Autor Thema: Friedrich Hölderlin  (Gelesen 5472 mal)

Offline Friedrich-Arthur

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Friedrich Hölderlin
« am: 30. September 2005, 21:02 »
Hölderlin als Hirnforscher,

als ich das las, wunderte ich mich erst sehr. Verdammt, Hölderlin steht schon so lange auf meiner Wunschliste (wie so viele Bücher), ich las von ihm bisher wenig mehr als einzelne Gedichte, und kann mir jetzt gar kein eigenes Urteil erlauben. Wieder und wieder schiebe ich die Anschaffung eines Lyrikbandes von Hölderlin vor mir her, wohl wissend, dass ich ihn längst besitzen müsste. Warum nur steht Hölderlin bei so vielen Geistesgrößen auf der Tagesordnung? Warum trifft man auf wenige, aber wenn, auf so begeisterte und faszinierte Hölderlin-Anhänger(innen)? Was macht den Reiz von Hölderlins Werken aus? Hesse liebte Hölderlin, Heidegger philosophierte über Hölderlin usw. und ich habe keine Ahnung und renne mit einigen unverzeihlichen Bildungs- und Wissenslücken umher...

Das fand ich in einer Suhrkamp-Halbjahresvorschau:

Zitat
Detlef B. Linke
Hölderlin als Hirnforscher
Etwa 150 Seiten, gebunden
Bibliothek der Lebenskunst
Suhrkamp
ISBN 3-518-41733-9

Er galt als einer der “profiliertesten Grenzgänger zwischen Neurowissenschaften und Philosophie” (Frankfurter Allgemeine Zeitung), als einer “der interessantesten Denker unserer Zeit” (Neue Zürcher Zeitung). Im Februar dieses Jahres starb der rennomierte Hirnforscher, Arzt und Philosoph Detlef B. Linke.
Zu seinen zahlreichen Arbeiten zum Verhältnis von Kreativität und Denken, Sprache und Gehirn, Gehirn und Seele verteidigte er die Freiheit des menschlichen Denkens. Bis zuletzt war Linke fasziniert von der Idee, Hölderlins Konzept der Poesie als einen Entwurf der Hirnwissenschaften zu deuten. Linke reflektiert in diesem Band über Neuropsychologie und Lebenskunst und entwirft mit Hölderlin ein Konzept menschlichen Denkvermögens, das der Freiheit, dem Respekt vor dem anderen und der Liebe verpflichtet ist.

“Mit der Äußerung, daß ich Hölderlin für einen Hirnforscher halte, meine ich es sehr Ernst. Hölderlin war Experimentator und Wissenschaftler seines Lebens. Mit seiner Rythmustheorie formuliert er eine Theorie der menschlichen kognitiv-emotionalen Leistungen, seiner Geistestätigkeit insgesamt, die Anschluß an die gegenwärtigen Formulierungen der Hirnforschung gewinnen kann, dabei aber in ihrer Komplexität und Integrationskraft darüber hinausgeht.”

Quelle: Suhrkamp im 2. Halbjahr 2005


Aber die Zeit, dass auch ich Hölderlin lesen werde, wird kommen.

Mich beschämend aus dem Ordner stehlend rufe ich euch noch einen letzten Wochenendgruß zu,

FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline Lucien

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #1 am: 1. Oktober 2005, 12:41 »
Unbedingt lesen! Ich habe anfangs auch eher einen großen Bogen um Hölderlin gemacht, dieses weihevolle Gesäusel um ein imaginäres Griechenland kam mir als Jugendlicher sehr seltsam vor; aber dann gibt es auf einmal eine Lyrik, die einen umhaut, deren Sprache einen fortträgt und nach deren Genuss man die Idee, dass der Mensch durch Literatur besser werden könnte nicht mehr ganz so verschroben findet... Elegien wie "Brot und Wein", oder Gedichte wie "Hälfte des Lebens", "Abendphantasie", "An die Natur" sind immer wieder ein Genuss und werden mich für den Rest meines Lebens begleiten...

Und die schönste Prosa, die ich in deutscher Sprache kenne ist für mich der "Hyperion". Wenn man mit Bleistift liest wie ich, kommt man aus dem ankreuzen und unterstreichen gar nicht mehr heraus, so wundervolle Formulierungen finden sich darin und eigentlich sind die ganzen 200 S. ein einziges Prosagedicht...

Ich glaube von Hölderlin strahlt eine Art von unschuldiger Redlichkeit, eine Reinheit und eine Sehnsucht nach moralischer Höherentwicklung des Menschen, die nicht fordernd auftritt, sondern eher elegisch und in dessen Dienst sich Hölderlin mit seinem ganzen Wesen als Dichter stellt... tragisch, aber groß...

Gruß,
Lucien

Offline Ulla

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #2 am: 1. Oktober 2005, 16:56 »
Oh jee. Hölderlin als Hirnforscher zu bezeichnen ... darauf wäre ich nun wirklich nicht gekommen. So ein Gedanke überrascht mich sehr.

Obgleich ich im Allgemeinen nicht der große Anhänger von Lyrik bin, Hölderlin ist die große Ausnahme. Irgendwann in einem ganz anderen Zusammenhang, - es ging um das Unbewusste im Menschen, - kam ich darauf, dass es Hölderlin gelingt, Unsagbares zu sagen, in dem er das Unbeschreibbare in Sprachbilder transformiert. So gelingt die Beschreibung eines erweiterten Bewusstseins und dessen Befindlichkeit, die er in Beziehung setzt zur Welt, zum gesamten Kosmos.
.
Hölderlin beschreibt die Unstimmigkeiten zwischen Mensch und Kosmos und versucht, so etwas wie eine Versöhnung. Das kann in einer nüchternen Analyse nicht gelingen, da die Sprache dazu nicht auseicht. Es geht nur mit Bildern.

Ich glaube, dass sich Hölderlin in seinem Schreiben sehr von seinem Unbewussten hat tragen lassen, was beim Leser affektiv etwas berührt, das verschüttet ist. Ich habe Hölderlins Werke immer als etwas empfunden, das den Menschen zum einen tröstet und, zum anderen, ihn mit der Idee infiziert, dass er viel „mehr ist“, als er sich einräumt.

Offline Friedrich-Arthur

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #3 am: 2. Oktober 2005, 11:40 »
Hallo Lucien und Ulla!

Vielen Dank für eure schönen, mich noch schuldiger gegenüber Hölderlin fühlend machenden Beiträge! Also muss ich handeln und werde möglichst bald eine deutschsprachige Buchhandlung aufsuchen (was immer etwas Mühe macht).

Bei Hölderlin treffe ich eigenartigerweise noch recht oft auf sehr positive und begeisterte Anhänger(innen), obwohl er in der Öffentlichkeit eigentlich recht wenig präsent ist. Aber in guten Buchhandlungen haben sie doch immer auch etwas von Hölderlin liegen.

Im Ausland scheint mir Hölderlin ein großer Unbekannter zu sein. Jedenfalls sehe ich ihn in niederländischsprachigen Buchhandlungen nie und in französichsprachigen Buchhandlungen sehr selten ausliegen. Vielleicht lässt er sich einfach nicht sinnvoll und gut in andere Sprachen übersetzen, was bei Lyrik auch recht verständlich ist. Ich mag dabei zweisprachige Ausgaben, wie ich sie z.B. von Thomas Bernhard und Paul Celan besitze.

Aber Hölderlin ist beschlossene Sache für mich, ihr habt mir den letzten Zweifel und die letzten Ausreden genommen.

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag, FA
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Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline Ulla

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #4 am: 2. Oktober 2005, 14:23 »
Hallo Friedrich-Arthur,
hätte ich gewusst, dass Du gleich von Schuldig-fühlen sprichst, ... so sollte mein Beitrag nicht ankommen.  :sauer:
 
Gestern Abend habe ich übrigens nach dieser „Hirnforschertheorie“ ein bisschen recherchiert. Auch wenn ich Linkes Buch nicht gelesen habe, ich halte diese Theorie für abenteuerlich. Nach den Informationen, die ich dazu gefunden habe, war Linke so etwas wie ein Generalist, der versucht hat, einen Bogen zwischen den Disziplinen Neurobiologie und Philosophie zu spannen. In seiner Eigenschaft als Hirnforscher wollte er wohl u.a. dem Phänomen von Genialität und Kreativität auf die Spur kommen, indem er die zuständigen Stellen im Gehirn lokalisiert bzw. den Abweichungen nachgeht gegenüber einem „normalen“ Gehirn.

Die Frage ist, ob sich im Gehirn – als Organ des menschlichen Selbst - die Antwort auf die Fragen zum menschlichen Sein und Bewusstsein finden lassen.

Der Titel von Linkes Buch „Hölderlin als Hirnforscher“ ist auf jeden Fall verfehlt. Es sei denn, man bezeichnet jeden, der sich mit Fragen der menschlichen Existenz - bis hin zum Universum - als Hirnforscher. Dann sind wir alle Hirnforscher!

„Hölderlins Konzept der Poesie als einen Entwurf der Hirnwissenschaften zu deuten“: Was soll dieser verquaste Satz eigentlich besagen? D. Linke ist ja im Februar gestorben. Vielleicht haben die Erben die Manuskripte nicht richtig sortiert. Und er würde sich jetzt im Grab umdrehen, wenn er das wüsste.

Ich weiß nicht! Fast bin ich in Versuchung zu sagen, Hirnforscher sollten Hölderlin hirnforschungstechnisch in Ruhe lassen!

So. Nun wünsche ich viel Erfolg bei der Suche nach einer hölderlinbestückten Buchhandlung und bin gespannt, wie er Dir gefällt.

Tschüs! Ulla
(auch Hirnforscherin)  :banane:

Offline Wolf

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #5 am: 2. Oktober 2005, 19:06 »
Hallo Friedrich-Arthur,

Zitat von: Friedrich-Arthur
Bei Hölderlin treffe ich eigenartigerweise noch recht oft auf sehr positive und begeisterte Anhänger(innen), obwohl er in der Öffentlichkeit eigentlich recht wenig präsent ist.

ich glaube, Hölderlin gehört zu den Autoren, die man entweder mit Begeisterung liest oder überhaupt nicht. Es ist gut möglich, daß man nicht gleich den richtigen Zugang zu Hölderlin findet und man das Buch dann enttäuscht und einigermaßen ratlos wieder zuklappt. Bei mir hat es jedenfalls einige Anläufe gebraucht, ehe ich mit Hölderlin etwas anfangen konnte, aber die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt, denn es ist ein außergewöhnliches und bereicherndes Leseerlebnis, das einem andere Dichter so nicht bieten können.

Zitat von: Friedrich-Arthur
Vielleicht lässt er sich einfach nicht sinnvoll und gut in andere Sprachen übersetzen, was bei Lyrik auch recht verständlich ist.


Sein Deutsch klingt ja auch für Deutsche streckenweise recht fremdartig, weil er Wörter auf eine Weise zusammengefügt hat, wie man es bis dahin im Deutschen so noch nie gesehen hatte. Er hatte darin natürlich Vorläufer (insbesondere Klopstock), auf die er aufbauen konnte, aber Hölderlin hat die syntaktischen Möglichkeiten des Deutschen bis zu den äußersten Grenzen ausgeschöpft, in manchen seiner Gedichte mag er diese Grenzen auch überschritten haben. Das führt zu einem eigenwilligen und unverwechselbaren Sprachklang, nach dem man süchtig werden kann. Wobei ich finde, daß da immer wieder unvermutet eine seltsam anmutende Komik aufblitzt, die sicherlich nicht beabsichtigt ist, die aber wohl zwangsläufig entsteht, wenn man mit so großer Ernsthaftigkeit und unbedingter Hingabe dichtet, wie es Hölderlin getan hat. Ein Mensch, der reden will wie ein Gott, hat immer etwas Lächerliches an sich, weil er trotz allem Wissen und aller Kunst eben doch immer nur ein Mensch bleibt. :-) Insofern finde ich die unfreiwillige Komik in Hölderlins Gedichten gar nicht störend, sondern sogar sehr sympathisch.

Bei aller Begeisterung für Hölderlin möchte ich auch auf das Gedicht "Der Tod fürs Vaterland" hinweisen, das zeigt, daß eine so ernsthafte und unironische Art zu dichten auch Schattenseiten haben kann. Die Schlußverse dieses Gedichtes lauten bekanntlich: Lebe droben, o Vaterland,/ Und zähle nicht die Toten! Dir ist,/ Liebes! nicht Einer zu viel gefallen. Das ist Poesie, die den Kontakt mit der Wirklichkeit nicht standhält. Angesichts eines realen Schlachtfeldes klingen solche Verse wie blanker Zynismus. Natürlich muß man das Gedicht im Kontext der damaligen Zeit und Hölderlins gesamter Dichtung sehen, was manches in einem anderen Licht erscheinen läßt, aber trotzdem hinterläßt dieses Gedicht in mir ein gewisses Unbehagen.

Wenn Du, Friedrich-Arthur, Dir irgendwann einmal eine Gedichtausgabe von Hölderlin zulegen willst, solltest Du eine kommentierte Ausgabe nehmen. Denn bei manchen Gedichten, wie etwa http://gutenberg.spiegel.de/hoelderl/gedichte/Druckversion_chiron.htm">Chiron, müßte man ohne die Hilfe eines Kommentars schon sehr viel Mühe aufwenden, ehe man versteht, worum es in dem Gedicht genau geht. Es ist ja kürzlich eine http://www.suhrkamp.de/buecher/taschenbuch/dkv/2005/oktober/68004.htm">Taschenbuchausgabe des Deutschen Klassikerverlages herausgekommen, die 18 Euro kostet. Die kenne ich zwar nicht, aber ich habe eine Insel-Taschenbuchausgabe, die ebenfalls von Jochen Schmidt kommentiert ist. Diesen Kommentar fand ich sehr gut und hilfreich, ehrlich gesagt fand ich ihn sogar hilfreicher als den Kommentar der wesentlich teureren dreibändigen Hölderlin-Werkausgabe von Hanser, die ich ebenfalls habe.

Schöne Grüße,
Wolf

troll

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hmm....
« Antwort #6 am: 3. Oktober 2005, 11:48 »
Hölderlin? Mein Kumpel Svenni hat gemeint, dass H. der Hammer sei. Muss der troll haben.
t.
pchallo

Offline Friedrich-Arthur

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #7 am: 4. Oktober 2005, 12:47 »
Vielen Dank Ulla und Wolf!

Hier noch ein letzter allgemeiner Beitrag über Hölderlin von Hermann Hesse (auszugsweise):

Zitat
Über Hölderlin
Seit hundert Jahren gab es einen deutschen Dichter, der die Besten immer wieder an sich zog, einen heimlichen Liebling und König der idealistischen Jugend, der aber niemals von den vielen gekannt war: Hölderlin. Sein Werk, ein kleiner Band Gedichte, teils von hymnisch großem Schwung, teils von zartester lyrischer Versunkenheit, klang merkwürdig schön, erregend und tragisch zusammen mit seinem Leben, das sich nach einer kurzen strahlenden Jugend in Wirrnis und Wahnsinn, aber auch in eine überpersönliche und mythische Atmosphäre verlor, er war das Urbild des von Gott auserwählten und von Gott geschlagenen Dichter, aufglänzend in übermenschlicher Reinheit, voll Adel und schmerzlicher Schönheit, des Dichters, der am “normalen Leben” zerbrechen muß und das Gedächtnis einer kurzen leuchtenden Geistesblüte hinterließ, wie es sonst nur die früh Gestorbenen begleitet…

Quelle: Beginn des Textes “Über Hölderlin” aus Hermann Hesse, Eine Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen, st 252, Suhrkamp Taschenbuchverlag


All der Beiträge in diesem Ordner zum Dank, dank auch Hesses Schwärmen über Hölderlin und der jahrelangen eigenen Neugier schritt ich zur Tat und bestellte mir aus der INSEL-Reihe “Gedichte in einem Band” Friedrich Hölderlin, sämtliche Gedichte und Hyperion. Als die Bestellung schon raus war, las ich den Beitrag von Wolf und hätte wohl eher die Taschenbuchausgabe des Deutschen Klassikerverlages http://www.suhrkamp.de/buecher/taschenbuch/dkv/2005/oktober/68004.htm gewählt – aber da war ich wohl zu schnell (ich dachte, die Taschenbuchausgaben aus dem Deutschen Klassikerverlag werden erst später erscheinen), die Bestellung war schon raus. Egal, dann passt die Ausgabe gut in meine Sammlung “Gedichte in einem Band”… Na jedenfalls kann ich jetzt vieles von Hölderlin lesen und mir ein eigenes Bild machen.

Luciens, Ullas und Wolfs Beiträge haben mich endgültig überzeugt, die Hölderlin-Lektüre endlich in Agriff zu nehmen. Noch diese Woche hole ich mein Buch von der Buchhandlung ab und freue mich schon darauf.

Ich habe mir auch gleich noch ein Buch mit japanischen Dreizeilern (Haikus) bestellt und bin auch hier gespannt.

Und da sage noch jemand, die Lyrik kann nicht begeistern!

Selbst moderne Lyrik/moderne Gedichte (z.B. Durs Grünbein) hat/haben mich in ihrem Bann! Ich sollte das Thema hier mal etwas ausweiten. Später...

Grüße, FA
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Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline Gitta

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Friedrich Hölderlin
« Antwort #8 am: 9. Oktober 2005, 20:01 »
Hallo,

es gibt ja eine ziemlich bekannte Biografie über Hölderlin von Peter Härtling (wurde hier vielleicht schon mal erwähnt?). Eigentlich ist das Buch zwischen Biografie und Roman angesiedelt, und deshalb, wie ich meine, als Einstieg in Zeit und Denken des Dichters gut geeignet. Ich las es mit Genuß und Gewinn.

Gruß,
Gitta
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Offline JMaria

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Re: Friedrich Hölderlin
« Antwort #9 am: 4. Oktober 2009, 22:52 »
Hallo,

es gibt ja eine ziemlich bekannte Biografie über Hölderlin von Peter Härtling (wurde hier vielleicht schon mal erwähnt?). Eigentlich ist das Buch zwischen Biografie und Roman angesiedelt, und deshalb, wie ich meine, als Einstieg in Zeit und Denken des Dichters gut geeignet. Ich las es mit Genuß und Gewinn.

Gruß,
Gitta


Hallo zusammen,
hallo Gitta,

ich habe mich dem Hölderlin ebenfalls über die Romanbiographie von Peter Härtling genähert. Es  ging mir sehr nahe, als ich seine Aussage las "Die Wirklichkeit hat mich krank gemacht".

seine unsterbliche Liebe zu Susette Gontard, ihr Tod, von Hypochondrie zu beginnendem Wahnsinn, das lässt einen nicht unberührt.

Peter Härtlings Art an eine Romanbiographie ranzugehen, mag vielleicht gewöhnungsbedürftig sein, zu anfangs hatte ich etwas Probleme damit, doch hat er sich einfühlsam in Zeit und Leben Hölderlin hineinversetzt.

Viele Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 4. Oktober 2009, 22:54 von JMaria »
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Offline Sir Thomas

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Re: Friedrich Hölderlin
« Antwort #10 am: 5. Oktober 2009, 12:18 »
"Die Wirklichkeit hat mich krank gemacht".

Hallo Maria,

ist das ein belegtes Hölderlin-Zitat oder Härtlings dichterische Freiheit?

Um das Buch von Peter Härtling bin ich auch schon herumgeschlichen, habe dann jedoch Stefan Zweig den Vorzug gegeben ("Der Kampf mit dem Dämon"; das erste Kapitel ist Hölderlin gewidmet).

Gratulation übrigens, dass Du diesen alten Ordner wiederentdeckt und -belebt hast. Ich kannte ihn bislang noch nicht.

Viele Grüße

Tom

Offline JMaria

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Re: Friedrich Hölderlin
« Antwort #11 am: 5. Oktober 2009, 20:39 »
"Die Wirklichkeit hat mich krank gemacht".

Hallo Maria,

ist das ein belegtes Hölderlin-Zitat oder Härtlings dichterische Freiheit?

Um das Buch von Peter Härtling bin ich auch schon herumgeschlichen, habe dann jedoch Stefan Zweig den Vorzug gegeben ("Der Kampf mit dem Dämon"; das erste Kapitel ist Hölderlin gewidmet).

Gratulation übrigens, dass Du diesen alten Ordner wiederentdeckt und -belebt hast. Ich kannte ihn bislang noch nicht.

Viele Grüße

Tom

Hallo Tom,

das tut mir jetzt leid. Sonst notier ich mir immer die Seitenzahl, wenn ich mir ein Zitat aus einem Buch schreibe, diesmal jedoch nicht und ich finde es nicht mehr. Vom Gefühl her, habe ich an ein Zitat aus einem Brief gedacht. Doch gibt es natürlich in der Romanbiographie keine Anhangverweise. Der Autor weist am Ende des Buches darauf hin, dass er vorallem Adolf Beck dankt für seine Edition und Kommentaren zu  den Briefen Hölderlins.


Um das Buch von Peter Härtling bin ich auch schon herumgeschlichen, habe dann jedoch Stefan Zweig den Vorzug gegeben ("Der Kampf mit dem Dämon"; das erste Kapitel ist Hölderlin gewidmet).


Stefan Zweigs "Kampf mit dem Dämon" möchte ich auch noch lesen.
Peter Härtling gibt dem Schwäbischen Dialekt viel Raum in seinem Buch. Für mich war das jetzt nicht schwierig zu folgen, da ich nahe der Schwäbischen Alb wohne.

Hier gehts zu einem Spiegel Artikel über die Biographie von  Pierre Bertaux über Hölderlin, der ja meint, dass Hölderlin seine geistige Umnachtung gespielt hat. Ich weiß nicht, kann man über Jahrzehnte solch ein Leben spielen? Ich denke, er hat sich tatsächlich in sein "Inneres" zurückgezogen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351152.html

Schöne Grüße
Maria
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Offline Wolf

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Re: Friedrich Hölderlin
« Antwort #12 am: 5. Oktober 2009, 22:51 »
Hallo Maria,

Zitat von: JMaria
Sonst notier ich mir immer die Seitenzahl, wenn ich mir ein Zitat aus einem Buch schreibe, diesmal jedoch nicht und ich finde es nicht mehr.

welche Ausgabe hast Du denn? Wenn sie 636 Seiten Umfang hat, dann steht das gesuchte Zitat auf S. 445, wie man bei Google-Books erfährt. :-) Ein originales Hölderlinzitat scheint das aber wohl nicht zu sein.

Schöne Grüße,
Wolf

scardanelli

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Re: Friedrich Hölderlin
« Antwort #13 am: 6. Oktober 2009, 05:42 »
Auf die Schnelle finde ich das Zitat auch nicht; ich würde es in den Komplex um den "Hyperion" einordnen, dort finden sich, vor allem im zweiten Teil, ganz ähnliche Gedankengänge.
Neben Härtling fand ich als Biografie noch hilfreich die von Pierre Bertaux und die Erzählungen von Stephan Hermlin, den man ja fast nicht mehr nennen darf, ohne verketzert zu werden. Gerhard Wolf hat zudem ein hübsches kleines Werk "Der arme Hölderlin" geschrieben, auch Marin Walser hat durchaus lesenwerte Aufsätze über Hölderlin geschrieben. Näheres auf Wunsch...

Offline JMaria

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Re: Friedrich Hölderlin
« Antwort #14 am: 6. Oktober 2009, 10:15 »
Hallo Wolf,
hallo zusammen,

Danke fürs Nachforschen. Die Ausgabe der Sammlung Luchterhand hat nur 399 Seiten. Aber zumindest kann ich nun erahnen, dass es im letzten Drittel zu finden sein müsste.
Ein Originalzitat ist es vielleicht nicht, aber wie Scardanelli bereits erwähnt hat, ist Peter Härtlings Stil derart, dass er Aussagen aus Briefen, Gedichten und aus dem Hyperion in den Dialogen einflechtet. Ein Querverweis wäre echt nützlich gewesen.

@Scardanelli:
auch Marin Walser hat durchaus lesenwerte Aufsätze über Hölderlin geschrieben

dazu fällt mir "Hölderlin auf dem Dachboden" ein. Sollte ich nochmals raussuchen und lesen. Gibt es von Walser noch mehr?
Deinem Tipp "Der arme Hölderlin" werde ich mal nachgehen. Danke.

Schöne Grüße
Maria



 
« Letzte Änderung: 6. Oktober 2009, 10:19 von JMaria »
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