Hallo zusammen
Jetzt komm ich endlich dazu über meinen Besuch der Lesung über „Die Göttliche Komödie“ zu berichten.

Ist ein bißchen lang geworden:
Dante Alighieri 1265 - 1321
Um 19.45 Uhr standen wir vor der Buchhandlung Mahr in Langenau, es kamen immer mehr Leute an, ich fragte mich schon ob wir alle in die Buchhandlung Platz hatten und tatsächlich gab es Sitzprobleme, einige mussten stehen. Der Veranstalter hat gar nicht mit so vielen gerechnet. Schließlich ist Dante kein moderner Bestseller. Umso mehr freute er sich, dass sein Projekt so einen Anklang fand. Wir waren ca. 40 Personen.
Der Vortragsredner hat erst den politischen Hintergrund der damaligen Zeit in der Dante lebte umrissen. Dante war nicht nur Schriftsteller sondern wurde auch als Theologe gesehen. Allerdings gehörte er der falschen Partei an und musste fliehen bzw. wurde verbannt. Außerdem wurde die Wichtigkeit des Werkes Dantes für die italienische Sprache hervorgehoben. Dante hat mit einem Schlag
sprachlich das damalige Italien vereinigt. Nur leider konnte die Mehrheit des Volkes nicht lesen. Aber trotzdem eine beachtliche Leistung, denn die diversen Volksgruppen sprachen Dialekt, ein Italienisch wie wir es heute kennen gab es bis dato nicht. Der Italiener von heute könnte gut Dante in der Originalfassung lesen und mit ein paar Fußnoten gut verstehen. Anders als z.B. in England „Chaucer’s Canterbury Tales“ kann der heutige Engländer nur mit einer angepassten englischen Übersetzung lesen. Knapp 300 Jahre später schaffte es Luther Deutschland mit einem Schriftdeutsch zu einigen.
Man sieht also, dass Dante nicht nur literarisch wichtig für die Menschheit war. Er steht im literarischen Strom der Zeit in der Reihe von Homer (griech. Antike), Virgil (röm. Antike) ...
Dante (Beginn der Renaissance) .... usw. (Ich habe mir leider keine Notizen gemacht, deswegen ist mir einiges wieder entfallen.
Na jedenfalls stand Dante nicht ohne Konkurrenz da, aber die meisten schrieben französisch, die dann evtl. in lateinisch übersetzt wurden. Dante selbst nahm als Vorbild für seine Göttliche Komödie u.a. die Bibel (Vulgata), Virgil (der ebenfalls über die Unterwelt schrieb) u.a.....
Dann folgten Empfehlungen für Übersetzungen und vorauf man achten sollte. Zuerst nannte er ein italienisches Sprichwort: traduzione traditore (o.ä.) d.h. soviel wie dass eine Übersetzung ein Verräter am Buch ist. Aber ohne Übersetzung geht es wohl bei den meisten nicht.

Achten sollte man darauf, dass keine Kürzungen vorhanden sind. Kürzungen insofern, dass entweder nur ein Teil der Göttlichen Komödie wie z. B. nur das Inferno (Hölle), oder nur das Fegefeuer, oder nur das Paradies angeboten wird. Ohne Fußnoten umfasst das Werk so ca. 400 Seiten (kommt natürlich auf den Schriftsatz an). Mit Fußnoten oder erklärenden Anhang kann es schon auf 600-800 Seiten kommen.
Die meisten Übersetzungen haben die Fußnoten am Ende in einem Anhang, das ist natürlich umständlich, aber trotzdem sollte man darauf achten, dass man eine Ausgabe mit diesem Anhang kauft.
Eine gute Übersetzung ist die Diogenes-Klassiker Ausgabe, die vermutlich bereits out of print ist. Da die Göttliche Komödie in Versform geschrieben ist, macht der Übersetzer hier in den Dialogen einen deutlichen sprachlichen unterschied, wie Dante es auch gemacht hat. Ich muß dazu aber auch warnen, dass dieses sehr alte Deutsch schwer zu stehen war. Der Redner hat daraus vorgelesen. Da muß einem schon liegen.
Ich habe mir später noch die DTV-Übersetzung in TB-Ausgabe angeschaut, die scheint auch nicht schlecht zu sein, jedenfalls gibt es einen Fußnoten-Anhang. Ansonsten sollte man sich die Übersetzungen vor dem Kauf anschauen um zu prüfen ob sie komplett ist.
„Die Göttliche Komödie“
in Versform geschrieben. Drei Stationen beschreibt Dante der sich mit Dichterkollegen auf den Weg macht: Hölle (unter der Erde) – Fegefeuer (Ort der Läuterung, auf der Erde) – Paradies (das Sternensystem).
Es geht unter die Erde, trichterförmig, erst schmal, dann weitet es sich. Es gibt 9 Kreise zu durchwandern. Surreal und wer gern Science Fiction liest, dem mag die Hölle am meisten Spaß machen. Dante trifft so manche Personen, außerdem hat er 3 Päpste in die Hölle gesetzt, davon hat damals noch einer gelebt. Ihr könnt euch vorstellen, dass das für Dante nicht sehr gesund war. An Humor fehlt es in diesem Werk auch nicht. :D
Im Fegefeuer gibt es 7 Terrassen und 2 Simse (oder umgekehrt). Wieviel Abteilungen das Paradies hat, hab ich vergessen.
Im Laufe seiner Wanderung trifft er u.a.:
Tristan und Isolde, Brutus, Constanze (die Mutter Kaiser Friedrich I oder II), 3 Päpste und viele andere. Auch Beatrice trifft er. Seine große Liebe, die mit 24 Jahren verstarb. Er hat diese Frau zum erstenmal gesehen als sie Kinder waren. Er war erst 9. Noch 2x traf er sie, doch nie sprachen sie ein Wort miteinander, als er von ihrem Tod hörte, war er zutiefst traurig. Er hat eine Liebeserklärung an sie geschrieben: Vita Nuova - Neues Leben.
soll eine der schönsten Liebeslyrik sein die es gibt.
um 20 Uhr begann der Vortrag um 21.15 Uhr waren wir um einiges gescheiter und sehr neugierig auf das Werk. Ich habe mir vorgenommen, Die Göttliche Komödie, im nächsten Jahr zu lesen.
@Steffi: Die Buchhandlung Mahr in Langenau plant noch andere Vorträge, Motto: „Literarische Reise zu den Wurzeln heutiger Literatur“. Ich muß dort mal anrufen und die nächsten Termine abfragen.
Es hat jedenfalls Spaß gemacht und es war beeindruckend.
Liebe Grüße
Maria