Hallo zusammen,
ich lese die Ausgabe des Claassen-Verlags von 1959, die als Lizenzausgabe des Aufbau-Verlags in Westdeutschland erschienen ist.
Erika, gibt es in deiner Ausgabe ein Nachwort ? Bei mir nicht. Und das ist bei westdeutschen Lizenzausgaben erfahrungsgemäß immer ein Zeichen , dass das Nachwort der DDR-Ausgabe (sofern vorhanden) sehr idelologisch gefärbt war

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Ich bin im zweiten Teil "Jeanne" und habe dort das erste Kapitel "Die Festung am Ozean" abgeschlossen.
Sehr gut hat mir die Beschreibung Henris als Kind gefallen, auch sein erstes Auftreten am französischen Hof, wo schön aufgezeigt wurde, dass er eben nur ein Provinz-Prinz und damit verglichen mit den französischen Prinzen und ihrer höfischen Erziehung nichts als ein Bauernlümmel war.
Die Sprache ist wirklich sehr gut, ich finde sie besser als in den Romanen, die ich bisher von Heinrich Mann gelesen habe.
Sehr schön beschreibt er das kriegerische Denken der damaligen Zeit (besonders treffend in dem Satz "da bekam er seine ersten Unterweisungen im Regieren und im Kriegführen, was aber beides dasselbe war"), auch die enge Verflechtung von Konfession und politischem Interesse, nicht nur in der herrschenden Schicht, sondern auch bei den einfacheren und ungebildeten Leuten, die die konfessionellen Unterschiede wohl kaum verstanden. Wenn man sich gegen den König auflehnen wollte und der Hof katholisch war, war es auch eine stärkende Abgrenzung calvinistisch zu sein. Johannes Calvin selbst warnte damals übrigens vor einer eigenmächtigen Gewaltsamkeit und empfahl ein vorgehen in legaler Form, als Gesandte der Hugenotten ihn nach dem Recht des bewaffneten Kampfes für das Evangelium fragten.
Henris Blick auf das Meer am Ende des Kapitels "Eine Festung am Ozean" und seine träumerischen Gedanken an den fernen Kontinent Amerika, den er sich "frei vom Bösen, vom Haß, vom Zwang dies oder jenes zu glauben" vorstellte, die Mann zusammenfaßt mit: "was er Amerika nannte, war eigentlich das Reich Gottes" ist schon ein Ausblick in die Zukunft, denn erst in Amerika ("God's own country") sollten viele seiner Glaubensbrüder ohne Verfolgung und in Religionsfreiheit ihren neuen Glauben dauerhaft praktizieren können.
Viele Grüße,
Zola