Hallo zusammen!
Zarathustra, der die Menschen im dritten Teil der Vorrede kritisierte und den Übermensch verkündete und welche Eigenschaften dieser seiner Ansicht nach hat, setzt die Kritik im vierten Teil der Vorrede aus und unterstreicht die Eigenschaften, die der Übermensch seiner Ansicht nach haben muss. Am Anfang gleich das von riff-raff bereits zitierte Seil- und Brückengleichnis mit der Aussage, dass der Mensch ein Übergang und Untergang sein muss. Der Mensch muss also erst untergehen, bevor der Übermensch geboren werden kann. Beide können nicht nebeneinander leben, lese ich da heraus. Der schaffende Mensch wird bei seinem Untergang zum Humus für den neu hervorwachsenen Übermensch. Eine ziemlich erdverbundene und entgöttlichte Aussage, fürwahr. Zarathustra detailliert hier seine Vision des Untergehenden Menschen und der folgenden Geburt des Übermenschen als große Liebeserklärung. Ein Trommelfeuer von Ich-liebe-die/den-Sätzen mit Untergangseigenschaften, die da hauptsächlich die großen Verachtenden, die sich der Erde Opfernden, die Erkennenden, die Arbeitenden und Erfindenden (die Schaffenden), die Tugendliebenden, die Geistverschwendenden, die Tugendgenügsamen, die Seeleverschwendenden, die Glückschämenden, die Tatenüberbietenden, die Zukunftsrechtfertigenden, die Vergangenheitserlösenden, die Gott Züchtigenden, die Seelenstarken und –übervollen, die Freigeister und Freiherzen, die Schwertröpfigen haben – die also die Verkündiger des Blitzes sind, der der Übermensch ist. Nietzsches Programm und auch Kerngedanken von Nietzsches Philosophie führen zum Übermenschen. Nietzsches gesamte Philosophie scheint aus Sicht dieser Dichtung eine Vorbereitung des Übermenschen zu sein. Ein Gedanke, der mir so noch nicht kam. Was haltet ihr davon?
Wie lebenszeichen schon schrieb, wir können uns den Übermenschen und eine übermenschliche Gesellschaft nicht gut vorstellen und deshalb sollten wir auch an der Idee nicht zweifeln und sie schon garnicht als Hirngespinst abtun. Das wir uns etwas nicht vorstellen können, wurde schon festgestellt, sagt ja nicht, dass es dies etwas nicht geben kann und geben wird. Ich kann lebenszeichen tagespolitisch und –thematisch gesehen bei ihren Gefühlen nur zustimmen. Mir wird manchmal auch ganz schlimm zumute, wenn ich den Informationssmog um mich herum nicht drossel. Wie mochte es aber Nietzsche, dem einsamen Streiter in einem vielleicht noch schlimmeren Zeitgeist und bei allgemeiner Ablehnung ergangen sein? Haben nur die Künstler(innen) und Philosophen Nietzsches Dichtung verstanden? Schwebten diese Nietzsche als die Untergehenden und den Übermensch Schaffenden vor? Die Politik hat ihn eher missbraucht, als verstanden. Das zeigt der gefährliche und törichte Unsinn, der mit dem Übermenschen veranstaltet wurde…
Ich werde mich jetzt an den fünften Teil der Vorrede wagen. Es sind aber noch einige Fragen für mich unbeantwortet...
Vorerst genug und Grüße, FA