Autor Thema: Umberto Eco  (Gelesen 7698 mal)

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #45 am: 21. November 2011, 11:53 »
Abgesehen davon denke ich, dass der SZ-Rezensent (so wie sich das liest) ein typisches Eco-Element verkannt hat,
Äh - nein. Genau darauf hebt Seibt ab. Ich habe natürlich nicht den kompletten Text zitiert. Da ist das Urheberrecht vor ;-).
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Offline Jaqui

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #46 am: 21. November 2011, 13:30 »
Zitat von: Süddeutsche
Ein Leser, der nichts von der Geschichte Europas zwischen 1830 und 1900 wüsste und nichts von den "Protokollen der Weisen von Zion", könnte diesen Roman nur als öde Anhäufung grotesker Unwahrscheinlichkeiten auffassen. Denn für eine wirkliche Ausmalung von Situationen und Charakteren sind selbst die 500 Seiten dieses Wälzers zu kurz

Öhm nicht ganz, okay ein klein bisschen geschichtliche Vorahnung bringe ich mit, von den Weisen von Zion hatte ich gehört, mehr auch nicht - aber dennoch schließt sich so langsam der Kreis, dass ich eine Ahnung davon bekomme wie es zu diesem Judenhass gekommen ist, warum es in den Köpfen damaliger Zeit so präsent war, ja wie es geschichtlich zu so einem Ausmaß kommen konnte.

Nach der gelesenen Rezension wollte ich das Buch schon von meiner Liste streichen, denn massives Vorwissen bringe ich bei dem Thema wahrlich nicht mit. Aber deine Meinung macht mir Mut dem Buch doch eine Chance zu geben, denn eine Ahnung von dem ganzen Hintergrund habe ich auch, mehr aber auch schon nicht mehr.

Katrin

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #47 am: 22. November 2011, 12:14 »
Nach der gelesenen Rezension wollte ich das Buch schon von meiner Liste streichen
ich wüsste gar nicht, warum ich den Roman, Rezensionen hin oder her, überhaupt je auf die Liste setzen sollte ;-).
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Offline klassikfreund

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #48 am: 22. November 2011, 14:37 »
Nach der gelesenen Rezension wollte ich das Buch schon von meiner Liste streichen
ich wüsste gar nicht, warum ich den Roman, Rezensionen hin oder her, überhaupt je auf die Liste setzen sollte ;-).

Ich frag mich auch schon, warum gerade diesen Roman hier so viele lesen wollen. Ist Eco mit seinem "Im Namen der Rose" quasi zum "Must-Read-Autor" mutiert?

Gruß, Thomas

Offline sandhofer

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #49 am: 22. November 2011, 14:54 »
Ist Eco mit seinem "Im Namen der Rose" quasi zum "Must-Read-Autor" mutiert?

Ja.

Leider.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #50 am: 22. November 2011, 14:57 »
Ist Eco mit seinem "Im Namen der Rose" quasi zum "Must-Read-Autor" mutiert?

Ja.

Leider.

Und mit dem nächsten gleich wieder rausgeflogen ;-). Den Namen der Rose fand ich seinerzeit auch klasse. Aber halt nur einmal, eine Zweitlektüre hält der Text nicht aus. Und beim Pendel hat mich seine offensichtliche Beschreibungsunfähigkeit so genervt, dass ich nach 200 Seiten oder so abgebrochen und beschlossen habe, von ihm nur noch, wenn überhaupt, Theorie zu lesen. Prosa kann er einfach nicht.
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Offline Jaqui

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #51 am: 22. November 2011, 15:53 »
Nach der gelesenen Rezension wollte ich das Buch schon von meiner Liste streichen
ich wüsste gar nicht, warum ich den Roman, Rezensionen hin oder her, überhaupt je auf die Liste setzen sollte ;-).

"Der Name der Rose" fand ich damals echt gut, "Die Insel des vorigen Tages" nicht mehr so. Mehr habe ich von ihm nicht gelesen und daher wollte ich ihm noch eine Chance geben und außerdem finde ich das Thema interessant. Ich liebe Verschwörungstheorien. Vielleicht sind die nach Dan Brown und so noch immer voll im Trend.

Katrin

Offline Anita

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #52 am: 22. November 2011, 16:30 »
Ich liebe Verschwörungstheorien.

Dann könnte ich dir den Wolfram Fleischhauer (Beispiel: "Das Buch, in dem die Welt verschwand") empfehlen, aus diesem Grund musst du dir den Eco nicht wirklich antun, denn die Verschwörungstheorie ansich, die ist genau wie mombour sagt, nicht entschlüsselbar aus diesem Roman, viel zu wirr. Eine Regierung gegen die andere, alles Spione und Fälschungen, Theorien hier und dort, die Glaubensgemeinschaften sind alle untereinander verstritten und hetzten - jeder hetzt über jeden und die Juden sind sowieso an allem Schuld. Das Verwirrspiel entschlüsselst du nicht, aber wie es zu dem Judenhass gekommen ist.

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #53 am: 22. November 2011, 16:40 »
Was die "Protokolle" angeht, greift man vielleicht doch besser zur Graphic Novel von Will Eisner (zu der übrigens Eco das Vorwort geschrieben hat ;-))

The Plot
http://www.willeisner.com/library/plot.html
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Offline Jaqui

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #54 am: 22. November 2011, 17:45 »
Dann könnte ich dir den Wolfram Fleischhauer (Beispiel: "Das Buch, in dem die Welt verschwand") empfehlen,

Von Fleischhauer habe ich alles gelesen und alles zu Hause  :winken:
Aber danke für den Tipp und die Info über das Buch von Eco. Falls ich es mal in einer Bib bekomme, nehme ich es sicher mit nach Hause, aber kaufen werde ich es mir sicher nicht.

@Giesbert: Danke für den Tipp. Das Buch hört sich sehr gut an.

Katrin

Offline Lost

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #55 am: 23. November 2011, 12:57 »
Die Protokolle von Zion gibt es übrigens irgendwo als PDF im Internet. Es kann sich also jeder sein Bild davon machen, wobei es schon anstrengend ist den Quatsch zwei Seiten weit zu lesen.

Was Eco betrifft, so meine ich, er wendet sich mit seinen Romanen nicht an die Reste des Bildungsbürgertums oder an akademische Kreise, sondern an Menschen mit historischem Verständnis oder auch nur Interesse, denen nicht alles erklärt oder eingeordnet werden muss (oder die das nicht wollen). Da dann auch mehr oder minder Spezialwissen gefordert ist, bedeutet das natürlich häufig eine Einschränkung für das Verständnis. Das ist auch z.B. bei Pynchon so und eher stärker ausgeprägt. Was den neuen Roman betrifft, so bin ich sehr auf Ecos Methode gespannt, uns die Verschwörungstheorien zu präsentieren.
Solche Autoren wie Eco oder Pynchon haben das Problem, dass sie auch Themen aufgreifen mit denen sich Menschen, die sich im Kulturbetrieb tummeln, oft nicht beschäftigt haben. Aus diesem Kreis kommen aber die Rezensenten, und folglich auch eine gewisse Ratlosigkeit. Bei "Im Namen der Rose" war es relativ einfach, weil hier der Hintergrund schon Reflexe auslöst: Mittelalter = dunkel, Inquisition = Erbarmungslosigkeit und dazu kamen noch die Kriminalhandlung, im Stil eine Sherlock Holmes Romans, die Skurrilität der Figuren und das erst am Schluss aufgelöste Rätsel, also alles für die breite Leserschaft vertraute Spannungselemente. Aber wer hat sich schon mit dem Abenteuer der Navigation beschäftigt oder mit den Geheimgesellschaften?

Offline Isadora

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #56 am: 23. November 2011, 19:27 »
Ist Eco mit seinem "Im Namen der Rose" quasi zum "Must-Read-Autor" mutiert?

Ja.

Leider.

Und mit dem nächsten gleich wieder rausgeflogen ;-). Den Namen der Rose fand ich seinerzeit auch klasse. Aber halt nur einmal, eine Zweitlektüre hält der Text nicht aus. Und beim Pendel hat mich seine offensichtliche Beschreibungsunfähigkeit so genervt, dass ich nach 200 Seiten oder so abgebrochen und beschlossen habe, von ihm nur noch, wenn überhaupt, Theorie zu lesen. Prosa kann er einfach nicht.

Ich mochte und mag das Pendel, muss ich sagen. Gerade seine Fabulierkunst gefällt mir, da es ja in weiten Strecken des Romans nicht um den Plot direkt geht, sondern ewig alles mögliche erzählt wird. Meine Lektüre ist schon einige Jahre her, aber gerade seine Beschreibungen der Umbanda- und Candomblé-Riten sind mir bis heute lebhaft in Erinnerung.

@Lost: Ich weiß nicht, ist auch ein bisschen einseitig, wenn man sagt dass die Kulturbetriebsmenschen mit bestimmten Thematiken nicht auseinandergesetzt haben oder? Ich denke mal das sind Menschen wie alle anderen und ein paar haben sich damit beschäftigt und ein paar nicht, egal aus welchem Bereich sie kommen. Grundsätzlich zielt Eco mMn darauf ab die Romane auf zwei Ebenen lesbar zu machen (typisch Postmoderne, auch Pynchon macht das), nämlich einerseits für die "Normalbevölkerung", die einen unterhaltsamen Roman lesen will und dann für die stärker Interessierten, die auch die Details der Romane aufnehmen und durchdenken wollen. Sprich: Diejenigen, die den ganzen Namen der Rose gelesen haben und diejenigen, die zwischendurch immer einige Seiten überblättert haben, aber endlich wissen wollten wer nun der Mörder ist.  :breitgrins:
Manchmal klappt es für die Unterhaltungsleser besser, manchmal schlechter...

An sich kann ich mir kaum vorstellen, dass die Frage ob Aristoteles eine Poetik über die Komödie geschrieben hat und ob Jesus pro oder contra das Lachen war, mehr Assoziationen und Begeisterungsstürme auslöst als der dämonische Geist der Protokolle der Weisen von Zion, der immer wieder durch die Geschichte zieht. Schließlich haben schon extrem viele Leute was von den Protokollen gehört, jeder davon weiß, dass es mit Antisemitismus zu tun hat, aber mehr ist meistens auch nicht bekannt. Ich denke das kann schon eine gewisse Neugier auslösen, die über "Ah, das Mittelalter" bei der Rose hinausgeht.
... this is nat language at any sinse of the world.

Offline sandhofer

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #57 am: 23. November 2011, 21:02 »
Gerade seine Fabulierkunst gefällt mir, da es ja in weiten Strecken des Romans nicht um den Plot direkt geht, sondern ewig alles mögliche erzählt wird.

Allerdings sind in diesem Genre Jean Paul oder Heimito von Doderer um Längen besser ... ;)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline mombour

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #58 am: 23. November 2011, 21:47 »
Ist Eco mit seinem "Im Namen der Rose" quasi zum "Must-Read-Autor" mutiert?

Ja.

Leider.

Warum leider? Trotz Kritik, die bei diesem Roman durchaus gerechtfertigt ist, schreibt Eco 10 x besser als Dan Brown. Das  alles ist Kritik auf hohem Niveau.  :breitgrins:

Offline mombour

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Antw:Umberto Eco
« Antwort #59 am: 23. November 2011, 22:01 »
Nach der gelesenen Rezension wollte ich das Buch schon von meiner Liste streichen
ich wüsste gar nicht, warum ich den Roman, Rezensionen hin oder her, überhaupt je auf die Liste setzen sollte ;-).

Ich frag mich auch schon, warum gerade diesen Roman hier so viele lesen wollen. Ist Eco mit seinem "Im Namen der Rose" quasi zum "Must-Read-Autor" mutiert?

Obwohl ich in meiner Rezension auf  www.litteratur.ch  Kritik am laufen hatte, möchte ich den Roman auf anderer Ebene verteidigen. Wenn ich diesen Roman nicht gelesen hätte, hätte ich immer noch nicht gewusst, dass es eine solche gefälschte Verschwörung gegeben hat, ganz davon abgesehen, gibt es im Roman einige Passagen, die mir sehr gut gefallen haben. Der Roman zeigt auch auf, mit was für einen Unsinn Menschen manipuliert werden können, immerhin sind einige Quellen des Pamphlets reine Fiktion. Trotzdem haben viele Menschen an diese Verschwörung geglaubt, manche glauben heute noch daran. An diesem Umstand allein können wir schon sehen, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen. Offenbar sind Menschen fähig, an jeden Unsinn zu glauben, wenn man irgendein Gerücht in die Welt setzt, z.B. so etwas: amerikanische Astroniomen haben beobachten können, dass auf dem Mond Aliens gelandet sind. Wenn so eine Meldung durch die Presse geht, durchs Fernsehen usw., dann gibt auch viele Menschen, die daran glauben. Vielleicht wollte Eco ja gerade dieses mit seinem Roman hervorheben.

Liebe Grüße
mombour