Autor Thema: Germanistik! Und dann?  (Gelesen 7642 mal)

Offline Lux

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Germanistik! Und dann?
« am: 5. September 2006, 20:45 »
Hallo,
Soweit ich weiß sind hier im Forum ja auch einige Germanistikstudenten.
Wie sieht es nach so einem Studium mit Berufsmöglichkeiten aus?
Im Moment fällt mir eigentlich nur der Lehrberuf, als sicheres Metier, ein.
Es wird aber doch bestimmt noch mehr Mäglichkeiten geben;
kann mich da mal jemand informieren?

Gruß
Astrid
Die Kultur der Menschheit besitzt nichts Ehrwürdigeres als das Buch, nichts Wunderbareres und nichts, das wichtiger wäre. (Gerhart Hauptmann)

Offline ThomasBernhard

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #1 am: 5. September 2006, 21:27 »
also "offiziell" "studiere" ich auch immer noch Germanistik...
Mein Tip: Wenn Du nicht auf Lehramt studieren willst, was ich sehr symphatisch fände, studier kurz rein, geniesse die Zeit, sei schockiert, was da für Idioten an der Uni lehren dürfen und kratz rechtzeitig die Kurve, um etwas vernünftiges zu lernen...

 :breitgrins: :rollen:

Offline xenophanes

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #2 am: 5. September 2006, 21:27 »
Hallo!

Im Moment fällt mir eigentlich nur der Lehrberuf, als sicheres Metier, ein.
Es wird aber doch bestimmt noch mehr Mäglichkeiten geben;
kann mich da mal jemand informieren?

Dürfen auch Germanisten antworten, die nicht mehr studieren?  :smile:

Wie bei allen geisteswissenschaftlichen Berufen gibt es eine Menge Möglichkeiten, aber jeweils nur eine Handvoll Stellen:

Schule, Universität, Bibliotheken, Kulturmanagement, (Kultur)journalismus, Erwachsenenbildung, Verlagswesen, (Online-)Redakteur, Wissenschaftsmanagement u.ä.

Manche (wie mich) verschlägt es sogar in klassische Wirtschaftsberufe als Brotberuf.

CK


Offline xenophanes

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #3 am: 5. September 2006, 21:29 »
Mein Tip: Wenn Du nicht auf Lehramt studieren willst, was ich sehr symphatisch fände, studier kurz rein, geniesse die Zeit, sei schockiert, was da für Idioten an der Uni lehren dürfen und kratz rechtzeitig die Kurve, um etwas vernünftiges zu lernen...

Mir erzählen Uni-Germanisten immer, welche Idioten immer öfters Germanistik studieren. Die Verachtung ist also offenbar inzwischen gegenseitig  :breitgrins:

CK


Offline ThomasBernhard

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #4 am: 6. September 2006, 11:50 »

Mir erzählen Uni-Germanisten immer, welche Idioten immer öfters Germanistik studieren. Die Verachtung ist also offenbar inzwischen gegenseitig  :breitgrins:


Das ist natürlich auch richtig... Von den Idioten unter den Student/innen wollte ich gar nicht erst anfangen zu klagen.
In Germanistik-Vorlesungen und Massenseminaren sind es übrigens überwiegend weibliche Studenten, die dadurch stören, daß sie ihr Mundwerk nicht halten können... Mußte mir letztes Semester doch in einer Vorlesung von vorne was über Linguistik erzählen lassen und von hinten erfuhr ich, was zwei Lehramttussies, die vollkommen desinteressiert ihre Zeit absaßen,  am Wochenende vorhaben. Als die eine mehr als drei Minuten brauchte um zu beschreiben wie und in welcher Reihenfolge und mit welchen Mittelchen und Staubsaugerchen sie ihr Auto putzen will, bin ich ausgerastet..

Aber Idioten (wenns wenigstens Fachidioten wären, die sind ja u.U. noch nett und unterhaltsam!), Sadisten, Schickanierer, Leute mit Verfolgungswahn und psychischen Defekten und erschreckenden Lücken in der Allgemeinbildung sind eben schlimmer, wenn sie lehren als wenn sie lernen.
« Letzte Änderung: 6. September 2006, 11:52 von ThomasBernhard »

Offline sandhofer

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #5 am: 6. September 2006, 15:21 »
Hi!

Aber Idioten [...] sind eben schlimmer, wenn sie lehren als wenn sie lernen.

Kommt wahrscheinlich darauf an, auf welcher Seite des Pultes man sich gerade befindet  :breitgrins:

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #6 am: 6. September 2006, 15:45 »
[Aber Idioten (wenns wenigstens Fachidioten wären, die sind ja u.U. noch nett und unterhaltsam!), Sadisten, Schickanierer, Leute mit Verfolgungswahn und psychischen Defekten und erschreckenden Lücken in der Allgemeinbildung sind eben schlimmer, wenn sie lehren als wenn sie lernen.

Mag sein, dass es solche gibt. Mit denen bin ich aber naturgemäß nicht befreundet  :zwinker:


CK


Offline alpha

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #7 am: 8. September 2006, 11:50 »
Bin zwar kein Germanistikstudent aber so halb zur "Belustigung", halb um xenophanes zuzustimmen:
Nach dem Germanistikstudium ist vieles möglich... - Eine Bekannte von mir ist als Sekretärin in der Pharmaindustrie tätig...

Es grüsst
alpha
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Thomas Mann

Offline Berch

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #8 am: 8. September 2006, 16:35 »
Hallo zusammen,

wenn ich das aus meiner schon längere Zeit zurückliegenden Einführungsveranstaltung richtig in Erinnerung habe, dann sind Germanisten quasi die Allzweckwaffen moderner Gesellschaften, weil sie hervorragend geschult sind im Umgang mit Texten, darüber hinaus Meister des analytischen Denkens und dabei noch extrem teamfähig sind. Somit sind sie also in nahezu allen Wirtschaftsbereichen universell einsetzbar und auch gesucht.
Man muss da vielleicht schon ein paar Abstriche machen, da diese Worte aus dem Mund des Fachbereichsleiters kamen und er wohl versuchte, die chronisch zukunfts-pessimistische Bande, die da vor ihm saß, etwas aufzurütteln, aber unterm Strich ist wohl was wahres dran.
An der Uni Münster finden in jedem Semester Veranstaltungen statt, um den Studierenden fachfremde Berufe für Germanisten aufzuzeigen (wobei ich mich da schon frage, was denn bei genanntem Kompetenzprofil überhaupt noch fachfremd sein kann  :zwinker:). Das Angebot reicht dann meist von Verwaltungsfunktionen über journalistische Tätigkeiten bis hin zu solchen Jobs, von denen es in Deutschland gleich hunderte offene Stellen gibt, wie z.B. Theaterintendant :zwinker: Da ich aber einer dieser Lehramtskandidaten bin und mein Berufsfeld damit zunächst in gewisser Weise schon vorgegeben ist, habe ich aber nie eine solche Veranstaltung besucht und kann daher auch nichts über die tatsächlichen Möglichkeiten dieser Betätigungsfelder sagen.

[...]und von hinten erfuhr ich, was zwei Lehramttussies, die vollkommen desinteressiert ihre Zeit absaßen,  am Wochenende vorhaben. Als die eine mehr als drei Minuten brauchte um zu beschreiben wie und in welcher Reihenfolge und mit welchen Mittelchen und Staubsaugerchen sie ihr Auto putzen will, bin ich ausgerastet...
Da es ja in jedem Fachbereich offensichtlich diese Unterteilung 'normale Studierende' > Lehramtstudenten gibt und ich dann doch die Ehre der anständigen Lehrämter wiederherstellen muss, kann ich Dir versichern, dass es sich dabei ganz sicher nicht um stinknormale Lehramttussies gehandelt haben kann, sondern dass es hundertprozentig Primimäuschen gewesen sein müssen... (denn merke: Sek II/I > Primarstufe) :breitgrins:

Offline xenophanes

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #9 am: 8. September 2006, 19:43 »
Hallo!

weil sie hervorragend geschult sind im Umgang mit Texten, darüber hinaus Meister des analytischen Denkens

Aber auch nur, wenn man sie nicht ständig mit postmodernem junk food füttert  :breitgrins:


CK


Offline alpha

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #10 am: 9. September 2006, 20:09 »
Und wenn sie auch wirklich lesen! - Hörte vor kurzem einen Germanistik-Professor klagen, moderne StudentINNen würden nicht mehr lesen wollen. - Vielleicht noch knapp die vorgeschriebene Lektüre, aber kein Quäntchen mehr und voraussetzen könne man nichts mehr... - Ob das früher anders war, kann ich nicht beurteilen, aber er behauptete es zumindest...


Grüsse
alpha
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Thomas Mann

Offline xenophanes

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #11 am: 9. September 2006, 23:39 »
Und wenn sie auch wirklich lesen! - Hörte vor kurzem einen Germanistik-Professor klagen, moderne StudentINNen würden nicht mehr lesen wollen. - Vielleicht noch knapp die vorgeschriebene Lektüre, aber kein Quäntchen mehr und voraussetzen könne man nichts mehr... - Ob das früher anders war, kann ich nicht beurteilen, aber er behauptete es zumindest...

Das höre ich auch ständig. Als ich letztes Semester als Literaturtheoretiker als Gast in ein Seminar eingeladen wurde, hielt sich das Verständnis der Studenten (um es höflich zu sagen) sehr in Grenzen.

CK


Offline Lux

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #12 am: 10. September 2006, 10:34 »
Ihr könnt einen ja wirklich für dieses Fach begeistern  :zwinker:
Aber ich habe ja sowieso noch ein paar Jährchen Zeit....
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Offline Berch

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #13 am: 10. September 2006, 13:45 »
Und wenn sie auch wirklich lesen! - Hörte vor kurzem einen Germanistik-Professor klagen, moderne StudentINNen würden nicht mehr lesen wollen. - Vielleicht noch knapp die vorgeschriebene Lektüre, aber kein Quäntchen mehr und voraussetzen könne man nichts mehr... - Ob das früher anders war, kann ich nicht beurteilen, aber er behauptete es zumindest...

Das kann ich mehr oder weniger bestätigen. Bei mir selbst hängt es immer auch damit zusammen, ob mich das Thema des Seminars oder einzelner Termine interessiert (dann lese ich gerne auch vorbereitende Sek.Lit. für die einzelnen Termine), oder ob es Seminare sind, die ich belegen muss, dann beschränkt sich die Lektüre auf die Pflichtlektüre.
Aber es ist keineswegs vorrauszusetzen, dass auch jeder Seminarteilnehmer auch nur die Pflichtlektüre kennt. Im Grunde ist das aber auch kein Wunder. In 'Seminaren' mit oftmals gut und gerne 60-80 Teilnehmern bleibt auch die allerletzte Fremdregulierung, die Angst jederzeit vom Dozenten zum Thema gefragt/ in die Diskussion eingebunden werden zu können, auf der Strecke.
Die Schulweisheit 'Deutsch ist ein Laberfach' bestimmt oft die Studienfachwahl, weil man Germanistik vermeintlich locker nebenher durchziehen kann und seitens der Uni und der Dozenten wird auch nichts unternommen, um dieses Bild gerade zu rücken...
Aber es liegt auch nicht nur an den Studenten. Überfüllte Seminare, viel zu kleine und mies ausgestattete Räume, eine stetige Kürzung des Etats, die zur Stellenstreichung und damit zur Beschneidung der Themenvielfalt führt und z.T. überforderte und/oder unmotivierte Dozenten, die leider viel zu oft die Lehre als notwendiges Übel ansehen, um Forschen zu dürfen, haben auch ihren Anteil an der Situation!

@Astrid: Ich bin froh über meine Studienfachwahl. Insgesamt ist es ein Studiengang, der wirklich viel Spaß machen kann und wenn man dann noch ein paar nette Kommilitonen kennenlernt, weiß welche Dozenten ihre Seminare gut aufbauen und interessante Themen anbieten und man auch bereit ist, sich einige Sachverhalte in Eigenregie anzueignen, dann bringt es auch tatsächlich was. Größtes Manko ist vermutlich, dass die Seminare oft heillos überlaufen sind, damit zu einer reinen Aneinanderreihung von Referaten verkommen und für Diskussionen somit kaum Platz bleibt...

Offline xenophanes

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Re: Germanistik! Und dann?
« Antwort #14 am: 10. September 2006, 14:20 »
@Astrid: Ich bin froh über meine Studienfachwahl.

Würde es auch sofort wieder studieren. Bin aber dankbar für die Philosophie als zweites Hauptfach. Dort habe ich methodisch / wissenschaftlich denken gelernt, nicht während des Germanistik-Studiums.

Ein paar Studenten finden sich immer, die Literatur wirklich gerne haben. Ich habe während des Studiums bis zu 150 Bücher im Jahr gelesen.

CK