Autor Thema: Siegfried Lenz  (Gelesen 20398 mal)

Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #60 am: 27. Oktober 2009, 11:48 »
Hallo zusammen,

ich habe mit "Deutschstunde" begonnen.
Was mir am ersten Kapitel bereits gefällt, außer dem markanten ersten Satz Sie haben mir eine Strafarbeit aufgegeben., ist das innere Befinden von Siggi Jepsen, eingesperrt in seiner Stube. Den Blick nach draußen, die zugefrorene Elbe, treibende Eisschollen, die ein Brecher versucht zu lösen und mäanderförmige Strukturen auf dem Eis hinterlässt, die am Horizont immer schmaler werden ... Eingefroren wie das innere von Siggi Jespsen, der sich auch erst einen Weg durchbrechen muß um für den Aufsatz "Die Freuden der Pflicht" den passenden Anfang zu finden.

Ein wunderbarer Stil. Spricht mich sehr an.

Noch eine Frage:
Hat schon jemand sein neues Buch "Landesbühne" gelesen?

Gruß,
Maria

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scardanelli

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #61 am: 5. November 2009, 14:15 »
Ja, habe das Buch "Landesbühne" letztes Wochenende gelesen, bin aber ein "vorbelasteter Kritiker", d.h. ich schätze die stille, zurückhaltende Erzählweise des Siegfried Lenz sehr.
Die Handlung ist in einem Satz erzählt, eine Gruppe Gefängnisinsassen - nicht gerade die Schwerbrecher, eher am Leben gescheiterte Existenzen - nutzt den Besuch einer Theatergruppe, um in deren Bus zu fliehen und in einem Nachbarort die Rolle der Theaterleute einzunehmen, ehe sie wieder eingefangen werden.
ABER - wie Lenz das erzählt, und welche Erkenntnisse er den Personen in den Mund legt, das ist entscheidend. "...oft genug ist mir Erzählen hier wie ein Trost vorgekommen..." Gilt das nicht oft für das Werk des S. Lenz.
Oder: "Verzweiflung zu ertragen, Hoffnungslosigkeit auszuhalten, Entbehrungen zu überwinden, wer, wenn nicht die Phantasie, hilft uns dabei."

Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #62 am: 7. November 2009, 11:14 »
Hallo scardanelli,

Ja, habe das Buch "Landesbühne" letztes Wochenende gelesen, bin aber ein "vorbelasteter Kritiker", d.h. ich schätze die stille, zurückhaltende Erzählweise des Siegfried Lenz sehr
Die Handlung ist in einem Satz erzählt, eine Gruppe Gefängnisinsassen - nicht gerade die Schwerbrecher, eher am Leben gescheiterte Existenzen - nutzt den Besuch einer Theatergruppe, um in deren Bus zu fliehen und in einem Nachbarort die Rolle der Theaterleute einzunehmen, ehe sie wieder eingefangen werden.
ABER - wie Lenz das erzählt, und welche Erkenntnisse er den Personen in den Mund legt, das ist entscheidend. "...oft genug ist mir Erzählen hier wie ein Trost vorgekommen..." Gilt das nicht oft für das Werk des S. Lenz.
Oder: "Verzweiflung zu ertragen, Hoffnungslosigkeit auszuhalten, Entbehrungen zu überwinden, wer, wenn nicht die Phantasie, hilft uns dabei."

wunderbare Sätze. Auch ich schätze Siegfried Lenz leise Erzählweise und seine Feinheit. Danke für deine Einschätzung.

Gruß,
Maria
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Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #63 am: 1. Februar 2010, 14:24 »
Hallo zusammen,

Siegfried Lenz wurde mit dem Premio Nonino Preis ausgezeichnet. Hier gehts zu seiner Dankesrede:

Etwas über das Alter

die Laudatio hielt Claudio Magris.

die Begründung der Jury:
Siegfried Lenz habe im Lauf seines kreativen Schaffens Themen der Gewalt und der Verfolgung mit distanziertem Blick und jeder Ideologie misstrauend aufgegriffen.

Gruß,
Maria
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Offline sandhofer

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #64 am: 1. Februar 2010, 15:19 »
Nonino ist ein Grappa ...  :smile:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #65 am: 1. Februar 2010, 15:22 »
Nonino ist ein Grappa ...  :smile:

und der Premio Nonino hat einen Wert von 10.000 Euro.  :breitgrins:

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Offline sandhofer

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #66 am: 1. Februar 2010, 17:05 »
Nonino ist ein Grappa ...  :smile:
und der Premio Nonino hat einen Wert von 10.000 Euro.  :breitgrins:

Ja, damit kaufst du dir einen Nonino oder zwei ...  :breitgrins:
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Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #67 am: 27. Juni 2010, 09:30 »
Ja, habe das Buch "Landesbühne" letztes Wochenende gelesen, bin aber ein "vorbelasteter Kritiker", d.h. ich schätze die stille, zurückhaltende Erzählweise des Siegfried Lenz sehr.
Die Handlung ist in einem Satz erzählt, eine Gruppe Gefängnisinsassen - nicht gerade die Schwerbrecher, eher am Leben gescheiterte Existenzen - nutzt den Besuch einer Theatergruppe, um in deren Bus zu fliehen und in einem Nachbarort die Rolle der Theaterleute einzunehmen, ehe sie wieder eingefangen werden.
ABER - wie Lenz das erzählt, und welche Erkenntnisse er den Personen in den Mund legt, das ist entscheidend. "...oft genug ist mir Erzählen hier wie ein Trost vorgekommen..." Gilt das nicht oft für das Werk des S. Lenz.
Oder: "Verzweiflung zu ertragen, Hoffnungslosigkeit auszuhalten, Entbehrungen zu überwinden, wer, wenn nicht die Phantasie, hilft uns dabei."

Hallo,

"Landesbühne" habe ich nun auch gelesen und fand es sehr schön. Mich berührt jedesmal Siegfried Lenz stille melancholische Erzählweise, sie wärmt mir das Herz. In einem Interview las ich, dass ihm das Schreiben zunehmend schwer falle. Und wenn auch die Sturm und Drang Zeit des Autors vorbei ist (wie bei Hannes in Landesbühne) hoffe ich auf weitere kleine schöne Werke aus seiner Feder.

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 27. Juni 2010, 09:35 von JMaria »
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Offline Anita

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #68 am: 27. Juni 2010, 10:15 »
Hallo ...

Ich bin auch ein doller Lenz-Fan, hach was liebe ich diese etwas "wortkargen" (er kann die Nordlichter, die Friesen so gut fassen), aber dennoch so tiefen und zarten Pinselstriche von diesem Autor. Jüngst habe ich "So zärtlich war Suleyken" gelesen, masurische Geschichten. Selten habe ich so skurrile und überzeichneten Figuren gelesen  :breitgrins:, die dennoch authentisch sind. Klasse gemacht  :smile:

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #69 am: 27. Juni 2010, 11:36 »
Hallo ...

Ich bin auch ein doller Lenz-Fan, hach was liebe ich diese etwas "wortkargen" (er kann die Nordlichter, die Friesen so gut fassen), aber dennoch so tiefen und zarten Pinselstriche von diesem Autor. Jüngst habe ich "So zärtlich war Suleyken" gelesen, masurische Geschichten. Selten habe ich so skurrile und überzeichneten Figuren gelesen  :breitgrins:, die dennoch authentisch sind. Klasse gemacht  :smile:

LG
Anita


oja, ein großes Werk, seine masurischen Geschichten. Wer kann sich z.B. einem Hamilkar Schaß verschließen nur noch ein Kapitelchen *g*
Kennst du bereits "Der Geist der Mirabelle: Geschichten aus Bollerup"? oder "Kummer an jütländischen Kaffeetafeln" ? Herrlich, sag ich dir  :breitgrins:


Edit:
zu MRRs 90. Geburtstag schrieb Siegfried Lenz:
Er ist der Streit

S.L. ist ein Mensch mit einem großen Herz.


Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 27. Juni 2010, 11:39 von JMaria »
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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #70 am: 27. Juni 2010, 15:19 »
Kennst du bereits "Der Geist der Mirabelle: Geschichten aus Bollerup"? oder "Kummer an jütländischen Kaffeetafeln" ? Herrlich, sag ich dir  :breitgrins:

Leider nicht, weil es bisher nicht in mein Beuteschema passte. Durch meinen hibbeligen Grundton lese ich nicht gerne "unruhige" Kürze, ich bevorzuge eigentlich immer lieber die Länge, Weite, Raum und Zeit. Da aber diese masurischen Geschichten alle miteinander verbunden sind, habe ich das nicht als ständigen Wechsel empfunden.

"Der Geist der Mirabelle: Geschichten aus Bollerup" steht nun auch auf meiner Wunschliste  :winken:

LG
Anita
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Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #71 am: 28. Juni 2010, 10:34 »
Hallo,

gerade entdeckt. Siegfried Lenz hat wieder geheiratet :-)

http://www.derwesten.de/nachrichten/panorama/Siegfried-Lenz-heiratet-mit-84-noch-einmal-id3100115.html

Gruß,
Maria
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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #72 am: 28. Juni 2010, 10:56 »
Alter schützt vor Torheit nicht. Auch nicht bei Autoren ...  :smile:
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Offline JMaria

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #73 am: 28. Juni 2010, 11:09 »
Alter schützt vor Torheit nicht. Auch nicht bei Autoren ...  :smile:


"Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei" ...  :smile:
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Offline sandhofer

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Re: Siegfried Lenz
« Antwort #74 am: 28. Juni 2010, 12:11 »
"Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahr, und es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen."  :winken:
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