Der Text stammt aus "Sprachgitter" (1955-58; erschienen 1959):
Die Naturbeschreibung benennt die "Glockenheide": Erica tetralix: immergrünes, rotblühendes Heidekrautgewächs, das große Bodenfläche bewachsen kann. Hier durch Thymianteppiche gegliedert, die man nicht begeht, da man sie für nützlicher, für Heilkraut oder Küchengewürz hält.
Die Aufgliederung der Wanderfläche vollzieht sich im Optischen nach dem Prinzip der zu erkundenden Welt, als Erinnerung an die Metapher als zu "lesendes Buch": "Leerzeile, quer".
In der Natur liest der (oder besser: die Person), der/die sich hier nicht zu erkennen gibt: das nicht existente lyrische Ich, das der Leser nach seiner Gewohnheit gerne einfügen möchte.
"Windbruch" - in das vom Sturm niedergelegte Waldstück begibt sich niemand.
Verben werden auch nicht personal zugeordnet, sie sind in Partizipialformen vertreten, als letztmögliche Funktion von Menschen und Menschlichem.
In diesem "Buch der Welt" reduziert sich sogar Sprache zu vereinzelten Worten, die nur noch asyndetisch in Grundbegriffen aufgezählt werden, ja: zu Ende, gezählt: "Zeit", die endet, die abschließt den "Sommerbericht".
Ein Gedicht wie eine Ansammlung von einsehbaren und aufzählbaren, aber nicht mehr aktivierten Worten.
Eine Gefühlswelt, eine Gemeinsamkeit ergibt sich nicht mehr: mittelbare, nacherlebbare Geschichte im Gedicht ist zu Ende.
Ein äußerer schöner, mitteilbarer Eindruck bleibt... - der Rest der "Lesbarkeit der Welt".