Na, da muss ich doch mal auf die Schnelle eine Lanze für den guten GG in den Ring werfen.
Natürlich kann man an der Blechtrommel vorbei lesen, aber dieser Roman war nun wirklich der erste Weckruf (kein Wunder mit der Trommel) und ohne ihn, hätte dieses verhaltene rumdrucksen in den 50iger Jahren, bzw. dieses festhalten an dem „gewählten“ behaglichen Schreibstil dem Verdrängen oder umhertasten noch mehr Vorschub geleistet. So ein Erstlingserfolg ist aber auch eine Bürde und bestimmt hat sich GG auch an den exorbitanten Erwartungen einige Mal nur mit Mühe abgearbeitet. Jedenfalls sind alle ? seine Romane lesbar, ohne populistisch zu sein. Und seine Stoffe sind eben in den meisten Fällen originell.
Wer eine Fontanebiografie gelesen hat der wird auch Vergnügen an „Ein weites Feld“ haben und die kurzen Romane über diese jungen Leute, die in der Nazizeit aufgewachsen sind können uns satten Nachgeborene immer noch gut den zeitgenössischen Spiegel vorhalten, es sei denn, man ist erwachsen auf die Welt gekommen.
GG war übrigens nie ein Politiker, sondern immer nur Unterstützer oder Gegner einer Politik. Sein Einsatz macht in halt zum Intellektuellen und nicht nur zum Vorzeigedichter und er hat sich immer für Versöhnung und diejenigen stark gemacht, die kein Sprachrohr haben und dafür kann man ruhig einmal überziehen, manchmal die beleidigte Leberwurst spielen und auch mal besserwisserisch daherkommen.
Was die alten Leute und besonders die alten Männer betrifft. Es ist eben auch ihre Vergangenheit über die gegenwärtig wieder gesprochen wird und die meisten davon haben mit ihr bis jetzt gerungen und sind ihr nicht davongelaufen. Sie ins Pflegeheim zu schicken seht uns ganz bestimmt nicht zu, wir sollten uns eher mit ihnen darüber streiten.
Einige von uns lesen ja zur Zeit Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ Da begegne ich einem passiven politischen Geist, dem nur ein Erschrecken bleibt als es zu spät ist und der auch dann noch mit Wehmut und Begeisterung die Zeit beschreibt, in der die Katastrophe vorbereitet wurde, in einem Alter, in dem er mahnen und bewegen konnte, dafür aber keine Kraft fand. Fragen wir uns doch einfach selbst in dieser friedlichen Umgebung und Zeit (in Mitteleuropa) wie wir in diesen extremen Situationen reagieren würden und wann wir bereit wären uns zu engagieren.