Hallo zusammen!
Da haben wir imho 3 auseinanderzuhaltende Fälle vor uns:
1. Spoiler bei Klassikern
2. Spoiler bei Trivialliteratur
3. Spoiler bei Neuerscheinungen[/list:u]
Wer sagt, dass Klassiker nicht auch spannend sind?
Wohl niemand in diesem Forum ...
Ich behaupte, Klassiker sind sogar besonders spannend!
Einverstanden.
Und es ist am Schönsten, das Buch ganz unbelastet und unwissend zu lesen, denn sonst hat man nicht die volle vom Autor beabsichtigte Wirkung des Buches erlebt, und dazu gehören eindeutig auch Spannungsbögen, nicht nur einzelne Erzählelemente.
Wieweit die triviale Spannung "Was geschieht als nächstes?" bei jedem guten Autor tatsächlich beabsichtigt ist oder auch nur im Vorder-, Hinter- oder Mittelgrund steht, bliebe zu untersuchen. Die Absicht des Autors ist sowieso ein merkwürdig Ding: Was gehen mich als Leser der Autor und seine Absichten an? Woher kenne ich sie? Ist, was der Autor schriftlich und mündlich zu Protokoll gibt, wirklich seine Meinung, gibt er seine Absicht wirklich preis? Ist der Autor sich über alle seine Absichten und Motive klar?
Letzten Endes ist es jedenfalls so, dass man rücksichtsvoll mit anderer Leute Lesegeschmack umgehen sollte. Und wenn jemand etwas nicht erfahren _möchte_, dann sollte man ihn auch nicht dazu zwingen!
Gut. Was ist aber mit jenen, die prinzipiell das Ende eines Buches wissen wollen (auch bei Krimis!), bevor sie mit der Lektüre anfangen? Die prinzipiell das Ende als erstes lesen? Die prinzipiell im "Kindler" die Zusammenfassung lesen? Und denen es so gar nichts sagt, ständig mit der Maus über irgendwelche verborgenen Texte zu rattern?
In der Vorrede zum Hesperus richtet Jean Paul an die »Kunstrichter« folgende Bitte:
[...] mir in ihren fliegenden Blättern, die sie Rezensionen nennen, mit keiner Publikazion meiner Hauptbegebenheiten vorzugreifen, sondern dem Leser einige Ueberraschungen, die er doch nur Einmal hat, zu lassen.
Jean Paul hätte also wohl nichts gegen Spoilermarkierungen gehabt.
Da sind wir beim Thema "Neuerscheinungen". Es ist da natürlich im Interesse des Autors, dass nicht zu viel verraten wird. Insbesondere, wenn man, wie Jean Paul, vom Plot her doch (sagen wir: ) hart an der Grenze zum Trivialen arbeitet.
Womit wir beim Thema "Trivialliteratur" sind. Diese, als reine Verbrauchsliteratur, funktioniert tatsächlich so, dass der Plot im Mittelpunkt steht, jedweder Spoiler also den Gebrauchswert ruiniert. (Ich gebe zu, dass ich mich z.B. in unserer Leserunde hier zu Bulwer Lyttons
The Last Days of Pompeii gehütet habe, das Ende näher zu beschreiben. Obwohl es vorhersehbar ist.)
Persönlich fände ich allerdings solche Umschreibungen allerdings nicht nötig. Wenn aber denn Rücksicht genommen werden soll, dann lieber, indem man nur in Andeutungen sich auslässt. Aber die Katze aus dem Sack lassen und sie gleichzeitig wieder hineinstecken ...
Finde auch, dass Spoiler einer Klassikerlektüre nicht angemessen sind. Vor allem Leserunden würde das ja noch deutlich komplizieren. Ich würde sicher keine Leserunde mit machen, wo ich an Spoiler denken muss.
Es ging hier nicht um Klassiker, sondern um einen Textauszug aus Der Name der Rose von Umberto Eco.
Ihr müsst einfach akzeptieren, dass es Menschen gibt, die auch noch Trivialliteratur lesen und sich vom Ausgang der Geschichte überraschen lassen wollen. Ich grolle heute noch demjenigen, der mir verraten hat, wer in Harry Potter Teil 5 stirbt. Bei Filmen hasse ich auch diese unsäglichen Besserwisser, die ständig dazwischenlabern und sagen "Jetzt stirbt gleich xyz und dann passiert dies und das".
xenophanes zustimmend und zugebend, dass ich die Quasselonkels und -tanten auch nicht besonders mag, allerdings nicht wegen dem Besserwissen, sondern wegen dem Gelaber im Kino prinzipiell ...
Bei Harry Potter war es ehrlich gesagt, mein einziges Interesse, herauszufinden, wer denn stirbt, nachdem ich davon gehört hatte, dass da einer sterbe. (Im übrigen gebe ich zu, dass ich den Namen schon längst wieder vergessen habe; die Bücher auch nicht lese, sondern mir nur die Filme angucke ...)
Der Name der Rose schliesslich, um zum Ausgangspunkt der Diskussion zurückzukehren: Da bin ich auch - offenbar allzu naiv - davon ausgegangen, dass, wer immer im Klassikerforum verkehrt, dieses Buch, das immerhin bereits vor einem Vierteljahrhundert erschienen ist, kennt. Oder zumindest den Film. Oder sich gar nicht dafür interessiert.
Davon ausgegangen, dass - unabhängig von der Definition von "Klassiker" und "trivial" - hier über alles (auch Inhalte!) offen und nicht
sub rosa gesprochen wird. Und der Leser auch damit rechnet. Dem ist offenbar nicht so ...
Grüsse
Sandhofer