Hallo,
als Neuer will ich gleich mal vorlaut sein und allen die mit Antony Trollope anfangen wollen den Roman "Der Premierminister" empfehlen. Leider ist er auf Deutsch vergriffen und wie mir der Manesse Verlag geschrieben hat ist keine Neuauflage geplant. Ich konnte ihn in einer Stadtbibliothek ausgraben.
Er beschreibt einen Lebensabschnitt von Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen, von Adligen mit Ehrgeiz in der Politik, bis zum Mittellosen der beim Versuch aufzusteigen scheitert.
Mich hat das Buch begeistert, nicht zulezt weil es einen nachvollziehbaren Eindruck von den gesellschaftlichen und sozialen Verhältnissen im England Mitte des 19.Jahrhunderts vermittelt. Trollope führt seine Figuren mit all ihren Widersprüchlichkeiten ohne dass Ironie zu kurz kommt und auch durch die moralische, viktorianische Beschränkung, denen ein Autor damals unterlag bleibt der Eindruck von Lebendigkeit erhalten. Besonders die Situation von Frauen im Bürgertum, mit ihrer Einengung in jedem Lebensbereich, ihren drastischen rechtlichen Beschränkungen hat sich mir in diesem Buch deutlicher gezeigt, als bei Fontane, Standal oder Faubert.
Wer sich ranwagt muss sich aber auf annähernd 1000 Seiten einstellen, die aber nier ermüden. Schließlich wird ein guter Roman immer besser, je länger er wird
