Autor Thema: Gestern im Theater  (Gelesen 18701 mal)

Offline Hubert

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Die heilige Johanna ...
« Antwort #15 am: 10. Januar 2007, 00:25 »
Besonders freue ich mich auf:

Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe
......

Hallo ikarus,

Brecht habe ich immer als Lyriker, aber nicht so sehr als Dramatiker geschätzt, na ja  GG und MC, aber sonst? Aber Ende letzten Jahres habe ich "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" vom Berliner Ensemble (Regie: Claus Peymann) gesehen und war begeistert. Ein aktuelleres Stück ist m.M.n.  i.M. auf einer deutschsprachigen Bühne nicht zu sehen. Ich wünsche Dir, das die Inszenierung zumindest annähernd an Peymann rankommt, dann erlebst Du einen tollen Theaterabend.

Liebe Grüße

Hubert

PS: Deine Probleme mit Peer Gynt, verstehe ich nicht so ganz, vielleicht können wir ja mal darüber diskutieren? 


Offline AndiM

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Re: Gestern im Theater
« Antwort #16 am: 28. März 2007, 22:07 »
Shakespeare: "Was ihr wollt"

Wo?: Kurgastzentrum Bad Reichenhall

Wer?: Schülerensemble des örtlichen Gymnasiums

Wie wars?: Gewohnt gut, was die Truppe jedes Jahr wieder auf die Beine stellt, ist schon - und imo nicht nur für Schultheaterverhältnisse - richtig gut, konnte man als Ex-Schüler eines der anderen beiden Gymnasien im Landkreis nur neidisch  drauf blicken. Die schaffen es jedes Jahr wieder ein großes Stück (in 15 Jahren u.a. Faust, Brecht's Dreigroschenoper und Macbeth und Dantons Tod) ansprechend auf die Bühne zu bringen, 2x das Kurgastzentrum zu füllen damit und zumindest 1 oder 2 richtig gute Schauspieler zu finden, trotz den Umständen entsprechenden Kurzlebigkeit eines solchen Stammes.

Fazit?: Auch Schultheater kann sehenswert sein. Nicht genial, ganz klar, keine großartigen Experimente oder wie auch immer. Aber halt "klassisch" gut.

Offline schokotimmi

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Re: Gestern im Theater
« Antwort #17 am: 8. Juni 2008, 18:41 »
Hallo,

dann krame ich den Thread mal wieder hervor... ich war gestern in der Wallenstein Inszenierung in Leipzig und ich bin sehr begeistert. Ich habe mir schon einige Zeit keine "klassischen" Stücke angeschaut, aber diese Inszenierung ist wirklich gelungen.

Die 3 Teile fanden an 3 verschiedenen Orten statt. Begonnen wurde mit "Die Piccolomini" in der Alten Baumwollspinnerei - ein altes Fabrikgebäude im Norden von Leipzig. Wallensteins Tod wurde dann in 2 Teilen direkt im Schauspielhaus Leipzig und die Zeit verging wie im Flug. Gegen 23:00 wurde dann Wallensteins Lager im Freien vor dem Völkerschlachtdenkmal aufgeführt - hier gab es moderne Elemente, denn Teile wurde in einen Sprechgesang vorgetragen.
Ich habe vorher das Buch gelesen, eher quergelesen und ich muss sagen, ich verstehe Schillers Stücke immer besser im Theater als gelesen, das war schon in Schulzeiten so...

Aber zurück zur Inszenierung. Ich fand die Schauspieler fast alle Klasse, vor allem Wallenstein war gut besetzt, aber auch die Piccolomini. Einzig Thekla war für mich leider nicht ganz glaubwürdig und etwas lächerlich, obwohl sie sich in Wallensteins Tod gesteigert hat.

Insgesamt aber eine tolle Inszenierung, die ich nicht missen möchte.

Sonnige Grüße
schokotimmi

Offline ikarus

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Re: Gestern im Theater
« Antwort #18 am: 17. Juni 2008, 21:09 »
Hallo schokotimmi

Ich habe mir diesen Wallenstein letzten Herbst auch angeschaut und kann Dein Urteil bestätigen. Eine absolut erlebenswerte Inszenierung.
Eigentlich wollte ich mir damals die Berliner Wallenstein-Inszenierung ansehen, die großes mediales interesse erregt hatte, was bei mir aber terminlich nicht gepaßt hat. Somit war Leipzig nur zweite Wahl. Als ich mich dann kurz vor der Fahrt dorthin noch etwas über die Inszenierung informiert und gelesen habe, was der Regisseur mit dem Stück angestellt hat, wurde ich richtig sauer  :grmpf: : Ein junger Hauptdarsteller, die Teile der Trilogie umgestellt - "Wallensteins Lager" an den Schluß und die Verse auch noch gerappt :entsetzt: Na bravo, dachte ich, das kann ja heiter werden.
Aber dann wurde ich doch aufs positivste überrascht. Die Schauspiel-Truppe war einfach großartig. Auch den jungen Hauptdarsteller (Stefan Schießleder) fand ich in seiner Rolle absolut glaubwürdig,  auch das etwas ruinenhafte dieser alten Baumwollspinnerei fand ich als Kulisse für "Die Piccolomini" sehr passend. Die 1 1/2 Stunden vergingen wirklich wie im Flug.
Ich hoffe, Du hast Dich danach auch an den verschiedenen köstlichen Buffets im Schauspielhaus gestärkt um anschließen die guten 2 Stunden "Wallensteins Tod" durchzustehen  :zwinker: Und dort liefen die Schauspieler dann wirklich zur Hochform auf.
Ob ich mir die anschließende Fahrt zum Völkerschlachtdenkmal überhaupt noch antun soll habe ich mir ernsthaft überlegt. Es war a*kalt und ich war auch schon recht müde. Aber was hätte ich versäumt! Auf Schillers Verse läßt sich sogar rappen! Wer hätte das gedacht? Ich kann mit Rap sonst wirklich nichts anfangen, aber dieses "Wallensteins Lager " hat richtig Spaß gemacht. Auch die Umstellung vom Anfang an den Schluß der Trilogie machte durchaus Sinn und der Auftritt der Reiter war dort vor dem Völkerschlachtdenkmal sehr effektvoll.
Auf der Rückfahrt traf ich in der Straßenbahn ein älteres Ehepaar. Die Frau erzählte mir, daß sie sich ein paar Tage zuvor den Berliner "Wallenstein" angesehen hätten, der Leipziger jedoch viel, viel besser gewesen wäre.

Zitat
[Insgesamt aber eine tolle Inszenierung, die ich nicht missen möchte.
/quote] Genau!

Viele Grüße
ikarus





"Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand" (Erasmus von Rotterdam)

Offline bücherwurm

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Re: Gestern im Theater
« Antwort #19 am: 3. Juli 2008, 09:45 »
was ich dazu berichten kann: letztes wochenende waren in trier wieder die antikenfestspiele. das bedeutet, dass im amphitheater griechische oder römische werke aufgeführt werden. dieses jahr konnte man sich zb antigone und die oper nabucco ansehen. ich habe mich für antigone enschieden und war begeistert. das in einem amphitheater zu sehen hatte für mich einen besonderen reiz. diese festspiele finden jedes jahr im sommer statt und dauern über drei bis vier wochenenden. war echt ein besuch wert (wenn auch der preis mit knapp 60 euro wirklich sehr hoch angesetzt ist, gibt ja aber auch billigere karten weiter hinten)
Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden.
(Ludwig Feuerbach)

Offline Hubert

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #20 am: 19. Dezember 2010, 13:53 »
Es wundert mich immer wieder, dass Literaturfreunde oft reine Bücherleser sind, sich aber nicht für Theater interessieren. Oder was ist sonst der Grund, dass dieser Thread schon 2 1/2 Jahre verwaist ist? Ich jedenfalls war gestern im Theater und will es hier zumindestens erwähnen.

Seit ich letztes Jahr Thomas Manns "Doktor Faustus" gelesen habe, war ich auf der Suche nach einer Aufführung von Shakespeares Komödie "Verlorene Liebesmüh", ein eher selten aufgeführtes Stück - auch ich habe es bisher erst einmal (vor vielen Jahren als Freiluftaufführung in Neustadt/Weinstr.) gesehen. Gestern jedenfalls im Fritz Rémond Theater in Frankfurt habe ich mich sehr gut unterhalten. Die Komödie ist einfacher gestrickt als Shakespeares spätere Werke, aber von Anfang bis Ende ein reines Vergnügen. Auch die Rollen waren durchweg hervorragend besetzt, sowohl der junge König von Navarra mit seinen Hofherren, als auch die Prinzessin von Frankreich mit ihren Hofdamen,  -  herausragend Karsten Kramer als Diener Schädel.

Eine Frage bleibt offen: "Warum hat der intellektuelle Adrian Leverkühn (Thomas Manns Doktor Faustus) ausgerechnet diese leichte Komödie vertont?

Offline sandhofer

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #21 am: 19. Dezember 2010, 19:13 »
Es wundert mich immer wieder, dass Literaturfreunde oft reine Bücherleser sind, sich aber nicht für Theater interessieren. Oder was ist sonst der Grund, dass dieser Thread schon 2 1/2 Jahre verwaist ist?

Vielleicht, dass wir unser Theater im Kopf so viel besser finden als das auf der Bühne? Nicht zu vergessen, die Tatsache, dass xenophanes zwar regelmässiger Theatergänger ist, aber hier nie etwas dazu schreibt ...  ;)

Eine Frage bleibt offen: "Warum hat der intellektuelle Adrian Leverkühn (Thomas Manns Doktor Faustus) ausgerechnet diese leichte Komödie vertont?

Vielleicht, weil so das Libretto der Musik nicht im Wege steht? Wenn ich es mir so überlege: Mit Ausnahme von Wagner, der sich allerdings seine eigenen Libretti schrieb, können wohl die wenigsten Libretti einem höheren literarischen Anspruch Genüge tun, wenn man sie nur liest.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Jaqui

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #22 am: 20. Dezember 2010, 08:56 »
Es wundert mich immer wieder, dass Literaturfreunde oft reine Bücherleser sind, sich aber nicht für Theater interessieren.

Das ist etwas, was ich noch nie ganz verstanden habe: Nur weil ich gerne Bücher lese und mich für Literatur interessiere, muss ich doch nicht zwangsläufig gerne ins Theater gehen oder mir bildende Kunst anschauen.

Ich zumindest finde das alles sehr langweilig. Hin und wieder schaue ich mir Theaterstücke an. Freunde von mir spielen an einem kleinen Theater in Wien. Gesehen habe ich schon von Brecht "Baal" und von Wolfgang Bauer "Gespenstern".
Beide hätte ich mir aber nie freiwillig angeschaut.

Und bei bildender Kunst muss ich leider komplett passen. Mein Vater liebt es stundenlang vor einem Bild zu verharren, ich habe diese Liebe von ihm eindeutig nicht geerbt.

Katrin

Offline Hubert

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #23 am: 22. Dezember 2010, 02:06 »
Hallo Katrin,
hallo zusammen!

Das ist etwas, was ich noch nie ganz verstanden habe: Nur weil ich gerne Bücher lese und mich für Literatur interessiere, muss ich doch nicht zwangsläufig gerne ins Theater gehen oder mir bildende Kunst anschauen.

Da hast Du absolut Recht! Schon der zweite Fall heute, wo ich mich nicht ausführlich genug ausgedrückt habe. Nur weil Du gerne Bücher liest, musst Du natürlich nicht auch gerne ins Theater gehen! Das wäre ja als würde ich von einem der mir erzählt, dass er gerne Fußball im Fernsehen sieht verlange er muss sich auch beim Neujahrsskispringen in Garmisch kalte Füße holen. Aber wenn wir uns irgendwo zufällig begegnen würden und Du würdest mir beim Small-Talk erzählen, dass Du dich für Literatur interessierst, könnte es schon sein, dass ich Dich nach Deinem letzten Theatererlebnis fragen würde. Weil zur Literatur gehört halt neben Epik und Lyrik auch die Dramatik und die guckt man sich am besten im Theater an.

Ich zumindest finde das alles sehr langweilig. Hin und wieder schaue ich mir Theaterstücke an. Freunde von mir spielen an einem kleinen Theater in Wien. Gesehen habe ich schon von Brecht "Baal" und von Wolfgang Bauer "Gespenstern".
Beide hätte ich mir aber nie freiwillig angeschaut.

Auch da kann ich Dir nur zustimmen. Brecht im Theater? Also nur wenn ich mich quälen will und Wolfgang Bauers Gespenster kenne ich nicht mal dem Namen nach. Von ihm habe ich nur ein Stück gesehen – aber, dass ich mich nicht mal mehr an den Titel erinnere sagt ja schon was – kann sein es hieß so ähnlich oder genau so wie ein Song von den Small Faces, aber auch da fällt mir der Titel jetzt nicht ein.

Imo wird in Wien auch oft professionelles Theater gespielt, guck doch mal ob Du auf einem Spielplan von WS Macbeth oder King Lear oder von Schiller Don Carlos oder von Ibsen Die Wildente findest – und dann geh hin. Wenn Du dann hier berichtest, das war aber sehr langweilig, will ich Dir den Eintrittspreis gerne erstatten.

Und bei bildender Kunst muss ich leider komplett passen. Mein Vater liebt es stundenlang vor einem Bild zu verharren, ich habe diese Liebe von ihm eindeutig nicht geerbt. 

Vielleicht hat Dich dein Vater ja mit seinem stundenlangen Verharren vor einem Bild für die bildende Kunst verdorben? Wer länger als 10 Minuten vor einem Bild verharrt – ist mir persönlich schon suspekt. Lieber kehre ich alle halbe Stunde zu einem Bild zurück. Wenn Du mal in Italien bist werf mal in den vatikanischen Museen in Rom einen Blick auf „Die Schule von Athen“ und in Florenz auf die Gemälde von Botticelli und wenn Dir die gegenständliche Kunst nichts sagt, vertieft Dich mal in ein Gemälde aus Kandinskys Spätwerk – wenn das auch nicht hilft, dann bist Du wohl für die Kunst verloren. .

Liebe Grüße
Hubert

Offline Hubert

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #24 am: 22. Dezember 2010, 02:26 »
Hallo sandhofer,
hallo zusammen,

Vielleicht, dass wir unser Theater im Kopf so viel besser finden als das auf der Bühne?

Das geht mir manchmal auch so, aber ohne das Regulativ auf der Bühne, verliert man da nicht schnell die Kontrolle?
Nicht zu vergessen, die Tatsache, dass xenophanes zwar regelmässiger Theatergänger ist, aber hier nie etwas dazu schreibt ...   

Schlimm! Und dabei könnte er doch soviel hier beitragen. Btw: Was ist aus ikarus geworden – auch ein fleißiger Theatergänger und imo der eigentliche Gründer dieses Forums! – oder habe ich da wieder mal etwas falsch verstanden? 


Vielleicht, weil so das Libretto der Musik nicht im Wege steht? Wenn ich es mir so überlege: Mit Ausnahme von Wagner, der sich allerdings seine eigenen Libretti schrieb, können wohl die wenigsten Libretti einem höheren literarischen Anspruch Genüge tun, wenn man sie nur liest.


Da hast Du ein Thema angeschnitten, dass eigentlich einen eigen Thread verdient.  Wenn wir von Operette und von einem realen Komponisten sprechen würden – würde ich sage, Deine Antwort ist wieder einmal fast genial, aber wir sprechen von Oper und von Thomas Manns Romanfigur und Thomas Mann hat nicht realistisch geschrieben!

Btw: Außer bei Wagner (da hast Du natürlich ins Schwarze getroffen) gibt es weitere Libretti die der Musik ebenbürtig sind: „Undine“, Text und Musik von Lorzing, „Mefistofele“, Text und Musik von Boito, die Mozart/da Ponto – Opern – auch Richard Strauß hatte zumindest zwei geniale Librettisten.

Ich hatte aber gar nicht Komposition  : Libretto gemeint (WS war ja nicht der Librettist von Leverkühn, sondern hat die literarische Vorlage geliefert – und da behaupte ich mal: auch in der wirklichen Opernwelt haben mehr als 50% aller guten Opern auch eine gute literarische Vorlage.

Falls Du oder andere das Thema vertiefen wollen, kannst Du gerne diesen Beitrag (ein unter Zeitnot entstandener Schnellschuß) abtrennen und einen eigenen Thread anlegen.

Viele Grüße

Hubert

Offline Jaqui

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #25 am: 22. Dezember 2010, 10:17 »
Hallo Hubert,

Aber wenn wir uns irgendwo zufällig begegnen würden und Du würdest mir beim Small-Talk erzählen, dass Du dich für Literatur interessierst, könnte es schon sein, dass ich Dich nach Deinem letzten Theatererlebnis fragen würde. Weil zur Literatur gehört halt neben Epik und Lyrik auch die Dramatik und die guckt man sich am besten im Theater an.

Dann sind wir uns noch nie begegnet. Die Leute, die ich kenne, fragen mich höchstens, was ich als Letzes im Kino gesehen habe. Was ich lese interessiert die alle gar nicht und da ich neben dem üblichen Mainstream auch noch Klassiker lese, bin ich sehr vielen sowieso suspekt. Also spare ich das Thema meistens aus.


Imo wird in Wien auch oft professionelles Theater gespielt, guck doch mal ob Du auf einem Spielplan von WS Macbeth oder King Lear oder von Schiller Don Carlos oder von Ibsen Die Wildente findest – und dann geh hin. Wenn Du dann hier berichtest, das war aber sehr langweilig, will ich Dir den Eintrittspreis gerne erstatten.

Ich nehme dich beim Wort  :breitgrins:
Ich denke, das Problem ist, dass ich beruflich manchmal ins Theater gehen muss. Voriges Jahr musste ich mir eine Oper von Haydn ansehen: Die Welt auf dem Mond.
Meistens habe ich nur die Augen verdreht und mir gedacht: Was für einen Schwachsinn zeigen die da?? Da wird einem Mann weis gemacht, dass er plötzlich auf dem Mond ist und der glaubt das auch noch.
Nach solchen Erlebnissen habe ich einfach keine Lust ins Theater zu gehen, weil ich mir immer wieder denke: Für so einen Blödsinn soll ich auch noch Geld ausgeben. Schlimm genug, dass ich mir das ansehen muss weil ich eingeladen werde.


Vielleicht hat Dich dein Vater ja mit seinem stundenlangen Verharren vor einem Bild für die bildende Kunst verdorben?

Das denke ich nicht. Von meinem Vater habe ich die Liebe zum Lesen geerbt. Und in Museen geht er erst seit meine Mutter vor einigen Jahren gestorben ist. Meine kleine Schwester und ich haben uns mal angeboten ihn zu begleiten. Wir waren bei einer Klimt Ausstellung und die war ja auch sehr interessant, aber mein Vater brauchte für einen Raum ewig. Schwesterherz und ich haben uns die Bilder angesehen und uns dann meist in die Mitte des Raums auf die Sessel gesetzt und gewartet bis er fertig war.
Mit Bilder konnte ich noch nie was anfangen. Die meisten sind mir zu abstrakt, einige sind schon sehr schön, aber extra in eine Ausstellung gehen ist eben doch nicht meins. Von daher könntest du recht haben, wenn du schreibst:


dann bist Du wohl für die Kunst verloren.

Katrin

Offline Lost

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #26 am: 22. Dezember 2010, 11:54 »
Meistens habe ich nur die Augen verdreht und mir gedacht: Was für einen Schwachsinn zeigen die da?? Da wird einem Mann weis gemacht, dass er plötzlich auf dem Mond ist und der glaubt das auch noch.
Nach solchen Erlebnissen habe ich einfach keine Lust ins Theater zu gehen, weil ich mir immer wieder denke: Für so einen Blödsinn soll ich auch noch Geld ausgeben. Schlimm genug, dass ich mir das ansehen muss weil ich eingeladen werde.
[/quote]

Ist das nicht merkwürdig für jemand der "Fantasy" liest?

Offline Jaqui

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #27 am: 22. Dezember 2010, 15:13 »
Zitat von: Jaqui
Meistens habe ich nur die Augen verdreht und mir gedacht: Was für einen Schwachsinn zeigen die da?? Da wird einem Mann weis gemacht, dass er plötzlich auf dem Mond ist und der glaubt das auch noch.
Nach solchen Erlebnissen habe ich einfach keine Lust ins Theater zu gehen, weil ich mir immer wieder denke: Für so einen Blödsinn soll ich auch noch Geld ausgeben. Schlimm genug, dass ich mir das ansehen muss weil ich eingeladen werde.

Ist das nicht merkwürdig für jemand der "Fantasy" liest?

Nein, eigentlich nicht. Denn im Theater erwarte ich was ernstes, was reales, was handfestes und keine Fantasy-Geschichte. Vielleicht bin ich aber auch mit der falschen Einstellung hinein gegangen. Immerhin ist die Oper von Haydn, dem habe ich so viel Einfallsreichtum gar nicht zugetraut.

Katrin

Offline sandhofer

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #28 am: 22. Dezember 2010, 16:32 »
Btw: Außer bei Wagner (da hast Du natürlich ins Schwarze getroffen) gibt es weitere Libretti die der Musik ebenbürtig sind: „Undine“, Text und Musik von Lorzing, „Mefistofele“, Text und Musik von Boito, die Mozart/da Ponto – Opern – auch Richard Strauß hatte zumindest zwei geniale Librettisten.

Libretti, die der Musik ebenbürtig sind, bzw. sog. "kongeniale" Librettisten: Ja. Das sind Libretti, die sich so gut an die Musik anschmiegen, dass die Oper wie aus einem Guss wirkt. Immer aber steht die Musik im Vordergrund und der Komponist. "Le nozze di Figaro" oder der "Don Giovanni" sind von Mozart. Nicht von da Ponte. Nicht einmal von Mozart und da Ponte. Und als eigenständige literarische Werke sind da Pontes Libretti ja auch nicht bekannt.

Aber eigentlich war die Frage ja eine andere, da hast Du Recht. Nämlich die, warum Leverkühn eine recht bescheidene Vorlage für seine Oper genommen hat. Zwar von Shakespeare, aber nicht sein Bestes. Ich vermute ja einen Zusammenhang mit Mozart. Nicht nur, dass dessen "Figaro" einem bekannten Bühnenstück entliehen wurde, auch in der "Zauberflöte" finden sich ja - neben dem Alt-Wiener Volkstheater - Themen und Sujets aus dem Klassiker Wieland wieder. Bzw. einem Schwiegersohn, wenn ich mich recht erinnere.

Nein, eigentlich nicht. Denn im Theater erwarte ich was ernstes, was reales, was handfestes und keine Fantasy-Geschichte. Vielleicht bin ich aber auch mit der falschen Einstellung hinein gegangen. Immerhin ist die Oper von Haydn, dem habe ich so viel Einfallsreichtum gar nicht zugetraut.

Und das von einer Landsfrau von Raimund, Nestroy und Mozart?  :breitgrins:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Lost

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Antw:Gestern im Theater
« Antwort #29 am: 22. Dezember 2010, 16:51 »

Nein, eigentlich nicht. Denn im Theater erwarte ich was ernstes, was reales, was handfestes und keine Fantasy-Geschichte. V

Irgendwie hast du Recht. Keine Zauberflöte, kein Sommernachtstraum, kein Geist der stets verneint, was uns da alles erspart bleiben würde.  :breitgrins: