Er hat z.B. dem einen Fuzzi vom Deutschen Müllerverband (aus dem dann die Thule Gesellschaft hervorging, irgendwie so haarsträubende Nazi-Esoterik), jedenfalls hat er diesem Fuzzi geschrieben, er hätte sich über die ihm unverlangt zugesandten Probeexemplare des wöchentlich (oder monatlich) erscheinden Pamphlets dieses Müllerverbandes (also einem Antisemiten-Club) gefreut, um sich über das Weltbild derartig einfacher Köpfe informieren zu können. Aber der Müllerverband-Fuzzi möge das dann bitte zukünftig unterlassen, auf dass er, also Nietzsche, nicht seine ironische Sichtweise verliere. Dass derartiges seinen Zarathustra benutze, schrieb N., fände er ebenfalls nicht besonders komisch.
Auch schrieb er im Bezug auf Wagner, dieser wolle ihn mit seiner Sympathie zum Christentum und zum Antisemitismus sicher auf die Nerven gehen.
Ich las irgendwo anders, in einer Diskussion zum gleichen Thema, dass Nietzsche Juden für ihre (weiß jetzt das genau Wort nix mehr) Durchtriebenheit bewundert hätte. Und das also sei antisemitisch.
Meiner Ansicht krachen da die allgemein schwierigen Ansichten Nietzsches mit der besonderen Vergangenheit Deutschlands zusammen. (Aber die eigenen Vorfahren haben wirklich von nix gewußt.)
Auch bei Schopenhauer gibt es Überlegungen über Juden, die man kritisch hinterfragen kann (erwähnt Yalom auch nicht).
Vorwürfe gibt es übrigens auch gegen Tucholsky, wie auch gegen Karl Kraus, letzterer bekam wohl sogar wirklich mal Fanpost von einem Antisemiten, glaub da schrieb er mal über sein Unverständnis.
Kommt auch immer darauf an, wer wessen Antisemitismus untersucht, kann mir sehr gut vorstellen, dass beim selben Menschen die Definition von Antisemitismus verschieden ausfällt, abhängig davon, ob es bei ihm nun gerade um Marx oder Nietzsche (nur mal als zwei Beispiele genannt) geht.
Vor allem bei diesem Thema wird insgesamt sehr viel mit Definitionen getrickst. Beispiele wären Nazismus statt Nationalsozialismus (ist selbstverständlich so kürzer) oder auch Nationalsozialismus unter dem Oberbegriff Faschismus zu führen (ist selbstverständlich so einfacher). Also nun abgesehen von plumpen Versuchen wie was vom bösen Kapital zu erzählen, oder die Nazis als Sozialisten zu stilisieren, oder ähnlich dämmliches.
Das ist auch eines der Themen bei denen Englisch wirklich von Vorteil ist, da es nur allzu verständlich ist, bei der Informationsgewinnung aber stört, dass Deutschen hier die Distanz fehlt.