Hallo!
Ich habe diesen Thread mit Interesse verfolgt.

Das letzte Werk, dass ich von Fontane gelesen habe war "Irrungen, Wirrungen" anlässlich meiner Tätigkeit als Nachhilfelehrerin. Mein Schüler besucht die 13te Klasse des Gymnasiums, und wie viele von euch sicherlich wissen werden, ist unser lieber Fontane ein Kandidat, der mit bei der Abi-Abschlussprüfung in der ersten Reihe sitzen wird.
Ich war wirklich begeistert von dem Humor und der Tragik der Realität, die Fontane so genial verbrüdert, dass es eine Freude ist. Ich musste so oft lachen und am Ende sogar fast weinen und zwischendrinn hat man den Eindruck man sei die ganze Zeit mit dabei und man fühlt richtig mit den Charakteren.
"Irrungen und Wirrungen" setzt sich thematisch damit auseinander, inwiefern sich gesellschaftliche Normen und standesmäßige Herkunft auf das private Schicksal auswirken. Die Frage nach "wahren Werten" wird gestellt. Ist es wichtiger sich im Leben finanziell abzusichern, oder sollte man der Liebe und dem persönlichen Glück den Vorzug geben?
Diese Themen sind heute noch aktuell, wenn auch der Rahmen dieser Thematik ein leicht anderer geworden ist.
In "Irrungen und Wirrungen" gibt es kein Happy End. Genau wie es in der Realität meist der Fall ist, sind die Charaktere letztendlich zu schwach ihre Liebe, ihre Träume und ihre gefühlten Werte innerhalb der normativen Gesellschaft durchzusetzen.
Sie gehen Kompromisse ein. Krasse Kompromisse. Kompromisse zum heulen! Das Ende hat mir physisch weh getan, so oft ich auch zu Anfang des Romans lachen musste.
Jedenfalls bin ich seit lesen dieses Romans ein Fontane-Fan. Ich habe zwar damals "Effi Briest" gelesen, doch da wo die Erinnerungen im Gehirnchen abgespeichert werden, scheint sich unter "Effi Briest" die Hauptsynapse ausgeschaltet zu haben.

>>>>wird aufgefrisch<<<<
Ich habe mir vor kurzem ein sehr vielversprechendes biographisch-anthologisches Buch über Fontane zugelegt. (Bin aus Zeitgründen noch nicht zur Lektüre gekommen)
Es heißt: ["Erschrecken sie nicht, ich bin es selbst" - Erinnerungen an Theodor Fontane]
Herausgegeben von Wolfgang Rasch und Christine Hehle Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3-7466-2231-X
ISBN-13:978-3-7466-2231-6
Klappentext: Die einzigartige Sammlung vermittelt ein plastisches Bild von Fontanes Alltag in der Potsdamer Straße 134c mit obligatem Spaziergang, familiärer Geselligkeit und der alles dominierenden Arbeit am berühmt gewordenen Schreibtisch.
"Der komisch-hintergründige Titel garantiert Lesevergnügen"(Berliner Morgenpost)
"50 Erinnerungstexte lassen die Lebensluft verspüren, die um ihn war" (Die Zeit)
Als Fontanes Welt längst untergegangen war, erinnerten sich viele seiner mit Enthusiasmus, ja Liebe und Zärtlichkeit. Wer das Glück hatte, ihm zu begegnen,spürte seine moralische Integrität und war beeindruckt von der geistigen Unabhängigkeit dieser Persönlichkeit. Stets blieb ein charakeristisches Detail, eine komische oder rührende Szene, eine humoristische Wendung, eine einladende Geste im Gedächtnis. Seinem Charme vermochte sich keiner zu entziehen. Verleger, Redakteure und Theaterleute kommen ebenso zu Wort wie die Söhne Theodor und Friedrich und Schwester Elise. Neben den engsten Freunden bekunden die Vertreter der älterern und jüngeren Schriftstellergeneration ihre Liebe und ihren Respekt.
Die aufwendige Recherche der Herausgeber hat sich gelohnt. Entstanden ist ein Lese- und Lebensbuch, dem eine echt Fontanesche Sentenz als Motto dienen könnte: "Die Höhrer wollen gar nichts schweres; sie wollen gut unterhalten sein."
Vielleicht mag ja jemand mitlesen

Liebe Grüße
Jay