Autor Thema: Günter Grass  (Gelesen 22644 mal)

Offline finsbury

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Grimms Wörter
« Antwort #180 am: 1. Januar 2011, 14:25 »
Hallo,

nun habe ich auch mit Grass' vielleicht letztem Buch begonnen und erlebe es nach dem Flop "Die Box" doch als ein interessantes Buch. Natürlich gibt es auch hier die Selbstbeweihräucherungen und einen zum Teil übertriebenen Manierismus, aber die Anknüpfung an die beiden Grimms scheint mir doch ein gelungener Zug zu sein. Jedenfalls lese ich mit Spaß inzwischen in dem Buchstaben B herum und erfreue mich an dem hier meist gelungenen Grass-Ton.

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline sandhofer

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Antw:Re: Günter Grass
« Antwort #181 am: 3. Januar 2011, 21:48 »
Die bibliophile Gestaltung. die ja auch ihren Preis hat, wurde von den ersten Amazon Rezensenten auch kritisiert.

Ich habe nun mit der Lektüre begonnen. Inhaltlich möchte ich noch nichts sagen; was die Gestaltung betrifft: Wir haben hier ein Buch-Gesamtkunstwerk vor uns, wo Text und Gestaltung zusammen gehören. Die oben genannten Amazon-Rezensenten halte ich, mit Verlaub, für Ignoranten. Ein Buch ist eben, unter Umständen, mehr als nur der reine Text. Auch wenn das die Generation der Kindle&Co-Leser nicht wahrhaben möchte/kann.  :breitgrins:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Hubert

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Antw:Re: Günter Grass
« Antwort #182 am: 5. Januar 2011, 01:29 »
Die bibliophile Gestaltung. die ja auch ihren Preis hat, wurde von den ersten Amazon Rezensenten auch kritisiert.

Ich habe nun mit der Lektüre begonnen. Inhaltlich möchte ich noch nichts sagen; was die Gestaltung betrifft: Wir haben hier ein Buch-Gesamtkunstwerk vor uns, wo Text und Gestaltung zusammen gehören. Die oben genannten Amazon-Rezensenten halte ich, mit Verlaub, für Ignoranten. Ein Buch ist eben, unter Umständen, mehr als nur der reine Text. Auch wenn das die Generation der Kindle&Co-Leser nicht wahrhaben möchte/kann.  :breitgrins:

Hallo sandhofer,

da sind wir mal wieder einer Meinung.  :klatschen:

Ich habe mir das Buch auch gleich besorgt, obwohl ich es i.M. nicht lesen werde. Aber von so einem gut gemachten Buch will ich doch die Erstausgabe!

Gruß

Hubert

Offline sandhofer

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Antw:Re: Günter Grass
« Antwort #183 am: 5. Januar 2011, 08:44 »
Aber von so einem gut gemachten Buch will ich doch die Erstausgabe!

Ich hab' nur noch die 2. Auflage erwischt ...  :sauer:
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Offline sandhofer

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Antw:Günter Grass
« Antwort #184 am: 9. Januar 2011, 18:34 »
Nun, was soll ich zu Grimms Wörter sagen?

Das Buch ist handwerklich betrachtet, state of the art. Besser und schöner kann man's nicht machen, wenn man unter € 100.00 pro Exemplar bleiben will.

Inhaltlich ... inhaltlich ... nun ja. Das Buch ist im Grunde genommen zweigeteilt; ja, der eine Teil zerfällt seinerseits in zwei Teile. Und das tut dem Buch meiner Meinung nach nicht gut. Die gute Nachricht zuerst: Da ist der Teil um die Brüder Grimm. Ausgehend vom Göttinger Manifest und dem folgenden "Exil" des älteren Grimm, wird anhand der Geschichte des Wörterbuchs auch die Biografie der beiden Brüder aufgewickelt, im, wie finsbury sagt: "meist gelungenen Grass-Ton". Die schlechte Nachricht: Relativ unkoordiniert, an rein geografischen Äussserlichkeiten aufgehängt (à la: "Ja, auch ich war im Tiergarten!") fügt Grass Autobiografisches hinzu, Autobiografisches oft von einer Nullität, die sogar die der eigentlichen Autobiografie übertrifft. Es sind Reminiszenzen eines alten Mannes, wie so oft bei Reminiszenzen eines alten Mannes eigentlich nur für ihn interessant und wichtig. Die Box war ganz fiktionalisiert und konnte sich deshalb an den gelungenen Grass-Ton halten. Hier sinken wir aufs Niveau der Zwiebel. Schlimmer: In der zweiten Hälfte des Buchs sind die Brüder Grimm tot, das Wörterbuch (und Grass' Buch über das Wörterbuch) wird bekanntlich trotzdem weitergeführt. Um aber seine Protagonisten, die er so mühe- und kunstvoll aufgebaut hat, nicht aufgeben zu müssen, greift Grass zum Trick, die beiden Brüder aus dem Schattenreich wieder hervorzubeschwören. Leider kann er sich selber dabei aber nicht aus dem Spiel lassen, und so nähert sich der "historische" Teil zusehends dem autobiografischen Teil an, was den Inhalt betrifft. Das mag gewollt gewesen sein; gut finde ich es nicht ...

Alles in allem: Die Zwiebel war schlimmer, die Box besser. Aber ich glaube nicht, dass Grass zu den Autoren gehören wird, wo man, wie z.B. bei Frisch, mit Fug und Recht das Alterswerk als sein bestes betrachten wird.
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