Hallo,
Ich habe ein großes Problem: des öfteren gerate ich an Bücher, die mir nicht so gut gefallen
ich versuche zu vermeiden, an Bücher zu geraten, die mir nicht gefallen. Klappt natürlich auch nicht immer.

Aber im Laufe seines Leselebens bekommt man doch schon ein gewisses Gefühl dafür, was einem zusagen könnte, und was nicht. Es kommt natürlich auch darauf an, was das für Bücher sind. Wenn es sich um einen berühmten Klassiker handelt, der von vielen, ganz unterschiedlichen Menschen bewundert wird, dann weiß man, daß sich die Mühe des Lesens wahrscheinlich lohnen wird. Selbst wenn man die Begeisterung nicht so ganz nachvollziehen kann, kann man hinterher wenigstens das Erfolgsgefühl genießen, diese Schwarte endlich bezwungen zu haben.
Leider stell ich das oft erst nach 50 oder 100 Seiten fest.
Dann lies halt nur kurze Sachen: wenn Du merkst, daß es Dir nicht gefällt, bist Du schon durch.

Bevor ich mir einen dicken Roman vorknöpfe, überlege ich mir schon sehr genau, ob es wirklich genügend gute Gründe dafür gibt, weshalb ich meine Zeit damit verbringen sollte. Wenn ich vorher schon die Befürchtung habe, daß ich den Roman nicht fertiglesen werde, dann fange ich gar nicht erst damit an.
Die Lektüre eines Buches abzubrechen fällt wahrscheinlich umso leichter, je mehr gute Bücher man schon gelesen hat. Dann weiß man, wie es sich anfühlt, wenn »Lektüre funktioniert« (Giesberts Worte), man hat das schon mit vielen unterschiedlichen Büchern erlebt, auch mit Büchern, die man gemeinhin als Hochliteratur bezeichnet; und wenn das mit einem bestimmten Buch nicht klappt, dann legt man es eben beiseite, selbst wenn es von einem weltberühmten Autor geschrieben worden ist. Oder anders gesagt: Wenn ich schon mit Göttern wie Sappho, Shakespeare, Hölderlin und Brentano im siebten Himmel war, dann wurde mir ohnehin schon mehr Glück zuteil, als ich verdiene; wenn mir andere Götter nicht so gnädig gestimmt sind, dann sehe ich es ihnen nach, ich bin schon beschenkt genug.
Schöne Grüße,
Wolf