Autor Thema: Zeitungen  (Gelesen 6266 mal)

Offline Jaqui

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« Antwort #15 am: 6. April 2005, 21:55 »
Meiner Ansicht nach ist der österreichische Journalismus viel zu wenig kritisch, alles wird für bare Münze hingenommen.

Und was mich im Moment am meisten stört, ist, dass Themen, die eindeutig von der Politik produziert worden sind, total in den Vordergrund rücken.

Nur ein Beispiel: Feinstaub. Von der Politik thematisiert und total falsch. Ich bin selbst gerade an Artikeln dran, die über den Bau einer Schnellstraße in unseren Bezirk handelt und auch bei uns wird dieses Thema mehr als in den Vordergrund gerückt. In Wirklichkeit gibt es diese Problematik gar nicht und wenn es sie gibt, dann nicht dort wo die Politik diese gern hätte. Und dass dies alles von den Journalisten ungeprüft übernommen wird, das stört mich sehr.

Von der Krone, dem Revolverblatt der Nation, wollen wir mal gar nicht reden, aber auch der Standard ist im Moment nicht besser. Lauter konstruierte Themen. Wen interssiert den dass??

Die wirklich wichtigen Themen der Weltgeschichte findet man da auch nicht und wenn dann in einer Seite abgehandelt.

Journalismus wie in Woodward und Bernstein betrieben haben, das war noch Journalismus, aber nicht dieses Hinterherreden der Politik.

Und warum findest du den Journalismus nicht gut in Österreich?

Katrin

Offline Titania

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« Antwort #16 am: 7. April 2005, 15:12 »
Gut, unsere Gründe scheinen wirklich nicht so sehr zu differieren.
Kritisch kann man unsere Blätter nämlich wirklich nicht gerade nennen, und oft fehlt auch eine  gehörige Portion Individualismus im Denken- meiner Meinung nach dringendste Vorraussetzung für Publizisten.

Offline Jaqui

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« Antwort #17 am: 7. April 2005, 16:11 »
Ich nenne nur mal ein Beispiel in punkto Kritik:

ich arbeite selber in einer Redaktion und bekomme daher sehr viele Presseaussendungen. Logisch. Wenn ich dann am nächsten Tag in die Krone oder auch in den Kurier schaue, kann ich die Presseaussendung, die irgendein Mitarbeiter einer Partei geschrieben hat 1:1 lesen. Und das nennt sich dann kritisch???? Aussendungen, die aufgrund einer bestimmten Intention geschrieben wurden, zu übernehmen? Na ich weiß ja nicht, aber kritisch ist das auf keinen Fall.

Katrin

Offline Titania

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« Antwort #18 am: 7. April 2005, 19:40 »
Naja, das die Krone/der Kurier/zeitweise auch Standard nicht die Sterne am publizistischen Himmel sind ist ja auch schon längere Zeit bekannt, insofern sollte man einfach darauf achten welches Blatt einem nun unter die finger kommt, und welches nicht.

Ich...äh... habe aber auch ein wenig Ahnung von Journalismus , und kann garantieren dass es nicht in jeder Redaktion mit so viel unsachlichkeit zugeht wie in jenen Letzterer Zeitungen.

Offline sandhofer

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« Antwort #19 am: 8. April 2005, 05:58 »
Hallo zusammen!

Habe den Thread mal ins Off-Topic-Forum verschoben, da eine Diskussion österreichischer Zeitungen imho wirklich nix mehr mit Literatur zu tun hat.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

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« Antwort #20 am: 10. April 2005, 11:56 »
Zitat von: Titania
Was genau ist eigentlich der Grund dafür dass ihr den österreichischen Journalismus für ''unter aller Sau'' erachtet (Rein rhetorisch, fehlende Sachlichkeit,...)?


Viele Gründe wurden schon genannt. Es gibt keine Zeitung in Österreich, die ein gutes Feuilleton hat oder einen guten Außenpolitikteil. Eigene Auslandskorrespondenten werden so gut wie nicht beschäftigt, ganz im Gegensatz zu anderen "großen" Zeitungen.

Die Rolle der Kronenzeitung ist ebenso deprimierend wie die Publikationen des Hauses Fellner, die Anzeigenblätter mit ein paar redaktionellen Artikel umgeben. Dass man dort Artikel kaufen kann ist auch hinlänglich bekannt.

Investigativen Journalismus gibt es auch kaum (Ausnahme: Falter, und ab und zu Profil).

CK

Offline Jaqui

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« Antwort #21 am: 11. April 2005, 12:50 »
Ich habe eine Zeitlang Profil abboniert und musste irgendwann enttäuscht feststellen, dass diese Zeitschrift auch nicht besser als News oder ähnliches ist. Wenn ich Klatsch und Tratsch lesen will, dann nehme ich eine andere Zeitung, von denen wir ja mehr als genug haben.

Katrin

Offline Imrahil

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« Antwort #22 am: 4. Mai 2005, 13:24 »
Salut zusammen,

Wollte nur melden, dass mein Probeabo (zum vergünstigten Studentenpreis natürlich  :zwinker: ) bei der FAZ begonnen hat. Und ich bin sicher, diese Zeitung nun auf längere Sicht zu abonnieren.
Man hat natürlich nicht die Zeit alles zu lesen, und Teile wie den "Finanzmarkt" landen auch Flugs im Altpapier, aber in der Hauptsache geht es mir ja ums Feuilleton. Und dieses hat mich bisher absolut überzeugt. Da lese ich über Klassikerautoren wie Gottfried Keller, Hartmann von Aue, Bettina von Arnim, von aktuellen wie Ian McEwan, aber auch gute Musikbeiträge (gerade heute zur legendären Band "Cream"), Theaterrezensionen oder aber Historisches. Freue mich zur Zeit jedenfalls Tag für Tag auf die FAZ  :zwinker:

Imrahil
"Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

Offline xenophanes

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« Antwort #23 am: 4. Mai 2005, 17:22 »
Zitat von: Imrahil

Wollte nur melden, dass mein Probeabo (zum vergünstigten Studentenpreis natürlich  :zwinker: )


Als Student hat man ja auch das Zeitbudget dafür. Als ich die FAZ als Student im Abo hatte, las ich auch immer gerne die Buchvorabdrucke.

CK

Offline Dostoevskij

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Re: Zeitungen
« Antwort #24 am: 25. Juni 2010, 10:39 »
Moin, Moin!

Gestern Nacht fand ich auf dem Heimweg von einem Umtrunk im Biergarten die neue Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Seit bestimmt mehr als 10 Jahren habe ich keine Zeitung mehr gelesen, von sporadischen Versuchen mit der LVZ während der Pausen auf Station einmal abgesehen. Mich erstaunte, wie anders es war, die Artikel zu lesen. Ich habe vergessen, welches Feeling, welch haptisches Erlebnis es ist, einen solchen Koloß von Wochenzeitung zu bändigen. Allein schon das Umschlagen der Seiten, die Kontrolle, welche Artikel einem fehlen, welche man auslassen wird, welche man später lesen möchte… Was mich bei dieser Sache am meisten überraschte, ist, wie unterschiedlich die Lektüre wirkt. Im Lauf der Jahre habe ich mich an die alleinige Rezeption von Online- Texten gewöhnt und die Überzeugung gewonnen, daß sie deckungsgleich mit der Offline-Variante wäre und es keine Rolle spiele, zu welcher man greife. Das stimmt so nicht. Wenn ich einen längeren Artikel in der Zeitung lese, die ich aufgeschlagen halte, fällt das Mäandern weg, das sich unwillkürlich einstelllt, wenn man etwas am Bildschirm verfolgt. Papierzeitungen lesen ich linear. Am Bildschirm ist die Ungeduld weit größer, springe ich hin und her, folge ich Links, kehre zurück, überspringe viel schneller eine Passage, abstrahiere ich zügiger usw. Die gebündeltere Aufmerksamkeit beim Lesen bescherte mir gestern Nacht ein bedenkenswertes Erlebnis, welches insofern von Bedeutung sein könnte, als sich die Erkenntnis, herkömmliches, lineares Lesen sei auch bei der Lektüre der Zeitung ein qualitativer Zugewinn, unter Umständen viel regelmäßiger im Kauf eines Blattes auswirken sollte. Ich sollte nicht warten, bis der Zufall mir wieder liegen gebliebes Material beschert.
Keep reading, Markus Kolbeck
Leipziger Bücherlei http://www.buecherlei.de/

Offline Jaqui

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Re: Zeitungen
« Antwort #25 am: 25. Juni 2010, 14:40 »
Das Internet kann vieles ersetzen, aber das Feeling beim Zeitunglesen wird sich im Internet nie einstellen.

Katrin
*bekennende Zeitungsleserin*