hallo hubert,
ein paar bemerkungen:
tom sawyer ist natürlich vorrangig keine liebesgeschichte, die beziehung toms zu becky ist aber eine sehr sehr romantische, die auf einen jugendlichen leser serh stark wirkt.
zu vater goriot:
thema ist die aufopfernde verzehrende liebe eines vaters zu seinen töchtern, sollte also auf jeden fall als liebesgeschichte durchgehen.
zu nabokovs lolita:
ich war der meinung, dass die zeiten, in denen auf "lolita" sofort die replik "kinderschändung" folgte, längst vorbei sind.
offenbar habe ich mich geirrt. es hat an dieser stelle daher auch vermutlich wenig sinn, auf die einzigartigkeit von 'lolita' näher einzugehen.
gruesse aus wien,
stephan
Hallo Stephan,
Zu T.S. und Vater G.:
ich habe nicht gesagt, dass es in diesen beiden Büchern nicht auch um Liebe geht, aber die Eingangsfrage zu diesem Thread war: "Was sind eure Favoriten unter den Klassikern, wenn es darum geht, sich in eine romantische Stimmung zu versetzen? "
und im T.S. gibt es m.M.n. (Du kannst das ja durchaus anders sehen) zu viele Stellen, die jegliche aufkommende romantische Stimmung wieder zerstören (zumindest habe ich das als Kind so empfunden) und wenn ich ein romantisches Stück von Shakespeare nennen müsste, hätte ich sicher kein Problem, aber der King Lear wäre nicht dabei, und was ist Vater G. anderes als die Umsetzung des Lear-Themas, will sagen unter romantischer Liebe verstehe ich nicht Vaterliebe.
Zu Lolita:
Wenn Du auf die Einzigartigkeit dieses Romans hier eingegen willst: nur zu. Auch ich halte "Lolita" für ein großartiges Buch und es gehört zu meinen Lieblingsromanen. Trotzdem: es geht in diesem Buch um Kinderschändung und nicht um romantische Liebe. Nabokov wäre der erste gewesen, der sich dagegen gewehrt hätte, "Lolita" als romantische Liebesgeschichte zu bezeichnen. Ich hoffe, dass die Zeiten nicht vorbeigehen, in denen Kinderschändung als Verbrechen bezeichnet werden darf und nicht unter dem Deckmantel der angeblichen Liebe verteidigt wird.
Gruß von Hubert und schöne Ostertage