Autor Thema: Wiener fin de siècle  (Gelesen 14758 mal)

Offline Friedrich-Arthur

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1120
Wiener fin de siècle
« am: 27. Dezember 2005, 22:50 »
Ich bin seit langem im Bann des Wiener fin de siècle, was die bildenden Künste betrifft und zunehmend auch, was die Literatur dort zu dieser Zeit hervorbrachte. Mich bewegt besonders die Kraft, mit der zu dieser Zeit an diesem Ort gemalt und gezeichnet, aber auch geschrieben und komponiert wurde. Dieser Urkraft des Schaffens bin ich auf der Spur und diese möchte ich kennenlernen. Eine Kraft, die gesellschaftliche Konventionen wegsprengte, obwohl es nicht so geplant war, eine Kraft die bleibende Werke schuf und sich Weltgeltung schuf, eine Kraft, die aus teilweise gewagten Bildern mit unglaublicher Farbkraft und Formsicherheit auftrumpfte... Schon gut, ich werde meine Begeisterung etwas in Grenzen halten, vorerst.

Da kam mir natürlich mein Weihnachtsgeschenk "Die nackte Wahrheit - Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale" vom Prestel-Verlag sehr gelegen (es gibt aber weitere schöne Bücher, z.B. "Wien um 1900 - Klimt Kokoschka - Schiele - Moser" vom Chr. Belser Verlag). Ich werde mich die nächsten Tage darin vertiefen...

Jedenfalss ist es sehr beeindruckend, was die Künstler Eduard Stella, Hans Makart, Richard Gerstl, Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Koloman Moser, Max Oppenheimer, Anton Kolig, Franz Matsch und der Architekt Adolf Loos und anderen so alles erschufen...

Später mehr...

Grüße, FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Anonymous

  • Gast
Re: Wiener fin de siècle
« Antwort #1 am: 28. Dezember 2005, 11:05 »
Hallo Friedrich-Arthur
'Bildende Künste' ist so ziemlich Neuland für mich und kann leider nicht sehr viel zur Diskussion beitragen, wenn ich auch  deine Beiträge mit Interesse lese. Denn die Namen, der Personen die du bereits genannt hast sind mir ein Begriff, aber der Zusammenhang zu den bildenden Künsten fehlt noch.

so nur ein kurzer Gedanke, wenn er auch nicht ganz zum Thema gehört (vermute ich mal):

fin de siècle :
mußte ich sofort an Oscar Wilde denken. Ich muß nochmals nachforschen, warum das so ist. Aber ich habe den Begriff zusammen mit dem Schriftsteller gelesen.

Viele Grüße
Maria

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3857
Wiener fin de siècle
« Antwort #2 am: 28. Dezember 2005, 11:06 »
huch, vergessen mich anzumelden, ging auch ohne  :breitgrins:
VG
Maria
Aktuell:

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
korrigiert
« Antwort #3 am: 28. Dezember 2005, 12:22 »
Hallo JMaria!

Zitat von: JMaria
huch, vergessen mich anzumelden, ging auch ohne  :breitgrins:

Schon korrigiert!

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Stoerte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 326
Re: Wiener fin de siècle
« Antwort #4 am: 28. Dezember 2005, 14:04 »
Zitat von: Anonymous/JMaria
fin de siècle :
mußte ich sofort an Oscar Wilde denken. Ich muß nochmals nachforschen, warum das so ist. Aber ich habe den Begriff zusammen mit dem Schriftsteller gelesen.

Hab den Begriff gestern in der "Schopenhauer-Kur" gelesen und wußte nix mit anzufangen. Grade mal Britannica befragt

französisch für "Ende des Jahrhunderts"

bezieht sich auf das literarische oder künstlerische Klima des ausgehenden 19ten Jahrhunderts (bzw. eben alles an dasselbe erinnernde); "sophistication, escapism, extreme aestheticism, world-weariness, and fashionable despair".

Im Zusammenhang mit der Literatur bezieht sich der Term auf die ebenfalls in diesen Zeitraum fallende Bewegung der "Decadent poets of France" und dem sogenannten Ästhetizismus in England (bei dem Oscar Wilde eine wichtige Rolle spielte). [Nach: Britannica 2004, CD-ROM]

Offline Friedrich-Arthur

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1120
Wiener fin de siècle
« Antwort #5 am: 28. Dezember 2005, 15:00 »
Stimmt Stoerte, "fin de siécle" ist "Ende des Jahhunderts", in den Künsten wird aber mit diesem Begriff besonders das Ende des 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts und sein Übergang versehen. Was Stoerte da an englischsprachigen Eigenschaften aufzählte stimmt unbedingt. Es war gerade auch deswegen ein besonderer Nährboden für die Künste gegeben. Der Impressionismus war noch präsent und hatte viele Anhänger(inn)en und gute Künstler(inn)en, der Expressionismus kam auf, der Jugendstil stand in voller Blüte und ebenso der Symbolismus, die Avantgarde (besonders auch die russische) formierte sich, Dada stand in den Startlöchern und auch der Syrrealismus... kurz eine goldene Zeit für die Künste. Bei Nietzsche las ich einmal, dass immer die politisch instabilsten Zeiten, die besten Zeiten für die Kunst sind. Ein Blick auf die Geschichte des morbiden Europa lässt jeden Zweifel untergehen... Jedenfalls kann man so vieles, nicht nur in den bildenden, sondern allen Künsten dieser Zeit entdecken, dass man eigentlich nicht die Zeit hat dies auch nur annähernd zu tun. Es gibt zu vieles. Und viele Metropolen hatten diese Tendenz im fin de siècle, aber wohl nirgens kam alles in solchen Extremen, mit solcher Kraft und solchen Gegensätzen zusammen, wie in Wien. Das ist es. Diese unglaubliche Kraft, die meine ich. Wien hat daraus einen bleibenden Charme erhalten und hat diese Kunst geschickt vermarktet; ich würde diese Stadt wirklich einmal gerne besuchen. Irgendwann... Grüße, FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline HoldenCaulfield

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 137
    • http://www.ihs-weiberhelden.de.vu
Wiener fin de siècle
« Antwort #6 am: 28. Dezember 2005, 21:41 »
Ich mag die Bilder von Gustav Klimt sehr gern. Da ich im Januar nach Wien fahre werd ich natürlich die Gelegenheit wahrnehmen und mir seine Bilder und auch die der andren genannten Künstler anschaun.
Memento Mori

Offline Ragle

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 15
Wiener fin de siècle
« Antwort #7 am: 30. Dezember 2005, 16:50 »
Ich kann mich Friedrich-Arthurs Schwärmerei nur wärmstens anschließen. In Wien bin ich Ausstellungsmäßig ja sehr gut aufgehoben. Da war vor die Ausstellung zu dem Buch "Die nackte Wahrheit", dann noch die Landschaftsmalereien von Schiele (die ja nicht ganz so bekannt sind...), vor etwas längerer Zeit war im Belvedere eine Klimtausstellung, etc. und nicht zu vergessen die dauernden Ausstellungen.
Ich weiß ja nicht wo in Europa du wohnst F.-A., aber falls es dich wie Holden bis 19.4.2006 nach Wien verschlagen sollte: In der Albertina ist eine sehr, sehr gro?e Ausstellung über Schiele. Ca. 260 (!) Werke sollen dort sein und nächste Woche schau ich's mir ganz sicher an.

Link: http://www.albertina.at/cms/front_content.php?idcatart=64

LG,

Ragle

Offline Friedrich-Arthur

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1120
Wiener fin de siècle
« Antwort #8 am: 31. Dezember 2005, 01:46 »
Das ist mir zu weit Ragle, aber danke für den Hinweis. Das muss ich mir für später aufheben... Das Buch "Die nackte Wahrheit" vom Prestel Verlag gefällt mir sehr, nur konnte ich noch nicht darin lesen und am Liebsten würde ich noch "Wien um 1900 - Klimt - Kokoschka - Schiele - Moser" vom Chr. Belser Verlag besitzen (in letzterem Buch liegt einer der Schwerpunkte in der Landschaftsmalerei). Es gibt noch so viele schöne Kunstbücher über diese Zeit, z.B. über die Vereinigung "Wiener Werkstätte"... Vielleicht dies als weiteres Stichwort... Grüße, FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Wiener Kreis
« Antwort #9 am: 31. Dezember 2005, 11:37 »
Hallo zusammen!

Nicht zu vergessen, dass im Dunst des Wiener Fin-de-siècle und Jugendstil auch der Wiener Kreis seine Wurzeln hat.

Es war eine künstlerisch und philosophisch gesehen fruchtbare Zeit - dieser sich mehr und mehr abzeichnende Zusammenbruch Kakaniens ...

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Ragle

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 15
Alfons Mucha
« Antwort #10 am: 2. Januar 2006, 10:19 »
Hallo!

Zitat
Das ist mir zu weit Ragle, aber danke für den Hinweis.


Schade...

Mir ist da noch ein meines Erachtens toller fin du siecle Künstler (zumindest glaube ich ihn hier einordnenzukönnen) eingefallen:

Alfons Mucha
http://de.wikipedia.org/wiki/Mucha

Schöne, mädchenhafte Frauen in wunderbaren Köperhaltungen und  viele Ornamente, Schnörksel und Ahnliches zeichnen seine Werke aus.
Mucha hat zu großen Teilen Werbeplakate gemacht, soviel ich weiß für Nahrungsmittel, Zigaretten, Fahrräder... Aber berühmt geworden ist er mit den Theaterplakaten für Sarah Bernhardt. Ich liebe seine Bilder, sie sind  - unterstrichen durch das damals eher ungewöhnlich hohe Format - einfach nur wunderschön und ästhetisch...
Von seinen Werbeplakaten hätte ich mich als Konsument sicher beeinflußen lassen  :zwinker: .

LG,

Ragle

Offline Titania

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 103
Wiener fin de siècle
« Antwort #11 am: 3. Januar 2006, 11:37 »
Entstand kraft dieser Verbindung nicht auch die Secesion (Direkt vor meinem Haus), ein wunderschönes Gebäude, platziert unter den Goldlettern "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit"?

Auch wenn ich sonst eher Expressionismuskenner bin, bin ich als Wiener, vor allem aber als wahrer Museumsfanatiker ( De facto gibt es ja in Wien nahezu ein dutzend riesiger Museen die sich nur mit Klimt, Schiele und Kokoschka beschäftigen) recht vertraut, kann mich allerdings mit Schiele nicht ganz anfreunden (Wie soll man sagen...ich möchte seinen Bildern in der Nacht nicht begegnen?....äh...).

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1894
    • christian köllerer.net
Wiener fin de siècle
« Antwort #12 am: 3. Januar 2006, 12:02 »
Zitat von: Titania
( De facto gibt es ja in Wien nahezu ein dutzend riesiger Museen die sich nur mit Klimt, Schiele und Kokoschka beschäftigen)


Na, na, na.

Nicht übertreiben  :smile:

Von "nur" kann ja schon gar keine Rede sein.

CK

Offline Titania

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 103
Wiener fin de siècle
« Antwort #13 am: 3. Januar 2006, 18:17 »
Naja, MQ, Burgtheater (Gebäudegestaltung von Klimt), Kunsthistorisches Museum (Interkolummni-Bilder), Secession , Leopold-Museum, MAK, Galerie Belvedere, Wienmuseum a. Karlsplatz (Schiele und Rössler), Universität für angewandte Kunst (Kokoschka-Zentrum) sind doch schon einmal nette Anlaufstellen, bei denen es viel zu sehen gibt.

Und das Wort "nur" ersetze ich hiermit ofiziell durch "ausschließlich". ;-)

Offline Ragle

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 15
Wiener fin de siècle
« Antwort #14 am: 4. Januar 2006, 10:33 »
Hallo!

Zitat von: Titania
Entstand kraft dieser Verbindung nicht auch die Secesion (Direkt vor meinem Haus), ein wunderschönes Gebäude, platziert unter den Goldlettern "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit"?


Na da hast du ja eine tolle Aussicht (oh Gott ist das nicht extrem teuer zum wohnen!?)! Ich liebe die Secession, aber zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, das ich mit das Beethovenfries, das ich eigentlich wirklich genial finde, noch nie angesehen habe und das obwohl ich in Wien wohne... :redface:

War hier jemand schon in der Albertina?

LG,

Ragle