Autor Thema: Flaubert  (Gelesen 8672 mal)

Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #75 am: 14. Juli 2011, 18:46 »
Da 2011 für mich das Jahr der Wiederholungen geworden ist, darf "Madame Bovary" im Re-Read-Kanon nicht fehlen. Ich habe das Buch als kalt und finster abgespeichert - was sich auch bei zweiter Lektüre nicht wesentlich ändert. Allerdings verfüge ich heute über mehr Hintergrundwissen zu Flaubert und dessen Weltsicht, ergänze den Roman zeitweise durch Stöbern in den herrlich ungekünstelten Briefen des Maestro - und freue mich schon jetzt auf die Lieferung des Briefwechsels zwischen Flaubert und den Brüdern Goncourt. Ein kleines, aber feines Lesefest!

Es grüßt

Tom   

Offline meier

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Antw:Flaubert
« Antwort #76 am: 14. Juli 2011, 21:40 »
cool   :cool:

Gruß
Meier

Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #77 am: 15. Juli 2011, 13:48 »
"In Madame Bovary hatte ich nur die Vorstellung, eine graue Tönung wiederzugeben, die Farbe schimmeliger Kellerasselexistenzen.“

Dieses Flaubert-Zitat trifft mitten in das Herz des Romans. Die französische Provinz als spießig-kleinbürgerliche Hölle, die - ganz nebenbei bemerkt - locker auf heutige Verhältnisse und Denkmuster übertragen werden kann: Das ist große, zeitlose Kunst. Ich bin schier begeistert!

Schönes WE!

Tom   

Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #78 am: 19. Juli 2011, 11:20 »
Bislang dachte ich immer, Flaubert und die Brüder Goncourt seien Brüder im Geiste, zumindest gute Freunde gewesen. Und dann dies: „Im Grunde ist er [Flaubert] ein Provinzler und ein Wichtigtuer. … Sein Geist ist behäbig und dick wie sein Körper. Feinere Dinge scheinen ihn nicht zu berühren. Er ist vor allem empfänglich für Phrasendrescherei. Im Gespräch bringt er wenig neue Gedanken und er trägt sie laut und feierlich vor. Sein Geist ist wie seine Stimme deklamatorisch. Die Geschichten, die Gestalten, die er entwirft, riechen nach Fossilien aus der Unterpräfektur. … Er ist plump, übertrieben und in allem ohne Leichtigkeit … Seiner Ochsenfröhlichkeit fehlt es an jedem Charme.“ (aus dem Goncourt-Tagebuch vom 16. März 1860).

Wenig schmeichelhaft, das Ganze …

Diese Eintragung stammt aus der Anfangszeit der Bekanntschaft mit Flaubert und steht im Gegensatz zu den Briefen, die vor Freundlichkeit und Respekt nur so strotzen.

Dem „ochsenfröhlichen“ Normannen konnte es egal sein, was die Goncourts von ihm hielten. Während seine Bücher Erfolge waren, schrieben die Lästerbrüder sehr mittelmäßiges, heute vergessenes Zeug - eben jene "Fossilien aus der Unterpräfektur". Das hielt Flaubert allerdings nicht davon ab, in seinen Briefen die literarischen Bemühungen der Goncourts zu loben. Ob er sich bei diesen Heucheleien köstlich amüsiert hat?

LG

Tom   

Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #79 am: 2. August 2011, 13:36 »
Zur Abrundung der Bovary-Lektüre habe ich den Briefwechsel Flauberts mit den Brüdern Goncourt angefangen. Eine herbe Enttäuschung! Außer einer Menge Geschwätz über Pariser Moden und literarische Eitelkeiten findet sich dort kaum Interessantes, mal abgesehen von dem gelegentlichen Lästern der beiden Brüder über Flaubert (das allerdings Teil der Tagebücher, nicht des Briefwechsels ist) sowie der einen oder anderen Stilblüte, die der mondänen Langeweile der Pariser Bohème Ausdruck verleiht. 

Schade, aber ich war gewarnt (von einem Beitrag ähnlichen Inhalts in diesem oder einem anderen Forum).

LG

Tom

Offline sandhofer

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Antw:Flaubert
« Antwort #80 am: 2. August 2011, 13:48 »
Zur Abrundung der Bovary-Lektüre habe ich den Briefwechsel Flauberts mit den Brüdern Goncourt angefangen. Eine herbe Enttäuschung! [...]

Schade, aber ich war gewarnt (von einem Beitrag ähnlichen Inhalts in diesem oder einem anderen Forum).


Mag sein, dass der Beitrag von mir war. Jedenfalls ging es mir damals ähnlich. Man ist sich von der Lektüre des Briefwechsels zwischen Schiller und Goethe einen völlig andern Standard gewohnt im deutschen Sprachraum. Und selbst der zwischen Zelter und Goethe - bei allen Teltower Rübchen, die da verschickt werden - hat noch andere Dimensionen als das leere Hin und Her literarischer Tagesgrössen, als das sich der Briefwechsel Flaubert - Goncourt für mich entpuppte.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #81 am: 2. August 2011, 14:29 »
Mag sein, dass der Beitrag von mir war.

War er. Ich habe ihn mittlerweile auf litteratur.ch gefunden (einfach "Flaubert Goncourt" in die Suchfunktion tippen).

Was das Verwöhntsein durch die Briefwechsel Goethe/Schiller u.a. betrifft, stimme ich Dir zu. Im Vergleich dazu sind Flaubert und die Goncourts harmlose Plaudertaschen.

LG

Tom

Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #82 am: 17. April 2012, 11:28 »
Ich habe jetzt nach langem Zögern mit der "Versuchung des Heiligen Antonius" begonnen - dem mMn. seltsamsten Werk Flauberts. Konzipiert wie ein Theaterstück, geht es um die Hungervisionen des Eremiten Antonius, der permanent von Bildern einer erotischen, aber auch brutal-ästhetischen Welt der orientalischen Spätantike heimgesucht wird. Frühchristliches Bildmaterial findet sich dort neben heidnisch-antikem, was einen gewissen Reiz ausmacht - wenn man sich auskennt, was bei mir leider nicht durchgehend der Fall ist. Bevor ich jedoch mehrere Semester Kunstgeschichte absolviere, lasse ich das Ganze lieber wirken wie einen Opiumrausch, der schnell verfliegt. Das Ganze ist very stylish, aber mehr als Wortspielereien mit bunten, teilweise schönen, aber auch abstoßenden "Bildern" kann ich daraus derzeit nicht ersehen.

Offline JMaria

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Antw:Flaubert
« Antwort #83 am: 19. April 2012, 09:55 »
Ich habe jetzt nach langem Zögern mit der "Versuchung des Heiligen Antonius" begonnen - dem mMn. seltsamsten Werk Flauberts.

Hallo Tom,

dieses Werk möchte ich auch noch lesen. Welche Ausgabe hast du?

LG
Maria
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Antw:Flaubert
« Antwort #84 am: 19. April 2012, 11:53 »
Ich habe jetzt nach langem Zögern mit der "Versuchung des Heiligen Antonius" begonnen - dem mMn. seltsamsten Werk Flauberts.

dieses Werk möchte ich auch noch lesen. Welche Ausgabe hast du?

Hallo Maria,

ich habe die Insel TB-Ausgabe gelesen. Eine Empfehlung für das Buch kann ich nicht abgeben. Zu wirr, zu überladen und zu kunstverliebt ist das Ganze. Man muss schon Hardcore-Fan des Bretonen sein, um sich durch den Antonius zu knabbern.

LG

Tom

Offline JMaria

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Antw:Flaubert
« Antwort #85 am: 20. April 2012, 15:38 »
Hallo Tom,

okay.
Ich habe die Diogenes Ausgabe im Visier, weil sie zu meinen anderen Ausgaben von Flaubert passen.

dann lese ich zuerst einmal "Die Erziehung des Herzens" bevor ich mir den "Antonius" kaufe.

LG
Maria
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Offline Sir Thomas

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Antw:Flaubert
« Antwort #86 am: 20. April 2012, 16:33 »
dann lese ich zuerst einmal "Die Erziehung des Herzens" bevor ich mir den "Antonius" kaufe.

Diese Entscheidung wirst Du nicht bereuen - versprochen!

LG

Tom

Offline JMaria

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Antw:Flaubert
« Antwort #87 am: 21. April 2012, 17:14 »
dann lese ich zuerst einmal "Die Erziehung des Herzens" bevor ich mir den "Antonius" kaufe.

Diese Entscheidung wirst Du nicht bereuen - versprochen!

LG

Tom


dann kann nichts schiefgehen  :winken:

LG
Maria
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