Hallo,
ich habe das Buch gestern fertiggelesen. Anschließend habe ich das 25. Kapitel (der "Teufelspakt") nochmals gelesen und jetzt den Zusammenhang besser verstanden. Adrian ist den Pakt mit dem Teufel eigentlich nicht aus freien Stücken eingegangen, sondern er war zur "Verdammnis" auserwählt. Jetzt gibt es auch einen Grund, weshalb Thomas Mann explizit wert darauf legte, dass Adrian Protestant war.
Klar wurde mir dieser Zusammenhang erstmals durch den Besuch Nepomuks, dessen Gebete vom (schweizerischen) calvinistischen Protestantismus geprägt waren.
Was mich wundert ist, dass Adrian als mitteldeutscher Prostestant der Prädestinationslehre anhängt (das hat er in seiner "Bekenntnisrede" am Ende des Buchs erklärt). Seiner Herkunft nach sollte er eigentlich Lutheraner sein, und somit seinem Glaube nach sein Schicksal selbst in der Hand haben (Erlösung durch den Glauben und die Gnade Gottes).
Im Grunde liegt im Roman "Doktor Faustus" somit kein freiwilliger Teufelspakt vor, sondern Adrian erfährt eigentlich nur, dass er zur Verdammnis auserwählt wurde und er den Pakt somit fast unfreiwillig eingeht.
Sehr schön hat mir gefallen, wie Thomas Mann den Teufelspakt ausgearbeitet hat. Es bleibt offen: Hat Adrian wirklich den Teufel getroffen und war Esmeralda eine Gesandte des Teufels (immer wieder bringt er sie in Zusammenhang mit dem Schmetterling "Hetera Esmeralda", den ihm sein Vater zu Beginn des Buches gezeigt hatte), die ihn mit der Syphilis ansteckte, was ihn in Wahnsinn und Tod führte oder hat Adrian sich aufgrund seiner Religiosität und seines damit verbundenen Schicksalsglaubens die ganzen Zusammenhänge und das Zusammentreffen mit dem Teufel zusammengesponnen ?
Schade, dass ich keinen besonderen Bezug zur (klassischen) Musik habe, sonst wäre das wohl eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe. Aber auch so kann ich im Nachhinein sagen, dass ich den "Doktor Faustus" für einen großartiger Roman halte. Hier ist ein Kommentar in der Größenordnung der "Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe" sicherlich angebracht, zumindest ich bin mir sicher, dass mir (mangels ausführlichen Kommentars) einiges entgangen ist.
Ich werde jetzt im Anschluß noch "Die Entstehung des Doktor Faustus" lesen.
Viele Grüße,
Zola