Autor Thema: Emile Zolas Romanzyklen  (Gelesen 8550 mal)

Offline Zola

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Emile Zolas Romanzyklen
« am: 5. Januar 2005, 09:12 »
Habe diesen Thread erst jetzt entdeckt...

Zitat von: elahub
allerdings habe ich mir vorgenommen, im Laufe der nächsten Jahre alle Bände dieser Reihe zu lesen, so ich nicht die Lust daran verliere.
Und da dies nun einmal beschlossene Sache ist, würde ich logischerweise mit dem ersten Band weitermachen.


Damit habe ich letztes Jahr auch angefangen, nachdem ich einige Bände der Reihe "durcheinander" gelesen hatte. Sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen lohnt sich schon, da man viele Zusammenhänge so besser versteht. Demnächst geht's mit Teil 6 "Son Excellence Eugène Rougon" weiter.

Viele Grüße

Offline elahub

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Emile Zola
« Antwort #1 am: 21. Januar 2007, 18:10 »
Hallo allerseits

Viel geredet, endlich zur Tat geschritten.... Vor ein paar Tagen habe ich mich an meinen alten Vorsatz erinnert und mit dem ersten Band der Reihe "Les Rougon-Macquardt" angefangen. Er heißt, wie schon oben beschrieben "La fortune des ..." (Das Glück) und ich kann nur sagen ich mag es. Stil, Inhalt, Sprache sowieso.

Mein erster Band ist in zwei kleine Bücher aufgeteilt, das erste Kapitel werde ich heute bestimmt beenden und noch ein wenig weiterlesen. Die Kapitel sind sehr lang, so lang, dass es bei meiner leider sehr begrenzten Lesezeit sicher nicht einfach sein wird, immer kapitelweise zu lesen. Schade, ist aber nicht zu ändern.

Bis jetzt wurde sehr ausführlich ein alter Friedhof beschrieben, heimlicher Treffpunkt für ein sehr junges Liebespaar anno 1851. Mit sehr jung meine ich 17 und 13 Jahre alt. Die beiden lieben sich und werden heiraten, jedenfalls sind sie bis jetzt davon überzeugt.
Auch das Aussehen der beiden wird sehr genau  beschrieben; auch wenn es in meinem Buch keine Zeichnungen gäbe, könnte ich sie vor mir sehen. Schockierend, dass trotz des wahrhaft jugendlichen Alters der beiden die Hände schon nach Arbeit aussehen ....

Andere Zeiten.

Gern werde ich Euch locker auf dem Laufenden halten. Würde mich auch über Kommentare freuen, falls das Buch mittlerweile auch anderen bekannt ist.

 :schmetterling:

Daniela
"Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving

Offline Zefira

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Emile Zola
« Antwort #2 am: 21. Januar 2007, 21:22 »
Ich habe eine ganze Anzahl Bücher aus dieser Rougon-Maquart-Reihe hier stehen, alle in verschiedenen Ausgaben. Vor Jahren war ich verrückt nach Zola und kaufte in Abständen immer wieder mal einen Band antiquarisch.

Inzwischen hat die Begeisterung sehr nachgelassen, aber zu Diskussionen über einzelne Werke bin ich immer bereit. "Das Glück ..." kenne ich zwar, das ist aber lange her. Gut erinnern kann ich mich an die eingehende Beschreibung der "pelisse", des Frauencapes, das vor Wind, Wetter, Sonne und indiskreten Blicken schützt. Sogar ein Liebespaar kann sich unter einer pelisse treffen.

Mich würde interessieren, ob es hier Zola-Kenner gibt, die auch etwas von seinen späteren Werken gelesen haben. Es gibt da noch einen Städte-Zylus (Lourdes, Rom, Paris) und einen vierbändigen Zyklus mit den Titeln Arbeit, Fruchtbarkeit ... hm ... sorry, kann mich an die anderen beiden just nicht erinnern, aber Arbeit und Fruchtbarkeit habe ich gelesen (letzteres ist FURCHTBAR und nur für eingefleischte Zola-Liebhaber überhaupt leserlich).

lG Zefira, die den alten Schwartenschreiber trotz allem liebt (in meiner Übersetzung von "L'Oeuvre" spricht der Schriftstellerfreund des Protagonisten, welch ersterer vermutlich als alter ego Zolas gedacht ist, immer wieder davon, dass er "Schwarten" schreiben will ...)

Offline Zola

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Emile Zola
« Antwort #3 am: 22. Januar 2007, 09:42 »
Hallo Daniela,

Dieses Wochenende habe ich mit  "Ein Blatt Liebe" (dem 8.Band) angefangen. Besonders gut gefällt mir an der Reihe, dass die Romane aufeinander aufbauen, ich denke wenn man alle Teile lesen möchte lohnt es sich auf jeden Fall nach der Entstehungsreihenfolge vorzugehen. Ich würde mich freuen, wenn du schreibst, wie Dir "Das Glück" weiterhin gefällt.

Viele Grüße
Zola

Offline Hubert

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Emile Zola
« Antwort #4 am: 23. Januar 2007, 20:46 »
Es gibt da noch einen Städte-Zylus (Lourdes, Rom, Paris) und einen vierbändigen Zyklus mit den Titeln Arbeit, Fruchtbarkeit ... hm ... sorry, kann mich an die anderen beiden just nicht erinnern,

Hallo Zefira,

es handelt sich hier um den ZYKLUS "Les Quatre Evangiles". Der dritte Roman, dieser Serie heißt "Vérité" (Wahrheit). In diesem Roman verarbeitet Zola seine Erfahrungen bei der Dreyfus-Affäre in einer eng an diese Affäre angelegten Fallstudie. "Vérité" unterscheidet sich also von den ersten zwei Romanen dieser Serie durch einen stärkeren Aktualitätsbezug. Da Zola unmittelbar nach Fertigstellung von "Vérité" an einer Kohlenmonoxydvergiftung starb wurde der geplante vierte Band dieser Serie m.W. nicht mehr geschrieben.

Viele Grüsse

Hubert

Offline Zefira

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Emile Zola
« Antwort #5 am: 23. Januar 2007, 21:33 »
Danke für die Info, Hubert! Inzwischen ist es mir auch wieder eingefallen, den Roman "Wahrheit" habe ich sogar mal gelesen oder zu lesen versucht. Es geht um eine klassische Rufmordaffäre. Das Problem war, ich hatte eine uralte Ausgabe antiquarisch gekauft, und es stellte sich heraus, dass irgendein Depp das ganze erste Kapitel herausgerissen hatte.  :grmpf:

Das hat das Lesen nicht wenig erschwert ... aber zu dieser Zeit war ich so wild auf Zola, dass ich es trotzdem ausgelesen habe. Vielleicht besorge ich mir irgendwann mal eine vollständige Ausgabe. Damals hatte ich noch kein Internet und kam nur schwer an alte Bücher ran.

lG Zefira

Offline elahub

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Emile Zola
« Antwort #6 am: 3. Februar 2007, 18:25 »
Hallo allerseits

Ich bin noch nicht weit fortgeschritten ...Die Kapitel sind sehr lang und es gibt auch kaum Absätze (in meinem Buch jedenfalls), das fördert leider nicht die Lesbarkeit. Naja ...

Im Vergleich zu "L'assommoir/Der Totschläger", das ich ja schon kenne, fällt mir hier auf, dass ganze Generationen und Familiengeschichten in einem Zug beschrieben werden, angerissen, umrissen. Es entsteht bei mir der Eindruck, dass auf irgendetwas hin gearbeitet wird. So als ob lediglich der Ursprung der wahren Akteure, die dann später auftreten, erläutert werden soll.

Ich mag die Sprache.

 :schmetterling:

Daniela
"Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving

Offline sandhofer

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #7 am: 3. Februar 2007, 19:19 »
Hallo zusammen!

Ich habe mir erlaubt, die allgemeine Diskussion um Emile Zolas Romanzyklen vom alten Leserundenvorschlag abzutrennen, sie ins allgemeine Diskussionsforum zu verschieben und umzubenennen. Nix für Ungut, aber ich glaube, so findet man sie besser!

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Zola

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Re: Emile Zola
« Antwort #8 am: 3. Februar 2007, 22:11 »
Hallo Daniela,

Im Vergleich zu "L'assommoir/Der Totschläger", das ich ja schon kenne, fällt mir hier auf, dass ganze Generationen und Familiengeschichten in einem Zug beschrieben werden, angerissen, umrissen. Es entsteht bei mir der Eindruck, dass auf irgendetwas hin gearbeitet wird. So als ob lediglich der Ursprung der wahren Akteure, die dann später auftreten, erläutert werden soll.

Ja genau, das ist mir auch aufgefallen. Im "Glück" wird der Aufbau der Familie erläutert. Das macht den Roman etwas zäh, aber eigentlich um so interessanter, wenn man die Entwicklung der Familie in den folgenden Romanen weiterverfolgen möchte. Dasselbe gilt für die Handlung. Der Staatsstreich, der zum Zweiten Kaiserreich führte begründete den Erfolg der Rougons (nicht der Macquart-Linie), im vorletzten Roman bricht das Kaiserreich durch den Sieg Preußens zusammen und damit endet der Zyklus.

Es gibt im Internet auch den Familienstammbaum (oder im Roman "Doctor Pascal", zumindest falls du den in der Winkler-, Bertelsmann oder Rütten&Loening-Ausgabe hast). Es gab mal eine gute Seite zu den Rougon-Macquart von einem Hamburger Künstler. Der ist leider gestorben und seine Seite wurde vom Netz genommen. Ich dachte eigentlich, dass ich mir die runtergesaugt hatte, aber ich finde es nicht mehr.

Viele Grüße,
Zola

Offline elahub

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #9 am: 5. Mai 2007, 08:30 »
Hallo allerseits

Neues von der Front, im wahrsten Sinne des Wortes ... ich habe die erste Hälfte von "La Fortune" hinter mir (Ihr seht, eine Leserunde mit mir lohnt sich nicht  :redface:). Den zweiten Teil werde ich allerdings mit mehr Energie angehen, denn sonst vergesse ich noch die Familienzusammenhänge.

Eindrücke, keine Zusammenfassung:

Ich habe Gervaise kennen gelernt, eine junge Frau, die mit 14 schon Mutter wurde und von der ich weiß, dass sie einige Bände später, in "L''assommoir", die Hauptrolle spielen wird.

Ich habe tiefe Ehrfurcht vor allen Charakteren, insbesondere vor denen, die wahrhaft hart gearbeitet haben. Wenn ich mir überlege, dass wir heute eine Waschmaschine vollstopfen, die Wäsche dann aufhängen oder in den Trockner stecken, bügeln, in den Schrank, fertig .... (und das macht auch sehr viel Arbeit!! wie ich aus leidvoller Erfahrung sagen kann) und dass im Gegensatz dazu zu anderen Zeiten junge Menschen "in Stellung" bei Herrschaften gegangen sind und Wäsche gekocht oder im Fluss gewaschen haben, mit Steinen oder was weiß ich, Bleichestelle ......

Auch das Handwerk - ich weiß, dass in L'assommoir kurz angerissen wird, wie die Schmiedekunst modernisiert wird mittels Maschinen. Bis dahin war alle Sägerei, Klopferei, Bauerei ... harte Handarbeit und das oft viele Stunden, die ganze Woche lang.

Ich denke, dass auch Emile Zola diese Ehrfurcht empfunden hat, sonst wären ihm die entsprechenden Beschreibungen nicht so eindringlich gelungen. Auch empfindet er Antoine Macquardt gegenüber offensichtlich Verachtung. Dieser Herr hat eine Frau geheiratet, die für drei oder vier arbeitet und davon lebt er. Und nicht nur davon, sondern auch von den schmalen Einkünften seiner Kinder. Diese nutzt er so sehr aus, dass sie quasi bei Nacht und Nebel das Haus verlassen.
Es ist nicht nur so, dass er sie ausnutzt, sondern er lebt ein unverschämtes Leben, mit Kaffeehausgängen, viel Alkohol, immer die besten Stücke beim Essen und lange Tiraden über die Reichen, die alle anderen um ihr wohl verdientes Geld bringen ....

Sehr sympathisch ist mir Adelaide, die Großmutter, eine Frau, die sehr geliebt hat. Und eine Frau, die ob ihres wechselhaften und flatterhaften Wesens nie geachtet wurde. Sie hat zwei Männer geliebt und ihre Kinder, egal ob ehelich oder nicht, alle gleich. Sofern sie in der Lage war, hat sie für alle gesorgt und wurde von ihrem ältesten Sohn, dem einzig "legitimen" hinter's Licht geführt. Er hat ihr nicht nur ihr Vermögen genommen sondern sie auch geschlagen.
Diese Brutalität, die so normal beschrieben wird, hat mich schon sehr geschockt. War es normal, seine Mutter zu schlagen?

Ich mag die langen Beschreibungen von Stimmungen, Landschaften, Begebenheiten .... (anderswo manchmal "Längen" genannt) - ich glaube sie machen es erst möglich, einzutauchen in die Geschichte.

Bis demnächst ... :)

Daniela
"Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving

Offline elahub

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #10 am: 22. Oktober 2007, 17:35 »
Hallo allerseits

Ich lese gerade "La Curée", das ist der zweite Band. Keine Rede mehr von Antoine, den Eltern oder gar den verschiedenen Kindern ... In diesem Band spielen wieder andere Leute eine große Rolle. Er hat so verwirrend angefangen, mit Maxime, Renée und M. Saccard - ich bin nicht mehr durchgestiegen. Zwar habe ich extra ein Buch zum Romanzyklus, in dem z. B. alle Personen kurz beschrieben werden, mit Zeitangabe, wann sie gelebt haben, aber Maxime und/oder Renée, ich weiß es nicht mehr, habe ich dort nicht gefunden.

Später habe ich gemerkt, dass dieses Problem nicht in meiner Vergesslichkeit begründet war, sondern einfach daran, dass die Zusammenhänge und Verwandtschaftsverhältnisse eben im Laufe des Buchs aufgeklärt werden. Verwirrung beabsichtigt ....

Ein großes Thema in diesem Buch ist das Ausspionieren, Ausnutzen von Vertraulichkeiten, Ausspielen wichtiger Persönlichkeiten, Wahren des Scheins und (vermute ich jedenfalls) die Ermordung der "armen Angèle" ...

Außerdem wird Paris gebaut, umgebaut, teils abgerissen, mit dem Zirkel neu angelegt ...

Außerdem erklärt uns M. Zola das Wesen der Persönlichkeiten, die ihm am Herzen liegen, für den Fall, dass wir nicht merken, wieso sich gewisse Charakterzüge entwickeln :)
Dies ist z. B. bei Maxime der Fall. Wir erfahren, dass bei ihm sich ganz besonders der Ehrgeiz der Rougon-Linie entwickelt, allerdings ohne dass irgendein Verantwortungsgefühl dahinter stecken würde, sogar ein Hang zur Sünde .... den genauen Wortlaut müsste ich nochmal nachschlagen.

Weiterhin gilt allgemein: Interessante Geschichte, interessante Verwicklungen, interessante Einblicke in menschliche Abgründe ...

Gruß

Daniela
"Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #11 am: 23. Oktober 2007, 08:24 »
Hallo elahub !

Danke für deine Beschreibung - ich bekomme richtig Lust, mal wieder etwas vom  Rougon-Macquart-Zyklus zu lesen und werde beim nächsten Büchereibesuch Ausschau halten. Der dritte Band "Der Bauch von Paris" gehört zu meinen Lieblingsbänden, allerdings habe ich nicht alle gelesen.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #12 am: 30. Mai 2008, 16:14 »
Hallo zusammen,

Zitat von: Steffi
Zitat von: Sandhofer
Weil Zola (Hauptmann ist ein anderes Kapitel; er ist ein literarisches Chamäleon, wusste das auch ...) sowohl in der Charakterisierung seiner Personen "durchhält", d.h., sie tatsächlich lebensecht gestalten kann, in seinem Plot konsequent und logisch verfährt und der Leser trotzdem immer in Spannung gehalten wird und last but not least auch eine durchaus valable Sprache verwendet. Das alles muss ich anerkennen, muss anerkennen, dass da ein grosser Künstler am Werk ist - aber gerne lesen tu ich den harten Naturalismus trotzdem nicht.


Und genau das ist es, was mich an Zola so fasziniert, weil ich immer denke, das kann doch nicht sein, dass er sein Thema so vielschichtig darstellt und einen  gewissen Grad der Objektivität bis zum Ende durchhält. Ich gebe zu, ein Stück Neugier, ob er es wirklich wieder schafft, ist bei mir durchaus beim Lesen dabei.

Hallo Steffi,

du hast mich animiert mehr Romane aus der "Les Rougon-Macquart" Serie zu lesen und habe kürzlich "Das Paradies der Damen" gelesen. Ich glaube, das ist in der Serie einer seiner gemäßigten Romanen, wenn es um den hier genannten harten Realismus geht. Die Geschichte hat mich fasziniert. Da denkt man es läuft alles darauf hinaus, dass endlich eine Frau all die Frauen rächt, denen sich der Protagonist bediente. Doch im Endeffekt war sie, zumindest wenn es um den Handel ging und um den Konsum und um Gewinn dreht sich in dem Roman ja alles,  immer auf seiner Seite.  :breitgrins:

Ich habe noch "Nana" im Regal stehen und möchte mir demnächst "Das Werk" kaufen.
Viele Grüße
Maria

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Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #13 am: 31. Mai 2008, 12:00 »
Hallo Maria,

es freut mich, dass dir das "Paradies der Damen" gefallen hat. Mit Gerechtigkeit hat es Zola nicht so, eher mit Realität oder eher bitterer Realität. Zumindest in den Büchern, die ich bisher kenne, versinken die Protagonisten, Helden gibt es ja eigentlich auch nicht, trotz Ungerechtigkeit und Rebellion wieder in ihren alten gesellschaftlichen Zustand. Auch so was, das mir an Zola gefällt, weil er damit die Erwartungshaltung des Lesers nicht befriedigt. Dadurch beschäftigt man sich aber auch unwillkürlich mehr mit diesem Thema.

Ich habe mir den "Totschläger" gekauft und hoffe, dass ich in nächster Zeit zum lesen komme, wahrscheinlich erst nach Proust.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #14 am: 1. Juni 2008, 21:07 »
Hallo Steffi,

Mit Gerechtigkeit hat es Zola nicht so, eher mit Realität oder eher bitterer Realität. 
 

Genau das fand ich so genial von Zola ins Spiel gebracht. Die anderen in dem Roman, Männer wie Frauen, ziehen Octave Mouret damit auf, dass er irgendwann eine Frau trifft, die sich für die Ausbeutung der Damen rächen wird. Mouret will ja nur das Geld der Kundinnen und verführt sie ganz bewußt mit werbetechnischem Geschick, Regeln die noch heute bestand haben. Die Figur der Denise führt evtl. für einen kurzen Moment in die Irre, ging jedenfalls mir so. Doch im Grunde ist auch Denise immun gegen die Verlockungen der Werbung wie Mouret und somit auf seiner Seite. Als sie endlich im "Paradies der Damen" aufsteigt, ihren Platz bekommen hat, was nicht an ihrem Kampf liegt, sonders darin dass Mouret ihr nochmals eine Chance gibt, kann auch sie ihre Eitelkeit, weil sie Ideen einbringt, die den Verkauf fördern, kaum unterdrücken. Dennoch bleibt sie ihrem Stolz treu und unveränderlich, wenn es um Hingabe und Laster geht.

Zitat von: Steffi
versinken die Protagonisten, Helden gibt es ja eigentlich auch nicht, trotz Ungerechtigkeit und Rebellion wieder in ihren alten gesellschaftlichen Zustand

Ich empfand den Roman "Das Paradies der Damen" wie bereits erwähnt realistisch, jedoch nicht erschreckend realistisch. Es gibt sogar ein romantisches Ende, wenn man in Zusammenhang mit Zola überhaupt von Romantik sprechen kann. Immerhin kommen die Beiden zusammen. Ich habe so den Verdacht, dass dieser Roman darin vermutlich eine Ausnahme ist.

Zitat von: Steffi
Ich habe mir den "Totschläger" gekauft

klingt schon eher nach schonungsloser Realität.

Viele Grüße
Maria


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