Hallo zusammen
Gestern besuchte ich eine Vorstellung von Verdis "Maskenball" am Mainfrankentheater in Würzburg. Und um es gleich vorweg zu nehmen, es war ein ziemlicher Reinfall.

Das Bühnenbild bestand aus zwei bühnenhohen, in der Mitte der Drehbühne sich kreuzenden, weißbespannten Gängen welche die Drehbühne in vier durch Türen verbundene Segmente teilten. Und von dieser Drehbühne wurde während des Spiels ausgiebigst Gebrauch gemacht, was zur Folge hatte, daß auch die Sänger ständig in Bewegung waren und dadurch eine große Unruhe erzeugt wurde.
Ein leidiges Thema sind für mich stets die mittlerweile üblichen deutschen Übertitelungen, welche oftmals geradezu sinnentstellend das Geschehen auf der Bühne zu erklären versuchen. So auch hier. Beispielsweise die Szene, als der oberste Richter die "Zauberin" Ulrica des Landes verweisen will, wird in der Übertitelung als Grund dafür angegeben "weil sie niederen Standes ist"; im Libretto dagegen heißt es sehr viel drastischer "weil sie aus dem schmutzigen Blut der Neger" stamme. Oder als des Königs Geliebte Amelia sich von Ulrica Rat holen will, singt sie laut Übertitelung lapidar "Ich habe Liebeskummer", was ja alles Mögliche bedeuten kann. Im Libretto steht dagegen sehr genau (sinngemäß aus dem Italienischen): "geheime Liebe quält mein Herz". Solche Schludrigkeiten finde ich immer sehr ärgerlich.
Nach dem Budenzauber mit dieser Magierin und damit am Ende des 1. Akts wäre ich jedenfalls schon reif für die Pause gewesen. Aber nichts da. Mit Karacho gings in den 2. Akt, welcher vollends zum bühnenbildnerischen Desaster geriet. Die Szene spielt um Mitternacht(!) in einsamer Gegend auf dem Galgenberg, wo die liebeskranke Amelia ein bestimmtes Kraut sammeln soll. Und wie sieht das Bühnenbild aus? Taghell erleuchtet und ein Doppelbett mit Kissen und Überwurf unter den baumelnden Gehängten.

Keine Ahnung, was das sollte
Zu Beginn des dritten Akts stand die Drehbühne dann endlich einmal still und sofort gewann das Spiel unglaublich an Intensität, und man bekam einen Eindruck davon, wie spannend dieser Opernabend hätte sein können. Leider wurde die Bühne aber dann doch wieder in Bewegung gesetzt.

Es war aber nicht alles schlecht

Die Sänger waren durch die Bank hervorragend, jedoch war das absolute Highlight das Philharmonische Orchester Würzburg. Jonathan Seers dirigierte stets sehr genau und aufmerksam.Die Abstimmung mit den Sängern war perfekt. Lediglich im dritten Akt dominierte manchmal das Blech etwas zu stark, was jedoch angesichts des dramatischen Geschehens auf der Bühne nicht allzusehr störte. Schade, daß dieser Dirigent Würzburg zum Ende der Saison schon wieder verlassen wird.
Somit ein eher enttäuschender, mitunter ärgerlicher Opernabend, aber wenn man die Augen zumachte ein Genuß

Viele Grüße
ikarus