Autor Thema: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?  (Gelesen 9819 mal)

Offline Caiman

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Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« am: 26. April 2005, 00:38 »
Hallo!

Ich habe ein großes Problem: des öfteren gerate ich an Bücher, die mir nicht so gut gefallen oder bei denen ich denke, die müsste ich nicht gelesen haben oder in der Zeit kann ich was besseres lesen. Leider stell ich das oft erst nach 50 oder 100 Seiten fest. Dann stehe ich vor dem Dilemma, das Buch wegzulegen und damit angebrochen/angelesen zu lassen, oder aber es zu Ende zu lesen und mich dabei zu langweilen oder zu ärgern. Was soll man da tun? Jemand eine Idee?

Die meisten, die ich gefragt hab, sagen, dass sie ein einmal angefangenes Buch auch zu Ende lesen, ich denk aber auch, dass man ganz schlimme Sachen lieber schnell von sich entfernen sollte. Andererseits hab ich dann fast schon wieder ein schlechtes Gewissen oder ein Gefühl der Unvollständigkeit oder was weiß ich...  :smile:

Mich würde eure geschätzte Meinung dazu interessieren!

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #1 am: 26. April 2005, 00:53 »
Zitat von: Caiman
Ich habe ein großes Problem: des öfteren gerate ich an Bücher, die mir nicht so gut gefallen oder bei denen ich denke, die müsste ich nicht gelesen haben oder in der Zeit kann ich was besseres lesen. Leider stell ich das oft erst nach 50 oder 100 Seiten fest.

Weglesen, äh, weglegen und was anderes lesen. Und zwar zügig. Pflicht- und Schuldgefühle sind da gänzlich überflüssig.

Ich breche Lektüre ab, wenn sie nicht funktioniert (und wenn der Autor auch Thomas Mann (Josefsromane), Heinrich Mann (Der Atem) oder Musil (Mann ohne Eigenschaft) heißen mag).

Letzthin hab ich mich bis ca. zur Hälfte durch Gustav Frenssens "Otto Babendieck" gequält, nur, weil Arno Schmidt meint, der Roman sei besser als "David Copperfield". Was einfach nur dummes Zeug ist. Also hab ich den Mist weggelegt (wenn ich mich mit der Literatur um 1920 beschäftigen würde, ok --- aber so aus Jux und Dollereiein präfaschistisch verlogener Blut & Boden Quark? No way.)

Merke: Nichts ist so freiwillig wie das Lesen.

(und jetzt kommt CK und raunt so dies und das von den Mühen, die sich lohnen, Widerstände, die man überwinden müsse, intellektuelle Entwicklung und den Untergang des Abendlandes. Wetten?)
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline sandhofer

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #2 am: 26. April 2005, 07:21 »
Hallo zusammen!

Zitat von: giesbert
Ich breche Lektüre ab, wenn sie nicht funktioniert (und wenn der Autor auch Thomas Mann (Josefsromane), Heinrich Mann (Der Atem) oder Musil (Mann ohne Eigenschaft) heißen mag).

Oft, das ist meine Erfahrung, funktioniert's ein paar Jahre später. Manchmal auch erst im dritten oder vierten Anlauf. Das war bei mir so bei Witiko, Divina Commedia, U.S.A. und andern, die mir jetzt nicht gleich in den Sinn kommen.

Zitat von: giesbert
Letzthin hab ich mich bis ca. zur Hälfte durch Gustav Frenssens "Otto Babendieck" gequält, nur, weil Arno Schmidt meint, der Roman sei besser als "David Copperfield". Was einfach nur dummes Zeug ist.

Also ... über Arno Schmidts (nun, sagen wir: recht eigenwillige) Urteile zur Literatur solltest gerade Du dich ja nicht wundern. Bisher hat sich in meinen Augen Schmidts Begeisterung zu einem Werk / Autor erst einmal als gerechtfertigt erwiesen: bei Bulwer Lyttons Was wird er damit machen?. Ich habe es, das war reiner Zufall, in Schmidts Übersetzung gelesen.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #3 am: 26. April 2005, 11:09 »
Zitat von: giesbert
(und jetzt kommt CK und raunt so dies und das von den Mühen, die sich lohnen, Widerstände, die man überwinden müsse, intellektuelle Entwicklung und den Untergang des Abendlandes. Wetten?)


 :belehr:

Es freut mich, dass meine jahrelangen pädagogischen Bemühungen nicht vergeblich waren  :breitgrins:

CK

Roquairol

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Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #4 am: 26. April 2005, 11:28 »
Hallo,
in jungen Jahren habe ich mich auch durch manche Bücher gequält, weil ich meinte, sie für meine literarische Bildung gelesen haben zu müssen. Das Resultat ist, daß ich den Inhalt gerade dieser Bücher heute komplett vergessen habe - ich müßte sie jetzt nochmal lesen. Das "Gefühl der Unvollständigkeit" ist auf diesem Weg also gar nicht zu beseitigen, erzwungene Lektüre somit vollkommen unnütz.

Gruß,
R.

Offline Zola

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #5 am: 26. April 2005, 11:41 »
Hallo,

ich kann nachdem ich 30-40 Seiten gelesen habe Bücher nicht mehr aus der Hand legen, auch wenn sie noch so langweilig oder schlecht geschrieben sind.
An den Inhalt kann ich mich später allerdings im Gegensatz zu Roquairol besonders gut erinnern, da ich mich natürlich schon etwas zum Lesen zwingen muß und dadurch wohl intensiver lese.
Ich kann auch nicht langweilige oder langatmige Stellen überfliegen oder überblättern (was einige Leute scheinbar häufig machen).


Zitat von: giesbert


Ich breche Lektüre ab, wenn sie nicht funktioniert (und wenn der Autor auch Thomas Mann (Josefsromane), Heinrich Mann (Der Atem)


ohje, genau die beiden Sachen wollte ich mir demnächst vornehmen. Hoffentlich haben wir einen unterschiedlichen Geschmack ;-)

Viele Grüße,
Zola

Offline xenophanes

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #6 am: 26. April 2005, 13:15 »
Zitat von: Zola
ohje, genau die beiden Sachen wollte ich mir demnächst vornehmen. Hoffentlich haben wir einen unterschiedlichen Geschmack ;-)


Den MoE nicht?!  :entsetzt:

CK

Offline finsbury

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #7 am: 26. April 2005, 13:23 »
Zitat von: xenophanes

Den MoE nicht?!  :entsetzt:

CK


Hä?

Langsam bekomme ich Schwierigkeiten mit euren Abkürzungen.

HG
finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline nimue

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #8 am: 26. April 2005, 13:25 »
Huhu finsbury,

steht oben in dem Posting, auf das sich das Zitat bezieht: Mann ohne Eigenschaft.

Liebe Grüße
nimue

Offline Zola

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #9 am: 26. April 2005, 14:13 »
Hallo Xenophanes,

Zitat von: xenophanes
Zitat von: Zola
ohje, genau die beiden Sachen wollte ich mir demnächst vornehmen. Hoffentlich haben wir einen unterschiedlichen Geschmack ;-)


Den MoE nicht?!  :entsetzt:

CK


demnächst auf jeden Fall nicht :-)

Offline xenophanes

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Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #10 am: 26. April 2005, 14:18 »
Zitat von: Zola
demnächst auf jeden Fall nicht :-)


Großer Fehler!  :zwinker:

CK

Offline Evelyne Marti

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Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #11 am: 26. April 2005, 14:25 »
Hallo

Bei etabliert anspruchsvoller Literatur habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich eine Menge überlese. Deshalb gelten für mich diese Bücher dann nur als angelesen und ich knöpfe sie mir später nochmal vor.

Bei Büchern, die ich nicht fertig gelesen habe, kommt dagegen kein Unvollständiggefühl auf, da ich weiss, dass ich sie irgendwann doch noch auslese.

Offline Wolf

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Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #12 am: 26. April 2005, 15:54 »
Hallo,

Zitat
Ich habe ein großes Problem: des öfteren gerate ich an Bücher, die mir nicht so gut gefallen


ich versuche zu vermeiden, an Bücher zu geraten, die mir nicht gefallen. Klappt natürlich auch nicht immer. ;-) Aber im Laufe seines Leselebens bekommt man doch schon ein gewisses Gefühl dafür, was einem zusagen könnte, und was nicht. Es kommt natürlich auch darauf an, was das für Bücher sind. Wenn es sich um einen berühmten Klassiker handelt, der von vielen, ganz unterschiedlichen Menschen bewundert wird, dann weiß man, daß sich die Mühe des Lesens wahrscheinlich lohnen wird. Selbst wenn man die Begeisterung nicht so ganz nachvollziehen kann, kann man hinterher wenigstens das Erfolgsgefühl genießen, diese Schwarte endlich bezwungen zu haben.

Zitat
Leider stell ich das oft erst nach 50 oder 100 Seiten fest.


Dann lies halt nur kurze Sachen: wenn Du merkst, daß es Dir nicht gefällt, bist Du schon durch. :-) Bevor ich mir einen dicken Roman vorknöpfe, überlege ich mir schon sehr genau, ob es wirklich genügend gute Gründe dafür gibt, weshalb ich meine Zeit damit verbringen sollte. Wenn ich vorher schon die Befürchtung habe, daß ich den Roman nicht fertiglesen werde, dann fange ich gar nicht erst damit an.

Die Lektüre eines Buches abzubrechen fällt wahrscheinlich umso leichter, je mehr gute Bücher man schon gelesen hat. Dann weiß man, wie es sich anfühlt, wenn »Lektüre funktioniert« (Giesberts Worte), man hat das schon mit vielen unterschiedlichen Büchern erlebt, auch mit Büchern, die man gemeinhin als Hochliteratur bezeichnet; und wenn das mit einem bestimmten Buch nicht klappt, dann legt man es eben beiseite, selbst wenn es von einem weltberühmten Autor geschrieben worden ist. Oder anders gesagt: Wenn ich schon mit Göttern wie Sappho, Shakespeare, Hölderlin und Brentano im siebten Himmel war, dann wurde mir ohnehin schon mehr Glück zuteil, als ich verdiene; wenn mir andere Götter nicht so gnädig gestimmt sind, dann sehe ich es ihnen nach, ich bin schon beschenkt genug. :-)

Schöne Grüße,
Wolf

Offline Giesbert Damaschke

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Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #13 am: 26. April 2005, 16:41 »
Zitat
Stern: Sind Sie noch mußefähig?
Harald Schmidt: Absolut. Aber es muss mich schon sehr packen, damit ich ein Buch überhaupt noch zu Ende lese. "Der Schwarm" von Frank Schätzing? Erstes Kapitel - Schluss! "Vienna" von Eva Menasse? 25 Seiten - Feierabend! Das Tolle an Büchern ist auch, dass man so wahnsinnig gnadenlos sein kann. Einen Film guckt man ja eher noch irgendwie zu Ende. [...] Paulo Coelho. Welches Buch von dem, ist wurscht. Ich habe mal "Der Alchimist" geschenkt gekriegt und dachte, vielleicht tue ich dem Mann ja Unrecht. Zwei Seiten - Feierabend!
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline xenophanes

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Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #14 am: 26. April 2005, 17:39 »
Zitat von: giesbert
Zitat
Stern: Sind Sie noch mußefähig?
Harald Schmidt: Absolut. Aber es muss mich schon sehr packen, damit ich ein Buch überhaupt noch zu Ende lese. "Der Schwarm" von Frank Schätzing? Erstes Kapitel - Schluss! "Vienna" von Eva Menasse? 25 Seiten - Feierabend! Das Tolle an Büchern ist auch, dass man so wahnsinnig gnadenlos sein kann. Einen Film guckt man ja eher noch irgendwie zu Ende. [...] Paulo Coelho. Welches Buch von dem, ist wurscht. Ich habe mal "Der Alchimist" geschenkt gekriegt und dachte, vielleicht tue ich dem Mann ja Unrecht. Zwei Seiten - Feierabend!


Das sind ja auch alles schlechte Bücher  :zwinker:

CK