserunde "Unwiederbringlich" wünschen. Ich habe das Buch vor ein paar Monaten sehr genossen !



Danke. Schade, dass du nicht mit dabei bist, da wir mit drei Leuten eine sehr kleine Runde bilden. Aber kleine Runden haben auch ihre Vorteile.
Miguel de Cervantes Saavedra:                           "Don Quixote von la Mancha" 
- Tieck Übersetzung -

Offline Sir Thomas

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #156 am: 31. Mai 2011, 21:19 »
ich möchte euch (Tom, Hubert, André) noch eine schöne Leserunde "Unwiederbringlich" wünschen.

Vielen Dank.

gehört Zola nicht dem Naturalismus an, der sich aus dem bürgerlichen Realismus heraus entwickelte?

Diese künstliche Trennung Naturalismus/Realismus habe ich nie verstanden. Ich glaube, es handelt sich dabei um eine Erfindung Zolas.

LG

Tom

Offline Hubert

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #157 am: 1. Juni 2011, 21:20 »
Hallo zusammen,

ich möchte euch (Tom, Hubert, André) noch eine schöne Leserunde "Unwiederbringlich" wünschen. Ich habe das Buch vor ein paar Monaten sehr genossen !

Grüße von
Maria

Hallo Maria,

vielen Dank. Schade, dass Du den Roman schon gelesen hast – ich erinnere mich noch gerne an unsere gemeinsame Leserunde von „Effi Briest“

LG

Hubert

Offline JMaria

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #158 am: 2. Juni 2011, 14:39 »

  vielen Dank. Schade, dass Du den Roman schon gelesen hast – ich erinnere mich noch gerne an unsere gemeinsame Leserunde von „Effi Briest“

LG

Hubert


Hallo Hubert,

das war wirklich eine besonders intensive Leserunde. Ich denke auch sehr gerne daran zurück :-)

Grüße von
Maria
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Offline Sir Thomas

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #159 am: 7. Juni 2011, 15:47 »
Liebe Fontane-Freunde,

Fontane hatte, so lese ich eben, eine ausgesprochene Vorliebe für die nordische Welt und charakterisierte sich selbst als „ausgesprochen nicht südlich“. Meine aktuelle Lektüre („Unwiederbringlich“) bestätigt das.

Meine Frage an die Fontane-Experten: Hat er die nordische Literatur seiner Zeit (Ibsen, Strindberg, den frühen Hamsun) gekannt und wenn ja: Hat er sie geschätzt? Meine These: Wenn Fontane Hamsun gekannt und gelesen hat, dann dürfte er zutiefst verwirrt gewesen sein angesichts der Modernität des jungen Norwegers, der seine Geschichten und Charaktere am Rand der bürgerlichen Gesellschaft und Vernunft angesiedelt hat – ganz anders als unser Großmeister aus Brandenburg.     

Und noch eine Frage: Kannte Fontane die zum Teil aus der Tradition nordischer Volksmusik heraus entstandenen Werke Edvard Griegs?

Ich hoffe, Ihr kennt Euch aus ...

LG

Tom
« Letzte Änderung: 7. Juni 2011, 16:40 von Sir Thomas »

Offline JMaria

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #160 am: 7. Juni 2011, 16:28 »
Hat er die nordische Literatur seiner Zeit (Ibsen, Strindberg, den frühen Hamsun) gekannt und wenn ja: Hat er sie geschätzt? 
 


Hallo Tom,

zu Ibsen kann ich dir etwas weiterhelfen, wenn man sich zwei Theaterkritiken von Fontane anschaut, "Gespenster" und "Die Wildente" und ihn selbst zu Wort bittet:

(...)Der Verein "Freie Bühne" eröffnete gestern die Reihe seiner für  diesen Winter geplanten acht Vorstellungen auf der Bühne des Lessing-Theaters, und zwar mit Ibsens "Gespenster", eine Wahl, die mir in doppelter Hinsicht die richtige zu sein schien: einmal in Huldigung gegen Ibsen, der (wenigstens aufs Dramatische hin angesehen) als Ältester wie als Haupt der neuen realistischen Schule dasteht, zum zweiten aus gebotener Klugheit... (...)

über "Die Wildente"...

(...) Beiden (Gespenster und Die Wildente) gemeinsam ist die Wahrheit und Ungeschminktheit in der Wiedergabe des Lebens, beiden gemeinsam auch die pessimistische Weltanschauung. "Alles ist eitel"; wohin wir blicken, Phrasen, die wir uns gewöhnt haben "Ideale" zu nennen, Lügenideale, mit denen, so verstehen wir Ibsen, als nächstes Menschheitsziel aufgeräumt werden muß.... (...)


sind nur kurze Auszüge, doch zeigen sie eine gewissen Hochachtung vor dem Dramatiker Ibsen.




Viele Grüße
Maria
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Offline Sir Thomas

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #161 am: 7. Juni 2011, 16:39 »
... zu Ibsen kann ich dir etwas weiterhelfen ...

Danke, Maria! Ich lese aus Deinen Auszügen auch eine Wertschätzung Fontanes für Ibsen heraus.

LG

Tom

Offline JMaria

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #162 am: 7. Juni 2011, 17:52 »
Meine Frage an die Fontane-Experten: Hat er die nordische Literatur seiner Zeit (Ibsen, Strindberg, den frühen Hamsun) gekannt und wenn ja: Hat er sie geschätzt? Meine These: Wenn Fontane Hamsun gekannt und gelesen hat, dann dürfte er zutiefst verwirrt gewesen sein angesichts der Modernität des jungen Norwegers, der seine Geschichten und Charaktere am Rand der bürgerlichen Gesellschaft und Vernunft angesiedelt hat – ganz anders als unser Großmeister aus Brandenburg.     

Und noch eine Frage: Kannte Fontane die zum Teil aus der Tradition nordischer Volksmusik heraus entstandenen Werke Edvard Griegs?
 


so, ich habe nun "Fontanes Welt" von Helmuth Nürnberger hinzugezogen, eine empfehlenswerte Biographie, die ich vor Jahren las und das ein Namensregister beinhaltet. Ibsen wird in diversen Stellen erwähnt, als Vorreiter des Naturalismus in Skandinavien, doch leider findet sich nichts über Grieg, Hamsun, Strindberg.

LG
Maria
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Offline Sir Thomas

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Antw:Theodor Fontane
« Antwort #163 am: 7. Juni 2011, 18:02 »
... leider findet sich nichts über Grieg, Hamsun, Strindberg.

Das ist schade - und vielleicht ein Hinweis darauf, dass Fontane diese Personen und deren Werke nicht kannte.

Vielen Dank für Deine Mühe!

LG

Tom
« Letzte Änderung: 8. Juni 2011, 11:50 von Sir Thomas »