Es wurde als "kleine Sensation" verkauft, dass zwei Poetik-Vorlesungen Frischs, die er mal in Englisch gehalten hat, in deutscher Sprache nun erschienen sind: Schwarzes Quadrat.
Der leider miserabel edierte Band - habe mindestens ein halbes Dutzend Druckfehler gefunden, der ärgerlichste in einem Begleittext, in dem aus dem Autoren ein "Max Fisch" (sic) wird - ist bei Suhrkamp erschienen und wirft die Frage
Wozu Literatur?
gleich zweifach auf, aus Sicht eines Schriftstellers und aus der des Lesers.
Aus Sicht des Autoren ist Schreiben "Notwehr gegen die Erfahrung der Ohnmacht", also "Therapie für das schreibende Subjekt", wobei einem die Grenze deutlich sein muss: "Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben..."
Frisch hält zudem fest, dass "Kunst nicht die Aufgabe hat, der Welt einen Sinn zu unterstellen, den sie, als Ganzes, seit dem sechsten Schöpfungstag nicht hat".
Die Funktion von Kunst (Literatur Musik usw) definiert er
- als Widerstand gegen den Tod alles Natürlichen
- als Bedürfnis nach Kommunikation
- als Bedürfnis nach Selbsterkenntnis
"Die Literatur liefert die Utopie, dass Menschsein anders sein könnte."
Das titelgebende "Schwarze Quadrat" von Malewitsch interpretierte ein Professor so, dass es das Volk, gewöhnt an sozialistischen Realismus gar nicht zur Kenntnis nähme. Die Direktorin des Museums, in dem es im Fundus hing, dagegen argumentierte, "das Volk würde (darin) sehen, dass es noch etwas anderes gibt als die Gesellschaft und den Staat".
Dieser subversiven Kraft der Kunst sind die Poetik-Vorlesungen Frischs gewidmet.