Bislang dachte ich immer, Flaubert und die Brüder Goncourt seien Brüder im Geiste, zumindest gute Freunde gewesen. Und dann dies: „Im Grunde ist er [Flaubert] ein Provinzler und ein Wichtigtuer. … Sein Geist ist behäbig und dick wie sein Körper. Feinere Dinge scheinen ihn nicht zu berühren. Er ist vor allem empfänglich für Phrasendrescherei. Im Gespräch bringt er wenig neue Gedanken und er trägt sie laut und feierlich vor. Sein Geist ist wie seine Stimme deklamatorisch. Die Geschichten, die Gestalten, die er entwirft, riechen nach Fossilien aus der Unterpräfektur. … Er ist plump, übertrieben und in allem ohne Leichtigkeit … Seiner Ochsenfröhlichkeit fehlt es an jedem Charme.“ (aus dem Goncourt-Tagebuch vom 16. März 1860).
Wenig schmeichelhaft, das Ganze …
Diese Eintragung stammt aus der Anfangszeit der Bekanntschaft mit Flaubert und steht im Gegensatz zu den Briefen, die vor Freundlichkeit und Respekt nur so strotzen.
Dem „ochsenfröhlichen“ Normannen konnte es egal sein, was die Goncourts von ihm hielten. Während seine Bücher Erfolge waren, schrieben die Lästerbrüder sehr mittelmäßiges, heute vergessenes Zeug - eben jene "Fossilien aus der Unterpräfektur". Das hielt Flaubert allerdings nicht davon ab, in seinen Briefen die literarischen Bemühungen der Goncourts zu loben. Ob er sich bei diesen Heucheleien köstlich amüsiert hat?
LG
Tom