Autor Thema: Chinesische Literatur  (Gelesen 6230 mal)

Offline BigBen

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #15 am: 20. Januar 2009, 08:08 »
China wird übrigens Gastland der Frankfurter Buchmesse 2009 sein. Das paßt irgendwie.  :zwinker:
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #16 am: 15. Februar 2009, 10:17 »
Hallo,

inzwischen habe ich die Lektüre der "Räuber von Liang Schan Moor" abgeschlossen und kann nur noch mal unterstreichen, dass dies eine ungemein lebendige und lohnende Lektüre ist.
Neben der allgemeinen Handlung und Gesellschaftskritik werden so ganz nebenbei noch kulturelle Schwerpunkte vermittelt, von denen ich - nach meiner gewiss oberflächlichen Bekanntschaft mit einigen Chinesen und der begleitenden Sachbuchlektüre - meine, dass sich einige auch im heutigen China noch teilweise erhalten haben. Zum Beispiel der hohe Wert der Familie, der auf der anderen Seite aber auch eine Art der Familienhaftung bedeuten kann, der die "edlen" Räuber vom Liang Schan Moor erbarmungslos Rechnung tragen, wenn sie die Familien ihrer Feinde mit Mann und Maus auslöschen samt Gesinde und zufällig anwesenden Gästen.
Auch die Bedeutung des Essens, das mehr als bei uns eine zentrale gemeinschaftsstiftende Stellung einnimmt, kommt immer wieder zum Tragen, manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, wenn z.B. im 71. Kapitel der Kuhn-Ausgabe ein intimer Feind der Bande bei lebendigem Leibe als Barbecue dient.  :entsetzt:
Interessant ist auch und sicherlich - wie oben - den Zeitumständen des Mittelalters (und der raffenden Form der Erzählung) geschuldet, wie schnell unbescholtene Bürger aus Gründen der Gastfreundschaft und /oder Empörung gegen die herrschenden Beamten sich der Räuberbande anschließen und ihr Hab und Gut aufgeben. Nur (s.o.) das alte Mütterlein oder der ehrenwerte Vater, manchmal auch die Gattin und die Kinder, werden  mit großer Mühe herbeigeschafft und bevölkern den einen Hang des Liang Schan Berges.

Ende Februar will ich mit dem zweiten großen Roman, dem King Pin Me, beschäftigen.

HG
finsbury
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Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #17 am: 15. Mai 2009, 17:21 »
Jin Ping Mei – Pflaumenblüten in goldener Vase (eine von vielen möglichen Übersetzungen)


Ende des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal gedruckt und dem Verfasser Wang Tschi Tong (1526-1593) zugeschrieben, dessen wahre Autorschaft aber nicht nachgewiesen werden konnte, spielt der Roman zu Beginn des 12. Jahrhundert kurz vor und zur Zeit des Mongoleneinfalls in der Sung- Dynastie.
Hsi- Men, ein  skrupelloser und sinnlich getriebener Kaufmann, erwirbt sich im Laufe des Romans sechs Frauen, die es ihm an „Verderbtheit“ teilweise gleichtun.
Goldlotos (Jin), vormals die Frau eines Straßenhändlers, bringt diesen mithilfe Hsi Mens um, um ihm als fünfte Gattin in sein luxuriöses Anwesen folgen zu können. Auch seine sechste (Ping) macht ihren vormaligen Gatten den Garaus, damit sie Hsi Mens Gattin werden kann. So erfahren wir Leser über weite Passagen des Romans, wie es sich in einem reichen chinesischen Haushalt unter vielen Frauen und deren Zofen, die wie Meh auch dem Hausherrn zuwillen sein müssen, lebt.
Hsi Men, zu Beginn des Romans ein reicher Kaufmann, der auf Arzneimittel, Stoffe und Pfandleihe setzt, wird durch geschickte Bestechungen zum Mandarin, d.h. zum höheren Beamten, hier Kreisrichter, womit er seine Einkunftsmöglichkeiten zusätzlich ausweitet. Sein Geschäfte und Liebesgeschichten erleben wir Leser hautnah mit. Dabei erscheinen er und seine verderbten Frauen und Diener nur teilweise unsympathisch, zwischendrin ist man durchaus auch auf ihrer Seite. Von seinen Frauen ist einzig „Mondfrau“- seine „erste“ -  und auch diese nicht makellos, von größeren Verfehlungen frei.
Der Roman ergeht sich auch in freizügigen erotischen Schilderungen, die allerdings immer auf der andeutend metaphorischen Ebene verweilen und dennoch über Jahrhunderte zum Verbot des Werkes führten. Dahinter steckt aber wohl eher die Angst davor, dass die sehr eingehend geschilderte Welt der korrupten Beamtenschaft nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen sollte.
Im letzten Drittel des Buches  werden nacheinander, aber in unverkrampfter Weise, alle Personen mit moralischen Verfehlungen vom Schicksal bestraft, so dass am Ende ein durchaus hochmoralisches Werk dasteht.

Meine Meinung:

Das Buch ist in einem lebhaften, gut zu lesenden Erzählton geschrieben, vielleicht erreichte das auch Franz Kuhn durch seine stilistisch sichere Übersetzung. Man erfährt viel von dem Alltagsleben im alten China, wohl eher dem des Verfassers als dem der angegebenen Zeit. Handel, Politik und Sittengeschichte werden sehr lebendig. Das Ganze ist durchsetzt von z.T. meisterlichen Gedichten, die die Atmosphäre bestimmter Situationen einfangen.
Persönlich hatte ich Schwierigkeiten, den ganzen Intrigen im „Harem“ Hsi Mens, die weite Teile des Romans einnehmen, konzentriert zu folgen.
Dennoch ist die literarische Qualtität und auch der Wert des Romans als Zeitzeugnis auch in Franz Kuhns wertvoller Übersetzung stets spürbar.

Lesenswert!

HG

finsbury


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Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #18 am: 23. Mai 2009, 18:30 »
Hallo,

nun ausnahmsweise ein Buch, 2002 im Internet erschienen, das natürlich nicht zu den Klassikern zählt, aber in China für große Furore gesorgt hat und für mich schon sehr deutlich zeigt, dass es in der Tradition der chinesischen Klassiker steht.

Murong Xuecun: Chengdu, vergiss mich heut Nacht , 2008 bei Zweitausendeins erschienen.

Zum Inhalt:

Der 28jährige Chen Zhong durchlebt in Chengdu, der großen zentralchinesischen Stadt, Krisen in der Ehe und im Beruf.
Getrieben von sexueller Unruhe und Lebensgier betrügt er seine eigentlich geliebte Ehefrau Zhao Yue; In seinem Betrieb, einem Autozulieferer und Werkstattbetrieb, ist er erfolgreicher Manager der Verkaufsabteilung, allerdings vertstrickt in Betrügereien, Intrigen  und Korruption.
Mit seinen besten Freunden, Großkopf Wang, als leitender Beamter bei der Polizei beschäftigt, und dem sensiblen Li Liang hangelt er sich durch das hektische China der sich überhitzenden Marktwirtschaft und verliert immer mehr jeden inneren Halt. Am Ende ist er in allem gescheitert: im Beruf, in seiner Ehe und in der Beziehung zu seinen beiden Freunden.

Einschätzung

Zunächst hat mich der Roman abgestoßen, weil er in einer sehr harten, stark sexualisierten Sprache geschrieben ist. Daneben stehen aber immer wieder sehr schöne kleine Gedichteinschübe, die klassisch-traditionelle Metaphern mit neuen Einsichten und Problemen füllen.  Von der Art her passt er gut zu deutschen Romanen z.B. einer Alexa Hennig von Lange: Sex, Alkohol, Drogen und die fieberhafte Suche nach Sinn durchziehen den Text. Insgesamt denke ich, dass ich durch diesen Roman mehr über das heutige -städtische- China
gelernt habe als durch noch so gute Reiseführer und Alltagsbeschreibungen.

Für alle, die sich an der Sprache nicht stören und sich für das neue China interessieren, ein sehr empfehlenswertes Buch, das noch bei Zweitausendeins erhältlich ist.

HG
finsbury
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Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #19 am: 14. Juli 2009, 08:40 »
Hallo,

seit einiger Zeit stecke ich schon - neben ausführlicher Sach-/Fachbuchlektüre - zum zweiten Mal im "Traum der roten Kammer" von Tsao Hsüe Kin. Den Roman las ich bereits in den Achtzigern, kann mich aber bei der Zweitlektüre an nichts mehr erinnern! :sauer: (Das stimmt mich doch bedenklich, denn zumindest die Bücher, die ich in meiner Jugend und jungen Erwachsenenzeit las, hatte ich bisher noch relativ gut in Erinnerung)
Der Roman ist einmal mehr ein Familien- und Sittenroman und spielt im 18. Jahrhundert zur Zeit der beginnenden Qing-Dynastie. Es geht um den Niedergang eines chinesischen Adelsgeschlechts, weil die Sitten in den nachfolgenden Generationen immer mehr gelockert werden.
Wie im "Kin Ping Meh" dreht sich wieder ein großer Teil der Handlung um Intrigen, Verführungen, Zickenkriege und Ähnliches. Deshalb quäle ich  mich ziemlich durch das dickleibige Werk, dem auch bisher noch die interessanten ökonomischen und politischen Betrachtungen des eben genannten Kin Ping Meh fehlen.
Da ich aber ab morgen zum Schauplatz der Handlung reise, erhoffe ich mir einen Kick zur weiteren Lesemotivation.
Anfang August melde ich mich wieder zu dem abschließenden Buch-Report.

Grüße
 finsbury
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Offline Manjula

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #20 am: 15. Juli 2009, 06:29 »
Hallo finsbury,

vielen Dank für Deine interessanten Schilderungen, Du machst wirklich Appetit auf chinesische Literatur (von der ich leider nur sehr wenig kenne). In unserer Tageszeitung war neulich eine Kurzrezension zu einer Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel "Neue Träume aus der Roten Kammer" (s.u.). Klang sehr einladend. Kennst Du das Buch zufällig schon?

Ich wünsche Dir eine schöne, eindrucksvolle Reise!

Liebe Grüße
Manjula

« Letzte Änderung: 15. Juli 2009, 06:44 von Manjula »
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline sandhofer

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #21 am: 15. Juli 2009, 06:33 »
"Neue Träume aus der Roten Kammer" (s.u.).
[amazon-isbn]Neue Träume aus der Roten Kammer[/amazon-isbn]

Hallo Manjula

Zwischen den bieden amazon-isbn-Klammern solltest Du wirklich die ISBN einfügen, nicht den Titel des Werks, wenn Du willst, dass wir sehen, um welches Buch es sich denn nun handelt.  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Manjula

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #22 am: 15. Juli 2009, 06:45 »
 :redface: Eigentlich sollte ich es ja wissen...Danke, sandhofer, ist korrigiert.
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #23 am: 2. August 2009, 16:57 »
Hallo,

ich melde mich zurück aus China, von einem sinnenverwirrenden, erlenbisreichen Trip durch das städtische, aber auch ländliche China.
Es wird einige Zeit  dauern, bis ich meine Eindrücke einigermaßen ordnen kann.
Diese Reise hat kaum Zeit fürs Lesen geboten,  so dass ich immer noch in der ersten Hälfte des Buches stecke. Nun versuche ich mich aber ranzuhalten, wenn auch das, was ich vom heutigen China gesehen habe, nur wenig mit der Stimmung des Traums der roten Kammer zu tun hat.

@ Manjula,

danke für den Hinweis: Dieses Buch kannte ich noch nicht. Ich denke und hoffe,  dass im Zuge der herbstlichen Buchmesse und dem Gastland China noch mehr Autoren und Anthologien übersetzt und veröffentlicht werden.

Grüße

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
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Offline dusy

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #24 am: 18. August 2009, 15:22 »
Hallo,

ich wollte nur kurz mal beschreiben, wie wir, Ostasiaten(OK, genauer gesagt Südkoreaner :rollen:), allgemein von den chinesischen Klassikern wissen und gerne lesen. Mit einem eindeutigen Abstand stehen zwei Klassiker von alle anderen.

Die Reise nach Westen / Wu Cheng’en
Die Geschichte der Drei Reiche / Luo Guanzhong

Jeder, wirklich jeder kennt mindestens die grobe Handlung von den beiden Romanen, denn die kurze Fassung wird oft als Kinderbuch mit vielen Bildern gedruckt, und auch als Zeichentrickfilm verschiedener Versionen läuft sehr oft im Fernsehen, wie "Wickie und die starken Männer" :smile: (Aber das heißt nicht, dass wir auch den deutschen Titel ohne Mühe verstehen können... ich musste ja erstmal erkundigen, womit was gemeint war  :zwinker:

Wir haben dann die "Standard"-Übersetzungen, die sehr beliebt sind,und für "Die Reise nach Westen" gibt es als 6 Bänder- jeweils 300-400 Seiten und für "Die Geschichte der Drei Reiche" 10 Bänder-auch jeweils 300-400 Seiten.
Es ist schon lustig hier den Unterschied zu merken, denn wir haben sehr häufig einen Roman mit geteilten Bändern.
Schon über 500 Seiten entscheidet der Verlag für 2 Bänder. Die wollen einfach mehr Geld verdienen.... :|

Dann kommen die weitere zwei Klassiker, "Die Räuber vom Liang-Schan-Moor" und "Der Traum der roten Kammer"

Wobei den zweiten habe ich noch nicht gelesen, deshalb habe ich wenig zu sagen. Aber den ersten habe ich mehrmals gelesen, (und wie!) und der ist auch sehr beliebt von den Jungs.(auch 6 Bänder)
Einfachere Handlung als "Drei Reiche" aber genau so spannend und viel Heldentaten.
Aber wie es oben schon erklärt wurde, geht es nicht nur um den Kampf sondern auch um die Kultur, Liebe und interessanten  Gedanken.

Also ich kann sie allen empfehlen, die gerne chinesische Kultur kennenlernen möchten...

Viel Grüße,

dusy

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #25 am: 18. August 2009, 16:24 »
Hallo dusy,

herzlich willkommen in unserem Forum. Was du schreibst, ist sehr spannend für uns, denn es zeigt auch, dass Ostasien  trotz unterschiedlicher Sprachen und Kulturen doch auf gewissen zentrale Werke der Literaturgeschichte gemeinsam zurückgreift.
Koreanisch gehört ja eigentlich zu einer ganz anderen Sprachfamilie, aber dennoch ist die Verbundenheit mit den großen chinesischen Werken auch da. Schön!
"Die Reise nach dem Westen" habe ich noch nicht gelesen, aber schon einige Bände da, die hier als eine Art Bilderbuch in vielen Teilen veröffentlicht werden. Da dieses Werk in einem von Chinesen geführten Verlag erscheint, versteh ich jetzt, warum diese vielen Folgen erscheinen: Danke für die Aufklärung!

Es ist schwierig, in Deutschland an vollständige Übersetzungen der chinesischen Klassiker zu kommen, aber ich habe bisher die etwas überarbeiteten Übersetzungen Franz Kuhns  von den "Räubern vom Liang Schan Moor", dem "Kin Ping Meh" und nun auch zum zweiten Mal vom "Traum der roten Kammer" gelesen und kann nur zum wiederholten Male betonen, dass diese Übersetzung, deren Passgenauigkeit zum Original ich nicht beurteilen kann, an sich eine sprachliche Glanzleistung sind. Die lyrischen Passagen sind schön gestaltet, ansonsten ist der Ton frisch und modern und lange nicht so zopfig, wie sonst bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts übersetzerisch nachgestaltet wurde.
Am Wochenende schreibe ich noch meine Zusammenfassung und Stellungnahme zu  "Traum der roten Kammer"

.
finsbury

« Letzte Änderung: 22. August 2009, 09:41 von finsbury »
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
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Offline klassikfreund

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #26 am: 18. August 2009, 16:49 »
Hallo dusy,

das ist wirklich ein sehr interessanter Beitrag.

Die Geschichte der drei Reiche scheint unter etwas anderem Titel im Dezember 2009 im Umfang von 1400 Seiten neu zu erscheinen:


Mich würde noch interessieren, welche Werke auf den Leselisten der Studenten mit dem Fach "Chinesische Literatur" stehen. Sind das die gleichen Werke? In Deutschland stehen ja jede Menge Werke darauf, die ein Großteil der Bevölkerung gar nicht kennt.

Gruß, Thomas

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #27 am: 22. August 2009, 10:28 »
Hallo,

hier nun meine Stellungnahme zum "Traum der roten Kammer"  - Hung-Lou Meng

Autor und Text

Das Werk erschien zwischen 1780 und 1790 und wird Tsao Hsüe Kin (Kuhn, laut Kindler Tsao Chan, vielleicht ein Transkriptionsproblem?), 1719-1764)  zugeschrieben. Der Autor vollendete das Werk nicht mehr. Die heute vorliegende Version wurde von Kao O überarbeitet und ergänzt. Laut Kuhn müssen diesem jedoch ausführliche Notizen des Autors zur Verfügung gestanden haben, denn es sei kein Bruch in Aufbau und Sprache des Originals zu erkennen.
Die Handlung spielt während der Qing-Dynastie, also der mandschurischen Herrschaft, die bis zum Zusammenbruch des Kaiserreichs reicht.
Da der Handlungsort die nördliche Hauptstadt, also Beijing ist, und viel "Insider"-Wissen aus hoher Mandarin-Ebene vorhanden ist, wird spekuliert, dass Tsao, der selbst aus einem verarmten hohen Mandarin-Geschlecht stammt, hier autobiografische Elemente untergebracht hat, ja es gibt sogar Stimmen, die die Hauptfigur des Romans mit dem Kaiser Kiän Lung (1736-1796) identifizieren, der einen ebenso strengen Vater hatte wie Pao Yü.

Inhalt
Der Roman beginnt auf metaphysischer Ebene. Im Feenreich und unter Priestern wird auf das Schicksal eines Edelsteins (Pao Yü) und der Pflanze Purpurperle hingewiesen, die einander lieben, aber nicht zueinander kommen können.
In der Romanrealität   wird in das reiche,  gefürstete Mandarinengeschlecht Kia (bestehend  aus zwei Zweigen, Ost –und Westpalais) Pao Yü, der Sohn des jüngeren Fürstenbruders Tschang vom Ostpalais) geboren – mit einem gravierten Edelstein im Mund.
Pao Yü ist eher androgyn und den schönen Künsten zugetan und verbringt seine Zeit lieber mit seinen zahlreichen weiblichen Verwandten, als sich dem Studium der konfuzianischen Schriften zu widmen, wie es sein strenger und verantwortungsbewusster Vater von ihm verlangt, damit er später ein hoher Beamter werden könne.
Die mächtige Ahne der Familie und der restliche Anhang ermöglichen Pao Yü dennoch eine bukolische Jugend in einer traumhaften Parkanlage mit seinen Schwestern, Kusinen und zahlreichen Zofen, in der man sich mit literarischen Wettbewerben und anderen schöngeistigen Themen unterhält. Zu diesen Kusinen zählt auch  die schwindsüchtige Blaujuwel, die ihm in der metaphysischen Ebene als Purpurperle zugeordnet ist.
Durch eine Intrige wird Pao Yü schließlich dennoch mit einer weiteren Kusine, Pao Tschai, verlobt. Blaujuwel stirbt und man fürchtet lange auch um Pao Yüs Leben, doch er erholt sich, weiht sich dem Studium laotischer Schriften und wird schließlich im Alter von 19 Jahren seiner Familie und der Welt entrückt. Parallel dazu kommt es zunächst durch Fehlverhalten und Intrigen zu einem Niedergang des Fürstengeschlechts, das sich jedoch zum Ende des Romans unter der Leitung des gestrengen und unbestechlichen, nun statt seines Bruders gefürsteten Herrn Tschang erholt.

Stellungnahme
Obwohl dieser Roman wohl als der Höhepunkt der klassischen chinesischen Romankunst gilt, hat er  mich auch bei der zweiten Lektüre über weite Strecken nicht sehr angesprochen. Über weite Strecken erschien er mir wie eine Mischung aus Schäferidylle und Zickenkrieg und ich musste mich ziemlich durchquälen. Das liegt aber sichtlich auch daran, dass mir große Teile der laotischen und konfuzianischen Lehre unbekannt sind und mir sich daher die metaphorische Ebene nur rudimentär erschloss.
Das letzte Drittel des Romans, in dem sich die Handlung mehr der Welt mit ihren Geschäften und politischen Zusammenhängen erschloss, gefiel mir dagegen deutlich besser.
Meiner Meinung steht unserer europäischen Gedankenwelt dieser Roman relativ fern, ist aber gerade deshalb spannend. Ich hoffe, dass zum die Zukunft nicht nur den neuen literarischen Werken Chinas, sondern auch dessen Klassikern mehr Beachtung schenkt und uns dadurch neue Aufschlüsse zuteil  werden.

finsbury 
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Offline dusy

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #28 am: 23. August 2009, 22:17 »
Hallo finsbury, hallo klassikfreund,

man sagt bei uns,

“Du sollst mit einem, der nicht Mal [Die Geschichte der drei Reiche] gelesen hat, keine Freundschaft schließen, und mit einem, der sie mehr als dreimal gelesen hat, nicht streiten.“

ich bin froh, dass ich mit meinem Beitrag eure Interesse an „Die Geschichte der der Reiche“ geweckt habe. Der Spruch ist selbstverständlich übertrieben, man möchte nur damit sagen, dass diese Erzählung einem sehr viel bringen kann. Die Geschichte ist auf jeden Fall viel tiefgreifender und komplexer als „Die Reise nach Westen“ und „Die Räuber von Liang-Schan-Moor“ Sie basiert auf einer wahren Geschichte und deshalb so spannend und interessant, da die reale  Eigenschaften(Charakter) der drei Reiche so weit auseinander liegen und ein perfektes Dreieck bilden(nicht immer aber meistens), und dies in der Erzählung so reichlich und schlüssig geschildert wurde. Auch die Hauptfiguren der Geschichte sind so eindeutig und gezielt charakterisiert geschildert, dass wir sie im heutigen Alltag sehr oft als eine Beschreibung der jeweiligen persönlichen Eigenschaft verwenden.

Ich finde, die Übersetzung muss nicht unbedingt die ganze detaillierte Geschichte übertragen, aber viel wichtiger die einzelne Hintergründe der chinesischen Kultur reichlich erläutern, sonst fühlt man sich, wie finsbury oben geschrieben hat, ziemlich verloren bzw. versteht man bei vielen Stellen nicht, was der Autor damit gemeint hat. Es ist vor allem der Unterschied der allgemeinen Mentalität, der die abendländische Leser schwer macht, und da braucht man einfach viel Zeit und Erfahrung, wenn man unsere Kultur richtig verstehen möchte.

@Thomas
Ich habe versucht, die Liste im Internet zu finden, aber es ist mir leider nicht gelungen. Aber aus dem Bauchgefühl wage ich zu sagen, dass die oben genannten Klassiker eher zum Zweck, Entspannen und Genießen gelesen werden, als fürs Studium.

@Finsbury
Die koreanische Sprache ist schon ziemlich nah verwandt mit Chinesischen,(genau so wie Japanische). Unsere Buchstaben sind nur 600 Jahre alt, und davor hatte man bei uns nur chinesische Zeichen als einziges schriftliches Ausdrucksmittel. Das hat sicherlich auch auf unseren schriftlichen Gebrauch enorm beeinflusst sogar bis zum heutigen Tag. Bis vor 20-30 Jahren war es sehr üblich, dass man gemischt, d. h. koreanische Buchstaben und chinesischen  Zeichen, geschrieben hat. Es liegt daran, dass viele Worte gleiche Aussprache haben und manchmal nur mit chinesischen Zeichen eindeutig werden. Aber seit 20-30 Jahren versucht man möglichst wenige chinesische Zeichen zu verwenden und nur im dringenden Fall in Klammern zu ergänzen.  Aber das gilt nur mit Schriften und sonst werde ich kein Wort verstehen, wenn jemand mir auf chinesisch ansprechen würde.  :zwinker:

Viele Grüße,

dusy

Offline finsbury

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Re: Chinesische Literatur
« Antwort #29 am: 24. August 2009, 16:04 »

Hallo dusy,

Die koreanische Sprache ist schon ziemlich nah verwandt mit Chinesischen,(genau so wie Japanische). Unsere Buchstaben sind nur 600 Jahre alt, und davor hatte man bei uns nur chinesische Zeichen als einziges schriftliches Ausdrucksmittel. Das hat sicherlich auch auf unseren schriftlichen Gebrauch enorm beeinflusst sogar bis zum heutigen Tag. Bis vor 20-30 Jahren war es sehr üblich, dass man gemischt, d. h. koreanische Buchstaben und chinesischen  Zeichen, geschrieben hat. Es liegt daran, dass viele Worte gleiche Aussprache haben und manchmal nur mit chinesischen Zeichen eindeutig werden. Aber seit 20-30 Jahren versucht man möglichst wenige chinesische Zeichen zu verwenden und nur im dringenden Fall in Klammern zu ergänzen.  Aber das gilt nur mit Schriften und sonst werde ich kein Wort verstehen, wenn jemand mir auf chinesisch ansprechen würde.  :zwinker:


Ich habe gelernt, dass das Koreanische mehr mit den altaischen Sprachen, also zum Beispiel den Sprachen der Turk-Völker, verwandt ist als mit dem Chinesischen. Das kann man zum Beispiel an der Verbstellung sehen: Im Türkischen, Japanischen und Koreanischen steht das Verb hinter dem Subjekt und Objekt, im Chinesischen - wie in den germanischen Sprachen, mit denen es sonst nicht verwandt ist, an zweiter Stelle.. .
Grüße
finsbury
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