Autor Thema: Chinesische Literatur  (Gelesen 6226 mal)

Offline rezk

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Chinesische Literatur
« am: 30. Mai 2005, 20:05 »
Hallo,

kann mir jemand einen bekannten chinesischen/fernöstlichen Klassiker empfehlen? Kenne mich leider auf diesem Gebiet überhaupt nicht aus.
Ich habe mal Lao She angefangen, war dann aber doch nicht so nach meinem Geschmack.

Wäre für Tipps dankbar, die in dt. Übersetzung erhältlich sind.

Gruss, Rezk
"Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg, was wir Weg nennen ist zögern" (F. Kafka)

Offline Fosca

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Chinesische Literatur
« Antwort #1 am: 30. Mai 2005, 23:48 »
Also ich war von der Inhaltsangabe von Haruki Marukamis "Mister Aufziehvogel" ganz begeistert und habe mir einen richtigen Kracher erhofft.

Beim Lesen wurde ich aber ganz schnell enttäuscht, es kommt keine richtige Stimmung auf, eher eine triste, graue Atmosphäre.

Teilweise werden bei amazon dafür 5 Sterne vergeben, vielleicht fehlt mir auch einfach die Antenne.

Murakami soll jedenfalls einige sehr ansprechen, vielleicht versuchst dus mal damit.

Ansonsten kann ich dir Banana Yoshimotos Werke ans Herz legen, auch wenn es teilweise als "Frauenliteratur" abgetan wird ;)

Mehr habe ich jetzt noch nicht aus dem asiatischen Raum gelesen, aber das wird sich in Zukunft noch ändern, so dass ich für weitere Literaturvorschläge auch offen bin. :)

Offline Lewin

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Chinesische Literatur
« Antwort #2 am: 31. Mai 2005, 07:06 »
Hallo,

zu den fernöstlichen Klassikern zählen sicherlich das über 1000 Jahre alte Werk "Die Geschichte vom Prinzen Genji" (Japan) sowie "Der Traum der Roten Kammer" aus dem 18. Jahrhundert (China).

Beide Bücher sind allerdings recht umfangreich und sicherlich nicht jedermanns Geschmack.

Viele Grüße,

Lewin

Offline Creative

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Chinesische Literatur
« Antwort #3 am: 31. Mai 2005, 07:51 »
Hallo,

was ist mit Pearl S. Buck, sie hat immerhin den Nobelpreis erhalten.
Sie verarbeitet, wie ich meine, auch ihr Land und ihre Kultur in ihren Büchern.
Ob es sich um literarisch sehr anspruchsvolle Bücher handelt, sei dahingestellt.

 :winken:
:blume: Herzliche Grüße :blume:
Creative

Offline Imrahil

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Chinesische Literatur
« Antwort #4 am: 31. Mai 2005, 17:08 »
Salut,

Zitat
Murakami soll jedenfalls einige sehr ansprechen, vielleicht versuchst dus mal damit.  


Murakami ist aber meines Wissens Japaner und damit nicht der Chinesischen Literatur zuzuschreiben. Aber man kann ihn natürlich trotzdem empfehlen :zwinker: Habe bisher ein Buch von ihm gelesen, "Gefährliche Geliebte", welches bei mir einen gespaltenen Eindruck hinterliess.

Imrahil
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Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #5 am: 11. Januar 2009, 11:26 »
Hallo,

nach China zu reisen plane ich für diesen Sommer und habe mir zum Einlesen ein paar chinesische Klassiker kommen lassen:

"Die Räuber vom Liang Schan Moor"
"Kin Ping Me" (Pflaumenblüten in goldener Vase)
sowie "Die Reise nach dem Westen", die ich allerdings nur in einer unvollständigen Bilderbuchversion erhalten konnte.

Den "Traum der roten Kammer" las ich schon vor vielen Jahren, eine sehr angenehme Lektüre.

Hat jemand von euch Lektüreerfahrungen mit einem der oben angegebenen Werke?

HG finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
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Offline sandhofer

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #6 am: 11. Januar 2009, 20:17 »
Ich kann Dir leider nicht weiterhelfen. Obwohl es so aussieht, als ob ich dieses Jahr auch noch nach China käme, liegt mir die chinesische Literatur ziemlich fern.  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #7 am: 12. Januar 2009, 16:11 »
Hallo sandhofer und alle,

danke für die Rückmeldung. Nun, vielleicht findet sich ja noch jemand , der ein bisschen Spaß an chinesischer Literatur hat.
Übrigens kann ich dir, falls du eine ausführliche Bildungsreise durch China planst, von Jacques Guérnet: "Die chinesische Welt" em-pfehlen. Das grundlegende und bisher scheint's nicht überholte Werk zur chinesischen Geschichte und Kultur.

HG
finsbury
« Letzte Änderung: 14. Januar 2009, 07:02 von finsbury »
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Offline xenophanes

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #8 am: 12. Januar 2009, 16:47 »
danke für die Rückmeldung. Nun, vielleicht findet sich ja noch jemand , der ein bisschen Spaß an chinesischer Literatur hat.
Übrigens kann ich dir, falls du eine ausführliche Bidungsreise durch China planst, von Jacques Guérnet: "Die chinesische Welt" em-pfehlen. Das grundlegende und bisher scheint's nicht überholte Werk zur chinesischen Geschichte und Kultur.

Diese Empfehlung kann ich nur unterstreichen. Habe das Buch für meine China Studienreise als Vorbereitung benutzt.

CK


Offline Yoana

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #9 am: 12. Januar 2009, 22:20 »
hab mich infolge eines (abgebrochenen) sinologiestudiums durch den gernet kämpfen müssen, war eine anschauliche, leider aber sehr umfangreiche und trockene lektüre. geht auch kürzer. na der absolute klassiker ist natürlich der "traum der roten kammer" oder hong lou meng von cao xuejin/gao e. darf ich fragen wieso dich gerade diese fernöstliche richtung anspricht?
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Offline sandhofer

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #10 am: 12. Januar 2009, 23:17 »
falls du eine ausführliche Bidungsreise durch China planst,

Nö.  :breitgrins: :breitgrins: :breitgrins:
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Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #11 am: 14. Januar 2009, 07:08 »
Hallo Yoana,
 
na der absolute klassiker ist natürlich der "traum der roten kammer" oder hong lou meng von cao xuejin/gao e. darf ich fragen wieso dich gerade diese fernöstliche richtung anspricht?


Weil ich im Gegensatz zu sandhofer  :winken:, eben eine solche "Bildungs"reise plane und China schon immer faszinierend fand. Dabei meine  ich allerdings keine philosophischen oder esoterischen Aspekte, sondern die Begegnung mit Land, Landschaft und soweit das möglich ist, der Alltagskultur der Chinesen. Ich war vor vielen Jahren schon mal in China und habe mehrere Jahre lang mit chinesischen Studenten gearbeitet und diese dabei als sehr liebenswerte Menschen kennen gelernt. Den "Traum der roten Kammer" konnte man gut lesen, so hoffe ich, dass die o.a. Werke ebenfalls eine erhellende und unterhaltsame Lektüre sind.

HG
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Offline Sir Thomas

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #12 am: 14. Januar 2009, 08:37 »
... vielleicht findet sich ja noch jemand , der ein bisschen Spaß an chinesischer Literatur hat.

Moin, finsbury,

aufgrund der von Dir angeführten Werke bekomme ich schon Lust, diesen bislang unbeackerten Boden zu betreten. Leider sind die Chinaklassiker recht umfangreich und damit eher etwas für die zweite Jahreshälfte. Trotzdem: Danke, dass Du diese Diskussion ausgegraben und wiederbelebt hast!

Viele Grüße

Tom 

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #13 am: 14. Januar 2009, 21:03 »
Hallo Tom und alle,

jedenfalls werde ich euch in diesem Thread ein paar Leseeindrücke schildern.
Vielleicht bereits am Wochenende beginne ich mit den "Räubern vom Liang Schan Moor".

HG
finsbury
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Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #14 am: 19. Januar 2009, 20:55 »
Hallo,

inzwischen habe ich die ersten 100 Seiten des 800 Seitenwerkes "Die Räuber vom Liang Schan Moor" gelesen und bin ziemlich fasziniert.



Die ursprüngliche Fassung wird Schi Nai An zugeschrieben, einem Autor des 13. Jahrhunderts, von dem kaum etwas bekannt ist.
Das Werk erlebte aber zahlreiche Überarbeitungen und ist in China ein echtes Volksbuch.
Die Handlung fußt auf der wahren Geschichte des Räuberhauptmanns Sung, der zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit seiner Bande eine solche Macht ausübte, dass die Regierungstruppen nichts gegen ihn ausrichten konnten und ihn schließlich begnadigten, um ihn und seine Bande als Mitstreiter gegen den Rebellen Fang La einzusetzen.

Dieser Sung hat sich während der verschiedenen Entrwicklungsstufen  des Werks zu einer Art chinesischem Robin Hood entwickelt, und das Buch ist auch über weite Strecken extrem offenherzig kritisch gegenüber den herrschenden Machtzuständen, der Korruption der Beamten, der Rechtlosigkeit gegenüber den und  der Ausbeutung durch die hohen Funktionsträger. Es war deshalb auch ein Jahrhundert lang verboten.

Franz Kuhn hat den "Roman" (eher eine Art Volksbuch mit z.T. schwankhaften Elementen) nicht völlig äquivalent übersetzen können, 1. wegen des allgemeinen Problem, die völlig andere semantische und syntaktische Struktur des Chinesischen in indoeuropäische Sprachen zu übersetzen, zum Anderen wegen der komplizierten Überlieferungslage des Textes.
Dennoch muss man auch seine künstlerisch anspruchsvolle Übersetzung, die mit einem frischen,  fast modernen Ton aufwartete und darüberhinaus auch viele der poetischen Umschreibungen des Chinesischen nachbildet, sehr würdigen.
Auch die anderen beiden großen Klassiker, das "King Ping Meh" und der "Traum der roten Kammer" wurden von ihm übersetzt.

Wie ich bisher finde, sind die "Räuber" eine sehr lohnende und empfehlenswerte Lektüre, die zudem noch ausgesprochen Spaß macht!

HG
finsbury
 
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