Ist zwar schon lange her, dass ich Eco gelesen haben, aber ich finde die Rose, das Pendel und die Insel hervorragend, vor allem, was die erkenntnistheoretischen Bezüge angeht. Ich habe die drei Romane als Trilogie gelesen, die - auf sehr unterhaltsame Weise - drei erkenntnistheoretische Positionen beschreibt. Die Rose handelt von der von den Aristotelikern vertretenen Ansicht, dass es dem Verstand möglich ist, durch Abstraktion zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen, und die angemessene literarische Umsetzung dieses Ansatzes ist, selbstverständlich, der klassische Whodunnit-Krimi, in dem der Detektiv durch das Sammeln, Bewerten und Verarbeiten von Informationen zur Wahrheit gelangt. In der Insel, die zur Zeit der Aufklärung spielt, lebt ein Mensch vollkommen isoliert auf einem Schiff und findet außerhalb seiner selbst keinen festen Maßstab, um seine Erkenntnis zu validieren. Als das Schiff die Datumsgrenze passiert, merkt er gar nichts davon und lebt fortan nach seinem eigenen Kalender, der nur noch subjektiv gültig ist. Zeit ist, um es mal mit Kant zu sagen, für ihn nur noch eine Kategorie der Anschauung. Und im Pendel schließlich, das in der Zeit der postmoderne Theorienvielfalt spielt, gibt es überhaupt keine verbindlichen Wahrheiten mehr. Jeder ist von einer anderen abstrusen Theorie besessen, alles könnte wahr sein oder auch nicht und für jede noch so abseitige Idee lassen sich je nach Erkenntnisinteresse sowohl Beweise als auch Gegenbeweise finden. Ich halte diese drei Romane tatsächlich für nobelpreiswürdig. Vom Baudolino war ich dagegen ziemlich enttäuscht, der kam mir wie ein ziemlich konventioneller Historienschinken vor. Andere Sachen von Eco habe ich dann nicht mehr gelesen, was sicher ein Versäumnis war.