Tach,
kenne nur einen Teil seiner Nietzsche Biographie, die meiner Laienmeinung nach wohl recht brauchbar ist. Hab letzt mal einen Teil des Philosophischen Quartetts gesehen, die Art und Weise, wie Safranski dort - nebenbei mal, obwohl nun nicht brandaktuell - die Mohamed-Karikaturen abgehandelt hat, verwunderte mich daher etwas.
Er sprach da was von Erziehung und Verbessern (oder Fordern), im Zusammenhang mit liberal, Demokratie und Offener Gesellschaft. Das mit Erziehung wollten ja auch Lenins Erziehungsdiktatur und die Theokratien. Die Welt beglücken ist jedenfalls Aufgabe der Religionen (Marxismus eingeschlossen). Hauptaufgabe der offenen Gesellschaft ist es Leid zu verringern. Will nun nicht gross politisieren, man kann auch für Krieg sein, gegen den Islam, usw.. Aber wenn man schon mal über das Thema im TV philosophiert sollte man evt. erst mal eine "Meinungs"-Sammlung machen.
nicht erwähnt wurde:
* Die Karrikaturen, die die eigentliche Erregung verursachten (deren Inszenierung trotzdem mehr als 4 Monate dauerte), waren Fälschungen und wurden von keinem dieser Meinungsfreiheits-Helden veröffentlicht (wären in Deutschland Volksverhetzung). War alles ganz früh schon in Der Zeit zu lesen.
* Die Karrikaturen sollten beleidigen, die dänische Zeitung ist nicht rechtsliberal, sondern aus langer Tradition rechtsreaktionär.
* Das alles ist also eher eine Pervertierung der Toleranz und die Forderer derselben sind nur dann Liberale, wenn sie generell für diese Freiheit eintretten.
* Gewalt stärkt immer die Hardliner aller Seiten.
* Deshalb waren die (teils eh wackligen) Regime auch froh über die Proteste, haben sie zumindest teils auch inszeniert.
* Die Medien brachten z.B. 5 Mofas vor einer Botschaft, Hauptsache Quote.
* Islamisten sind faschistoid, sind sie aber nicht allein. Stichwort Pinochet.
* Warum dies am anderen Ende der Welt regeln? Die katholische Kirche verklagte erst vor kurzem (Stichwort "Lattengustl") einen SPDler, und in Der Welt wurde er nach Freispruch mehrmals massiv beschimpft, persönlich angegriffen, von wegen die Gottlosen usw..
Dafür gab es aber viele generelle Überlegungen, die sicher ihre Wahrheit hatten. Aber den Kontext ignorieren ist schlicht zu kurz gedacht.
Dabei ist das alles ganz einfach, wie Karl Kraus (Aphorismen, 1915) schon wusste: "Es handelt sich in diesem Krieg -" - "Jawohl, es handelt sich in diesem Krieg!"
(Ja, es ging um Bücher, nicht um TV und Politik, mea culpa Friedrich-Arthur.)
Edit: Wahrscheinlich fand ich's nur deshalb so enttäuschend, weil er in seinem Nietzsche-Buch ja endlich auch mal auf Stirner hinweist, also wohl durchaus zum Selberdenken fähig ist.