Autor Thema: Schreiben im Gefängnis  (Gelesen 3651 mal)

Offline Bastyan

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Schreiben im Gefängnis
« am: 19. September 2006, 14:53 »
Guten Tag,

seit einigen Tagen beschäftigt sich mein Hirn mit einer speziellen Frage. Leider aber recht erfolglos. Vielleicht kann mir ja hier jemand helfen. Gibt es Klassiker der Weltliteratur die im Gefängnis entstanden sind? Bedankt.

Mit freundlichen Grüßen
Bastyan

Offline Zola

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #1 am: 19. September 2006, 15:12 »
Einer fällt mir ganz spontan ein:

Camilo Castelo Branco: "Das Verhängnis der Liebe". Den 1862 erschienenen Roman hat der Portugiese niedergeschrieben, als er  wegen Ehebruchs im Gefängnis saß. Der Roman ist zumindest in Portugal und Brasilien ein Klassiker (in Deutschland aber weniger bekannt).

Marquis de Sade hat "Die 120 Tage von Sodom" auch teilweise im Gefängnis geschrieben.




Offline sandhofer

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #2 am: 19. September 2006, 17:30 »
Hallo!

Ovids Tristien und die Epistulae ex Ponto sind zwar nicht im Gefängnis, aber in der Verbannung entstanden.

Daneben gab es natürlich viele Autoren, die - ob als "Kriminelle" oder als "Politische" - Gefängnisse bzw. Straflager von innen gesehen haben, ob sie allerdings in dieser Zeit auch geschrieben haben, schreiben konnten und durften? De Sade schrieb heimlich, und er verlor das Manuskript, als er in eine andere Zelle verlegt wurde - es ist reiner Zufall, dass es gefunden, identifiziert und veröffentlicht wurde, lange nach seinem Tod.

Halt, einer fällt mir noch ein: Cervantes' El ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

donna

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #3 am: 19. September 2006, 18:18 »
hallo,
mir fällt Paul Verlaine ein, er sass von 1873-1875 im Gefängnis, wo er einige seiner "Sagesse"-Gedichte verfasste...
hm..., sonst fallen mir spontan nur die hier schon erwähnten ein...
Gruss
donna

donna

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #4 am: 19. September 2006, 18:29 »
...nun ist mir noch Oscar Wilde eingefallen...und jetzt muss ich zu einem blöden Fortbildungskurs, würde lieber über gefangene Schriftsteller nachdenken... :zwinker:
gruss
donna

Offline sandhofer

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #5 am: 19. September 2006, 19:03 »
Hallo zusammen!

...nun ist mir noch Oscar Wilde eingefallen...

Wobei Wilde m.W. im Gefängnis kein Werk mehr geschrieben hat, auf jeden Fall keinen "Klassiker der Weltliteratur" mehr ...

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Knabe

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #6 am: 19. September 2006, 20:11 »

Offline alpha

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #7 am: 19. September 2006, 20:20 »
Solschenizyn schrieb auch im Straflager/Gefängnis. - Ob das nun jedoch Weltliteratur zu nennen ist, sei dahingestellt.


Grüsse
alpha
Genug. Will sagen: zuviel und zu wenig. Entschuldigen Sie das Zuviel und nehmen Sie vorlieb mit dem zu wenig!

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donna

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #8 am: 19. September 2006, 21:39 »

Wobei Wilde m.W. im Gefängnis kein Werk mehr geschrieben hat, auf jeden Fall keinen "Klassiker der Weltliteratur" mehr ...


tja, Sandhofer...wieder einmal hast du Recht... :rollen: er hat da irgendwelche Briefe geschrieben, die danach veröffentlicht wurden, oder? Lass mich etwas dazu lernen, bitte,bitte,  :breitgrins:der Kurs heute abend war reiner Horror, weiss nicht wer penibler war, der Lehrer oder die "Schüler" :entsetzt:

Gruss
donna

Offline sandhofer

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #9 am: 20. September 2006, 07:05 »
Hallo!

er hat da irgendwelche Briefe geschrieben, die danach veröffentlicht wurden, oder?

Ja. Mehr weiss ich auch nicht. Gelesen habe ich diese Briefe nie.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline JMaria

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #10 am: 20. September 2006, 09:57 »
Hallo zusammen,

bin mir nicht sicher, doch ich glaube auch Cervantes schrieb seinen Don Quijote teilweise im Gefängnis.

Gruß
Maria
Aktuell:

Offline xenophanes

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #11 am: 20. September 2006, 12:23 »
Hallo!

Klassiker der Gefängnisliteratur, die mir einfallen:

Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft
Gramsci: Gefängnishefte

CK


donna

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #12 am: 20. September 2006, 16:54 »

Gramsci: Gefängnishefte


hallo xenophanes,
ich sehe Gramsci eher als Theoretiker,Politiker und Philosoph... bin da überfordert bei der Frage, ob Gramsci, Marx, Engels usw klassische Schriftsteller sind :confused:
Was meinst du?
Liebe Grüsse
donna

Offline finsbury

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #13 am: 20. September 2006, 18:39 »
Hallo zusammen,

ein deutscher Expressionist:

Ernst Toller: Briefe aus dem Gefängnis
und
Lieder der Gefangenen

ein französicher, ziemlich heftiger Klassiker der Moderne (1947)

Jean Genet: Notre-Dame-des-Fleurs

HG
finsbury
« Letzte Änderung: 21. September 2006, 17:43 von finsbury »
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline xenophanes

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Re: Schreiben im Gefängnis
« Antwort #14 am: 21. September 2006, 13:09 »
Ich sehe Gramsci eher als Theoretiker,Politiker und Philosoph... bin da überfordert bei der Frage, ob Gramsci, Marx, Engels usw klassische Schriftsteller sind :confused:
Was meinst du?

Ich würde sagen: Klassiker ja, Literaten eher nein. Ich persönlich verwende "Klassiker" auch für Philosophen und Naturwissenschaftler. Natürlich nur, wenn sie hinreichend lange tot sind  :smile:

CK