Genau Dostoevskij, die Jahrestage gehören eigentlich zu jedem Kanon, egal welchen... Wer sie nicht gelesen hat, kann zumindest nicht über deutschsprachige Nachkriegsliteratur mitreden, besonders dabei über die Kriegs- und Nachkriegsmoral, über Verantwortung und Schuld der Deutschen, auch schon über die Opfer der Deutschen (Johnson nahm schon einiges der gegenwärtigen Diskussionen auf diesem Gebiet vorweg), über die Macht totalitären Denkens und totalitärer Systeme und ihre besondere Konstruktion (hier nicht nur des Dritten Reiches, sondern auch der Stalinismus in der frühen DDR)... Das wollte ich mir also vor meinem eigenen literarischen Gewissen schon nicht nachsagen lassen und begann zu lesen... Darüber hinaus bin ich noch ein begeisterter Leser deutschsprachiger Nachkriegsliteratur, besonders, wenn der Bogen von der Weimarer Republik, über das dritte Reich in bundesrepublikanische oder DDR-realsozialistische gespannt wurde. Alles bei Johnson, besonders in den Jahrestagen zu finden und dazu noch geschichtstreu und moralneutral (die Moralwertung liegt beim Leser) beschrieben, mit eiserner jounralistischer Akrebie und Genauigkeit zusammengetragen und meklenburgisch hinstilisiert, dass selbst der Vorwurf des Manirismus zu kurz schießt. Über die bestens beschriebenen deutsch-deutschen Verhältnisse hinaus bekommt man auch noch ein detailgetreues Zeitenbild der Stadt New York Ende der 60er und des Vietnamkrieges vermittelt, wie ich es noch nicht vorher las. Ich bekam eine gewaltige Menge an Geschichte und schriftstellerischen Könnens serviert (schon auf den ersten vierhundert Seiten, die ich bisher las und wohl wiederlesen werde), dass es mir beim ersten Lesen glatt die Sprache verschlug... Aber das brauche ich doch hier alles niet breitzuschwatzen, darum soll ja die Leserunde her - nur dies noch: UNBEDINGT LESEN!
UNBEDINGT LESEN soll auch über meinem schlechten Gewissen in Neonschrift leuchten, damit es ernst werde mit dem Vornehmen, die Jahrestage endlich wieder zu lesen/weiterzulesen...
Ob das reicht Mitleser(innen) einzuladen? Ich habe mich beim Schwärmen kurzgefasst, das könnt ihr mir glauben! Die Begrenzung fiel schwer!
Also 2007. Ich werde mich mal über die Bananenkisten-Bibliothek hermachen und suchen...
Grüße, FA