Autor Thema: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?  (Gelesen 9724 mal)

Offline BigBen

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 757
    • Zwischen den Seiten
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #45 am: 18. Mai 2007, 07:53 »
Ich gehöre zu den Durchhaltern. Da ich auch bewußt Bücher lese, von denen ich von Anfang an weiß, das sie schlecht sind, habe ich da eh etwas Übung.
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #46 am: 3. Januar 2009, 07:25 »
Ein Umstand fällt mir noch ein, der bewirkt, daß ich Buchabbrüchen eher skeptisch gegenüberstehe. Ich habe Angst, daß, wenn einmal die Dämme gebrochen sind, die Kontrolle flöten geht, d.h. daß man dann dort leichtfertig wird, wo es nicht geboten ist. Daß man zu rasch das Handtuch bzw. das Buch in die Ecke wirft.

Da möchte ich unterscheiden zwischen zeitgenössischer und klassischer Literatur. Es gab in der Vergangenheit schon auch Klassiker (Dantes Commedia, Stifters Wiktiko, dos Passos' U.S.A.-Trilogie und noch zwei oder drei), die ich beim ersten (oder auch zweiten oder dritten) Lesen abgebrochen und weggelegt habe. Da ich aber schon als Jungspund davon ausging, dass Klassiker dieses Etikett nicht umsonst kriegen, habe ich die Schuld nicht beim Buch, nicht beim Autor gesucht, sondern mir vorgenommen, den Text "später" zu lesen. In allen Fällen hat dies mittlerweile geklappt.

Bei zeitgenössischer Literatur hingegen bin ich gnadenlos. Und da können Reich-Ranicki, Heidenreich und alle andern Kritiker noch so loben ... Da wird abgebrochen und weggelegt. Und zwar für immer.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline josmar

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 138
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #47 am: 3. Januar 2009, 15:16 »
In 2008 blieben folgende Bücher liegen:

- Charles Dickens; Die Pickwickier
- Günter Grass; Ein weites Feld
- Siegfried Lenz; So zärtlich war Suleyken

Mich ärgert daran, daß ich nicht weiß, woran es gelegen hat: an den Büchern oder an mir? :grmpf:

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1675
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #48 am: 25. Januar 2009, 15:01 »
Zur Zeit kämpfe ich nach einer ca. zweiwöchigen Lesepause mit dem Wiedereinstieg in Musils "Mann ohne Eigenschaften". Die ersten 500 Seiten habe ich recht locker und zügig genommen; jetzt kommt der fiese Durchhänger. Aber ich bin gewillt am Ball zu bleiben, obwohl ich zu denjenigen gehöre, die eine Lektüre abbrechen, wenn es zu sehr in Quälerei ausartet.

Einen schönen Restsonntag wünscht

Tom

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1887
    • christian köllerer.net
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #49 am: 25. Januar 2009, 15:34 »
Zur Zeit kämpfe ich nach einer ca. zweiwöchigen Lesepause mit dem Wiedereinstieg in Musils "Mann ohne Eigenschaften". Die ersten 500 Seiten habe ich recht locker und zügig genommen; jetzt kommt der fiese Durchhänger. Aber ich bin gewillt am Ball zu bleiben, obwohl ich zu denjenigen gehöre, die eine Lektüre abbrechen, wenn es zu sehr in Quälerei ausartet.

Es spricht aber eigentlich nichts dagegen, zwischen den einzelnen Teilen längere Pausen zu machen.

CK


Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #50 am: 25. Januar 2009, 16:14 »
Ich stecke zur Zeit in Irvings Kolumbus-Biografie. Ein echt zähes Ding und nach etwas mehr als der Hälfte bin ich nicht sicher, ob ich sie zu Ende lesen will ... Ein bisschen zu viel Beweihräucherung meiner bescheidenen Meinung nach, die Irving da dem guten Kolumbus angedeihen lässt. Und die Schilderung der Verhältnisse auf Haïti oder Kuba, wie sie von Kolumbus angetroffen wurden, ist auch nicht so wirklich eindrücklich.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Imrahil

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 240
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #51 am: 19. März 2009, 17:24 »
Fundstück aus dem vierten Buch von Goethes "Dichtung und Wahrheit": "Es schien, als wenn ihm [dem Vater] das Vollbringen der einzige Zweck, das Beharren die einzige Tugend deuchte. Hatten wir in langen Winterabenden im Familienkreise ein Buch angefangen vorzulesen, so mußten wir es auch durchbringen, wenn wir gleich sämtlich dabei verzweifelten, und er mitunter selbst der erste war, der zu gähnen anfing."
"Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1887
    • christian köllerer.net
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #52 am: 19. März 2009, 18:36 »
Ich stecke zur Zeit in Irvings Kolumbus-Biografie. Ein echt zähes Ding und nach etwas mehr als der Hälfte bin ich nicht sicher, ob ich sie zu Ende lesen will ... Ein bisschen zu viel Beweihräucherung meiner bescheidenen Meinung nach, die Irving da dem guten Kolumbus angedeihen lässt. Und die Schilderung der Verhältnisse auf Haïti oder Kuba, wie sie von Kolumbus angetroffen wurden, ist auch nicht so wirklich eindrücklich.

Ich habe hier seinen Darwin-Roman liegen und überlege noch ...

CK


scardanelli

  • Gast
Re: Bücher zu Ende lesen oder lieber weglegen?
« Antwort #53 am: 20. März 2009, 05:40 »
Da ich mir schon früh klar gemacht habe, im Rest meines Lebens nicht mehr alles lesen zu können, was ich gerne noch möchte, lege ich Bücher - vor allem zeitgenössische - meist sehr rasch zur Seite, wenn sie mich nicht wirklich packen (und das weiß ich schon nach nur wenigen Sätzen).
Nur bei philosophischen Werken habe ich mir oft mehrere Anläufe gegönnt und meist auch nicht bereut.
Unter den weggelegten Sachen sind sicher auch Klassiker (Thomas Mann habe ich z.B. immer als furchtbaren Langweiler empfunden - Ausnahme "Der Zauberberg" - und Hermann Hesse als entsetzlich oberflächlich und seicht).