Klaus Mann: Alexander – Roman der Utopie
Klaus Mann war offensichtlich ein Experte für letztlich Gescheiterte. Wie schon in “Mephisto” geht es in “Alexander” um den kometenhaften Aufstieg eines Mannes, der auf dem Höhepunkt seines Ruhms von tiefer Einsamkeit befallen und der schließlich von seinen Selbstzweifeln zerstört wird. Klaus Mann schildert das Leben des mazedonischen Eroberers von der Kindheit bis zum Tod und arbeitet dabei mit einer interessanten These: Alexanders Eroberungswut ist das Resultat einer Kränkung durch den Jugendfreund Kleitos, dessen demonstrative Gleichgültigkeit und Gelassenheit er durchbrechen will. Alexander sucht Anerkennung (was vermutlich für jeden Potentaten gilt). Er spürt, dass der kluge Kleitos ihm überlegen ist und ihn durchschaut, deshalb muss er ihn durch Erfolge immer weiter blenden. Wie gesagt: Interessante These, wie auch die der Homosexualität des Mazedonenkönigs.
Auch wenn “Alexander” nicht die Qualität des "Mephisto" erreicht, so ist es keineswegs ein schlechtes Buch. Auffällig ist die Atemlosigkeit, mit der Klaus Mann erzählt. Manches ist deshalb etwas schlampig dahingeschmiert, etwas mehr Genauigkeit und ein etwas längerer Atem hätten der einen oder anderen Stelle gutgetan.
Trotz einiger Schächen ist der Roman lesenswert und keine Zeitverschwendung.