Autor Thema: April 2005: Thomas Mann - Doktor Faustus  (Gelesen 6141 mal)

Offline Evelyne Marti

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Thomas Mann - Doktor Faustus
« Antwort #30 am: 2. Mai 2005, 03:01 »
Halihallo

Huch, Ihr seid aber stille Leser    :breitgrins:

Ich bin mittlerweile fertig mit dem Doktor Faustus, was nicht heissen soll, dass ich nicht gern weiterposte mit Euch, falls sich noch was tut.   :zwinker:

Zitat:

http://www.evelyne-marti.com/zitate.html

Am Besten gefallen mir die anmutigen Musikbeschreibungen. Auch der Erzählfluss ist angenehm, die realistischen Szenerien eindrücklich. Doch überall, wo die Handlung sich ins Phantastische kehrt, empfinde ich es zu theatralisch, vor allem am Schluss. Allerdings finde ich die Idee originell, Adrians Rede in grobschlächtigem Mundart vortragen zu lassen. Damit wird die unbewusst-volkstümlich triebhafte Teufelsnaturhaftigkeit hervorgehoben, durch die merkwürdigen Verbesserungen poetisiert.

Offline Zola

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Thomas Mann - Doktor Faustus
« Antwort #31 am: 3. Mai 2005, 13:30 »
Hallo,

ich habe das Buch gestern fertiggelesen.  Anschließend habe ich das 25. Kapitel (der "Teufelspakt") nochmals gelesen und jetzt den Zusammenhang besser verstanden. Adrian ist den Pakt mit dem Teufel eigentlich nicht aus freien Stücken eingegangen, sondern er war zur "Verdammnis" auserwählt. Jetzt gibt es auch einen  Grund, weshalb Thomas  Mann explizit wert darauf legte, dass Adrian Protestant war.

Klar wurde mir dieser Zusammenhang erstmals durch den Besuch Nepomuks, dessen Gebete vom (schweizerischen) calvinistischen Protestantismus geprägt waren.
Was mich wundert ist, dass Adrian als mitteldeutscher Prostestant der Prädestinationslehre anhängt (das hat er in seiner "Bekenntnisrede" am Ende des Buchs erklärt). Seiner Herkunft nach sollte er eigentlich Lutheraner sein, und somit seinem Glaube nach sein Schicksal selbst in der Hand haben (Erlösung durch den Glauben und die Gnade Gottes).

Im Grunde liegt im Roman "Doktor Faustus" somit kein freiwilliger Teufelspakt vor, sondern Adrian erfährt eigentlich nur, dass er zur Verdammnis auserwählt wurde und er den Pakt somit fast unfreiwillig eingeht.

Sehr schön hat mir gefallen, wie Thomas Mann den Teufelspakt ausgearbeitet hat. Es bleibt offen: Hat Adrian wirklich den Teufel getroffen und war Esmeralda eine Gesandte des Teufels (immer wieder bringt er sie in Zusammenhang mit dem Schmetterling "Hetera Esmeralda", den ihm sein Vater zu Beginn des Buches gezeigt hatte), die ihn mit der Syphilis ansteckte, was ihn in Wahnsinn und Tod führte oder hat Adrian sich aufgrund seiner Religiosität und seines damit verbundenen Schicksalsglaubens die ganzen Zusammenhänge und das Zusammentreffen mit dem Teufel zusammengesponnen ?

Schade, dass ich keinen besonderen Bezug zur (klassischen) Musik habe, sonst wäre das wohl eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe. Aber auch so kann ich im Nachhinein sagen, dass ich den "Doktor Faustus" für einen großartiger Roman halte. Hier ist ein Kommentar in der Größenordnung der "Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe" sicherlich angebracht, zumindest ich bin mir sicher, dass mir (mangels ausführlichen Kommentars) einiges entgangen ist.

Ich werde jetzt im Anschluß noch "Die Entstehung des Doktor Faustus" lesen.

Viele Grüße,
Zola