Autor Thema: Antisemitismus in Literatur und Philosophie  (Gelesen 3347 mal)

Heidi Hof

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #15 am: 6. Januar 2006, 01:49 »
Zitat von: Friedrich-Arthur
Viel Spaß beim Entdecken und Wiederentdecken!


Den werde ich bestimmt haben  :zwinker: Und auf Entdeckungsreise gehe ich immer wieder gerne  :breitgrins:

Danke Friedrich-Arthur

Roquairol

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #16 am: 26. Januar 2006, 01:46 »
Hallo zusammen,
diese Diskussion ist ja jetzt schon etwas älter, deshalb bin ich überrascht, hier noch nicht die eindeutige Antwort zu lesen, die nötig ist: Nein, Nietzsche war kein Antisemit, er bezeichnete sich im Gegenteil ausdrücklich als Anti-Antisemiten. Wie Nietzsche richtig analysierte, entspringt der Antisemitismus dem Ressentiment, und Ressentiment war für Nietzsche die schlimmstmögliche Gefühlsäußerung überhaupt (s. "Zur Genealogie der Moral").

Nietzsches Schwester war jedoch Antisemitin und hat über ihren Bruder etliche Verfälschungen in die Welt gesetzt.

Allerdings war Nietzsche bekanntlich Atheist, und als solcher hat er nicht nur die christliche, sondern auch die jüdische Religion abgelehnt - aber dies sollte natürlich nicht mit Antisemitismus verwechselt werden.

Viele Grüße,
R.

Heidi Hof

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #17 am: 26. Januar 2006, 15:27 »
Zitat von: Roquairol
Allerdings war Nietzsche bekanntlich Atheist, und als solcher hat er nicht nur die christliche, sondern auch die jüdische Religion abgelehnt - aber dies sollte natürlich nicht mit Antisemitismus verwechselt werden.


Nichts geht eindeutig bei ihm hervor, Roquairol.
Er lehnt das Religiöse ab, stur einer Religion nachlaufen, aber er sagt: "ohne den göttlichen Gedanken geht es auch nicht".

Es kommt immer zuerst das völlige Ablösen von Allem, um dann durch die Leere wieder Etwas hevorzubringen  :zwinker:

Roquairol

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #18 am: 26. Januar 2006, 19:41 »
Hallo Heidi,
Zitat von: Heidi Hof
aber er sagt: "ohne den göttlichen Gedanken geht es auch nicht".


Da würde mich jetzt der Kontext des Zitats und die genaue Quelle interessieren.

Viele Grüße,
R.

Heidi Hof

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #19 am: 26. Januar 2006, 21:09 »
Ich habe das bei Jaspers so verstanden (Nietzsche - Einführung in das Verständnis seines Philosophierens): Dass, wenn man sich erst einmal von Allen gelöst und befreit hat, wird Etwas "jenseits aller Kritik; sie hat nur Wahrheit, falls Gott die Wahrheit ist,-". Und auch "Von mir werden keine neuen Götzen aufgerichtet ...fahre ich fort ... neue Ideale an die Wand zu malen." Auch dass jenseits aller Kritik etwas lebenszerstörendes ist, wenn ???.

Ich lese im zweiten Buch immer wieder Andeutungen, dass es hinter der Leere wieder Etwas gibt, ansonsten hätte Alles keinen Sinn. Das entspricht meinem Gottesbegriff.

Roquairol

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #20 am: 27. Januar 2006, 13:45 »
Hallo Heidi,
der gute Jaspers will wohl mal wieder seine eigene Philosophie in Nietzsche hineinlesen ....  :zwinker:  - Nietzsches Satz "Gott ist tot" ist durchaus eindeutig.
Zitat
ich lese im zweiten Buch immer wieder Andeutungen, dass es hinter der Leere wieder Etwas gibt, ansonsten hätte Alles keinen Sinn.

Ja, es kann und soll dort etwas geben, wenn der Mensch es schafft. Deshalb will Nietzsche Gott durch den "Übermenschen" ersetzen, damit der Mensch auch ohne Gott ein Ziel hat. Nach Nietzsche braucht der Mensch keinen Gott, um einen Sinn in seinem Leben zu finden, weil er sich seinen Sinn und seine Werte selbst schaffen kann.

Viele Grüße,
R.

Offline rezk

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 89
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #21 am: 27. Januar 2006, 18:25 »
Kann man nicht anderen Autoren viel eher Antisemitismus Vorwürfe machen als Nietzsche?

Ich fand zu diesem Thema allgemein folgenden Link ganz interessant.

[url] http://www.welt.de/daten/2001/02/17/0217lsb223124.htx [\url]
"Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg, was wir Weg nennen ist zögern" (F. Kafka)

Offline Stoerte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 326
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #22 am: 27. Januar 2006, 18:53 »
Wie wahrscheinlich ist es denn überhaupt, dass ein deutscher Professor den großen Kant einen Antisemiten nennt? Schadet es ihm hingegen, wenn er Karl Marx einen Antisemiten nennt?
Nebenbei war Karl Marx selbst Jude, und im Vorwurf des Antisemitismus ist - zumindest nach meiner Definition - rassistischer Judenhass impliziert. Allzu weite Definitionen haben keine Vorteile, ausser eben dass ansonsten Anti-Jüdisches verharmlost würde, sie stehen aber der Klarheit im Weg und letztendlich will man erst erkennen und dann verurteilen. Wenn ich dann lese, die rassistische Komponente sei später erst hinzugekommen sträuben sich bei mir nur die Haare. Aber mal eben Kant gelesen und ein Buch drüber geschrieben ;-).

Nebenbei: zu Eichmann würd ich das Buch von Hannah Arendt lesen, ein Schwergewicht im Denken, gegen die ist der Herr Professor (Pädagogik, wird für kompetent gehalten, da er ein Museum über Judentum oder Antisemitismus oder so leitet) ein Nummern-Girl.

Roquairol

  • Gast
Antisemitismus in Literatur und Philosophie
« Antwort #23 am: 27. Januar 2006, 20:16 »
Brumlik ist für seine Ansichten sowieso eher berüchtigt als berühmt, würde ich mal frech behaupten ...

Marx fällt in die Kategorie "jüdischer Selbsthaß", das ist ein wissenschaftlich längst aufgearbeitetes Phänomen.