Autor Thema: Günter Grass  (Gelesen 21941 mal)

Online Anita

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Re: Günter Grass
« Antwort #120 am: 24. August 2010, 10:41 »
Schön, dass so viele Grass nicht mögen, dann muss ich ihn nur mit wenigen teilen  :klatschen:

He, he, he, also einen Autor einverleiben und nicht teilen wollen  :belehr: Liest du mit mir nächstes Jahr "Die Blechtrommel"?

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Jaqui

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Re: Günter Grass
« Antwort #121 am: 24. August 2010, 10:48 »
Also für mich klingt die Kritik aber sehr vielversprechend.  :klatschen:

Ich habe zwar noch nie was von Grass gelesen, aber die beiden Grimms mag ich. Daher werde ich mal sehen ob meine Bib das Buch hat.

Katrin

Offline Lost

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Re: Günter Grass
« Antwort #122 am: 24. August 2010, 11:16 »
Schön, dass so viele Grass nicht mögen, dann muss ich ihn nur mit wenigen teilen  :klatschen:

He, he, he, also einen Autor einverleiben und nicht teilen wollen  :belehr: Liest du mit mir nächstes Jahr "Die Blechtrommel"?


Das machen wir  :smile:

Die erste Lektüre ist lange her und eine zweite, die ich nicht alleine mache, ist besonders reizvoll. Meine gebundene Ausgabe habe ich ja auch noch nicht verschmiert und verfleckt  :breitgrins:

Kennst du den Film von Schlöndorf?


Offline Lost

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Re: Günter Grass
« Antwort #123 am: 24. August 2010, 12:26 »
Maria hat es angeregt und ich will mich nicht drücken und ein klein wenig zugeben für die vielen Anregungen die Maria hier gibt.

In "Grimms Wörter" bin nun gerade bis zum Kapitel über das D gekommen. Hier sind meine vorläufigen Eindrücke:

Grass hat keinen Roman geschrieben, sondern hat ein Gemisch aus politischer Autobiographie, Biographie und phantasievoller Beschreibung seines Handwerks, dem Umgang mit der Sprache, verfasst. Zu Beginn liest sich das Buch wie eine literarisch ambitionierte biographische Skizze über Jakob und Wilhelm Grimm und rief in mir Erinnerungen an Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" wach. Schnell tritt jedoch das zentrale Thema, die Beschäftigung mit dem Wörterbuchprojekt der Grimms  in den Vordergrund. Grass gliedert sein Buch in Kapitel, die den Buchstaben des Alphabets gewidmet sind. So wie Eichhörnchen Nüsse sammeln um sie mit artistischen Sprüngen von Baum zu Baum in den verschiedensten Verstecken zu deponieren, so sammelt Grass Wörter, entwickelt mit guter Ironie Beziehungen zu seinen Themen und spielt mit ihrer Herkunft, ihren Bedeutungen und Widersprüchlichkeiten. Nach meinem Eindruck schreibt hier ein Genussmensch, der seine Genüsse nicht nur durch essen, trinken, Tabak und Frauen befriedigt, sondern auch durch das spielen mit der Sprache und ihren Wörtern. Wenn ich mir Thomas Mann versunken an seinem Schreibtisch vorstelle, so stelle ich mir Grass beim schreiben seines Buchs zwischen seinen Stehpulten hin und her tanzend vor.
Schon nach den etwas mehr als hundert Seiten, die ich bisher gelesen habe, ordne ich "Grimms Wörter" hochrangig ein.

Was seine Selbstdarstellung betrifft, so bin ich voreingenommen, ich bin ihm politisch nahe und habe immer geschätzt, wenn er meinem unduldsamen Überschwang den Spiegel vorgehalten hat. In ihm wird gerne der Rechthaber gesehen, dabei ist er meistens nur konsequent und angreifbar, was greifbar ist, und das ist meiner Einschätzung nach eher eine respektable Eigenschaft von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Grass gehört eben nicht zu den "Skeptikern", die sich immer nur zwischen die Stühle setzten, damit sie nicht in Gefahr geraten Flecken auf Hose oder Rock zu bekommen.



Offline Sir Thomas

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Re: Günter Grass
« Antwort #124 am: 24. August 2010, 14:37 »
Schon nach den etwas mehr als hundert Seiten, die ich bisher gelesen habe, ordne ich "Grimms Wörter" hochrangig ein.

Hallo Lost,

vielen Dank für Deine Einschätzung! Das klingt doch vielversprechend - und obwohl ich kein Grass-Freund bin, bleiben "Grimms Wörter" unter verschärfter Beobachtung.

LG

Tom

Offline JMaria

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Re: Günter Grass
« Antwort #125 am: 26. August 2010, 09:05 »
Schon nach den etwas mehr als hundert Seiten, die ich bisher gelesen habe, ordne ich "Grimms Wörter" hochrangig ein.

Hallo Lost,

vielen Dank für Deine Einschätzung! Das klingt doch vielversprechend - und obwohl ich kein Grass-Freund bin, bleiben "Grimms Wörter" unter verschärfter Beobachtung.

unter verschärfter Beobachtung - dem schließe ich mich an. Danke, Lost für deine Ausführungen.
ich habe im Netz das Gedicht zum Buchstaben A gelesen und diese Verspieltheit mit den Wörtern gefiel mir recht gut.

Der Rezensent  der Welt war wohl etwas schockiert über den Buchstaben C und dem, wie er es nennt, schamhaarhaften Gekräusel um den Buchstaben.

Viele Grüße
Maria
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Offline sandhofer

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Re: Günter Grass
« Antwort #126 am: 26. August 2010, 10:14 »
Der Rezensent  der Welt war wohl etwas schockiert über den Buchstaben C und dem, wie er es nennt, schamhaarhaften Gekräusel um den Buchstaben.

Na ja - heute, wo alle alle Körperbehaarung entfernen ...  :breitgrins:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Lost

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Re: Günter Grass
« Antwort #127 am: 26. August 2010, 13:53 »

Der Rezensent  der Welt war wohl etwas schockiert über den Buchstaben C und dem, wie er es nennt, schamhaarhaften Gekräusel um den Buchstaben.


Grass verlautet, dass die Grimms ihre Schwierigkeiten mit Wörtern hatten, die mit C anfangen. Für ihn ein gefundenes Fressen und er widmet dem C einige Aufmerksamkeit. Für einen schnöden Leser aus dem 20. Jahrhundert wie mich interessant, wie schnell sich das C ins K wandelt und irgendwie, wenn ich mir die alten Wörter anschaue, Gründe die Germanisten oder wer dafür zuständig ist zu verachten  :zwinker:

Grimms Wörter ist für mich wieder ein Buch bei dem mir die Meinung des Feuilletons, ein Italiener würde sagen am Po, ich sage, am Arsch vorbeigeht.



Offline finsbury

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Re: Günter Grass
« Antwort #128 am: 26. August 2010, 19:06 »
Hallo Lost,

In ihm wird gerne der Rechthaber gesehen, dabei ist er meistens nur konsequent und angreifbar, was greifbar ist, und das ist meiner Einschätzung nach eher eine respektable Eigenschaft von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Grass gehört eben nicht zu den "Skeptikern", die sich immer nur zwischen die Stühle setzten, damit sie nicht in Gefahr geraten Flecken auf Hose oder Rock zu bekommen.


Das hast du treffend ausgedrückt. Auch ich lese weiterhin gerne Grass und verzeihe ihm ohne weiteres einige Manieriertheiten. "Die Box" empfand ich allerdings als sein bisher schlechtestes Buch, weil es vor privater Selbstbespiegelung strotzt, aber das neue scheint, so wie du es darstellst, ein bisschen an "Mein Jahrhundert" zu erinnern (das ich sehr gelungen fand), auch vom Aufbau her, nun eben das Alphabet statt die Jahreszahlen.

Morgen werde ich einen Büchergutschein einlösen und hoffe noch eine Erstausgabe zu erwischen!

finsbury
« Letzte Änderung: 28. August 2010, 19:17 von finsbury »
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Lost

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Re: Günter Grass
« Antwort #129 am: 26. August 2010, 21:53 »
"Die Box" empfand ich allerdings als sein bisher schlechtestes Buch, weil es vor privater Selbstbespiegelung strotzt, aber das neue scheint, so wie du es darstellst, ein bisschen an "Mein Jahrhundert" zu erinnern (das ich sehr gelungen fand), auch vom Aufbau her, nun eben das Alphabet statt die Jahreszahlen.

Morgen werde ich einen Büchergutschein einlösen und hoffe noch eine Erstausgabe zu erwischen!


Hallo lieber Finsbury,

die Box ist bei immer immer weiter nach hinten gerutscht. Es gab ja wirklich viele Warnungen davor und bei meinem Exemplar hat wohl der Auslöser geklemmt. Damit "Grimms Wörter" nicht das gleiche passiert, habe ich sofort damit angefangen. Dein Hinweis hat mich aber veranlasst "Die Box" auszugraben und in den Rucksack fürs Wochenende zu stecken (G.W. ist mir zu wuchtig). Es soll viel regnen im Norden und vielleicht kann ich mir selbst ein Bild von dem kleinen Werk des Egozentrikers machen. Ich kann dem Kerl einfach nichts übel nehmen, dazu wirkt er auf mich zu lebendig, und es gibt ja genug andere, die sich darum kümmern.

Ich wünsche dir viel Erfolg, bei der Jagd auf die Erstauflage.

Offline JMaria

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Re: Günter Grass
« Antwort #130 am: 27. August 2010, 13:17 »

 
Ich wünsche dir viel Erfolg, bei der Jagd auf die Erstauflage.


berichte - meine Jagd war heute erfolgreich  :smile:
Das Buch ist so wunderschön gemacht, dass es einem das Herz wärmt.

Viele Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 27. August 2010, 13:34 von JMaria »
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Offline Lost

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Re: Günter Grass
« Antwort #131 am: 27. August 2010, 13:27 »

Das Buch ist so wunderschön gemacht, dass es einem das Herz wärmt.


Da wünsche ich Günter Grass, dass dir sein Text auch ein wenig gefällt und du den Kauf nicht bereuen musst. Grass ist ja von seinem Ursprung her ein bildender Künstler und hat immer ein Augenmerk auf die handwerkliche Präsentation seiner Werke gehabt, was bestimmt für seinen Verlag nicht immer einfach ist. So wie Jandl oder Glenn Gould ist er halt ein Gesamtkunstwerk  :zwinker:

Offline JMaria

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Re: Günter Grass
« Antwort #132 am: 27. August 2010, 13:38 »
Da wünsche ich Günter Grass, dass dir sein Text auch ein wenig gefällt und du den Kauf nicht bereuen musst. Grass ist ja von seinem Ursprung her ein bildender Künstler und hat immer ein Augenmerk auf die handwerkliche Präsentation seiner Werke gehabt, was bestimmt für seinen Verlag nicht immer einfach ist. So wie Jandl oder Glenn Gould ist er halt ein Gesamtkunstwerk  :zwinker:


das wünsche ich mir natürlich auch. Das Reinlesen hat mich angesprochen, im Grunde zog mich das Buch schon von Anbeginn magisch an. Bei manchen Büchern ist es einfach so, obwohl ich nicht DER Grass-Leser bin, mir liegen die leiseren Töne von Siegfried Lenz eher. Doch ein Mann der das "Treffen in Telgte" schrieb, dem gehört meine Aufmerksamkeit und manche Bücher von ihm mag ich. "Grimm Wörter" dürfen  gerne dazu gehören. Im Moment habe ich einfach ein gutes Gefühl.

Viele Grüße
Maria
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Offline JMaria

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Re: Günter Grass
« Antwort #133 am: 27. August 2010, 13:43 »

Zitat von: Lost
Die Box" auszugraben und in den Rucksack fürs Wochenende zu stecken

vergessen ... @Lost, berichte doch bitte wie dir die "Box" gefallen hat. Ich kam damit nicht klar.

Grüße
Maria
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Offline Lost

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Re: Günter Grass
« Antwort #134 am: 27. August 2010, 20:34 »
Etwas kritische Reflektion finde ich im Kapitel zum Buchstaben D, in den Versen zu Oskar:

"...

ich aber wuchs und dachte mich größer und größer;

wies jedem Ball die Delle

und allen Dingen den Schatten nach,

war Dorn im Fuß, Dolch in des Vaters Rücken

und schaute auf Fotos erwachsen drein.

Ach Oskar, wäre ich doch wie du

ein Däumling geblieben."


Ich nehme ihm da zwar nicht ab, es ist aber schön bildlich und selbstironisch.

Grass muss einfach noch einen letzten Roman schreiben, der sich in andere Sprachen übersetzen lässt. Er kann doch nicht als Provinzmichel in den Hintergrund treten.