Autor Thema: Klaus Mann - der Furchtlose  (Gelesen 3813 mal)

Offline JMaria

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Klaus Mann - der Furchtlose
« am: 18. November 2006, 12:30 »
Hallo zusammen,

zum 100. Geburtstag gibt es einen Artikel im Spiegel

"Gute Romane werden von Leuten geschrieben, die keine Angst haben", bemerkte einst George Orwell. Klaus Mann war ein solcher Furchtloser. Wir sollten ihn wieder lesen!


Gruß
Maria
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Offline alpha

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #1 am: 18. November 2006, 18:24 »
Ich bin auch dafür, dass Klaus Mann gelesen wird! - Ich las erst vor kurzem Symphonie Pathétique, ein schöner Roman, wie ich fand. - Ob er ein Furchtloser war? - Das weiss ich nicht, da ich seine Biographie zu wenig kenne, jedenfalls nur sehr bruchstückhaft...


Grüsse
alpha
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Thomas Mann

Offline finsbury

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #2 am: 19. November 2006, 17:41 »
Hallo zusammen,

von Klaus Mann habe ich ziemlich viel und auch die Rowohlt-Monografie gelesen.
Ob er furchtlos war? Ich denke eher gequält und dennoch mutig. Aber geängstigt hat er sich bestimmt oft. Sonst hätte er wohl auch kaum seinem Leben ein Ende gesetzt.

Das "furchtlos" bezieht sich denn wohl auch eher auf seine Werke. So hat er zum Beispiel in seinem Alexanderroman unverhohlen über dessen (angenommene) Homosexualität geschrieben. Im "Mephisto" hat er wie allgemein bekannt, den damals gefeierten Gustay Gründgens wegen dessen Naziverbindungen angeprangert, genauso wie er auch Gottfried Benn öffentlich zur Rede stellte.

Als Sohn eines Übervaters und Literaturpapstes  und als Homosexueller hatte er es sehr schwer und auch die Zeitumstände waren ja kein Zuckerschlecken.

Seine Romane finde ich interessant und habe sie wegen der Thematik gerne gelesen, aber sein Stil sagt mir nicht übermäßg zu. Soweit ich mich erinnere, ist er mir zum Teil zu schwülstig, zum anderen Teil zu kryptisch und insgesamt zu düster. Aber das sind etwas verschwommene Erinnerungen an Leseeindrücke und sollen seinen Stil nicht verurteilen.

HG
finsbury

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline alpha

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #3 am: 19. November 2006, 19:28 »
aber sein Stil sagt mir nicht übermäßg zu. Soweit ich mich erinnere, ist er mir zum Teil zu schwülstig, zum anderen Teil zu kryptisch und insgesamt zu düster.
Dem kann ich nicht zustimmen, ausser dem "düster" vielleicht. Empfinde den Stil weder als schwülstig, noch als kryptisch, aber das mag Geschmacksache sein...

Nebenbei: Alexander ist ja nicht die einzige homosexuelle Figur in seinen Romanen, eine solche ist praktisch omnipräsent, wenn ich mich nicht täusche. - Hier wagte er wohl durchaus mehr, als sein Vater, der doch noch mehr der "alten Generation" zugehörig war und als "guter Bürger", diese Thematik eher nur durchschimmern liess, als sie offen ansprachen konnte...


Es grüsst
alpha
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Thomas Mann

Offline mombour

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #4 am: 5. Dezember 2006, 06:51 »
Hallo,

alpha schrieb:

Zitat
Nebenbei: Alexander ist ja nicht die einzige homosexuelle Figur in seinen Romanen, eine solche ist praktisch omnipräsent, wenn ich mich nicht täusche.

Ja sicher, taucht immer wieder auf.  In "Symphonie Pathétique" erzählt Klaus Mann von einem Künstler (Tschaikowskij), der aufgrund seiner Homosexualität zum Außenseiter wird. Tschaikowskij wird teilweise zum Alter Ego des Autors. Im "Wendepunkt" stellt Klaus Mann seine enge Geistesverwandtschaft zu dem russischen Komponisten fest:

"Seine neurotische Unrast, seine Komplexe und seine Extasen, seine Ängste und seine Aufschwünge, die fast unerträgliche Einsamkeit, in der er leben mußste, der Schmerz, der immer wieder in Melodie, in Schönheit verwandelt sein wollte, ich konnte es alles beschreiben; nichts davon war mir fremd."

In seinem ersten Roman "Der fromme Tanz" erzählt KM ganz offen über seine Homosexualität.

"Symphonie Pathétique" ist auch Klaus Manns Antwort auf schärfere Gesetze gegen die Homosexualität in der Sowjetunion.

Klaus Mann der Furchtlose? Mutig war er als die führende Stimme der Exilanten. Er verließ Deutschland früher als der Zögerer Thomas Mann.

Liebe Grüße
mombour
« Letzte Änderung: 5. Dezember 2006, 06:54 von mombour »

Offline alpha

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #5 am: 5. Dezember 2006, 11:55 »
Er verließ Deutschland früher als der Zögerer Thomas Mann.

Das meinst du jetzt eher im geistigen Sinne? - T. Mann war zur fraglichen Zeit bereits im Ausland und kehrte nicht mehr (physisch) zurück für eine lange Zeit, da er dahingehend von Klaus und Erika bearbeitet wurde.

Grüsse
alpha
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Thomas Mann

Offline mombour

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #6 am: 5. Dezember 2006, 19:41 »
Hallo Alpha,

Klaus Mann ging im März 1933 ins Exil, Thomas Mann kehrte in diesem Jahr nach einer Europareise zwar auch nicht mehr nach Deutschland zurück, äußerte sich aber erst 1936 öffentlich kritisch gegen die Nazionalsozialisten. Klaus Mann wurde 1934 ausgebürgert und Thomas Mann 1936. Thomas Mann lehnte es ab, in der Exilzeitschrift  "Die Sammlung", die Klaus im niederländischen Exilverlag Querido herausgab, Texte zu veröffentlichen (1933), weil er befürchten musste, dass dann "Joseph und seine Brüder" (der erste Band) nicht mehr in Deutschland erscheinen konnte. Innerlich war TM also noch längst nicht emigriert, Klaus Mann aber schon.

Liebe Grüße
mombour

Offline alpha

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #7 am: 5. Dezember 2006, 20:35 »
Innerlich war TM also noch längst nicht emigriert, Klaus Mann aber schon.

Ja, dann sind wir uns ja einig  :zwinker: Physisch emigriert aber innerlich/geistig/psychisch noch nicht wirklich...
Genug. Will sagen: zuviel und zu wenig. Entschuldigen Sie das Zuviel und nehmen Sie vorlieb mit dem zu wenig!

Thomas Mann

Offline JMaria

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #8 am: 11. Mai 2008, 21:20 »
Hallo zusammen,

Ich las "Alexander" von Klaus Mann; eine Romanbiographie über Alexander der Große. Ich kenne nicht soviel von Klaus Mann, doch dieser Roman ähnelt im Aufgreifen und Erzählen von Mythen den Joseph-Büchern seines Vaters Thomas Mann.  Inwieweit "Alexander" historisch korrekt ist, kann ich nicht sagen, jedoch ein feines Erzählwerk.



Viele Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 11. Mai 2008, 21:23 von JMaria »
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Offline Sir Thomas

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #9 am: 12. Mai 2008, 10:54 »
Ihr Lieben,

vor einiger Zeit habe ich "Mephisto" gelesen - mein bislang einziger Versuch, mich Klaus Mann zu nähern. Ich fand das Buch sehr gelungen, insbesondere die Entlarvung des NS-Kunst- und Kulturverständnisses ist beeidruckend, mal ganz abgesehen davon, dass die opportunistische Karriere der Hauptperson Hendrik Höfgen wohl typisch für ein deutsches Leben zwischen 1933 und 1945 ist.

An anderer Stelle wurde Klaus Mann vorgeworfen, er sei zu düster. Diese Meinung teile ich nicht. Im "Mephisto" hat er die bedrückende Atmosphäre der Nazizeit sehr eindringlich und glaubwürdig geschildert.   

Viele Pfingstgrüße

Sir Thomas
« Letzte Änderung: 12. Mai 2008, 10:57 von Sir Thomas »

Offline finsbury

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #10 am: 12. Mai 2008, 19:48 »
Hallo Sir Thomas,


An anderer Stelle wurde Klaus Mann vorgeworfen, er sei zu düster. Diese Meinung teile ich nicht. Im "Mephisto" hat er die bedrückende Atmosphäre der Nazizeit sehr eindringlich und glaubwürdig geschildert.   


Dann empfehle ich dir noch den "Vulkan, Roman unter Emigranten" von Klaus Mann, nicht ganz so gut wie Mephisto, aber absolut lesenswert und auch gerade wegen der Atmosphäre im Paris der Emigranten.

HG
finsbury
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Offline Sir Thomas

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #11 am: 13. Mai 2008, 08:39 »
Dann empfehle ich dir noch den "Vulkan, Roman unter Emigranten" von Klaus Mann, nicht ganz so gut wie Mephisto, aber absolut lesenswert und auch gerade wegen der Atmosphäre im Paris der Emigranten.

Ist notiert und liegt ab sofort auf meinem virtuellen SuB.

Danke für den Tipp!

Viele Grüße

Sir Thomas

Offline Kain

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #12 am: 5. Februar 2009, 21:19 »
Zwei Empfehlungen zu Klaus Mann:

1. Der Wendepunkt

K.M. gibt eine autobiographische Darstellung seines Lebens. Es geht vor allem auf seine eigene innere Entwicklung ein und auf die Brüche in seinem Leben. Besonders interessant fand ich den Teil seiner Kindheit, wie er den Vater erlebte und was ihn (auch literarisch) nachdrücklich prägte. In erster Linie ist es aber eine Kampfschrift gegen den Nationnalsozialismus und das Erwachen seiner eigenen politischen Natur. Sinnigerweise endet das Buch mit seinem Eintritt in die US Army

2. Das vergitterte Fenster

Eine Novelle, die letzte, die er schrieb. Thematik ist ein sehr starker Todestrieb (dargestellt am alternden Ludwig II., kurz nach seiner Entmündigung), um nicht zu sagen eine Todessehnsucht, die auch Klaus Mann sein ganzes Leben über hatte. Er wurde stark kritisiert, weil er die Novelle im Exil veröffentlichte und seine Exilkollegen ihm vorwarfen, es sei keine Zeit für resignatorische, sondern für kraftvolle Worte. Sehr dicht, sehr genau, sehr anrührend.

Bei Klaus Mann ist das faszinierendste, dass ihn erst seine Zeit zum politischen Menschen gemacht hat. Eher verträumt, düster, melancholisch wurde er zu einem führenden Mitglied der Exilautoren, und einer der kraftvollsten Organisatoren des literarischen Widerstandes. Er musste sich dabei mehr zwingen als andere, auch als sein Vater. Drogenmissbrauch und Todessehnsucht begleiteten ihn sein Leben lang.

« Letzte Änderung: 6. Februar 2009, 17:25 von Kain »

scardanelli

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Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #13 am: 6. Februar 2009, 15:48 »
...kann dem Votum, Klaus Mann zu lesen, auch nir beipflichten; habe - aber es ist einige Zeit her - auch
Mephisto
Der Vulkan
Symphonie Pathétique
Flucht in den Norden
Treffpunkt im Unendlichen
gelesen - und erinnere mich, dass er Goethes Zeilen von den "zwei Seelen in seiner Brust" paraphrasiert und sinngemäß meinte: ... Zwei? Zwanzig, dreißig!!!...

Offline Sir Thomas

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Antw:Re: Klaus Mann - der Furchtlose
« Antwort #14 am: 28. Februar 2011, 09:35 »
Ich las "Alexander" von Klaus Mann; eine Romanbiographie über Alexander der Große. Ich kenne nicht soviel von Klaus Mann, doch dieser Roman ähnelt im Aufgreifen und Erzählen von Mythen den Joseph-Büchern seines Vaters Thomas Mann.  Inwieweit "Alexander" historisch korrekt ist, kann ich nicht sagen, jedoch ein feines Erzählwerk.

Ich habe das Buch gestern begonnen und bin ziemlich begeistert. "Alexander" ist nach "Mephisto" erst meine zweite Klaus Mann-Lektüre. Der Autor steigt in meiner Achtung. Und richtig; Maria: Die ersten Seiten in "Alexander" erinnern sehr an die Joseph-Geschichte des Vaters.

Über historische Korrektheit kann ich mir kein Urteil erlauben. Ich lese das Buch allerdings nicht als Biografie, sondern als Auseinandersetzung mit dem übermachtigen Vater und dessen Werk.

Viele Grüße

Tom