Hallo zusammen,
hallo Steffi,
danke für das Eröffnen des Threads und für die bereits angelegte Linkliste in den 'Leserunden-Materialien'.
ergänzen möchte ich hier gleich mal den NZZ Artikel:
http://www.nzz.ch/2006/09/16/li/articleEH1K7.htmlden fand ich ganz interessant, im Hinblick auf das Märchen "Das Fliedermütterchen" von Christian Andersen, in Bezug auf die Episode im 1. Kapitel/Combray mit den >>petites Madeleines<<
Ich lese die Suhrkamp Taschenbuch Ausgabe "In Swanns Welt" , mit den ersten 3 Bänden, deutsch von Eva Rechel-Mertens.
Als ich gerade über das gelesene nachdachte, bemerkte ich, dass ich tatsächlich erst 35 Seiten gelesen habe, aber ich hatte das Gefühl, dass es viel mehr waren. Nicht wegen der Sprache, es liest sich bisher recht flüssig, sondern wegen der Dichte der Gedanken. Während man bei anderen Büchern nach so kurzer Zeit noch nicht mal ganz eingestiegen ist, habe ich das Gefühl, ich bin mit Combray schon sehr vertraut.
das Gefühl beschlich mich auch. Es gab so viele Eindrücke, dass mir ehrlichgesagt der Kopf etwas schwirrte. In Proust Werk sollten wir auch mal auf "Düfte" achten. Wolf erwähnte es im Hoerbuecher4um.
dem kleinen Marcel's einziger Rückzugsort ist das 'Klosett', wenn es auch nicht mit diesem Wort in den
Recherche auftaucht:
Zitat S. 21:
... Ich wollte nicht sehen; ich stieg schluchzend im Hause hoch unter das Dach hinauf, wo neben dem Schulzimmer ein kleiner Raum lag, der nach Iris roch und außerdem von einem wilden Johannisbeerstrauch durchduftet wurde... und einen Blütenzweig durch das halboffene Fenster schob...., lange Zeit als Zuflucht, zweifellos weil er der einzige war, in dem ich mich einschließen durfte; dort ging ich all den Dingen nach, die unverletzliche Einsamkeit erfordern: Lektüre, Träumerei, Tränen und geheime Lust. ... Zitat_Ende
Proust war 12 als sein Vater ihn beim Masturbieren erwischte. Es heißt in der Biographie von Ronald Hayman, dass das Fenster immer offen stand und ein Flieder ließ einen Zweig in den Raum wachsen. Übrigens hieß es damals, dass Masturbieren die Willenskraft schwächte. Wir können uns vorstellen, dass ein heranwachsender Junge damals zwiegespalten sein mußte: zwischen Angst und Lust. Proust wurde von seinen Eltern Willensschwäche vorgeworfen, doch überraschender Weise, hat der Vater in dieser Situation sich realistisch und einfühlsam gezeigt.
Wie üblich tue ich mir schwer mit der 'Leidenschaft' jeglicher Form in französischen Romanen. Auf mich wirkt sie meist zu aufgebauscht. Ich denke da auch an den jungen Mann in der "Kameliendame" oder in "Manon Lescaut". Vielleicht fällt dir, Steffi, ein besseres Wort ein, denn ich glaube, du weißt was ich meine.
Der junge Marcel ist sehr auf seine Mutter fixiert. Versucht mit allen Mitteln einen Gute-Nacht-Kuss von ihr zu bekommen.
Seine Beschreibung des Schlafes, immer nur kurz, fand ich sehr eindringlich (gleich auf der 1. Seite). Schon hier findet sich eine Art Nervosität und resultiert vermutlich darin, dass der Junge die Nacht als die
traurige Stunde der Dunkelheit empfindet. (Seite 61).
Die >>Madeleine<< Teeszene, und wie ihm die Erinnerung hervorquillt, fand ich toll.
Viele Grüsse
Maria