Hallo,
inzwischen habe ich die ersten 100 Seiten des 800 Seitenwerkes "Die Räuber vom Liang Schan Moor" gelesen und bin ziemlich fasziniert.


Die ursprüngliche Fassung wird Schi Nai An zugeschrieben, einem Autor des 13. Jahrhunderts, von dem kaum etwas bekannt ist.
Das Werk erlebte aber zahlreiche Überarbeitungen und ist in China ein echtes Volksbuch.
Die Handlung fußt auf der wahren Geschichte des Räuberhauptmanns Sung, der zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit seiner Bande eine solche Macht ausübte, dass die Regierungstruppen nichts gegen ihn ausrichten konnten und ihn schließlich begnadigten, um ihn und seine Bande als Mitstreiter gegen den Rebellen Fang La einzusetzen.
Dieser Sung hat sich während der verschiedenen Entrwicklungsstufen des Werks zu einer Art chinesischem Robin Hood entwickelt, und das Buch ist auch über weite Strecken extrem offenherzig kritisch gegenüber den herrschenden Machtzuständen, der Korruption der Beamten, der Rechtlosigkeit gegenüber den und der Ausbeutung durch die hohen Funktionsträger. Es war deshalb auch ein Jahrhundert lang verboten.
Franz Kuhn hat den "Roman" (eher eine Art Volksbuch mit z.T. schwankhaften Elementen) nicht völlig äquivalent übersetzen können, 1. wegen des allgemeinen Problem, die völlig andere semantische und syntaktische Struktur des Chinesischen in indoeuropäische Sprachen zu übersetzen, zum Anderen wegen der komplizierten Überlieferungslage des Textes.
Dennoch muss man auch seine künstlerisch anspruchsvolle Übersetzung, die mit einem frischen, fast modernen Ton aufwartete und darüberhinaus auch viele der poetischen Umschreibungen des Chinesischen nachbildet, sehr würdigen.
Auch die anderen beiden großen Klassiker, das "King Ping Meh" und der "Traum der roten Kammer" wurden von ihm übersetzt.
Wie ich bisher finde, sind die "Räuber" eine sehr lohnende und empfehlenswerte Lektüre, die zudem noch ausgesprochen Spaß macht!
HG
finsbury