Autor Thema: Flaubert  (Gelesen 7875 mal)

Offline Gontscharow

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Re: Flaubert
« Antwort #45 am: 7. August 2010, 15:13 »
Zusätzlich zu den Flaubert-Briefen habe ich "Lehrjahre des Gefühls" begonnen (Wiederholungslektüre). Da ich mich kaum an die Erstlektüre erinnern kann, lese ich quasi ein "neues" Buch - und das mit steigendem Wohlgefallen.

Flaubert scheint einer der Autoren zu sein, die ich erst jetzt richtig verstehe und entsprechend zu würdigen weiss. Früher war ich allenfalls mäßig amüsiert von Madame Bovary & Co. - auch wenn die Flaubertsche Qualität für mich immer über jeden Zweifel erhaben war.

Da bin ich jetzt aber erleichtert!
Nach all den eher negativen Äußerungen über Mme Bovary in diesem thread meinte ich schon zu einer Ehrenrettung Flauberts, speziell Mme Bovarys, ansetzen zu müssen.
Mme Bovary ist für mich neben Anna Karenina und Effie Briest einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Roman des 19. Jahrhunderts! Ja, die Lehrjahre des Gefühls sind grandios, aber Mme Bovary  ist doch das Herzstück des Flaubertschen Werkes:
Mme Bovary, c'est moi!(Flaubert)

Salammbó(die Leserunde hat Lust drauf gemacht!) und die Tentations de St. Antoine kenne ich noch nicht.
Ein sehr witziges Büchlein, das ich nur empfehlen kann: Flauberts Dictionnaire des idées recues (Wörterbuch der Gemeinplätze)!
« Letzte Änderung: 7. August 2010, 15:16 von Gontscharow »

Offline Sir Thomas

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Re: Flaubert
« Antwort #46 am: 12. August 2010, 08:12 »
Ein sehr witziges Büchlein, das ich nur empfehlen kann: Flauberts Dictionnaire des idées recues (Wörterbuch der Gemeinplätze)!

Ja, es ist witzig, zum Teil aber sehr französisch und speziell. Für den einen oder anderen Schmunzler ist es trotzdem gut.

LG

Tom

Offline JMaria

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Re: Flaubert
« Antwort #47 am: 12. August 2010, 08:55 »
  die Tentations de St. Antoine kenne ich noch nicht.
 

"Die Versuchung des heiligen Antonius" kenne ich auch noch nicht. Wenn man Aussagen Glauben schenken darf, soll es sein geheimnisvollstes Werk sein.

Grüße von
Maria
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Offline Sir Thomas

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Re: Flaubert
« Antwort #48 am: 13. August 2010, 15:41 »
"Die Versuchung des heiligen Antonius" kenne ich auch noch nicht. Wenn man Aussagen Glauben schenken darf, soll es sein geheimnisvollstes Werk sein.

Hallo Maria,

ich meine sogar mich zu erinnern, dass Flaubert den Hl. Antonius als sein wichtigstes Werk betrachtete. Er hat schon sehr früh mit dem Schreiben begonnen, hat immer wieder Passagen verworfen oder neu gefasst und das Buch erst sieben Jahre vor seinem Tod veröffentlicht. Wie dem auch sei: Das ändert nichts daran, dass ich es ebenfalls noch nicht gelesen habe ...  :redface:

LG

Tom 

Offline xenophanes

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Re: Flaubert
« Antwort #49 am: 15. August 2010, 10:10 »
  die Tentations de St. Antoine kenne ich noch nicht.
 

"Die Versuchung des heiligen Antonius" kenne ich auch noch nicht. Wenn man Aussagen Glauben schenken darf, soll es sein geheimnisvollstes Werk sein.

Ein sehr seltsames Buch in der Tat:

http://koellerer.net/2003/07/04/gustave-flaubert-die-versuchung-des-heiligen-antonius/

Offline JMaria

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Re: Flaubert
« Antwort #50 am: 15. August 2010, 17:23 »
  die Tentations de St. Antoine kenne ich noch nicht.
 

"Die Versuchung des heiligen Antonius" kenne ich auch noch nicht. Wenn man Aussagen Glauben schenken darf, soll es sein geheimnisvollstes Werk sein.

Ein sehr seltsames Buch in der Tat:

http://koellerer.net/2003/07/04/gustave-flaubert-die-versuchung-des-heiligen-antonius/

Zitat aus deiner Rezension:
Ein endgültiges Urteil werde ich mir in 10-20 Jahren bilden.

ein weiser Satz, der mich auf das Werk noch neugieriger macht.

Grüße von
Maria
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Offline Gontscharow

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Re: Flaubert
« Antwort #51 am: 19. August 2010, 13:17 »

Mme Bovary ist für mich neben Anna Karenina und Effi Briest einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Roman des 19. Jahrhunderts!

Gestern zufällig im Spiegel-Interview vom 22.05.2010 gelesen (Volker Hage interviewt Marcel-Reich-Ranicki anlässlich von dessen neunzigstem Geburtstag ):

Zitat
Spiegel:
Sie haben einmal die Frage nach Ihren Lieblingsnamen so beantwortet:  Anna, Emma, Effi...Was gefällt Ihnen an diesen Figuren: deren Außenseitertum, Mut, Leidenschaft?

Reich-Ranicki:
Das Streben nach Selbständigkeit ... Alle sind sie gescheitert.

:winken:

Offline Sir Thomas

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Re: Flaubert
« Antwort #52 am: 24. August 2010, 12:13 »
Dass Flaubert mit der Sprache gerungen hat wie kaum ein anderer Autor, war mir bekannt. Wie sehr er sich allerdings plagte und litt, wurde mir erst durch die Lektüre seiner Briefe bewusst.

Du möchtest etwas über die Arbeit erfahren … So wisse denn, daß ich vom Schreiben erschöpft bin. Der Stil, der etwas ist, was mir am Herzen liegt, reizt meine Nerven aufs schrecklichste. Ich errege mich und zerfleische mich. Es gibt Tage, an denen ich krank davon bin, und Nächte, in denen ich davon Fieber habe. Je weiter ich komme, umso mehr finde ich mich unfähig, die Idee wiederzugeben. Was für eine seltsame Manie, sein Leben damit zu verbringen, sich über Wörtern zu verbrauchen und den ganzen Tag zu quälen, um an Satzperioden zu feilen. (An Louise Colet, Oktober 1847)

Ich muss eine Herkulesnatur besitzen, um all die entsetzlichen Qualen auszuhalten, zu denen mich meine Arbeit verdammt. Wie glücklich jene sind, die nicht Unmögliches erträumen! … Es ist leichter, Millionär zu werden und venezianische Paläste voller Meisterwerke zu bewohnen, als eine gute Seite zu schreiben und mit sich zufrieden zu sein. … Je mehr Erfahrung ich in meiner Kunst erwerbe, desto mehr wird diese zu einer Qual … Wenige Menschen haben, glaube ich, so viel durch die Literatur gelitten wie ich. (An Mlle. Leroyer de Chantepie, 4. November 1857) 

Manchmal wünsche ich diese Leiden den Herren Kehlmann, Grass etc., denn, so Flaubert: "Wir sind vielleicht überhaupt nur durch unsere Leiden etwas wert ..."

Liebe Grüße

Tom

Offline Jaqui

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Re: Flaubert
« Antwort #53 am: 24. August 2010, 12:46 »
Hallo,

aber wieso wird man dann überhaupt Schriftsteller, wenn man sich so plagt und mit den Wörtern ringt?  :?: Das verstehe ich nicht ganz.

Katrin

Offline Lauterbach

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Re: Flaubert
« Antwort #54 am: 24. August 2010, 13:55 »
Hallo,

aber wieso wird man dann überhaupt Schriftsteller, wenn man sich so plagt und mit den Wörtern ringt?  :?: Das verstehe ich nicht ganz.

Katrin

Hallo,
nun ich denke, weil er permanent mit seinem Geschriebenen unzufrieden war, vermutlich war er in dieser
Hinsicht sehr selbstkritisch. Eine Selbstkritik, die, wie Thomas schrieb, durchaus anderen Autoren zu
wünschen wäre.

Gruß, Lauterbach

Offline Sir Thomas

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Re: Flaubert
« Antwort #55 am: 24. August 2010, 14:27 »
... wieso wird man dann überhaupt Schriftsteller, wenn man sich so plagt und mit den Wörtern ringt?

... ich denke, weil er permanent mit seinem Geschriebenen unzufrieden war, vermutlich war er in dieser Hinsicht sehr selbstkritisch.

So sehe ich es auch, Lauterbach.

Flaubert war zeitlebens auf der Suche nach dem treffenden, einzig richtigen Wort, dem "mot juste" für eine Sache, eine Farbe ...

Er hat an mehreren Werken umfangreiche Streichungen und Überarbeitungen vorgenommen. Eine erste Fassung der "Èducation sentimentale" gab es schon vor der Orientreise Ende der 1840er Jahre. Er hat diesen Roman dann in den 1860er Jahren noch einmal durchgesehen, bearbeitet und erst 1869 veröffentlichen lassen. Auch "Saint Antoine" ist ein Produkt der 1840er Jahre, erschien jedoch erst 1874. Ich habe keine Ahnung, ob man die Ursprungsversionen heute noch bekommen kann, aber sie dürften z.T. erheblich von den endgültigen Fassungen abweichen - soweit ich das aus der Lektüre der Briefe ableiten kann.

In den Briefen kann man die Obsessionen des Autors sehr gut nachvollziehen - eine absolut faszinierende Lektüre!

LG

Tom       
« Letzte Änderung: 24. August 2010, 14:30 von Sir Thomas »

Offline Jaqui

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Re: Flaubert
« Antwort #56 am: 24. August 2010, 18:00 »
Hallo,

Das mit der Selbstkritik klingt nachvollziehbar. Ich habe noch nie was von Flaubert gelesen, aber es macht immer sehr viel Spaß einen Eindruck vom Autor zu bekommen.

Katrin

Offline sandhofer

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Re: Flaubert
« Antwort #57 am: 24. August 2010, 18:45 »
aber wieso wird man dann überhaupt Schriftsteller, wenn man sich so plagt und mit den Wörtern ringt?  :?:

Warum wird einer Hochleistungssportler?
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Dostoevskij

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Re: Flaubert
« Antwort #58 am: 24. August 2010, 18:49 »
Moin, Moin!

aber wieso wird man dann überhaupt Schriftsteller, wenn man sich so plagt und mit den Wörtern ringt?  :?:

Warum wird einer Hochleistungssportler?

DAS frage ich mich auch immer wieder. Sportlerinterviews sind ein Phänomen, dem ich immer wieder ratlos gegenüberstehe.
Keep reading, Markus Kolbeck
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Offline Jaqui

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Re: Flaubert
« Antwort #59 am: 25. August 2010, 06:41 »
aber wieso wird man dann überhaupt Schriftsteller, wenn man sich so plagt und mit den Wörtern ringt?  :?:

Warum wird einer Hochleistungssportler?

Da fragst du leider die Falsche. Ich halte es mit Churchill: No sports  :breitgrins: (obwohl ich nicht weiß, ob er das wirklich gesagt hat).

Aber ich gehe da von mir aus: Ich würde nie einen Beruf wählen in dem ich mich jeden Tag quälen muss.

Katrin